Das Kunst-, Film- und Theaterprojekt
Münchner Volkstheater
Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich
 

 
 
UA: 17. Mai 1980, proT, Isabellastrasse 40, München.
 
Handlung mit zwei Akteuren und mindestens einem Videomonitor. Die Hanldung wird durch die Film-Ereignisse Münchner Volkstheater Einspielband gesteuert. Handlungszeit Karfreitag null Uhr bis Ostersonntag. Erste Theaterarbeit von Alexeij Sagerer mit Video. Nach der Uraufführung am 17. Mai 1980 wird Münchner Volkstheater bis zum 23. August 1980 über 50 mal im proT gespielt.
 
Vom 23.-25. Oktober 1981 ist Münchner Volkstheater Teil der Ausstellung "Videoinstallationen Münchner Künstler" in der Lothringer Straße 13.
Vorbemerkung von Elmar Zorn im Katalog "Videoinstallationen Münchner Künstler":
 
Anläßlich des Symposiums "Europäische Videotheken", das vom 23.10. bis 25.10. im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Vor-Film" des Kulturreferates gemeinsam mit der Städt. Galerie im Lenbachhaus stattfand und der erste Schritt zu einer verstärkten Präsentatierung der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Video in München war, wurden als Begleitveranstaltung die wichtigsten Münchner Künstler, die mit Video umgehen, eingeladen, in den Künstlerwerkstätten Lothringer Straße Video-Installationen zu erstellen und Performances mit Video zu machen.
Daß als Ergebnis dieses Angebotes die vorhandenen Räume der Fabrik so exemplarisch in die raumgreifenden und raumwirksamen Dimensionen der Installationen eingepaßt wurden, ist der spontanen und äußerst flexiblen Bereitschaft der Künstler zu gemeinsamen Planungen zu verdanken. Mit relativ geringen Mitteln des Veranstalters entstanden intellektuell und artistisch anspruchsvolle Arbeiten, die der interessierten Münchner Öffentlichkeit und den anwesenden Gästen des Symposiums einen so hohen Maßstab von Qualität vorführten, daß sie Fortsetzungsveranstaltungen dieser Art legitimiert, ja herausgefordert haben.

 
Am 31. Mai 1985 ist Münchner Volkstheater Teil der Alexeij Sagerer Retrospektive beim 7. Internationalen Theaterfestival München.
 
Von 1983 bis 1985 findet Münchner Volkstheater jeweils am Karfreitag an wechselnden Orten in München statt: 01. April 1983: Loft, Kirchenstrasse 15; 20. April 1984: Theaterhalle Dachauerstrasse 128; 05. April 1985: Kulturzentrum Gasteig, Blackbox.
 
Die Frau: Agathe Taffertshofer. Der Mann: Erhard Sonnengruber. Videoschauspieler: Jürgen von Hündeberg, Brigitte Niklas, Alexeij Sagerer, Sophia Pherachthis Mariä Sagerer, Erhard Sonnengruber, Agathe Taffertshofer. Videotechnik: Vips Vischer.
 
 

 
THOMAS THIERINGER, Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1980
Mit der Sonne gegen die Welt
Sagerers "Münchner Volkstheater" im proT
 
Was Claus Peymann mit Thomas Bernhards "Ignorant und der Wahnsinnige" im berühmten Salzburg nicht genehmigt wurde, schafft Alexeij Sagerer in seinem proT-Keller ohne viel Aufhebens: ein Theaterspiel in völliger Finsternis zu beginnen. Alles ist vorstellbar. Aber weil es in der neuesten proT-Produktion (wieder einmal) um das Volkstheater geht, wird man in dieser unendlichen Dunkelheit sogleich auf die Unterhaltung gebracht: Erschreckendes Gelächter tönt durch das Gewölbe, hergeleitet von folkloristischen Ziehharmonikaklängen, und aus der schwarzen Nacht treten ins Schummerlicht, säuberlich in Klarsichtfolien gepackt, Agathe Taffershofer und Erhard Sonnengruber, das vielversprechende großes Liebespaar. Sie bieten alles, was man von einem unterhaltenden Volkstheaterabend erwartet, Liebe und Leidenschaft, Blut und Sterbensröcheln, Wilddieberei, Jodler und ein mit großen Gefühlen und banalen Worten vorgetragenes Duett. (...)
 
 
Videohandlung
Die Videomonitor und der Videorekorder sind eingeschaltet. Aber das Videoband ist noch nicht gestartet. Die Geräte zeigen nur sich selbst.
 
Handlung im Raum
Wenn alle Zuschauer sitzen, geht das Zuschauerlicht aus und es ist finster. Der Mann beginnt hinter der Bürotür mit seiner Stimme ein deutlich hörbares Geräusch zu machen. Das Geräusch schwillt auf und ab. Dann geht im Bühnenraum eine Hängelampe an, die rechts vom Aufbau mit den Videogeräten von der Decke hängt. Im selben Augenblick beginnt die Frau hinter dem Bühnenraum einen Marschrhythmus (die Begleitung zum Umgangslied) auf einer Ziehharmonika zu spielen und der Mann bricht sein Geräusch ab. Sie kommt spielend und marschierend durch die Garderobentür, links vom Aufbau mit den Videogeräten, herein. Dabei trägt sie ein bereits häufig getragenes "Gwand": flache, braune Halbschuhe, beige Socken, eine grüne Trainingshose, einen geschlossenen, weinroten Pulllover und eine blau-weiss gemusterte Kittelschürze. Die Haare sind, wenn es möglich ist, zu einem strengen Dutt gesteckt. Über die ganze Frau ist eine etwas zerknitterte Zellophanhülle gestülpt, unter der sie die Ziehharmonika spielt. Nachdem die Frau an dem Aufbau mit den Videogeräten vorbeigezogen ist, verschwindet sie wieder, immer weiter spielend, durch die Bürotür, rechts vom Aufbau mit den Videogeräten. Kommt aber bald darauf, immer weiter auf der Ziehharmonika spielend, durch die Bürotür wieder herein. In kurzem Abstand folgt ihr der Mann. Einen Zinkeimer mit Wasser in der einen Hand und einen Malerwaschl in der anderen Hand. Er trägt feste, braune Halbschuhe, bräunliche Wollsocken, eine graugemusterte, schlechtsitzende Anzughose, ein ähnlich graugemustertes und schlechtsitzendes Anzugwesterl, ein rotgrün kariertes Hemd und einen weinroten, schwarzeingefassten Walkjanker. Alles schon öfters getragen. Seine Haare sind so wie sie sind. Auch über den ganzen Mann ist eine etwas zerknitterte Zellophanhülle gestülpt, aus der nur seine Hände mit dem Zinkeimer und dem Malerwaschl herausschauen. Den Malerwaschl taucht er manchmal in das Wasser und spritzt damit abwechselnd auf die Videogeräte und ins Publikum oder in die Gegend. So ziehen die beiden bis etwa zur Mitte des Aufbaus mit den Videogeräten, wo die Frau, immer weiter spielend, stehenbleibt und der Mann den Videorekorder einschaltet. Sobald die Videomonitore ein Bild zeigen, ziehen die beiden weiter und durch die Garderobentür hinaus, wo die Frau mit dem Marschrhythmus auf der Ziehharmonika zu einem Ende kommt. Dann sieht und hört man sie nicht mehr. Nur die Hängelampe brennt noch.
 
Videohandlung
Man hört Käuzchenschreie und im Hintergrund die Raumgeräusche während der Aufnahme der Szene. Eine Sperrholzplatte Das Kreuz in der Röth wird langsam aufgerichtet, bis der Text bildfüllend im Bild ist (...)
 


Das Kreuz in der Röth


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:06:32 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
 
Handlung im Raum
Der Mann tritt durch die Bürotür in den Bühnenraum, jedoch ohne Zellophanhülle, Zinkeimer und Malerwaschl. In der einen Hand trägt er einen ca. 2 Meter langen natürlichen, festen Haselnußstecken und eine brennende Haushaltskerze. In der anderen Hand hat er einen Flaschenkorken. Er bleibt etwas rechts vom Aufbau mit den Videogeräten stehen, lässt den Korken in der Kerzenflamme verrussen und schwärzt sich damit das Gesicht. Dann löscht er die Flamme und geht hinüber zum weissen Schalter über dem Tisch, links vom Aufbau mit den Videogeräten und schaltet ein Röslein in einer Glühbirne ein, das er kurz betrachtet, während er die Kerze in die Hosentasche steckt und dafür ein Stück weisse Kreide herauszieht. Dann beginnt er, auf dem Boden vor dem Aufbau mit den Videogeräten Linien zu ziehen: Fluchtwege, Himmelsrichtungen, rechte Winkel.
 
Währenddem betritt die Frau durch die Garderobentür den Bühneraum. Auch sie ist wie zu Beginn gekleidet, jedoch ohne Zellophanhülle und Ziehharmonika. Sie hat einen weissen Regenschirm in den Händen, welchen sie aufspannt und dann zur gegenüberliegenden Wand, zur Sarggarnitur geht. Dort schaltet sie eine Schwarzlichtbirne ein. Dann dreht sie sich zur Sarggarnitur um und schaltet einen Kassettenrekorder ein, der auf der Sarggarnitur liegt. Man hört Töne und Geräusche. Die Frau holt unter dem Sargkissen eine Tafel Schokolade hervor, öffnet sie und beginnt die Schokolade zu essen. (...)
 



Der Mann und Die Frau. Video-Regie-Theater


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:10:44 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
 
Handlung im Raum
Die Frau kommt durch die Garderobentür herein. Sie wie zuvor gekleidet. Auf dem Rücken hat sie einen kleinen Rucksack. Darin sind ein Topf, ein Flaschenöffner, eine in ein Handtuch gewickelte Flasche Bier und ein Teil ihrer Brotzeit (z.B. Wurst und Brot, eine Schweinshaxe oder etwas entsprechendes), die in ein Brotzeittuch eingewickelt ist, und ein Besteck. In der einen Hand trägt sie eine krokodillederne Handtasche mit einem künstlichen Penis darin und in der anderen Hand trägt sie in einer Einkaufstasche den Rest der Brotzeit (z.B. einen halben Liter Milch im Quader, Gemüse je nach Jahreszeit: Radieserl, Gurken, Tomaten, ...) und eine Plastiktüte mit Bettfedern. Mit der Einkaufstasche trägt sie noch eine Plastiktüte, in der ein rotes Nesseltuch ist. Gleichzeitig mit der Frau kommt der Mann durch die Bürotür in den Bühnenraum. Auch er ist wie zuvor gekleidet. Auf dem Rücken trägt er einen Rucksack, in dem eine braune, zerbeulte Schüssel, eine aufblasbare Sexpuppe, ein Brotzeitmesser, ein Flaschenöffner, eine Flasche Bier, die in ein Handtuch gewickelt ist, und eine ähnliche Brotzeit wie bei der Frau sind. In der einen Hand hat er einen Rupfensack mit einem roten Nesseltuch drin. In der anderen Hand trägt er in einer Plastiktüte vierzig rohe Eier in vier Eierschachteln. Beide gehen zu den zwei Biergartenstühlen in der Mitte unter dem Aufbau mit den Videogeräten, stellen ihre Sachen neben die Stühle, nehmen ihre Rucksäcke ab und setzen sich hin. Der Mann rechts und die Frau links. Dann nimmt jeder seine mitgebrachte Schüssel heraus, stellt sie vor sich auf den Boden, zieht Schuhe und Socken aus, stellt die nackten Füsse in die Schüssel, packt die in ein Handtuch gewickelte Flasche Bier aus, nimmt den Flaschenöffner, öffnet die Flasche, und giesst die Halbe Bier über seine Füsse und in die Schüssel. (...)
 
 

 
 
Videohandlung
Der Schalltrichter eines Blasinstruments ist fast bildfüllend im Bild. Dahinter erkennt man das Gesicht des Bläsers, Interviewers, Autors und Regisseurs ....
 



Volksschauspielerinterview


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:10:17 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
 
(...) Dieses erlösungssüchtige Drama – Handlungszeit Karfreitag, null Uhr bis Ostersonntag – heißt "Das Kreuz in der Röth". Sein Text läuft wie ein geheimer Code über den Videobildschirm, tönt, von Sagerer zerpflückt und zerkaut, über die Lautsprecher, und Agathe Taffershofer und Erhard Sonnengruber führen die Anweisungen aus. Zum Spielen gibt es nichts mehr in diesem das Theater so verzweifelt komisch zerstörenden Theater; die Trümmerelemente aus diesem Theaterschutthaufen werden dem Zuschauer vorgeworfen auf der Suche nach einer schönen Theaterutopie, in der auch noch "das Leben" vorkommt.
 
Alexeij Sagerer hat sich auf der nun schon Jahre dauernden phantastischen Jagd durch die bayerisch-indische Welt nach dem "Tieger von Äschnapur" immer entschiedener im Dschungel des gewöhnlichen Theaterirrsinns verstrickt; sein Bewegungsspielraum ist immer enger, seine Befreiungsversuche sind ständig aggressiver, radikaler geworden. Nun ist er fast da angekommen, wohin er immer strebte: am Anfang. (...)
Thomas Thieringer, Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1980
 
 

 
(...) Alle seine letzten Produktionen sind vergebliche Versuche, einen Anfang zu finden, untermischt mit travestierten gängigen Volksszenen. Nun, erschöpft von all dem gehirnlosen Unterhaltungs-Theater-Irrsinn, zeigt sich ihm, der sich hinter die "unsichtbare" Wand des Videoprojektionsgeräts zugezogen hat, eine resignative "Erlösungs"- Utopie (analog zum Osterthema): Nach einer grandios versoffenen, irrwitzig häßlichen Feier der Wohltaten des Gehirns und einer parodistischen (Video-) Demonstration der gängigen, auf theaterwissenschaftlichen "Erkenntnissen" beruhenden "geisterhaften Theatertheorie" gibt er sie preis; ein ganz einfaches, ruhiges, schönes Schauspiel – wie einer, der am Theater wie an der Welt leidet, sein Leben aufgibt.
 
Schwarzes, böses, ver-rücktes Theater wird im proT-Keller gemacht im Kampf um das Theater. Häßlich ist dieser Kampf wie jeder Akt der Zerstörung, aber auch komisch-schön in seiner geschmacklosen sinnlichen Wortwörtlichkeit. Die Schauspieler sind nur noch Ausführende, die auf brutale Weise die Eiertänze des "Theaters" vollführen, zu Sagerers hektisch verstotterten, zaghaft wild vorgebrachten anarchischen Leidensarien einfach eine saftige Brotzeit zu sich nehmen – die Füße in kühlem Bier - , oder wie Heinrich VIII. und Elisabeth I. in phantastisch feierlichen Gewändern verpackt einen stummen, geisterhaften Auftritt absolvieren. (...)
Thomas Thieringer, Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1980
 
 
Handlung im Raum
Vorsichtig nehmen der Mann und die Frau die rohen Eier aus den Eierschachteln und legen sie sorgfältig im Licht der Hängelampe aus. Dann beginnen sie, mit ihren nackten Füßen langsam einzelne Eier zu bewegen und dann zu zertreten. Der Vorgang hat Ähnlichkeit mit einem sich steigernden Tanz. Mit dem Ende der Szene verlassen die beiden den Raum durch die Bürotür.
 
 

 
 
Handlung im Raum
Der Mann und die Frau kommen wieder in den Bühneraum. Er durch die Bürotür. Sie durch die Garderobentür. Sei sind immer noch barfuss, jedoch in üppigen, weissen Kostümen aus Stoff, Watte, Seidenpapier, Toilettenpapier, Mullbinden, Federn, Bändern und ähnlichem. (...) Sie gehen extrem langsam bis zur Mitte vor dem Aufbau mit den laufenden Videogeräten, drehen sich langsam zum Publikum und formuliern mit den Zeichen der Gehörlosensprache die Worte: "Das Volkstheater im Volke versinkend". Dann verlassen sie durch die Türen, durch die sie gekommen sind, wieder den Raum.
 
 
Videohandlung
Kamera statisch total
Man hört im Hintergrund das Geräusch eines brennenden Ölofens. Auf einem einfarbigen, dunklen Fußboden liegt ein weisses Leintuch und auf dem weissen Leintuch liegt ein Fenster mit weissem Rahmen. Auf das Fensterglas sind mit schwarzer Farbe die Worte "ENDLICH OSTERSONNTAG" geschrieben.
 
Kamera statisch halbtotal
Der Autor-Regisseur sitzt auf einer dunkelgelben Wohnzimmerkautsch vor einem grossen Fenster, hinter dem es dunkel ist. Vom weissen Fensterrahmen ist nur das untere Querholz und von der Kautsch nur ein teil der Rückenlehne im Bild. Sein Oberkörper ist nackt und um seinen Unterleib hat er ein weisses Leintuch geschlungen.
 

Endlich Ostersonntag


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:14:04 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
 
HELMUT SCHÖDEL, DIE ZEIT, 30. Mai 1980
Blick voraus ins Nichts.
Schauspiel in München: Großes Theater an kleinen Theatern
 
(...) Ein Mann, der schulterlange blonde Haare hat, liegt mit nacktem Oberkörper neben einer Reporterin, wie ein römischer Kaiser bei einem Gastmahl. Die Reporterin: "Alexeij, du willst einen Film machen?" Alexeij Sagerer, Chef und Hauptdarsteller im Schwabinger Kellertheater proT, legt sich eine handvoll Tierhirn auf seinen Kopf und stottert "An sich will ich an sich keinen Film machen an sich." Die Reporterin hartnäckig: "Einen utopischen Film?" Alexeij resigniert: "Einen utopischen Film will ich an sich machen." Er sagt, an sich habe er die Frage erwartet, und reibt sich frisches Hirn auf den Kopf: "Ich habe mich vorbereitet." (...)
 


Münchner Volkstheater Einspielband


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:59:56 Std. - Produktion proT - 1980
 

 
Die Film-Ereignisse Münchner Volkstheater Einspielband ist ein Video, das die Theaterproduktion Münchner Volkstheater - Vorwurf auf den "Tieger von Äschnapur Unendlich". Handlungszeit Karfreitag null Uhr bis Ostersonntag - steuert. Das heisst, das Einspielband ist während des ganzen theatralen Ablaufes präsent: 1. Das Kreuz in der Röth - 2. Der Mann und die Frau. Video-Regie-Theater - 3. Titelperiode - 4. Volksschauspielerinterview - 5. Fernsehbilder 1. Teil - 6. Musikfilm Video - 7. Fernsehbilder 2. Teil - 8. Honeying Münchner Volkstheater - 9. Fernsehbilder 3. Teil - 10. Endlich Ostersonntag. Mit Jürgen von Hündeberg, Erhard Sonnengruber, Agathe Taffertshofer, Sophia Pherachthis Mariä Sagerer, Brigitte Niklas, Alexeij Sagerer. Videotechnik: Vips Fischer. Münchner Volkstheater ist die erste Theaterarbeit mit Video im proT. Münchner Volkstheater Einspielband wird hier unabhängig von der Theaterproduktion als eigenständiges Film-Ereignis präsentiert. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 


Beginn einer geisterhaften Theatertheorie


Film-Ereignisse - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:27:39 Std. - Prod. proT - 1980
 

 
Die Film-Ereignisse Beginn einer geisterhaften Theatertheorie ist ein einmalig, in zwölf Situationen, mit wechselnder Intensität und Lautstärke live gesprochener Text. Alexeij Sagerer selbst erweckt seine Theatertheorie in zwölf Teilen zum Leben bis zum Tode. Zwölf Teile, zwölf Einstellungen. 1. Utopie: noch nicht Gestaltetes - 2. Produzent: Erste Öffentlichkeit - 3. Medium: entstehende innere Form - 4. Mit-Produzierende: Zweite Öffentlichkeit - 5. Material: bestehende äussere Form - 6. formale Situation: Politik - 7. Orientierung: Didaktik - 8. emotionale Situation: Psychologie - 9. Lösung (Öffnung): Therapie - 10. Publikum: Dritte Öffentlichkeit - 11. grösste vorstellbare Öffentlichkeit: alles bereits Gestaltete - 12. Ziel: Utopie des bereits Gestalteten. Der gesprochene Text ist buchstabengetreu in der Buchproduktion Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbüne (proT, München, 1983, S. 10-12) veröffentlicht. Die Film-Ereignisse Beginn einer geisterhaften Theatertheorie wird nach der Aufführung der Theaterproduktion Münchner Volkstheater im proT, also 1980, nach einer Pause öffentlich dem Publikum als reines Video gezeigt. Kamera auf Stativ. Live-Ton. Kamera: Fips Fischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
(...) Alexeij Sagerer erzählt in einer langen Video-Szene am Ende seines Projekts, was dieses Aussteigen im schlimmsten Fall auch bedeuten kann. Sagerer entwirft stehend, liegend, während eines katastrophalen Step-Tanzes, eine "geisterhafte Theater-Theorie". Über dem Abgrund schweben, heißt es darin, könne man eigentlich nur über dem Theater. Am Schluß kommt ihm die "Idee von einem ganz sanften Stück": Alexeij will sich die Pulsadern öffnen. (...)
Helmut Schödel, DIE ZEIT, 30. Mai 1980
 

Beginn einer geisterhaften Theatertheorie


Text - Der mit wechselnder Intensität und Lautstärke live gesprochene Text ist in der Buchproduktion Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbüne (proT, München, 1983, S. 10-12) buchstabengetreu veröffentlicht.
 
 

 
 
MÜNCHNER VOLKSTHEATER. Anscheinend besteht gerade bei konservativen Leuten die Ansicht, dass Traditionen jederzeit aussetzbar und einsetzbar sind. Diese Ansicht ist für lebendige Strukturen kaum verbreitet. Wir glauben, dass München unbedingt ein Volkstheater braucht und zwar ein fest gebautes und von oben eingesetztes, damit alle jederzeit sehen können, dass dies gar nichts für das Theater bringt, höchstens offiziell anerkannte Volksschauspieler. Es mag schon sein, dass die Politiker gerne ein Volkstheater einsetzen möchten, denn jede Sehnsucht stellt die Politik in Frage und die Politik versucht, jede Sehnsucht zu entmutigen. Aber jede Aussage braucht eine eigene Ästhetik und jede allgemeine Ästhetik enteignet die Aussage wie der Kindergarten das Kind und das eingesetzte Volkstheater das Volk.
 
Die Politiker hätten gerne, dass sie jederzeit Unmittelbares Theater anhalten könnten, wenn es ihnen politisch gerade nicht passt und es wieder einsetzen könnten, wenn es ihnen wieder passt. Aber man kann keine Bewegung begreifen indem man sie anhält.
 
Das Volk wird durch die Volksvertreter vertreten, inzwischen auch beim Theatermachen. Die Volksvertreter werden bald das Theater machen wollen, das das Volk machen sollte. Die Entmündigung ist vor allem eine ästhetische. So wie die Verantwortlichen für das Autobahnnetz uns offensichtlich ein lückenloses Netz herstellen wollen, so als wenn sie sich schämen würden für ein Netz verantwortlich zu sein (möglicherweise vor ihrer eigenen Mutter), das immer noch so grosse Löcher hat. (AS 1981)
 
Thomas Thieringer
Mit der Sonne gegen die Welt
Sagerers "Münchner Volkstheater" im proT
in: Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 1980
 
Ingrid Seidenfaden
Verflixter noch als Valentin
Alexeij Sagerer präsentierte im proT sein Spiel "Münchner Volkstheater"
in: Abendzeitung, Pfingsten 1980
 
Helmut Schödel
Blick voraus ins Nichts.
Schauspiel in München: Großes Theater an kleinen Theatern
in: DIE ZEIT, 30. Mai 1980
 
 
Eine Textfassung der Theaterproduktion "Münchner Volkstheater" ist präseniert in:
Der Fernseher ist der Gipfel der Guckkastenbühne
proT, München 1983, S. 51-72
 
 

 

Titelstreit "Münchner Volkstheater", No. 1


Anwaltsschreiben an das proT "Unberechtigte Namensführung" vom 10.06.1980
 
 
WERNER, BLATT 174, vom 20.06. bis 03.07.1980
Verehrtes Publikum!!!

 
„Wir zeigen an, dass wir die "Kleine Komödie" sowie Herrn Günther Mayr anwaltlich vertreten. Die "Kleine Komödie" hat von Herrn Mayr, dem Inhaber des bereits bestehenden "Münchner Volkstheaters", diesen Titel (Handelsregister-Nr. HRA 56541) aufgrund Zusammenschlusses der beiden Theaterunternehmungen erworben. Wie der Presse zu entnehmen ist, verwendet das proT in seinen Anzeigen für seine Produktion 'proT tatata bringt Münchner Volkstheater: Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich' den Begriff "Münchner Volkstheater" und verletzt danach das a u s s c h l i e ß l i c h e   R e c h t unserer Auftraggeber an der Führung dieses Titels. Wir untersagen dem proT und seinem Chefideologen Sagerer daher ab sofort, den Namen "Münchner Volkstheater" im Zusammenhang mit seiner eigenen Theaterunternehmung zu verwenden. Sollten derartige Theateranzeigen auch noch in der Montag-Ausgabe (16.6.1980) der entsprechenden Zeitungen mit dem Zusatz "Münchner Volkstheater" geschaltet sein, wären wir gezwungen, ohne weitere Fristsetzung den Klageweg zu beschreiten. Gleiches gilt für andere Publikationen, die ab dem 16.6.1980 erscheinen.
Mit vorzüglicher Hochachtung ..."

 
Das proT soll also sein vorläufig letzte Tieger-Produktion nicht mehr mit "Münchner Volkstheater" bezeichnen dürfen, weil ein findiger Kopf, der zwar einen reinen Scheißdreck davon versteht, den Titel gekauft hat und ihn sich redlich mit der "Kleinen Komödie" teilt. "Münchner Volkstheater" gibt’s also künftig nur noch in der "Kleinen Komödie". Dort wird's so was natürlich niemals nicht zu sehen geben, is ja auch gut so, denn schließlich hat's ja ein Münchner Volkstheater schon mal gegeben und man hat’s ja nicht umsonst abgesagt, und wenn jetzt jemand mit seinem breiten Komödienarsch hergeht und sich auf diesen Begriff pflatscht, dann geht dieser Arsch wenigstens ganz sicher, dass Begriffe wie Münchner Volkstheater endgültig in seiner Falte verschwinden.
 
Wieviel der Käufer dieses ehrwürdigen Titels und die "„Kleine Komödie" vom Münchner Volkstheater verstehen, zeigt sich allerdings alleine darin, dass sie selbiges nur noch als Begriff sehen, als Titel, wie der Doktor honoris causa. Als es das Volkstheater noch gab, wurde es von unten gemacht. Die "Kleine Komödie" dagegen meint heute, dass es von unten besichtigt werden soll. Vielleicht sollten die 'Besitzer' dieses Titels doch bei dem Titel bleiben, der ihnen kulturpolitisch am besten gerecht wird: kleine Komödie. Bleibt die Hoffnung, dass es zum Prozess kommt und uns nach langen Jahren der Entbehrung endlich wieder einmal ein richtiges Münchner Volkstheater präsentiert wird. Hollaroh!
 
 

Titelstreit "Münchner Volkstheater", No. 2


Anwaltsschreiben vom Anwalt des proT vom 13.06.1980
 
 
ROLF MAY, tz, 23. Juni 1980
... und was sagen Sie dazu?
Justitia spielt mit

 
Wir hatten die bayerische Justiz ja schon lange im Verdacht, vor allem eine dramaturgische Einrichtung zu sein - das "Königlich bayerische Amtsgericht" ist noch heute eine wehmütige Erinnerung an die schönsten aller dramatischen Auftritte ...
 
Seit neuestem spielt sich wieder ein Teil des Münchner Theaterlebens zu Justitias Füßen ab: nach der traurigen Auseinandersetzung zwischen dem TamS und Peter O. Chotjewitz um die bearbeitung des Dario Fo-Stücks "Nur Kinder Küche Kirche" (tz berichtete) folgt jetzt eine eher vergnügliche Posse um das viel besprochene "Münchner Volkstheater".
 
Diesen Namen nämlich kann man kaufen (ganz gleich, ob man dann Volkstheater macht oder nicht) -, so geschehen in München, wo sich die Besitzer der "Kleinen Komödie" den Namen (oder ist's schon ein Titel?) "Münchner Volkstheater" rechtlich geschützt und verbrieft haben.
 
Das allein wäre ja schon Stoff genug für eine Theater-Groteske (oder ist's absurdes Theater?), aber es kommt noch besser. Weil Alexeij Sagerer, Münchens krausester und vielleicht genialster Kleintheater-Macher, auf seiner unendlichen Jagd nach dem "Tieger von Äschnapur" jetzt in seinem Schwabinger "proT"-Theater ein Stück mit dem Titel "Münchner Volkstheater" herausgebracht hat, wollen die Namens-"Eigentümer" tatsächlich gegen ihn klagen. Womit klargestellt wäre, daß das "Münchner Volkstheater" bis auf weiteres im Handelsregister stattfindet.
 
Und natürlich im Gerichtssaal - wo, wenn es tatsächlich soweit kommt, eine solche Verhandlung schon wieder bestes "Münchner Volkstheater" wäre. Oder machen wir uns mit dieser Vermutung etwa strafbar? Der Name ist schließlich geschützt ...
 
 

Titelstreit "Münchner Volkstheater", No. 3


Anwaltsschreiben an das proT "Unberechtigte Namensführung" vom 18.06.1980
 

Titelstreit "Münchner Volkstheater", No. 4


Anwaltsschreiben vom Anwalt des proT vom 20.06.1980
 

Titelstreit "Münchner Volkstheater", No. 5


Schluss-Text zum Titelstreit von Alexeij Sagerer proT, 30.06.1980 - auch veröffentlicht in: BLATT 176, vom 18. bis 31. Juli 1980
 
A.R.
Münchner Folgstheater?
in: Münchner Merkur, Freitag, 20. Juni 1980
 
Werner
Verehrtes Publikum!!!
in: BLATT 174, vom 20.06. bis 03.07.1980
 
ROLF MAY
Justitia spielt mit
in: tz, Montag, 23. Juni 1980
 
Film-Ereignisse

Münchner Volkstheater


 
Der Tieger von Äschnapur

Die Vorwürfe auf Der Tieger von Äschnapur Unendlich 1979 - 1985


 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna