Die Vorwürfe auf Der Tieger von Äschnapur Unendlich


1979 - 1985

 
Der Tieger von Äschnapur
Der Tieger von Äschnapur
Der Tieger von Äschnapur
 
 
Alles begann damit, dass am Anfang die Maharani bei einem Sylvesterausflug auf dem Lande sagte: nur der bekommt meine Tochter, die bezaubernde Prinzessin, der den Tieger von Äschnapur bringt. Daraufhin wurden alle Frauen Verwandte und alle Männer Tiegerjäger. (A.S. 1977)
 
 
1979/1980 gibt es die ersten Vorwürfe auf den Tieger von Äschnapur Unendlich. Dies ist auch der Beginn der Theaterarbeiten mit Video: Münchner Volkstheater, 1980 (u.a. Ausstellung "Videoinstallationen Münchner Künstler", Künstlerwerkstätten Lothringer 13, 1981) und Zahltag der Angst, 1981 (der gleichnamige Videofilm aus Zahltag der Angst bei "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982", Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin, u.a., 1982), beides Vorwürfe auf den Tieger von Äschnapur Unendlich. "Für sein Münchner Volkstheater hat er (Alexeij) sich in sein Video-Gerät zurückgezogen. Und vom Bildschirm aus (...) gibt er seinen Volksschauspielern seine Regieanweisungen zur Zerstörung der folkloristischen Klischees." (DIE ZEIT, 30. Mai 1980).
 
 
Der Vorwurf: Der Standpunkt, von dem aus der Vorwurf geworfen wird, ist hier - also in dieser Welt, in Europa, in der BRD, in Bayern, in München, in der Isabellastraße 40, in den Mitarbeitern des proTs. Der Vorwurf wird sowohl nach draussen geworfen (angeblich hat einmal ein bekehrter Germanenkönig einen Speer vor sich hingeworfen und da, wo der Speer dann heruntergegangen ist, hat er eine Kirche gebaut), als auch nach drinnen, also in einen selbst hinein - wobei die Wirkungen der verschiedenen Wurfrichtungen ähnlich schwer auseinanderzuhalten sind wie die Explosion und eine Implosion - was wir selbst feststellen konnten als wir die Bildröhren von Fernsehapparaten eingeschmissen haben.
 
 
1979 - Der erste Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich

Geschlossene Öffentlichkeiten: 1. Universität


 
 
10. Dezember 1979, Hörsaal LMU, München. Einmalige Veranstaltung auf Einladung des Theaterwissenschaftlers Dr. Wilfried Passow an Alexeij Sagerer. Das Publikum sind Studenten der Theaterwissenschaften an der LMU. Die Studenten dürfen jedes Ereignis nach seiner Bedeutung hinterfragen: "Die Universität, das Land, wo Milch und Honig fliesst". Mit Alexeij Sagerer, Brigitte Niklas und Fips Fischer.
 
 

 
Voranzeige: Der Tieger von Äschnapur Unendlich wird in den fünf Kontinenten jeden Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag, 20:30 Uhr, gespielt. Möglicherweise mit den Ureinwohnern, die aber noch nichts davon wissen. Im Augenblick ist es noch nicht nötig, uns wegen Flugbilietten zu belästigen.
 

Honeying and Milking - The Beginning


10. Dezember 1979, Hörsaal LMU München (YouTube 3:28 Minuten)
 

 
Honeying and Milking - The Beginning ist ein Ausschnitt aus der Video-Dokumentation von "Geschlossene Öffentlichkeiten: 1. Universität", der erste Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich vom 10. Dezember 1979 in einem Hörsaal der LMU München mit Alexeij Sagerer, Brigitte Niklas und Fips Fischer. Alexeij Sagerer wurde dazu vom Münchner Theaterwissenschaftler Dr. Wilfried Passow eingeladen. (Kamera: Ulli Bauereis)
 
 

1980 - Münchner Volkstheater


Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 
 
UA: 17. Mai 1980, proT, Isabellastrasse 40, München. Handlung mit zwei Akteuren und mindestens einem Videomonitor. Erste Theaterarbeit mit Video. Nach der Uraufführung am 17. Mai 1980 wird das Stück bis zum 23. August 1980 über 50 mal im proT gespielt. Vom 23.-25. Oktober 1981 ist Münchner Volkstheater Teil der Ausstellung "Videoinstallationen Münchner Künstler" in der Lothringer Straße 13. Von 1983 bis 1985 findet Münchner Volkstheater jeweils am Karfreitag an wechselnden Orten statt. Mit Agathe Taffertshofer (Die Frau), Erhard Sonnengruber (Der Mann). Videoschauspieler: Jürgen von Hündeberg, Brigitte Niklas, Alexeij Sagerer, Sophia Pherachthis Mariä Sagerer, Erhard Sonnengruber, Agathe Taffertshofer. Videotechnik: Vips Fischer. Jede Zeit muss sich selbst erlösen und die Zeit macht noch nicht einmal vor dem Volkstheater halt. Alexeij Sagerers Ostermesse.
 
 

 
MÜNCHNER VOLKSTHEATER. Anscheinend besteht gerade bei konservativen Leuten die Ansicht, dass Traditionen jederzeit aussetzbar und einsetzbar sind. Diese Ansicht ist für lebendige Strukturen kaum verbreitet. Wir glauben, dass München unbedingt ein Volkstheater braucht und zwar ein fest gebautes und von oben eingesetztes, damit alle jederzeit sehen können, dass dies gar nichts für das Theater bringt, höchstens offiziell anerkannte Volksschauspieler. Es mag schon sein, dass die Politiker gerne ein Volkstheater einsetzen möchten, denn jede Sehnsucht stellt die Politik in Frage und die Politik versucht, jede Sehnsucht zu entmutigen. Aber jede Aussage braucht eine eigene Ästhetik und jede allgemeine Ästhetik enteignet die Aussage wie der Kindergarten das Kind und das eingesetzte Volkstheater das Volk. Die Politiker hätten gerne, dass sie jederzeit Unmittelbares Theater anhalten könnten, wenn es ihnen politisch gerade nicht passt und es wieder einsetzen könnten, wenn es ihnen wieder passt. Aber man kann keine Bewegung begreifen indem man sie anhält. Das Volk wird durch die Volksvertreter vertreten, inzwischen auch beim Theatermachen. Die Volksvertreter werden bald das Theater machen wollen, das das Volk machen sollte. Die Entmündigung ist vor allem eine ästhetische. So wie die Verantwortlichen für das Autobahnnetz uns offensichtlich ein lückenloses Netz herstellen wollen, so als wenn sie sich schämen würden für ein Netz verantwortlich zu sein (möglicherweise vor ihrer eigenen Mutter), das immer noch so grosse Löcher hat. (AS 1981)
 

 

Münchner Volkstheater Einspielband


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:60:00 Std. - Produktion proT - 1980
 

 
Die Film-Ereignisse Münchner Volkstheater Einspielband ist ein Video, das die Theaterproduktion Münchner Volkstheater steuert. Dies ist die erste Theaterarbeit mit Video im proT.
 

Geisterhafte Theatertheorie


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:33:07 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
Die Film-Ereignisse Beginn einer geisterhaften Theatertheorie. Alexeij Sagerer selbst erweckt seine Theatertheorie in zwölf Teilen zum Leben bis zum Tode. Zwölf Teile, zwölf Einstellungen. 1. Utopie: noch nicht Gestaltetes - 2. Produzent: Erste Öffentlichkeit - 3. Medium: entstehende innere Form - 4. Mit-Produzierende: Zweite Öffentlichkeit - 5. Material: bestehende äussere Form - 6. formale Situation: Politik - 7. Orientierung: Didaktik - 8. emotionale Situation: Psychologie - 9. Lösung (Öffnung): Therapie - 10. Publikum: Dritte Öffentlichkeit - 11. grösste vorstellbare Öffentlichkeit: alles bereits Gestaltete - 12. Ziel: Utopie des bereits Gestalteten. Die Kamera auf Stativ. Live-Ton. Kamera: Fips Fischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

Münchner Volkstheater - Film-Ereignisse


 
Thomas Thieringer
Mit der Sonne gegen die Welt
Sagerers "Münchner Volkstheater" im proT
in: Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1980
 
Ingrid Seidenfaden
Verflixter noch als Valentin
Alexeij Sagerer präsentierte im proT sein Spiel "Münchner Volkstheater"
in: Abendzeitung, Pfingsten 1980
 
Helmut Schödel
Blick voraus ins Nichts.
Schauspiel in München: Großes Theater an kleinen Theatern
in: DIE ZEIT, 30. Mai 1980
 
 
Eine Textfassung der Theaterproduktion "Münchner Volkstheater" ist präseniert in:
Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbühne
proT, München 1983, S. 51-72
 
 

1980 - Kunst aus dem Hühnerarsch


Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 
proT, München, 04. Oktober 1980. Dieses proTata ist in einem Hühnerstall entstanden, spielt in einem Hühnerstall und endet als Hühnerstall. Jedem Besucher ein lebendes Huhn als Eintrittskarte. Ein artiger Beitrag zur Politik (Quizz!) Der Gewinner dieses Quizzes hat freie Wahl! Bei mehreren Gewinnern gibt es freie Wahlen! Was für ein Glück für einen Wal - freie Wahlen!
 
 

 
 

1981 - Das weisse Band


Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 
Johannisplatz, München, 23. Mai 1981. Ein weisses Paar legt ein 600-Meter langes und 60 cm breites Band um den Johannisplatz. Mit Agathe Taffertshofer, Thomas Tielsch und den Bewohnern von Haidhausen. Live-Musik: Erster öffentlicher Auftritt von Hans-Jürgen Buchner (später Haindling) und Ulrike Böglmüller in München.
 
 
Das weisse Band
 
 

1981 - Zahltag der Angst


Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 
 
UA: 16. Oktober 1981, proT, Isabellastrasse 40, München. Zahltag der Angst ist komponiert aus Intensitäten. Kein Wort wird live gesprochen. Mit fünf Personen, fünf Videomonitoren, zwei Videorekordern und je einer Videokamera in zwei Räumen. Die Maharani (Cornelie Müller), Die Großmaharani (Brigitte Niklas), Die bezaubernde Prinzessin (Agathe Taffertshofer), Der konventionelle Tiegerjäger (Alexeij Sagerer), Technik (Telse Wilhelms).
 

 
 
Geschichte I Also das ist ein, eigentlich ein konventionelles Theaterstück, ja, das ist ein konventionelles Theaterstück, weil wenn der Tieger von Äschnapur, die grosse Intensität - also der totale Orgasmus ist - dann braucht das, also dann darf das beim konventionellen Theater zwar stattfinden aber lediglich darf es nicht wirklich stattfinden, also dieses Stück ist praktisch ein Theaterrennen, wo der Tieger von Äschnapur als Preis ausgesetzt ist, wodurch ihn ein jeder erringen kann und er gleichzeitig nicht wirklich da sein muss.
 
Geschichte II Also ein konventioneller Tiegerjäger, also praktisch kein wirklicher Tiegerjäger, überredet drei Frauen, die auf die Ankunft des Tiegers von Äschnapur warten, zum Theaterrennen um den Tieger von Äschnapur. Natürlich bekommen sie Rennfahrerinnennamen: Maharani, Großmaharani und bezaubernde Prinzessin und den Tieger von Äschnapur, zwar nicht wirklich, sondern als Preis, was noch besser ist, weil das Theater deswegen eine so menschliche Kunst ist, weil es nicht wirklich ist, und alles was wirklich Theater ist, einfach aus dem Theater ausgeschlossen wird.
 
Geschichte III Also dieses Stück ist ein Bild des Kapitalismus ja ja eine Tragödie, eine Arzttragödie, eine eifersüchtige Arzttragödie, praktisch ein Heimatstück, ein Urlaubsstück, ein Theatertodesrennen, ein Theaterkollaps - ein Horrorstück, ein obszönes, ein sinnvernichtendes Sexstück, bedeutungsvernichtend! - mutierendes Theater - eine subventionierte Theatermutation.
 

Zahltag der Angst - Intensitäten


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:31:16 Std. - Prod. proT - 1981
 

 
Film-Ereignisse Zahltag der Angst - Intensitäten entsteht während der Arbeit an der Theaterproduktion "Zahltag der Angst - Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich". Es ist eine Komposition aus 51 Mini-Dramen von jeweils 31 Sekunden. Zahltag der Angst konfrontiert die "Intensität" verschiedener szenischer Bewegungen, Materialien und Inhalte miteinander: Personen, Gegenstände, Farben, Licht, Musik, Geräusche, Sprache, Texte, Abläufe. Von Juni 1982 bis März 1983 ist Zahltag der Angst - Intensitäten Teil der Videoausstellung "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982" (Ausstellungsorte: Kölnischer Kunstverein, Badischer Kunstverein Karlsruhe, Kunsthalle Nürnberg, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin).
Drei Frauen: Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Agathe Taffertshofer. Eine Stimme: Telse Wilhelms. Interview: Alexeij Sagerer mit Herrn Lazarowicz, dem Leiter des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Videotechnik: Vips Vischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
Thomas Thieringer
Mit nackter Haut
"Zahltag der Angst" von Alexeij Sagerer im proT
in: Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 1981
 
Ingrid Seidenfaden
Das Medium singt für den Sänger
proT: Alexeij Sagerers "Zahltag der Angst"
in: Abendzeitung, 22. Oktober 1981
 
 
Eine Textfassung der Theaterproduktion "Zahltag der Angst" ist präseniert in:
Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbühne
proT, München 1983, S. 73 - 89
 
 

1984 - Exorzismus


Ur und Erz Commerciale. Dauernd beginnender Tieger von Äschnapur Unendlich
 
Dachauer Hallen (Möbelhalle), München, 31. Dezember 1984. Mit Lisa Elisabeth Buchmann, Gerlinde Eger, Franz Lenniger, Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Hias Schaschko, Alexeij Sagerer, Thomas Tielsch, Katharina Voss
 
 

 
Im Jahre 1984 vertrieben die Theater, die freie Theater hiessen, weil sie so genannt wurden - freiwillig aber nicht ohne kleine Berechnung - die letzten ihrer, sowieso nur sehr wenigen und kleinen schwarzen Theatergeister. Sie wurden freiwillig domestizierte Theater... Auch wenn darüber darüber gelächelt werden sollte, wir haben immerhin schon sechs Teufel ausgetrieben. (AS 1984)
 
Thomas Thieringer
Pur Bild, pur Wort, pur Musik
Ein Münchner Exorzismus-Spektakel von Alexeij Sagerers
in: Süddeutsche Zeitung, 03. Januar 1985
 
 

1985 - Wenn der Staat den Staat wagt muß das Theater den Tieger Unendlich wagen


Buch mit Klebebindung und Gewebeband, DinA4
 
 
(...) Bei der Subventionierung der Privattheaterszene darf es primär nur um die länsgt beschlossenen Qualitätskriterien gehen. Diese Kriterien dürfen bei der Verteilung nicht immer wieder ausgehöhlt werden. Alles andere fördert nur läppische Klein Stadt und Staatstheater. Die Qualität Groß Stadt und Staatstheater wird längst mit ungleich höheren Mitteln gefördert. Diese Art der Förderung ist lediglich ein weiterer Versuch, unmittelbares Theater zu verhindern, die Räume zu verengen. (...) Der Versuch, unmittelbares Theater zu verhindern wird nicht nur (bewußt und unbewußt) von Vertretern des Staatsapparates unternommen, sondern auch von einer Anzahl von Privattheatern, die an den Vorteilen dieses Apparates teilhaben wollen. (...)
Textprozessionstheater zur Subventionspolitik, proT, München, Produktion 1985
 
Der Tieger von Äschnapur

Der Tieger von Äschnapur 1, 2, 3 und Null


1977 / 1978 / 1979 / 1982 / 1984
 
Der Tieger von Äschnapur

Konzerte auf der Tiegerfarm und am VierVideoTurm und letzte Tiegerspuren


1985 - 1989
 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna