Das Kunst-, Film- und Theaterprojekt
Der Tieger
von Äschnapur
1977 - 1989

 

 
Die Vorwürfe auf
Der Tieger von Äschnapur Unendlich

1979 - 1985
 
Der Tieger von Äschnapur 123
Der Tieger von Äschnapur
Der Tieger von Äschnapur
 
 
Alles begann damit, dass am Anfang die Maharani bei einem Sylvesterausflug auf dem Lande sagte: nur der bekommt meine Tochter, die bezaubernde Prinzessin, der den Tieger von Äschnapur bringt. Daraufhin wurden alle Frauen Verwandte und alle Männer Tiegerjäger. (A.S. 1977)
 
 
1979/1980 gibt es die ersten Vorwürfe auf den Tieger von Äschnapur Unendlich. Dies ist auch der Beginn der Theaterarbeiten mit Video: Münchner Volkstheater, 1980 (u.a. Ausstellung "Videoinstallationen Münchner Künstler", Künstlerwerkstätten Lothringer 13, 1981) und Zahltag der Angst, 1981 (der gleichnamige Videofilm aus Zahltag der Angst bei "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982", Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin, u.a., 1982), beides Vorwürfe auf den Tieger von Äschnapur Unendlich. "Für sein Münchner Volkstheater hat er (Alexeij) sich in sein Video-Gerät zurückgezogen. Und vom Bildschirm aus (...) gibt er seinen Volksschauspielern seine Regieanweisungen zur Zerstörung der folkloristischen Klischees." (DIE ZEIT, 30. Mai 1980).
 
Durch die Auseinandersetzung mit dem "Tieger von Äschnapur Unendlich" und seinen "Vorwürfen" Münchner Volkstheater und Zahltag der Angst wird die Produktion Küssende Fernseher vorstellbar und am 24. Dezember 1983 in München, Dachauerstraße 128, Halle 22 realisiert. Die Fernsehapparate werden zu lebenden Skulpturen. "Der Tieger von Äschnapur" und seine "Vorwürfe" sind im Titel Küssende Fernseher nicht erwähnt. 1987 ist das proT mit Küssende Fernseher zur documenta 8 eingeladen. Küssende Fernseher wird für die documenta vor Ort in Kassel neu hergestellt und am 10. Juli aufgeführt.
 
 
Der Vorwurf: Der Standpunkt, von dem aus der Vorwurf geworfen wird, ist hier - also in dieser Welt, in Europa, in der BRD, in Bayern, in München, in der Isabellastraße 40, in den Mitarbeitern des proTs. Der Vorwurf wird sowohl nach draussen geworfen (angeblich hat einmal ein bekehrter Germanenkönig einen Speer vor sich hingeworfen und da, wo der Speer dann heruntergegangen ist, hat er eine Kirche gebaut), als auch nach drinnen, also in einen selbst hinein - wobei die Wirkungen der verschiedenen Wurfrichtungen ähnlich schwer auseinanderzuhalten sind wie die Explosion und eine Implosion - was wir selbst feststellen konnten als wir die Bildröhren von Fernsehapparaten eingeschmissen haben.
 
 

 

1980 - Münchner Volkstheater


Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 
UA: 17. Mai 1980, proT, Isabellastrasse 40, München.
 
Handlung mit zwei Akteuren und mindestens einem Videomonitor. Die Handlung wird durch die Film-Ereignisse Münchner Volkstheater Einspielband gesteuert. Handlungszeit Karfreitag null Uhr bis Ostersonntag. Erste Theaterarbeit von Alexeij Sagerer mit Video. Nach der Uraufführung am 17. Mai 1980 wird Münchner Volkstheater bis zum 23. August 1980 über 50 mal im proT gespielt.
 
Vom 23.-25. Oktober 1981 ist Münchner Volkstheater Teil der Ausstellung "Videoinstallationen Münchner Künstler" in der Lothringer Straße 13.
Vorbemerkung von Elmar Zorn im Katalog "Videoinstallationen Münchner Künstler":
 
Anläßlich des Symposiums "Europäische Videotheken", das vom 23.10. bis 25.10. im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Vor-Film" des Kulturreferates gemeinsam mit der Städt. Galerie im Lenbachhaus stattfand und der erste Schritt zu einer verstärkten Präsentatierung der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Video in München war, wurden als Begleitveranstaltung die wichtigsten Münchner Künstler, die mit Video umgehen, eingeladen, in den Künstlerwerkstätten Lothringer Straße Video-Installationen zu erstellen und Performances mit Video zu machen.
Daß als Ergebnis dieses Angebotes die vorhandenen Räume der Fabrik so exemplarisch in die raumgreifenden und raumwirksamen Dimensionen der Installationen eingepaßt wurden, ist der spontanen und äußerst flexiblen Bereitschaft der Künstler zu gemeinsamen Planungen zu verdanken. Mit relativ geringen Mitteln des Veranstalters entstanden intellektuell und artistisch anspruchsvolle Arbeiten, die der interessierten Münchner Öffentlichkeit und den anwesenden Gästen des Symposiums einen so hohen Maßstab von Qualität vorführten, daß sie Fortsetzungsveranstaltungen dieser Art legitimiert, ja herausgefordert haben.

 
Am 31. Mai 1985 ist Münchner Volkstheater Teil der Alexeij Sagerer Retrospektive beim 7. Internationalen Theaterfestival München.
 
Von 1983 bis 1985 findet Münchner Volkstheater jeweils am Karfreitag an wechselnden Orten in München statt: 01. April 1983: Loft, Kirchenstrasse 15; 20. April 1984: Theaterhalle Dachauerstrasse 128; 05. April 1985: Kulturzentrum Gasteig, Blackbox.
 
Die Frau: Agathe Taffertshofer. Der Mann: Erhard Sonnengruber. Videoschauspieler: Jürgen von Hündeberg, Brigitte Niklas, Alexeij Sagerer, Sophia Pherachthis Mariä Sagerer, Erhard Sonnengruber, Agathe Taffertshofer. Videotechnik: Vips Vischer.
 
 

 
THOMAS THIERINGER, Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1980
Mit der Sonne gegen die Welt
Sagerers "Münchner Volkstheater" im proT
 
Was Claus Peymann mit Thomas Bernhards "Ignorant und der Wahnsinnige" im berühmten Salzburg nicht genehmigt wurde, schafft Alexeij Sagerer in seinem proT-Keller ohne viel Aufhebens: ein Theaterspiel in völliger Finsternis zu beginnen. Alles ist vorstellbar. Aber weil es in der neuesten proT-Produktion (wieder einmal) um das Volkstheater geht, wird man in dieser unendlichen Dunkelheit sogleich auf die Unterhaltung gebracht: Erschreckendes Gelächter tönt durch das Gewölbe, hergeleitet von folkloristischen Ziehharmonikaklängen, und aus der schwarzen Nacht treten ins Schummerlicht, säuberlich in Klarsichtfolien gepackt, Agathe Taffershofer und Erhard Sonnengruber, das vielversprechende großes Liebespaar. Sie bieten alles, was man von einem unterhaltenden Volkstheaterabend erwartet, Liebe und Leidenschaft, Blut und Sterbensröcheln, Wilddieberei, Jodler und ein mit großen Gefühlen und banalen Worten vorgetragenes Duett. (...)
 
 

 

Münchner Volkstheater Einspielband


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:59:56 Std. - Produktion proT - 1980
 

 

Beginn einer geisterhaften Theatertheorie


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:27:39 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
 
HELMUT SCHÖDEL, DIE ZEIT, 30. Mai 19800
Blick voraus ins Nichts
Schauspiel in München: grosses Theater an kleinen Theatern
 
(...) Alexeij Sagerer erzählt in einer langen Video-Szene am Ende seines Projekts, was dieses Aussteigen im schlimmsten Fall auch bedeuten kann. Sagerer entwirft stehend, liegend, während eines katastrophalen Step-Tanzes, eine "geisterhafte Theater-Theorie". Über dem Abgrund schweben, heißt es darin, könne man eigentlich nur über dem Theater. Am Schluß kommt ihm die "Idee von einem ganz sanften Stück": Alexeij will sich die Pulsadern öffnen. (...)
 
 

 
 
Film-Ereignisse

Münchner Volkstheater


 
 

 

1981 - Zahltag der Angst


Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 
UA: 16. Oktober 1981, proT, Isabellastrasse 40, München.
 
Zahltag der Angst ist komponiert aus Intensitäten. Kein Wort wird live gesprochen. Die Handlung findet in zwei angrenzenden Räumen (Raum A und Raum B) statt, die durch zwei voneinander entfernt liegende Durchgänge miteinander verbunden sind. In der Wand zwischen den beiden Durchgängen muss eine Öffnung sein, gross genug, um die Kamera hindurchfilmen zu lassen. Handlung mit fünf Personen, fünf Videomonitoren, zwei Videorekordern und je einer Videokamera pro Raum.
 
Zahltag der Angst wird nach der Uraufführung am 16. Oktober 1981 im proT in der Isabellastrasse in diesen Räumen noch über 70 mal gespielt.
 
1983 wird Zahltag der Angst ausgehend von den Abläufen in der Isabellastraße für die proT-Halle neu hergestellt. Dabei wird Zahltag der Angst in die proT-Halle hineingebaut, das heisst, es entstehen völlig neue Räume. Der Zahltag der Angst in diesen Räumen hat Premiere am 15. Oktober 1983 und wird anschliessend 11 mal aufgeführt. Eine grundsätzliche und bleibende Veränderung gegenüber den Aufführungen in der Isabellastraße betrifft die Musikeinspielungen: an die Stelle der Schlußmusik "Anaklasis" und "Fluorescenses" von Krzystof Penderecki tritt "Symphony Nr. 3 (Gloria)" von Glenn Branca.
 
Vom 28. bis 30. Mai 1985 ist Zahltag der Angst mit drei Aufführungen Teil der Alexeij Sagerer Retrospektive beim 7. Internationalen Theaterfestival München. Diese Aufführungen gehen von den Abläufen für Zahltag der Angst von 1983 in der proT-Halle aus.
 
Die Besetzung der einzelnen Produktionen von Zahltag der Angst bleibt über all die Jahre gleich: Die Maharani (Cornelie Müller), Die Großmaharani (Brigitte Niklas), Die bezaubernde Prinzessin (Agathe Taffertshofer), Der konventionelle Tiegerjäger (Alexeij Sagerer), Technik (Telse Wilhelms).
 

 
 
THOMAS THIERINGER, Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 1981
Mit nackter Haut
"Zahltag der Angst" von Alexeij Sagerer im proT
 
(...) In "Zahltag der Angst" versetzt Sagerer die Zuschauer mit Urweltpaukenklängen und rasenden Lichtbändern mitten hinein in den "Krieg der Sterne": Rüstungsträger trippeln durch den Raum, holde Wesen schweben mit Leuchtröhren vorbei, die Farben jagen sich wie bei einer Lichtreise ans Ende der Dinge. Langsam entstehen dann "Bilder", kommen Figuren ins Spiel, indem Sagerer - zuerst als Schlagzeuger im Rollstuhl von zwei Krankenschwestern in den Raum gebracht - wieder kräftig und mit phantasievollem Ingrimm gegen die konventionellen Theaterphilosophien zu Felde zieht: indem er das professionelle Theater-Abc verweigert, eben nicht Schauspieler einen vorgegebenen Text vor Zuschauern spielen lässt und trotzdem und gerade nichts als Theater bietet - in wunderlich schönen Bildern. Etwa wenn Agathe Taffertshofer mit einem Kerzenleuchter zu Maria Callas' zersprungen gesungener Bellini-Arie wie im Traum tanzt. Oder in sehr komischen Szenen, wenn Sagerer selbst demonstriert, was Playback bedeutet. Kaugummikauend und mit seinen sehr langen Haaren im Kampf tritt er vors Mikrophon, bekleidet nur mit einer Trachtenlederhose und einem Cassettenrecorder; den hält er ans Mikrophon, lauscht kenntnisreich und mit Stolz den Klängen und gestaltet die Nummer mit erfühlten Placierungen des Recorders vor dem Mikrophon. Ein Auftritt, der diesem Theaterdenker und Volksschauspieler wie "auf den Leib geschrieben" ist. Was das aber wirklich bedeutet, das demonstriert er dann genüsslich an seiner Mannschaft auf nackter Haut.
Sagerer und sein proT haben sich weit abgesetzt von übrigen Münchner Theatern - auch vom FTM. Ganz auf sich allein gestellt, zieht man in diesem kleinen Kellertheater gegen den Rest der Welt und fürchtet sich nicht.
 
 

 
 
Handlung Raum A - Zuschauerraum
(Auszug aus Textfassung in "Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbühne")

Das Zuschauerlicht geht aus. Dann hört man über die Lautsprecher Musik für Schlagzeug ("First Construction in Metal" von John Cage) und die Leuchtröhre auf dem fahrbaren Unterteil eines Kinderwagens geht an. Kurz darauf erscheint auf den drei Monitoren das Bild eines Monitors, der näher kommt bis er bildfüllend im Bild ist, wo er dann aussieht, als wären viele Monitore hintereinander gestaffelt. Dieses Monitorbild verändert sich während der nun folgenden Handlungen im Raum fortwährend: es verzerrt sich, es zuckt, es steht, es verschwimmt, es wird rhythmisch unterbrochen, wird rot, blau, blaugrün, violett, blaurot, hellgrün, wird nur Farbe, wandert in den Farben, verblasst, zittert, stürzt.
 
Die Maharani kommt langsam durch die Goldfolie beim Durchgang Eins herein. Sie trägt schwarze Gummistiefel, einen grauen Plastikkittel, der hinten zugeknöpft ist, weisse, dreifingrige Plastikhandschuhe und einen silber-grauen, geschlossenen Ritterhelm aus Pappe. Ihre Arme sind angewinkelt und sie bewegt sich in kleinen, abgesetzten Schritten zur brennenden Leuchtröhre auf dem fahrbaren Kinderwagenunterteil. Dort bleibt sie stehen, beugt sich nach unten, fasst mit beiden Händen das Kinderwagenunterteil, schiebt es langsam zum Durchgang Zwei und hinaus.
 
 
ROLF MAY, TZ, 21. Oktober 1981
Collage aus Schein und Spiel
 
(...) Das Theater ist Theater ist Theater (oder doch nicht?). Sagerer, in seiner Produktion ernsthafter, weniger auf Lacher aus als bisher (oder war ich nur ernsthafter?) setzt sich diesmal ganz mit dem Theater auseinander. Mit seiner Wirklichkeit und seinem Abbildungs-Charakter, mit Rollenspiel, und Theatertheorie. Dabei spielt er Hase und Igel mit uns - wo immer wir auf eine Ebene von Schein und Spiel treten, steht Sagerer schon wieder hinter der nächsten Ecke und war längst da.
 
Man darf sich das nicht als nacherzählbares Stück vorstellen - eher schon, in der Art einer Performance, als eine Collage aus verschiedenen Elementen zu einem Thema: Spielszenen, nur scheinbar chaotisch von Sagerers vier Darstellerinnen gespielt (Cornelie Müller, Agathe Taffertshofer, Brigitte Niklas und Telse Wilhelms), Photos, Text und vor allem viel Videofilm, zum Teil vorproduziert und zum Teil während der Vorstellung aufgenommen.
 
Gerade durch die witzig-intelligenten Video-Einsätze, die Sagerer als Mittel des Theaters verwendet, reflektiert und kommentiert, hat sich das proT als mehr erwiesen als nur eine versponnene Nonsens-Bühne. Nämlich ein Stück Münchner Avantgarde.
 

Zahltag der Angst


TheaterDoku - VHS-Kamera Videoübertragungsraum - 00:03:43 Std. - proT 1981
 

 
Die Theaterdoku zeigt den live-Film der VHS-Kamera aus dem Videoübertragungsraum, der über die Monitore in Raum A (Zuschauerraum) zum Publikum übertragen wird. Die drei Frauen hängen die Polaroid-Photos, die sie unmittelbar vorher von jedem Zuschauer gemacht haben, in ein Gestell im Videoübertragungsraum. Premiere Zahltag der Angst im proT, 16. Oktober 1981. Die drei Frauen: Agathe Taffertshofer, Brigitte Niklas und Cornelie Müller. Kamera: Der Mann (Alexeij Sagerer) und die Technikerin (Telse Wilhelms).
 
 
Handlung Raum B - Videoübertragungsraum
(Auszug aus Textfassung in "Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbühne")

Während die letzte Szene des Videofilms "Zahltag der Angst" auf dem Zuspielmonitor läuft, steht die Technikerin auf und schaltet einen 500-Watt-Scheinwerfer in Raum B ein, der ein Gestell mit einer Treppe davor beleuchtet. Dann geht die Technikerin zum Durchgang Zwei. Durch Durchgang Eins kommen die bezaubernde Prinzessin, die Maharani und die Grossmaharani herein und gehen zu dem Gestell mit Treppe. Auf dem Weg dahin kreuzen sie die Kamera. Daraufhin schwenkt der Mann die Kamera mit den drei Frauen mit, bis sie vor dem Gestell mit Treppe sind. Dann stellt er die Kamera fest, blendet mit der Fernbedienung den Ton des Zuspielmonitors ab und reguliert die Lautstärke für Kamera und Raummikrophon. Inzwischen steht die Maharani auf der Treppe und die bezaubernde Prinzessin reicht ihr aus dem Krankenhausnachttisch den Kassettenrekorder und nimmt dafür die Polaroidkamera. Die Maharani schaltet den Kassettenrekorder ein und hängt ihn ins Gestell. Die bezaubernde Prinzessin legt die Polaroidkamera in den Krankenhausnachttisch. Aus dem Kassettenrekorder kommt das Lied "Du, du liegst mir am Herzen" in der Fassung von "Brechreiz". Mit Beginn der Musik verlässt die Technikerin mit dem Rücken zuerst knicksend und lächelnd den Raum durch Durchgang Zwei. Währenddessen steht die Maharani auf der Treppe und lässt sich durch die Grossmaharani von rechts die Polaroidphotos und durch die bezaubernde Prinzessin von links Wäscheklammern anreichen, mit denen sie die Polaroidphotos ins Gestell hängt. Nachdem alle Photos aufgehängt sind, gehen die drei Frauen nach links und ziehen sich um. Mit dem Ende des Liedes kommt die Technikerin knicksend und lächelnd durch Durchgang Eins zurück und der Mann schaltet den 150-Watt-Strahler in Raum B aus. Die Technikerin geht zur Kamera und der Mann zieht sich um.
 

Zahltag der Angst - Intensitäten


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:31:16 Std. - Prod. proT - 1981

 

 
Film-Ereignisse Zahltag der Angst - Intensitäten entsteht während der Arbeit an der Theaterproduktion "Zahltag der Angst - Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich". Es ist eine Komposition aus 51 Mini-Dramen von jeweils 31 Sekunden. Zahltag der Angst konfrontiert die "Intensität" verschiedener szenischer Bewegungen, Materialien und Inhalte miteinander: Personen, Gegenstände, Farben, Licht, Musik, Geräusche, Sprache, Texte, Abläufe. Von Juni 1982 bis März 1983 ist Zahltag der Angst - Intensitäten Teil der Videoausstellung "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982" (Ausstellungsorte: Kölnischer Kunstverein, Badischer Kunstverein Karlsruhe, Kunsthalle Nürnberg, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin).
Drei Frauen: Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Agathe Taffertshofer. Eine Stimme: Telse Wilhelms. Interview: Alexeij Sagerer mit Herrn Lazarowicz, dem Leiter des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Videotechnik: Vips Vischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 

1983 - Küssende Fernseher


 
24. Dezember 1983, München, Dachauerstr. 128, Halle 22, 22:00 Uhr. "Küssende Fernseher" wird zum ersten Mal realisiert.
Seit 1979 gibt es die Auseinandersetzung mit der Vorstellung eines "Tieger von Äschnapur Unendlich" und gleichzeitig eine Vorstellung von "Vorwürfen" auf diesen Tieger. Die ersten mehrmals gezeigten Produktionen, die daraus entstehen, sind Münchner Volkstheater (1980) und Zahltag der Angst (1981). Mit diesen Produktionen beginnt auch die Auseinandersetzung mit Video und dadurch gleichzeitig die Auseinandersetzung mit Fernsehapparaten. Küssende Fernseher begreift die Fernsehapparate als "lebende" Skulpturen. Küssende Fernseher ist nur in grossen Hallen möglich und wird für jeden Ort neu und einmalig hergestellt. Die Dauer der Aufführungen liegt zwischen 35 und 50 Minuten. 1987 ist das proT mit Küssende Fernseher zur documenta 8 nach Kassel eingeladen. Bis heute gibt es vier Aufführungen von Küssende Fernseher. Obwohl es den "Tieger von Äschnapur" nicht im Titel führt, entsteht es aus der phantastischen Vorstellung "Tieger Unendlich" und "Vorwürfe".
 

 
 
INGRID SEIDENFADEN, Abendzeitung, 27. Dezember 1983
Explosives Mattscheiben-Ballett
DachauerStraße: Sagerers "Küssende Fernseher"
 
Im dunklen Ziegelwand-Schuppen an der Dachauer Straße, einem von der Bundeswehr (zugunsten pflegeleichter Neubauten) verlassenen Stall, leuchtete fremd, kaltweis und wundersam das Licht von einem runden Dutzend Schwarzweiß-Fernsehern. Am Heiligen Abend präsentierten Alexeij Sagerer und sein proT-Ensemble ihr Medienspektakel "Küssende Fernseher".
 
Einzelne Lichter in der verlassenen Schuppenstadt an der Dachauer Straße: Der Zirkus "Atlas" (angenehme Erinnerung ans vergangene Theaterfestival) schlug hier mit Mensch und Tier sein Winterquartier auf. Aus Autos winden sich vermummte Menschen - reichlich hundert mögen es sein, viele bekannte Gesichter -, drängen sich in die Halle, wo die Fernseher fern und schwerelos von der Decke baumeln. Sie machen, bei vier laufenden Programmen, ihr eigenes Medienlicht. Sie schweben, plappern, rastern unartig, singen, predigen. Durcheinander, übereinander, nach allen vier Himmelsrichtungen, vermischt mit schriller, dann zarter werdender proT-Musik.
 
Das sind keine laufenden Programme mehr, an denen man sich festhalten, denen man (mit der Dabei-sein-Illusion) beiwohnen kann. Das Medium hat sich auf so irreale wie wahnsinnige Weise selbständig gemacht: Die da, an der Wand lang, hin- und hinaufstarren, wirken wie ein inneraustralischer Eingeborenenstamm, der ein fremdes, beängstigendes Wunder bestaunt. Indes die daheim einfach einschalten, Du sagen zu ihrer Mattscheibe.
 
Sagerer hat den TV-Alltag kunstvoll verfremdet, benutzt die Apparate als Akteure. Arm, weil sie nichts sind ohne Fütterung, wundersam, wenn man sie nicht versteht. Berühren (küssen - welch altmodisches Wort) können sie sich nur durch Menschenkraft. Und wenn sie sich richtig anfassen wollen - dann explodieren sie. Gewalt ist im Spiel, furchtbare Energien: küssen unmöglich. Dies die metaphorische Pointe. Nach dem Kunstknall war man erleichtert, bekannte Gesichter zu sehen, Menschen noch begrüßen zu können ...
 

 
 
Küssende Fernseher - die vier Aufführungen:
 
proT, Halle 22 (spätere Negerhalle), Dachauerstr. 128, München
Schwinger: Cornelie Müller, Franz Lenniger; Technik: Alexeij Sagerer
24. Dezember 1983, 22:00 Uhr
 
documenta 8, Reihe "Technik und Medien", Renthof, Kassel
S: Werner Eckl, Franz Lenniger, Werner Prökel; T: Alexeij Sagerer
10. Juli 1987, 18:00 Uhr
 
2. Münchner Combinale, Alamabahalle, Schleißheimerstrasse 418, München
S: Werner Eckl, Franz Lenniger, Werner Prökel, Ossi Oswald; T: Alexeij Sagerer
12. Dezember 1987, 20:30 Uhr
 
Die letzten 10 Tage - Festival der Sinne, Negerhalle, Dachauerstrasse 128, München
S: Marc Parisotto, Frieder Kahlert, Andreas Tröger, Franz Lenniger; T: Alexeij Sagerer
24. März 1989, 21:00 Uhr
 

Küssende Fernseher 10.07.1987 documenta 8


10. Juli 1987, documenta 8, Kassel (YouTube 3:30 Minuten)
 

 
Küssende Fernseher von Alexeij Sagerer bei "Documenta Live - Technik und Medien". Schwinger: Franz Lenniger und Werner Eckl, Technik: Alexeij Sagerer.
 
 
Küssende Fernseher
 
 
 
Einmalige Vorwürfe
 
 
 

1979


Geschlossene Öffentlichkeiten:
1. Universität


 
Der erste Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich

 
 
10. Dezember 1979, Hörsaal LMU, München. Einmalige Veranstaltung auf Einladung des Theaterwissenschaftlers Dr. Wilfried Passow an Alexeij Sagerer. Das Publikum sind Studenten der Theaterwissenschaften an der LMU. Die Studenten dürfen jedes Ereignis nach seiner Bedeutung hinterfragen: "Die Universität, das Land, wo Milch und Honig fliesst". Mit Alexeij Sagerer, Brigitte Niklas und Fips Fischer.
 
 

 
Voranzeige: Der Tieger von Äschnapur Unendlich wird in den fünf Kontinenten jeden Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag, 20:30 Uhr, gespielt. Möglicherweise mit den Ureinwohnern, die aber noch nichts davon wissen. Im Augenblick ist es noch nicht nötig, uns wegen Flugbilietten zu belästigen.
 

Honeying and Milking - The Beginning


10. Dezember 1979, Hörsaal LMU München (YouTube 3:28 Minuten)
 

 
Honeying and Milking - The Beginning ist ein Ausschnitt aus der Video-Dokumentation von "Geschlossene Öffentlichkeiten: 1. Universität", der erste Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich vom 10. Dezember 1979 in einem Hörsaal der LMU München mit Alexeij Sagerer, Brigitte Niklas und Fips Fischer. Alexeij Sagerer wurde dazu vom Münchner Theaterwissenschaftler Dr. Wilfried Passow eingeladen. (Kamera: Ulli Bauereis)
 
 

 
 

 
1980
Kunst aus dem Hühnerarsch


 
Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich

 
proT, München, 04. Oktober 1980. Kunst aus dem Hühnerarsch ist ein proTata. Ein proTata ist embryonales Theater - unausgegoren - etwas, das sich im Zerfliessen formuliert - zerbröselnd gestaltet. Dieses proTata ist in einem Hühnerstall entstanden, spielt in einem Hühnerstall und endet als Hühnerstall. Jedem Besucher ein lebendes Huhn als Eintrittskarte. Kunst aus dem Hühnerarsch ist auch ein artiger Beitrag zur Politik in Form eines Quizzes. Der Gewinner dieses Quizzes hat freie Wahl! Bei mehreren Gewinnern gibt es freie Wahlen! Was für ein Glück für einen Wal - freie Wahlen!
 
 

 

Räume I


Film-Comics - Super 8 - Farbe/Ton - 00:09:47 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
In dem Film-Comics Räume I wird nur ein Hühnerstall ohne Hühner gezeigt. Praktisch ein ehemaliger Hühnerstall. Der Film entsteht spontan während der Arbeit für den einmaligen Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich Kunst aus dem Hühnerarsch, mit dem er auch das erste Mal öffentlich gezeigt wird. Es werden keine Filmtitel gedreht. Der Ton wird später auf das Bild gelegt. Räume I gehört zu den letzten Film-Comics, die mit Super 8 produziert werden. Sie stehen im Übergang von den Film-Comics zu den Film-Ereignissen, die bereits seit 1980 auf Video produziert werden. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 

Räume II


Film-Comics - Super 8 - Farbe/Ton - 00:09:38 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
Der Film-Comics Räume II gehört zu den letzten Film-Comics, die mit Super 8 produziert werden. Sie stehen im Übergang von den Film-Comics zu den Film-Ereignissen, die bereits seit 1980 auf Video produziert werden. Der Film entsteht im Theaterraum des proT nach einer Vorstellung der Produktion Der Tieger von Äschnapur Drei oder Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer und der ersten Kündigung der Theaterräume des proT in der Isabellastrasse 40. Räume II wird zum ersten Mal beim einmaligen Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich Kunst aus dem Hühnerarsch gezeigt. Es werden keine Filmtitel gedreht. Sprecher und Kamera: Alexeij Sagerer. Kontrabass: Jürgen von Hündeberg. Agathe Taffertshofer folgt mit dem Licht der Kamera. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 

Subversives Repräsentationstheater


Film-Comics - VHS - Farbe/Ton - 00:08:04 Std. - Produktion proT - Juni 1984
 
Tragödie
 
Der Film-Comics Subversives Repräsentationstheater ist ein Videofilm, aufgenommen in der proT-Halle während des Aufbaus für die Tieger Nacht mit einer VHS-Billigkamera in einer Einstellung im Juni 1984. Eine EifersuchtsTragödie zwischen Grossmaharani, Maharani und bezaubernder Prinzessin, die am 04. Oktober 1980 mit der Theaterproduktion Kunst aus dem Hühnerarsch - Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich im proT live aufgeführt wird. Mit Brigitte Niklas, Cornelie Müller, Agathe Taffertshofer. Sprecher/Text/Kamera: Alexeij Sagerer.
 
 

 
1981
Das weisse Band


 
Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich

 
Johannisplatz, München, 23. Mai 1981, 11 Uhr. Ein weisses Paar legt ein 600 Meter langes und 60 cm breites Band um den Johannisplatz. Mit Agathe Taffertshofer, Thomas Tielsch und den Bewohnern von Haidhausen. Live-Musik: Erster öffentlicher Auftritt von Hans-Jürgen Buchner (später Haindling) und Ulrike Böglmüller in München.
 
 
Das weisse Band
 
Das weisse Band
Zum Schutz des Johannisplatzes (vor allem) gegen Tiefgaragen, Bäumefällen, Pflasterungen, Hauptverkehrswege.
 
Die Aktion. Am Samstag, den 23. Mai um 11 Uhr wird ein weiss gewandetes Paar ein mindestens 60 cm breites und 600 m langes (noch nie gebrauchtes) Band wie einen Brautschleier (länger als königliche Brautschleier: zum Beispiel bei Sylvia und Gustav oder Charles und Diana) um den Johannisplatz legen bis der Anfang des Bandes mit seinem Ende verbunden wird (Kirchenglocken?), praktisch also der Kreis sich schliesst. Worauf in diesem Augenblick alle Beteiligten als Preis das weisse Band des Johannisplatzes sofort gekriegt haben (Band-Bund). Wegen der Bäume, um die das Band gelegt wird, wird der Kreis etwa so rund sein, wie ein Boxring.
 
Die Mithilfe der Teilnehmer am Johannisplatzfest wird unbedingt nötig sein, da das Band lang ist und möglicherweise Spannungen auftreten. Das bedeutet, dass wenn auf jedem Meter einer steht, schon auf alle Fälle 600 Leute da sein sollten. Wenn sich aber auf jedem Meter zwei gegenüberstehen, werden gar 1200 Leute gebraucht, sodass man sich, wenn zum Beispiel 3600 Leute zu dem Johannisplatzfest kommen, rechtzeitig einen guten Meter sichern muss, um mit dem Band verbunden zu bleiben.
 
Kommen Sie alle, alle tausend Mann & viele viele Frauen. (A.S., 1981)
 

Das weisse Band


TheaterDoku - U-Matic Highband - SW/Ton - 00:29:30 Std. - Produktion proT - 1981
 

 
Das weisse Band ist die unbearbeitete TheaterDoku der Produktion Das weisse Band, Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich von Alexeij Sagerer am 23. Mai 1981, Johannisplatz, München. Die Dokumentation ist in schwarz-weiss mit einer freien Handkamera gedreht. Live-Ton: Hans-Jürgen Buchner und Ulrike Böglmüller. Mit Agathe Taffertshofer und Thomas Tielsch. Kamera: Fips Fischer.
 
cw, AZ, Mai 1981
Johannisplatz "eingewickelt"

Das weisse Band, 23. Mai 1981
proT am Johannisplatz, München
 
 
Das weisse Band
 
 

 
1984
Exorzismus


 
Ur und Erz Commerciale. Dauernd beginnender Tieger von Äschnapur Unendlich
 
Dachauer Hallen (Möbelhalle), München, 31. Dezember 1984.
Mit Lisa Elisabeth Buchmann, Gerlinde Eger, Franz Lenniger, Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Hias Schaschko, Alexeij Sagerer, Thomas Tielsch, Katharina Voss
 
 

 
Im Jahre 1984 vertrieben die Theater, die freie Theater hiessen, weil sie so genannt wurden - freiwillig aber nicht ohne kleine Berechnung - die letzten ihrer, sowieso nur sehr wenigen und kleinen schwarzen Theatergeister. Sie wurden freiwillig domestizierte Theater... Auch wenn darüber darüber gelächelt werden sollte, wir haben immerhin schon sechs Teufel ausgetrieben. (AS 1984)
 
Thomas Thieringer
Pur Bild, pur Wort, pur Musik
Ein Münchner Exorzismus-Spektakel von Alexeij Sagerers
in: Süddeutsche Zeitung, 03. Januar 1985
 
 

 
 

 
1980
proT-Tip Werbefilm



 
 

proT-Tip Werbefilm


Film-Comics - 35 mm - Farbe/Ton - 00:01:32 Std. - Produktion proT - 1980
 

 
Der Film-Comics proT-Tip Werbefilm wird 1980 und die folgenden Jahre in Münchner Kinos (z.B. den Leopoldkinos und dem Isabellakino) als Werbefilm gezeigt. Der "Der Tieger von Äschnapur" befindet sich 1980 mitten in den Vorwürfen auf Unendlich; also vor allem bei den Produktionen "Münchner Volkstheater" und "Zahltag der Angst". proT-Tip Werbefilm ist in einer Einstellung gedreht; in gewisser Weise wie ein Film-Ereignis. Eine Zoomfahrt verengt am Ende die Bildkomposition auf die Lederhose. Akkordeon: Cornelie Müller. Sprecher und Gesang: Alexeij Sagerer. Kamera: Sepp Heyne. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
Werbefilm proT-Tip
 
Der Tieger von Äschnapur

Der Tieger von Äschnapur 1, 2, 3 und Null


1977 / 1978 / 1979 / 1982 / 1984
 
Der Tieger von Äschnapur

Konzerte auf der Tiegerfarm und am VierVideoTurm und letzte Tiegerspuren


1985 - 1989
 
 
 

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Werkverzeichnis I


Alexeij Sagerer, proT - Produktionen
 

Werkverzeichnis II


Alexeij Sagerer, proT - Festivals, Ausstellungen, Screenings, Beteiligungen, Auszeichnungen, öffentliche Ankäufe (Auswahl)
 
 

FILMPRODUKTIONEN


ab 1969
 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna