NIBELUNGEN &
DEUTSCHLAND PROJEKT

1992-1998

 
 

 
Von 1992 bis 1998 produziert das proT in München das NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT. Das NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT ist eine Komposition von 11 Produktionen in 4 Horizontalen und 3 Vertikalen. Der "VierVideoTurm" wird in die Themenräume Deutschland, Nibelungen, Richard Wagner und Nomaden und Helden gestellt. Dabei ist die proT-ZEIT "Theateratelier" und für einige Produktionen Aufführungsort.
 
Die erste Produktion "Der Nibelung am VierVideoTurm" hat am 12. Februar 1992 in der proT-ZEIT Premiere. Das Projekt endet am 31. Dezember 1998 mit der Premiere von "Das Ende vom Lied geht die Wende hoch" in den Einsteinhallen.
 

Nibelungen & Deutschland Projekt


Projektstruktur

 

Nibelungen & Deutschland Projekt
Pragmatische Kommentare zur Struktur

 
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Nibelungen & Deutschland Projekt


Pressespiegel in Auszügen (1992-1998)
 
 

 
 

NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT
Produktionen - Übersicht


Horizontale I

DER NIBELUNG AM VIERVIDEOTURM
Premiere 12. Februar 1992, proT-ZEIT.
 
 
Horizontale II

TROMMELN IN STRÖMEN
Künstlerwerkstatt Lothringerstraße, 18. September 1992.
 
GÖTTIN, ÄRZTIN, BRAUT UND ZIEGE
Premiere 2. Dezember 1992, proT-ZEIT.
 
MEIN TROST IST FÜRCHTERLICH
Premiere 12. Mai 1993, proT-ZEIT.
 
 
Horizontale III

SIEGFRIEDS TOD
Muffathalle, 27. Oktober 1993.
 
RECKEN BIS ZUM VERRECKEN
Premiere 13. Juli 1994, proT-ZEIT.
 
MEUTE RUDEL MOND UND NULL
Premiere 19. Oktober 1994, proT-ZEIT.
 
DAS FEST ZUM MORD - Festival im Nibelungen & Deutschland Projekt
Reithalle, 19. Oktober bis 18. November 1994.
 
 
Horizontale IV

SENSATION DER LANGSAMKEIT
proT-ZEIT, 31. Mai 1996, 8.00 bis 24.00 Uhr.
 
GÖTTERDÄMMERUNG - Trilogie
Marstall, 13., 14. und 15. Oktober 1995.
 
NOMADEN UND HELDEN
Marstall, 13. Oktober 1995.
 
SIEBENMALVIER
Marstall, 14. Oktober 1995.
 
ENDGÜLTIG.
Marstall, 15. Oktober 1995.
 
DAS ENDE VOM LIED GEHT DIE WENDE HOCH
Premiere 31. Dezember 1998, Kulturzentrum Einstein.
 
 
 
Horizontale I
 

Der Nibelung am VierVideoTurm


Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1) von Alexeij Sagerer
 
1. Aufführung (legendär)
31. Dezember 1991
proT-ZEIT, Steinseestrasse 2, München
Premiere
12. Februar 1992
proT-ZEIT, Steinseestrasse 2, München
 
Der Nibelung am VierVideoTurm
 
Der Nibelung am VierVideoTurm mit Zoro Babel und Alexeij Sagerer. 1. Rheingold. 2. Der Ruf ins Horn. 3. Schwärzen der Bilder. 4. Didawischifeischono. 5. Der Tanz in die Lederhose. 6. Die Kuh von der Frau Kastenhuber. 7. Im und Explosionen.
 
Synchronisator Sieben gemalte Filme. Der Synchronisator Sieben gemalte Filme steuert im NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT nur die erste Produktion Der Nibelung am VierVideoTurm (Horizontale I: Material Wagners Ring: Rheingold. Material Nibelungenlied: Siegfrieds Wald- und Drachenkämpfe).
 
 
Süddeutsche Zeitung vom 15./16. Februar 1992
DEUTSCHER ERNST. Sagerer als "Nibelung"

Das sind die stolzen teutonischen Helden, vor denen uns der Sozialkunde-Lehrer immer gewarnt hat: Ein ächzendes, schwitzendes Kraftpaket mit nacktem Oberkörper und bayerischer Lederhose, eine Schreckensgestalt. Aus dem Mund des dumpfen Recken Siegfried aber erklingt eine Erzählung im schönsten bayerischen Zungenschlag, "Die Kuh von der Frau Kastenhuber" betitelt. Wobei das hechelnd hervorgepresste Kauderwelsch, in stotternder Wiederholung vorgetragen, kaum zu verstehen ist - wichtig und sinnstiftend ist allein die Sprachmelodie. Im proT, dem letzten Münchner Zufluchtsort der fortschrittlichen Theaterkunst, erleben wir die Geburt der Musik aus dem Geist des Komödienstadels.
(...)
Sagerer nähert sich dem Gegenstand seines "unmittelbaren" Theaters diesmal mit bierischem Ernst. Zwar lacht und gluckst das Publikum, wenn der Meister wenig später den "Tanz in die Lederhose" vorführt, auch der gefüllte Maßkrug in der Rechten darf nicht fehlen - trotzdem will der Küstler den Theaterabend nicht nur ironisch verstanden wissen.
(...)
Wobei sich der Theatermann durchaus auf der Höhe zeitgenössischer Wagner-Interpretation bewegt: einen Lederhosen-Siegfried gab es erst jüngst auf der Brüsseler Opernbühne zu bestaunen. Der Bilderzauber Cheréaus und Erich Wonders wird hier mit einer rüden Übermalaktion ausgetrieben - mit triefender Malerrolle schwärzt der Akteur die Monitore. Sagerers Musiktheater legt die Mechanik der Oper frei, und das "Nibelungen"-Spektakel markiert nur den Auftakt einer ganzen Reihe zur deutschesten aller Sagen. Im proT brechen ernste Zeiten an.
Wolfgang Höbel
 
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Tanz in die Lederhose 1991


31. Dezember 1991, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2 (YouTube 5:15 Minuten)
 

 
Tanz in die Lederhose ist der fünfte Teil aus "Der Nibelung am VierVideoTurm", Premiere am 12. Februar 1992, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2, Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1) mit Alexeij Sagerer und Zoro Babel. (Kamera: Werner Prökel)
 
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di dawisch i fei scho no Nibelung 1991


31. Dezember 1991, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2 (YouTube 8:18 Minuten)
 

 
di dawisch i fei scho no Nibelung 1991 ist der vierte Teil aus "Der Nibelung am VierVideoTurm", Premiere am 12. Februar 1992, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2, Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1) mit Alexeij Sagerer und Zoro Babel. (Kamera: Werner Prökel)
 
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Die Kuh von der Frau Kastenhuber 1992


Theaterfilm - Umatic - Farbe/Ton - 00:07:53 Std. - Produktion proT - 1992
 

 
Der Theaterfilm Die Kuh von der Frau Kastenhuber ensteht mit einer der Aufführungen des Theaterprojekts "Der Nibelung am VierVideoTurm - Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1)" im Sommer 1992 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. Entscheidend ist bei diesem Theaterfilm, dass der Ton mit einem externen professionellen Mikrophon aufgenommen ist. Der Unterschied ist vor allem wesentlich im Vergleich zum Kamera-Ton beim Theaterfilm Der Nibelung am VierVideoTurm vom 31. Dezember 1991. "Die Kuh von der Frau Kastenhuber" ist der sechste Teil aus "Der Nibelung am VierVideoTurm". Mit Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 

Der Nibelung am VierVideoTurm 1991


Theaterfilm - Video 8 - Farbe/Ton - 00:51:47 Std. - Produktion proT - 1991
 

 
Der Theaterfilm Der Nibelung am VierVideoTurm ensteht mit der ersten Aufführung (legendär) des Theaterprojekts "Der Nibelung am VierVideoTurm - Nibelungen & Deutschland Projekt (I-1)" am 31. Dezember 1991 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. 1. Rheingold. 2. Der Ruf ins Horn. 3. Schwärzen der Bilder. 4. Didawischifeischono. 5. Der Tanz in die Lederhose. 6. Die Kuh von der Frau Kastenhuber. 7. Im und Explosionen. Mit Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Kamera: Werner Prökel. Bearbeitung 2019 mit live-Synchronisator 7 gemalte Filme: Alexeij Sagerer und Christoph Wirsing. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 

Im Spiegel der Presse


Der Nibelung am VierVideoTurm
 
 
Horizontale II
 
 

Trommeln in Strömen


Nibelungen & Deutschland Projekt (II-2) von Alexeij Sagerer
18. September 1992. Künstlerwerkstatt Lothringerstraße, München
 
Synchronisator Sieben deutsche Ströme, Material Wagners Ring: Die Wallküre. Material Nibelungenlied: Siegfried in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen.
 
Trommeln in Strömen mit 7 Schlagzeugern: Zoro Babel, F.M.Einheit, Carola Gschrey, Jason Kahn, Werner Moebius, David Moss, N.U.Unruh. Videoinstallation: Alexeij Sagerer, Reiner Wiesemes. Filme: Alexeij Sagerer. Videotechnik: Christoph Wirsing. Produktion und Organisation: Zoro Babel, Michaela Kraus, Cornelie Müller, Maria Sánchez. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
Trommeln in Strömen
 
 

Trommeln in Strömen


 
Die Filme: Auf den circa 50 Monitoren der Videoinstallation sind nacheinander 7 Filme von jeweils ca. 7 Min. zu sehen. Jeder der 7 Filme beschäftigt sich mit einem deutschen Strom, allerdings nicht dokumentarisch oder naturalistisch oder gar idyllisch. Das Material ist filmisch bearbeitet. - Die Reihenfolge der 7 Ströme ist: Rhein, Ems, Weser, Elbe, Trave, Oder, Donau. Der Name des jeweiligen Stroms erscheint vor jedem Film auf den Monitoren in weisser Schrift auf schwarzem Grund.
 
Die Video- und Rauminstallation: Die circa 50 Monitore in zwei Reihen à ca. 25 Monitore angeordnet. Die beiden Reihen haben voneinander einen Abstand von ca. 3 Metern. Sie laufen entlang einer Längsseite des Raumes nahe der Wand in einem leichten Bogen bis über eine Querseite. Die Monitore der hinteren Reihe werden erhöht aufgestellt, die der vorderen Reihe evtl. leicht erhöht. Die Schlagzeuge befinden sich zwischen diesen beiden Monitorreihen auf einem durchgehenden ca. 2 Meter breiten Teppich. Sie sind nach vorne, d.h. zum Publikum ausgerichtet. Die Schlagzeuger spielen also in Richtung Publikum.
 
Das Publikum: Das Publikum befindet sich in einem korrespondierenden Bogen in dem verbleibenden Teil des Raumes, sodass sich in gewisser Weise der Raum der Installation und der Publikumsraum umschlingen. Es hat rote Zipfelmützen auf, die es mit dem Eintrittspreis erwirbt.
 
Der Ablauf: Jedem Schlagzeuger wird sowohl sein Platz in der Installation als auch "sein" Film zugelost. Der Platz in der Installation ist also unabhängig von der Reihenfolge des Auftritts. Also: mit Beginn des 1. Schwarzfilm, bzw. mit Beginn des Schriftzuges "Der Rhein" geht der Schlagzeuger, dem der Film "Der Rhein" zugelost wurde, zu seinem Schlagzeug und beginnt, mit Anfang "seines" Films zu spielen. Mit Ende des Films "Der Rhein" (d.h. mit Beginn des 2. Schwarzfilms) ist Stille, während der 2. Schlagzeuger - der, dem der Film "Die Ems" zugelost worden ist - den Platz an seinem Schlagzeug einnimmt, um nun "seinen" Film zu spielen. Der erste Schlagzeuger ("Der Rhein") bleibt bei seinem Schlagzeug und bezieht sich während des Films "Die Ems" auf das Spiel des nun dominierenden Schlagzeugers: spielt mit, spielt im zu und setzt sich auf seine Weise mit dessen Konzept auseinander. - Beim 3. Film ("Die Weser") tritt der 3. Schlagzeuger hinzu, die beiden ersten ("Der Rhein" und "Die Ems") setzen sich mit dem Konzept des nun bestimmenden Schlagzeugers auseinander, usw. - Das Spiel des 7. Schlagzeugers ("Die Donau") wird also von 6 Schlagzeugern begleitet. In gewisser Weise entstehen also 7 einzelne ca. 7-minütige Konzerte, von denen jedes von einem anderen Schlagzeuger gesetzt wird, wobei das 1. Konzert von 1 Schlagzeuger und das letzte Konzert von 7 Schlagzeugern bestritten wird.
(AS, 1992)
 
 
Süddeutsche Zeitung vom 21. September 1992
DER DEUTSCHE GARTENZWERG ALS FEIND DER KUNST

"Die Kultur wird von der Politik an den Rand gedrängt":
Alexeij Sagerers Videoinstallation "Trommeln in Strömen"
 
(...) Rhein, Ems, Weser, Elbe, Trave, Oder und Donau hatte Sagerer während einer Zwei-Wochen-Reise gefilmt, mehrmals überarbeitet, farblich digitalisiert. Mit 49 Monitoren in zwei hintereinander liegenden Reihen wurde in der Lothringerstraße ein gerundetes Flußbett skizziert. Zwischen den Monitorreihen, auf denen die sieben Strom-Filme nacheinander zu sehen waren, bearbeiteten die Schlagzeuger ihre Instrumente. Das Publikum nahm die Rundung der Monitor-Reihen quasi als Negativform auf. Ein einziges großes Bild entstand so, ein Bild, in dem jedem seine Rolle zukam. Den Zuschauern verging bald Hören und Sehen. Das Bombardement der Schlagzeuge sollte an die Schlägertrupps der Nazis erinnern - und das funktionierte durchaus. Ebenso wie das Auf-dem-Platz-Verharren, das Sich-bearbeiten-lassen.
 
Aber dieses Bild wird mit Macht von einem völlig gegensätzlichen Bild überlagert. Der beklemmenden Enge widerspricht eine totale Weite: Das Zusammenklingen der ablaufenden Film- und Musik-Stücke ergibt mit all seinen Dissonanzen eine vollkommene Harmonie. Eine nach außen hin offene Einheit, die spürbar strukturiert ist, ohne daß die Struktur das Wichtigste wäre. Das geht ans Herz - physisch geradezu, schmerzhaft und hoffnungsvoll. Ein "emotionales Ereignis", wie Sagerer sagt. Ein Ereignis, das die Begrenzungen fühlen läßt, aber auch die Chancen, gemeinsam Grenzen zu durchbrechen.(...)
Claudia Jaeckel
 
 
Die 7 Schlagzeuger:
1. Der Rhein - Zoro Babel - geb. 1967. Spielt seit 1974 Schlagzeug. Auftritte mit der Gruppe ANIMA MUSICA. Konzerte mit Nick Didkovsky, Markus und Simon Stockhausen, Iven Hausmann, Fabrizio Ottaviucci, Werner Puntigam, Gabriele Mirabassi, Gero Kempf. Musiktheater und Filmprojekt bei Achim Freyer u.a.
2. Die Ems - Jason Kahn - geb. 1970 in New York. Studierte an The Billy Moore School of Percussion in Los Angeles und bei John Taylor in London. Gründete mit Joe Baiza die Gruppe UNIVERSAL CONGRESS OF u.a.. Lebt seit Februar 1990 in Berlin.
3. Die Weser - F.M.Einheit - lebt in Bochum. Wie N.U.Unruh Schlagzeuger der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN. Elektronik-Experte mit überwältigender physischer Präsenz. Sein Spektrum reicht von Klang-Collagen - z.B. Summgeräusch von Bienen, das in Tonaufnahmen von Berliner Strassenkrawallen übergeht - bis hin zum Stepp-Tanz in Stiefeln als rhythmischer Begleitung zu einer Nummer in Folk-Blues-Stil u.a.
4. Die Elbe - Werner Moebius - geb. 1965. Latin percussion, Schlagzeug und elektronisches Schlagwerk. Lebt und arbeitet in Innsbruck. Zahlreiche Musikprojekte: RAN CAN CAN, T.D.O.L., Play the tracks of, u.a.
5. Die Trave - N.U.Unruh - geb. 1957 in New York. Wie F.M.Einheit Schlagzeuger bei den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN. Genialer Erfinder und Entwickler fantasievoller Klang-Maschinen und metallischer Percussions-Objekte u.a.
6. Die Oder - David Moss - geb. 1949. Lebt in Vermont / USA. Zur Zeit als DAAD-Stipendiat in Berlin. In seinen Solo-Auftritten verbindet er Schlagzeug, Holz, Metall, Plastik, Saiten, Klangskulpturen, Electronics mit extremem und provokativem Stimmeinsatz. Zahlreiche Einladungen zu internationalen Festivals: Musica '88 (Straßburg/Bonn), New Music America (83-88), Wien Festwochen, Taktlos Festival u.v.a. - Soloauftritte in The Kitchen, Public Theater, Knitting Factory usw.
7. Die Donau - Carola Gschrey - geb. 1968 in München. Studierte by Cloy Peterson in München, an der Musikhochschule Köln, an der New School in New York sowie bei Billy Hart u.a. Carola Gschrey hat bereits jetzt einen unverkennbaren eigenen Stil, geprägt von starken, melodiösen Themen in Verbindung mit energiegeladenen Grooves. Carola Gschrey hat es geschafft, zur erfolgreichsten Jazz-Schlagzeugerin in Deutschland zu werden.
(AS, 1992)
 
Trommeln in Strömen
 

Im Spiegel der Presse


Trommeln in Strömen
 

Göttin, Ärztin, Braut und Ziege


Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1)
Uraufführung 02. Dezember 1992. proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2
 
Synchronisator Sieben deutsche Ströme, Material Wagners Ring: Die Walküre. Material Nibelungenlied: Siegfried in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen.
 
Göttin, Ärztin, Braut und Ziege ist eine Komposition mit 4 weiblichen Qualitäten.
Agathe Taffertshofer (Material Brunhilde und Schauspielerin). Ruth Geiersberger (Material Kriemhilde und Performerin). Cornelia Mélian (Material Sängerin und Gärtnerin). Christine Landinger (Material Tänzerin und Bardame). Musik: Cornelie Müller. Team: Maria Sánchez und Michaela Kraus. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
Vorspiel: Requisiten - Ausmisten und Aufräumen. 1. Frauen Auftritte in den leeren Raum. 2. Vier Emotionen mit Begleitmusik. 3. Königinnen Gespräch. 4. Staatsgruss mit Gesang und Tanz - Kriemhild isoliert. 5. Opfer und Extase - Tänzerin mit Ratschen. 6. Gartenzaunidylle mit Bier. 7. Nationalhymne Feuer Nacht.
 
 

 
SZ vom 4. 12. 1992:
FURIEN VOR FLUSSLANDSCHAFT
Großdeutschkunst: Sagerers "Nibelungenströme"

(...) Sagerers Auseinandersetzung mit der Nibelungensage zeigt diesmal, im dritten Teil (der in der proT-Chronologie gleichwohl der zweite ist), den Kampf der zürnenden Frauen. Ruth Geiersberger im hautengen Mini-Glitzerkleid ist Kriemhilde, Agathe Taffertshofer, den weißen, mächtigen Walkürenleib mit einem grünen Fummel nur notdürftig bedeckend, spielt ihre Gegenspielerin Brunhilde. Es ist zunächst ein Kampf mit gefährlich dröhnenden Worten. "Ich bin eine deutsche Frau und mit einem deutschen Mann verheiratet", hört man da, und bald darauf: "Mein Mann hatte zweimal hintereinander einen nationalen Traum."
Wo, bitte, befinden wir uns? "In der Geschichte der Nibelungen", so verkündet der Programm-Faltkarton, "auf jeden Fall vor Siegfrieds Tod und nach Siegfrieds Wald- und Drachenkämpfen". Außerdem "mitten in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen, also mitten in Deutschland." Das ist keine leere Drohung: Sagerer, der sich diesmal aufs Regieführen beschränkt, präsentiert unter dem Titel "Nibelungenströme" ein Schreckensszenario. Schon die Bühne, ein metallglitzernder Tresen vor weißgetünchter Wand und über blutigrotem Boden, ist ein Ort für Metzgergesell(inn)en: Wir befinden uns im Schlachthaus Deutschland. (...) Sagerers Jagdszenen aus Nibelungenland sind nicht mehr als hellsichtige Momentaufnahmen deutschen Wahns. Er will nicht werten und nicht moralisieren, sondern nur ausstellen: Pathos und Lächerlichkeit, Horror und Schönheit liegen in diesem durch (auf vier Monitoren präsentierte) Ansichten "deutscher Ströme" gegliederten Bilderbogen nah beieinander. Das Ergebnis aber ist ein wüstes, virtuoses Husarenstück - Sagerers Beitrag zur deutschen Hybris der Gegenwart.
Wolfgang Höbel
Sex, Kunst und Guter Geschmack!

Königinnen Gespräch


DokuMaterial - Video8 - Farbe/Ton - 00:06:53 Std. - Produktion proT - 1992
 

 
Das DokuMaterial Königinnen Gespräch (Kamera: Werner Prökel) ist die ungeschnittene und unbearbeitete Videoaufzeichung des dritten Teils (Synchronisator "Sieben deutsche Ströme" - Die Weser) der Aufführung des Theaterprojekts "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege - Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1)" am 06. Dezember 1992 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. Mit Agathe Taffertshofer (Die Brunhilde), Ruth Geiersberger (Die Kriemhilde), Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
 
AZ vom 4. 12. 1992
DEUTSCHE BEFINDLICHKEIT UNTER DEM SEZIERMESSER
proT: Alexeij Sagerers "Göttin, Ärztin..."

Er spielt selbst nicht mit, aber er zeigt sich als Stückemacher und Regisseur in Hochform: Alexeij Sagerer liefert in der neuen proT-Produktion "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege" eine beklemmend böse, kühl analytische und formal glänzend stilisierte Bestandsaufnahme deutscher Gegenwarts-Befindlichkeit. Politisch geschürte Emotionen und kulturelle Traditionen unter dem theatralischen Seziermesser: Mit seinem Bericht zur Lage der Nation widerlegt Sagerer den Vorwurf, die freie Theaterszene reagiere nicht auf die aktuelle Lage. Und beweist, daß er das ihm seit über 20 Jahren anhängige Etikett des Münchener Vorzeige-Avantgardisten nach wie vor zu Recht trägt.
(...) Der deutsche Mann alias Siegfried, um den alles kreist, definiert sich durch Abwesenheit. Metallschimmernd die Breitwandszene, in der die vier hervorragenden Darstellerinnen (als Tänzerin Christine Landinger; Sängerin Cornelia Melián sprang innerhalb einer Woche für die erkrankte Ute Weber ein) den Bogen von Nibelungentreue über die geistigen (und körperlich sichtbaren) Geistesverwirrungen bis zu den lodernden Flammen der Asylheime spannen. Auch die Musik von Cornelie Müller spannt den Geigenbogen von Wagner bis zum Ratschen-Lärm des sozialen Mobbings: Irrwitzig läßt Sagerers Stimme die Nationalhymne ertönen - auf gewagter und gelungener Gratwanderung zwischen Entstellung und Glorifizierung.
Gabriella Lorenz
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Nationalhymne Feuer Nacht


06. Dezember 1992, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2 (YouTube 8:39 Minuten)
 

 
Nationalhymne Feuer Nacht ist der siebte Teil aus "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege" (Die Donau), Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1), Premiere am 02. Dezember 1992, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2, von Alexeij Sagerer mit Christine Landinger (Die Tänzerin), Cornelia Mélian (Die Sängerin), Agathe Taffertshofer (Die Brunhilde), Ruth Geiersberger (Die Kriemhilde), Gesang Nationalhymne: Alexeij Sagerer und Cornelia Mélian. Quetsche: Cornelie Müller. (Kamera: Werner Prökel).
 

Im Spiegel der Presse


Göttin, Ärztin, Braut und Ziege
 

Mein Trost ist fürchterlich


Nibelungen & Deutschland Projekt (II-3)
UA 12. Mai 1993, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2
 
Synchronisator Sieben deutsche Ströme, Material Wagners Ring: Die Wallküre. Material Nibelungenlied: Siegfried in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen.
 
Mein Trost ist fürchterlich ist eine Komposition mit 3 männlichen Qualitäten (Gunther? - Hagen? - Siegfried?). Mit Matthias Hirth, Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Team: Maria Sánchez, Michaela Kraus, Hans Clemen, Ulf Hahn, Christine Landinger. Videotechnik: Christoph Wirsing. Raum: Reiner Wiesemes, Alexeij Sagerer. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
Vorspiel - Die Bären kommen. 1. Fenster zerschmeissen - Walkürenritt. 2. Dankesrede. 3. Wotan-Text mit dirigiertem Schlagzeug. 4. Schlagzeug und Sprechgesang. 5. Schlagzeug und Schöngesang. 6. Künstler Hakenkreuz Applaus. 7. Bäume Blechtrommeln Federbetten.
 
 
 
tz vom 15. 5. 1993
BÜHNENDONNER

Der Nibelung schlägt wieder zu: Alexeij Sagerer schreitet weiter auf seinem Schicksalsweg durch den Deutschen Nationalmythos. Doch sein viertes Stück zum Thema ist eine Theaterorgie ohnegleichen, ein Bühnendonner, dessen enorme Kraft und (Laut-)Stärke jeden Einwand durch Kunst zermalmt. Ein Triumvirat von Performance-Fürsten packt eine Stunde lang das Publikum am Kragen, setzt sich furios über eingefahrene Theaterrituale hinweg. Auf zwei Bühnen gleichzeitig wird deutsche Geschichte abgehandelt - eine Geschichte aus Gewalt, Untergang, Zerstörung. (...)
Reinhard J. Brembeck

Mein Trost ist fürchterlich - Dankesrede


DokuMaterial - Video8 - Farbe/Ton - 00:08:05 Std. - proT - Mai/Juni 1993
 

 
Das DokuMaterial Mein Trost ist fürchterlich - Dankesrede ist der zweite Teil (Synchronisator: Die Ems) des Theaterprojekts "Mein Trost ist fürchterlich - Nibelungen & Deutschland Projekt (II-3)" von Alexeij Sagerer. Das DokuMaterial ist eine ungeschnittene und unbearbeitete Videoaufzeichung, (Kamera: Werner Prökel. Ton: Kamera-Mikrofon) einer Aufführung vom Mai / Juni 1993 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. Mit Matthias Hirth, Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Text: Alexeij Sagerer. Sprecher: Matthias Hirth.
 
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Künstler Hakenkreuz Applaus


13. Mai 1993, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2 (YouTube 7:39 Minuten)
 

 
Künstler Hakenkreuz Applaus ist der sechste Teil aus "Mein Trost ist fürchterlich" (Die Oder), Nibelungen & Deutschland Projekt (II-3), Premiere am 12. Mai 1993, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2, von Alexeij Sagerer mit Matthias Hirth und Zoro Babel, (Kamera: Werner Prökel).
 
 
MÜNCHNER MERKUR vom 14.5.1993
TROST

Ein Bad in neo-surrealen Bildern, eine kräftige, wohltuende Massage für leicht angekalkte Sinneswahrnehmungen. Ein herrlich "unmittelbares" Fest, bei dem man, glückverloren, fast vergißt, daß es Theater sein soll...
Im tosenden Walkürenritt geht's mitten hinein in die deutsche (zweigeteilte?) Landschaft. In der Mitte vom proT ein hölzerner Brückenüber-gang, über den von Ost nach West (?) drei riesige Braunbären tappen - immer dem Bienensummen nach. Hier auch die Videoschirme, über die chemiebunt Rhein, Trave, Elbe, Ems, etcetera fließen. Und: wotanisch blond gewellt Matthias Hirth, als grandioser Dankesrede-Schwätzer.
(...) Die brausenden Klangströme potenzieren sich, dringen durchs proT-Gestühl in den eigenen Kreislauf. Der ganze Saal schwingt, bebt und brüllt. Dann black-out, Stille und Brünhildes einsame Klage. Ein Ganzkörper-Erlebnis mit Sauna Effekt. Danach völlige Freiheit - auch im Kopf.
Malve Gradinger

Mein Trost ist fürchterlich - Premiere


DokuMaterial - Video8 - Farbe/Ton - 01:06:02 Std. - proT - 12.05.1993
 

 
Das DokuMaterial Mein Trost ist fürchterlich - Premiere ist die ungeschnittene und unbearbeitete Videoaufzeichung (Kamera: Werner Prökel. Ton: Kamera-Mikrofon) der Aufführung des Theaterprojekts "Mein Trost ist fürchterlich - Nibelungen & Deutschland Projekt (II-3)" von Alexeij Sagerer am 12. Mai 1993 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. Mit Matthias Hirth, Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Team: Maria Sánchez, Michaela Kraus, Hans Clemen, Ulf Hahn, Christine Landinger. Videotechnik: Christoph Wirsing. Raum: Reiner Wiesemes, Alexeij Sagerer.
 

Im Spiegel der Presse


Mein Trost ist fürchterlich
 
 
Horizontale III
 

Siegfrieds Tod


Nibelungen & Deutschland Projekt (III-2), Muffathalle München, 27. Oktober 1993
 
Synchronisator Sieben deutsche Städte, Material Wagners Ring: Siegfried. Material Nibelungenlied: Siegfried wird ermordet.
 
Performerinnen: Silvia Ziranek, London. Hanna Frenzel, Berlin. Siglinde Kallnbach, Kassel. Regina Frank, Berlin. Jana Haimsohn, New York. Nina Hoffmann, Berlin. Natalia Pschenitschnikowa, Moskau.
Rauminstallation Alexeij Sagerer, Uli Borde.
Video "Sieben Deutsche Städte" ein Film von Alexeij Sagerer. Kamera: Thomas Tielsch. Schnitt: Christoph Wirsing und Alexeij Sagerer.
Planung & Realisation Maria Sánchez & Anna Maslowski mit Hans Clemen, Ulf Hahn, Christine Landinger & Cornelie Müller.
Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
Mit freundlicher Unterstützung von
Nikolaus Gerhart, Martin Brady, Zoro Babel, RÖRO Gerüstbau, Licht & Ton GmbH und mediarent Gürtler & Mack GmbH.
 
Eine proT-Produktion in Zusammenarbeit mit
Beck Forum, Siemens Kultur Programm und der Landeshauptstadt München.
 
Siglinde Kallnbach - Siegfrieds Tod
 
 
Die Video- und Rauminstallation
Sieben Performerinnen treffen auf eine Video-Raum-Installation von Alexeij Sagerer und Uli Borde: in dem rechteckigen Raum der Muffathalle (ca. 38 x 16m) werden durch 7 Video Türme à 7 Monitore 7 Orte definiert. Dadurch entsteht eine Art Installations- bzw. Performance-Straße oder -Allee als Gesamtinstallation. Die 7 Monitore sind in allen VideoTürmen vertikal (turm-artig) angeordnet. Die Türme als Gerüst reichen bis knapp unter die Decke (ca. 8m).
 
Das Publikum
In dem Raum zwischen den beiden Performance-Reihen bewegt sich das Publikum wie auf einer Straße oder wie in einer Fußgängerzone. Die an einer Breitseite des Raumes sich befindende Bar ist während der Performance geöffnet. Der Raum ist nicht bestuhlt.
 
 
tz vom 29.Oktober 1993
SIEBEN MAL SIEBEN. "Siegfrieds Tod" in der Muffathalle

Vom verkabelten Nibelung und seinen sieben Verführerinnen: In der Muffathalle machte Alexeij Sagerer ein Ende mit Siegfried. "Siegfrieds Tod" heißt der neueste Teil seines Nibelungen & Deutschlandprojekts und es ist der bisher aufwendigste und grandioseste Teil. (...) Jede Performerin hat das Thema in eigener Sprache verarbeitet, gespielt wird gleichzeitig. Meist spiegelt sich - es spielen Frauen - Siegfrieds Tod in Brünhildes Reaktion. Erstarrung: Hanna Frenzel läßt sich in einer durchsichtigen Röhre mit Salz verschütten; Nina Hoffmann bepinselt sich mit heißem Wachs, bügelt es dann platt - das großartigste Bild des Abends. Dagegen das wilde, sich sinnlos drehende Aufbegehren: Jana Haimsohn hüpft und tänzelt atemberaubend wie ein Perpetuum mobile und Sieglinde Kallnbach übergießt sich nackt mit Tierblut, schleudert Fleischstücke gegen ein Hakenkreuz. Dazu die wunderlich schönen Flötenklänge von Natalia Pschenitschnikova, die sich mit den Videos deutscher Städte, mit den Schreien, Tönen, Gesängen und dem Licht mischen zu einem totalen Theaterereignis. - Sagerer ist der letzte Dinosaurier des Münchner Theaterlebens, er hat immer wieder etwas zu sagen und je größenwahnsinniger und phantastisch-ausufernder er losschlägt, umso schöner ist sein Theater: Eine Sucht.
Reinhard J. Brembeck
 


proT auf Vimeo - über 55.000 Views - ZENSIERT !

Siegfrieds Tod


Theaterfilm - U-Matic-Mutter - Farbe/Ton - 00:56:05 Std. - Produktion proT - 1994
 

 
Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt (III-2), 27. Oktober 1993, Muffathalle München. Unmittelbares Theater als einmaliges Ereignis! Erster Einsatz des Synchronisators "Sieben deutsche Städte". Die Situation: 7 Performance-Künstlerinnen in einer Allee aus 7 Videotürmen. Auf den Monitoren 7 deutsche Städte von Ost nach West: Dresden, Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf. Das Publikum bewegt - auf einer Performance-Straße. Performerinnen: Silvia Ziranek, London. Hanna Frenzel, Berlin. Siglinde Kallnbach, Kassel. Regina Frank, Berlin. Jana Haimsohn, New York. Nina Hoffmann, Berlin. Natalia Pschenitschnikowa, Moskau. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
Die Videofilme
Auf allen 49 Monitoren der 7 VideoTürme sind nacheinander 7 Videos von 7 deutschen Städten zu sehen in folgender Reihenfolge: Dresden, Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf. Mit dem Ablauf dieser Videos ist gleichzeitig ein Ablauf von ca. 7 x 7 Minuten vorgegeben. Zwischen den einzelnen Städtevideos ist Schwarzfilm. Die Länge des jeweiligen Schwarzfilms variiert zwischen 17 und 25 Sekunden. Die 7 deutschen Städte wurden in der oben angegebenen Reihenfolge, d.h. von Ost nach West, gefilmt. Die Städte wurden nach einem Städtequartett aus dem dritten Reich ausgewählt, als Deutschland in Gaue aufgeteilt war. Für jede Stadt war eine andere Zeitspanne fürs Filmen vorgesehen (Dresden von 23.53 bis 3.38 Uhr - Berlin von 3.18 bis 7.03 Uhr - München von 6.43 bis 10.28 Uhr - Hamburg von 10.08 bis 13.53 Uhr - Stuttgart von 13.33 bis 17.18 Uhr - Frankfurt von 16.58 bis 20.43 Uhr - Düsseldorf von 20.23 bis 00.08Uhr), so daß die Gesamtheit der 7 Videos einen Tagesablauf wiedergibt: Deutschland - ein Land, in dem die Sonne nicht untergeht!
 
über 4.300 Views auf Youtube!

Siegfrieds Tod (7. Düsseldorf)


27. Oktober 1993, Muffathalle München, Zellstr. 4 (YouTube 9:57 Minuten)
 

 
Siegfrieds Tod (7. Düsseldorf) ist der letzte Teil der Theaterproduktion "Siegfrieds Tod", Das Nibelungen & Deutschland Projekt (III - 2) von Alexeij Sagerer, mit Silvia Ziranek (London), Hannah Frenzel (Berlin), Sieglinde Kallnbach (Kassel), Regina Frank (Berlin), Jana Haimsohn (New York), Nina Hoffmann (Berlin), Natalia Pschenitschnikowa (Moskau / Berlin). (Kamera: Christoph Wirsing)
 
 
HYBRID - THE INTERNATIONAL CROSS-ARTFORM, dec 1993 / mar 1994
proT. SIEGFRIEDS DEATH - Nibelung & Germany Project (III-2) Muffathalle Munich

(...) Particularly impressive were the final two contributions, accompanying Frankfurt and Dusseldorf: Nina Hofmann turned herself into a living wax sculpture with the help of a cauldron of hot wax, a tarring brush and a hot iron, and Natalia Pschenitchnikova from Moscow improvised with voice and flute in her Lung Music, reacting with immense subtlety and energy not only to the other performers but also the towers of flickering video images. Shot in the seven cities at seven different times of day, Sagerer/Siegfried is seen in this sequence of short films processing across reunified Germany from East to West with a red cross on his back, foreshadowing both his own imminent death and Kriemhild's subsequent revenge. A brief clip from Lang's Siegfried brought this full-blooded and compelling station of Sagerer's ongoing Nibelung and Germany Project to a fitting conclusion.
Martin Brady
 
 
Hanna Frenzel - Siegfrieds Tod
 

Im Spiegel der Presse


Siegfrieds Tod
 
 

Recken bis zum Verrecken


Nibelungen & Deutschland Projekt (III-3), UA 13. Juli 1994, proT-ZEIT, München
 
Synchronisator Sieben deutsche Städte, Material Wagners Ring: Siegfried. Material Nibelungenlied: Siegfried wird ermordet.
 
Mit Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Team: Maria Sánchez, Alois Rockenschaub, Christine Landinger, Anna Maslowski. Technik: Ulf Hahn. Videotechnik & Fotos: Christoph Wirsing. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 

 
Der Anfänger, der, der dauernd anfängt (Siegfried) und der Pragmatiker, der keine Anfänge und Anfänger mehr gebrauchen kann (Hagen), sitzen sich gegenüber. Deutschland dazwischen, die Welt und das Publikum um sie herum.
 
Die Abenteuer werden Geschichte und die Geschichte sucht ihr Ende; d.h. die Geschichte kann den dauernden Anfänger Siegfried nicht mehr gebrauchen. Daher muss Hagen Siegfried töten. Und das wird die Folge sein: Mit dem Töten des Anfängers verendlicht auch der Pragmatiker. Alle gehen unter, weil sie den Anfang verloren haben und ohne ihn nichts mehr anfangen können. Aber damit befinden wir uns bereits im letzten Teil des NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKTS.
 

 
 
SZ vom 15. Juli 1994
DEUTSCHE GESCHÖPFE

Deutschland ist vereint, doch der Theaterraum zerfällt in zwei Hälften. Auf einem hölzernen Laufsteg begegnen sich Hagen (Zoro Babel) und Siegfried (Alexeij Sagerer), der Uniformierte und der Geschäftsmann im Rüschenhemd, sie rauchen und argwöhnen, ehe sie per Handschlag einig werden. Hagen und Siegfried gehören zusammen, sie sind Geschöpfe aus Deutschland.
Die Position die der Abend im Rahmen des imposanten "Nibelungen & Deutschland Projekts" des proT einnimmt, läßt sich nur mehr mit Hilfe eines Koordinatensystems feststellen: Danach befindet sich die Produktion auf Position 3/3, also drei Schritte nach rechts (horizontal) und drei nach unten (vertikal). So geortet, könnte der Abschnitt "Recken bis zum Verrecken" als glänzender Stein im Mosaik des Ganzen identifiziert werden. Doch der dritte Teil des dritten Themas ist für sich genommen ein Brilliant.
Sagerer ist das schier unmögliche gelungen, nämlich die Wucht seines Themas auf ein schnoddriges Spiel mit Versatzstücken zu verdichten. Und obgleich im Grunde keine Geschichte erzählt wird, liest jeder eine heraus und nennt sie die eigentliche, die vollständige.
Ralph Hammerthaler
 
Synchronisiert wird RECKEN BIS ZUM VERRECKEN, sowie die gesamte Horizontale III des NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKTS durch die 7 Videos von den 7 deutschen Städten, Dresden, Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, gefilmt von Ost nach West.
 
Durch die Synchronisation der theatralen Abläufe durch die jeweils 7 etwa 7 minütigen Videos bleibt der Zeitraum aller theatralen Abläufe seit Beginn des NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKTS gleich. Verändert wurden von Horizontale zu Horizontale die Bilder der Videos und damit auch ihre innere Dramaturgie. Die 7 gemalten Videos der Horizontale I stehen nicht nur am Anfang des Projekts, sie sind auch der unbekümmerte Energie-Fluss, der keinen Namen und keine Geschichte braucht oder sucht.
 
Ähnlich unbekümmert arbeiten auch Flüsse und Ströme. Auch die Ströme, die als "7 deutsche Ströme" Material für die Videos der Horizontale II werden. Ströme werden jedoch immer schon für Geschichte benützt. Daher ist auch das Material für "7 deutsche Ströme" kein gänzlich unbekümmertes Material mehr. Die Ströme tragen Namen, sie transportieren Waren und Personen, Städte werden an ihnen gegründet, sie werden auch zu Staatsgrenzen gemacht. Damit dringt über diese Ströme Geschichte, Politik in die Videos ein.
 
Dieses Eindringen von Geschichte und Politik in die Videos und damit in das gesamte NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT verstärkt sich mit den 7 Städtevideos der Horizontale III. Die Ströme der Städte: Verkehrsströme und Menschenströme werden immer wieder angehalten durch Bedeutung, Zeichen, Gebäude, Geschichte und Politik.
 
(proT, 07. Juli 1994)
 

 
Bei Der Nibelung am VierVideoTurm stehen Siegfried und Hagen Seite an Seite, der Welt, dem Publikum und den Drachen sorglos zugewandt. Ein möglicher Konflikt zwischen dem Pragmatiker Hagen und Siegfried - einem der auszog, das Fürchten zu lernen - ist nicht zu erkennen.
 
Bei Mein Trost ist fürchterlich ist der Männerbund ein Dreierbund. Hagen und Siegfried stehen zwar noch nebeneinander, aber nicht mehr Seite an Seite sondern im Dreieck mit Gunther - in gewisser Weise Gunther zugewandt, die Welt und das Publikum nicht mehr als Unbegrenztes vor ihnen, sondern zwischen ihnen; die Vorgänge nicht mehr frei in den Kosmos fliegend. Wenn Gunther - der Künstler, König und Kleinbürger - das Hakenkreuz malt, spielt ihm Hagen den bei diesem Vorgang nicht unwesentlichen tosenden Applaus zu, während Siegfried sein Bier trinkt.
 
Bei RECKEN BIS ZUM VERRECKEN sitzen sich Siegfried und Hagen gegenüber, Deutschland zwischen ihnen, die Welt, das Publikum um sie herum.
 
(proT, 07. Juli 1994)
 

Recken bis zum Verrecken


Theaterfilm - Umatic - Farbe/Ton - 01:01:26 Std. - Produktion proT - 1994
 

 
Der Theaterfilm Recken bis zum Verrecken ensteht mit zwei Aufführungen des Theaterprojekts "Recken bis zum Verrecken - Nibelungen & Deutschland Projekt (III-3)", im Juli 1994 in der proT-ZEIT in München. Mit Zoro Babel und Alexeij Sagerer. Synchronisator auf den Monitoren der beiden VierVideoTürme: 7 deutsche Städte. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 
Es geht darum, ein immer reichhaltigeres und konsistenteres theatrales Material zu entwickeln, das immer intensivere Kräfte einfangen kann (und nicht darum, einem Thema eine Form aufzuzwingen). Was Abläufe immer reicher macht, ist das was Heterogene zusammenhält, ohne daß sie aufhören heterogen zu sein. Dabei geht es um Synchronisatoren, die nicht ausgleichend und homogenisierend wirken, sondern die zwischen zwei Rhythmen operieren, von innen heraus, und aus diesem formalen Ansatz die Unmittelbare Oper zu finden.
(AS, 1994)
 

Im Spiegel der Presse


Recken bis zum Verrecken
 
 

Meute Rudel Mond und Null


Nibelungen & Deutschland Projekt (III-1)
 
Synchronisator Sieben deutsche Städte, Material Wagners Ring: Siegfried. Material Nibelungenlied: Siegfried wird ermordet.
 
Mit Howard Cooper, Lothar Kreutzer, Christine Landinger, Ute Weber und 16 täglich wechselnden internationalen Performerinnen. Team: Maria Sánchez, Anna Maslowski. Technik: Ulf Hahn. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
 
Meute Rudel Mond und Null wird sechzehn Mal in der proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2 gezeigt - in vier Vierer-Blöcken à 4 Aufführungen. Die erste Aufführung findet am 19. Oktober 1994, die letzte am 13. November 1994 statt. Auf jede der Aufführungen trifft jeweils einmalig eine andere Performerin - dadurch entstehen vier Gruppierungen von jeweils vier Performerinnen (siehe unten "Das Fest zum Mord").
 
Die Produktion wird durch den Synchronisator Sieben deutschen Städte synchronisiert. Dadurch sind sowohl die Dauer als auch der Ablauf der Produktion genau bestimmt. Die Performerin ist in den Ablauf von MEUTE RUDEL MOND UND NULL eingebunden. Dabei arbeitet sie aber nicht gleichzeitig mit den anderen Künstlern, sondern formuliert einen der sieben Abschnitte des Synchronisators (also circa 7 Minuten) alleine. Sie tritt also mit ihrer eigenen Arbeit in die Produktion.
 
 
 
MÜNCHNER MERKUR vom 21. Oktober 1994
BRITISCH-BÖSE GESCHICHTEN ÜBERS STERBEN

Im Münchner proT: Weiterführung von Alexeij Sagerers "Nibelungen & Deutschlandprojekt".
(...) Figuren tragen brennende Feuerschalen. Die Totenfeier hat begonnen. Prasseln von Flammen und roter Widerschein an den Wänden. Ein weiblicher Kopf erscheint in einem Türausschnitt. Eine Asylantin in einem angezündeten Haus. Die Assoziation ist unmittelbar. "Deutschland über alles" vom Band. Die Hymne zerschellt zwischen hehrer Frauenstimme (Ute Weber) und wütendem Brüllgesang (Sagerer). Ein Totenfest auch für Deutschland. Ein Toten-Priester (Howard Cooper) zelebriert die Feier nackt, als tanzender Putto und erzählt hinreißend britisch-böse Geschichten übers Sterben und Beerdigen. Wie Sagerer die Bilder ins Makaber-Visionäre hinüberschwimmen lassen kann, so kann er sie auch ins Ironisch-Groteske auflösen. Irgendwann, wie unbeabsichtigt, eine strenge Frau in Hosenanzug (Nan Hoover), eine stille Figur, gemeißelt zwischen Licht und Schatten, Leben und Tod. Und immer rechts im Blick der ewige Nibelung-Siegfried mit seiner verwundbaren Stelle, das Opfer, der Fremdling auf der Flucht durch Sagerers sieben Video-Städte. Diesmal war Sagerers offenes Theater Eintauchen in eine kühl-magische Welt, Rätseln, Sich-Distanzieren und lustvolles Begreifen. Übers Rückenmark.
Malve Gradinger
 

 
Oh now it really becomes complicated and really comes even more from another world. I think I will tell you these facts in German. Now listen!
 
Die Sängerin die Brunhild sein könnte, wird sofort wieder zur Sängerin da Brunhild nach dem Verrat an ihr und dem darauf folgenden Versiegen ihrer heftigen Liebesbereitschaft - die aber möglicherweise immer schon ein Schwarzes - Staatsloch war - im Schwarzen - Staatsloch-Hagen verschwindet. Brunhild ist sozusagen Hagen geworden der aber selbst längst ein Schwarzes - Staatsloch ist, in dem er verschwand.
 
"In stolzer Genugtuung sass die schöne Brunhild jetzt auf ihrem Thron und kümmerte sich nicht darum, dass Krimhild bitter weinte. Niemals wieder war sie dazu zu bewegen, freundschaftlich mit ihr zu verkehren."
 
Die Sängerin ist also sobald sie Brunhild wird sofort wieder Sängerin, da Brunhild Hagen geworden ist. Hagen ist aber längst ein Schwarzes - Staatsloch in dem er selber verschwand. Also verschwindet auch Brunhild im Schwarzen - Staatsloch Hagen. Die Sängerin steht also sobald sie Brunhild wird im selben Augenblick wieder als Sängerin vor uns und muss nun als Sängerin aufpassen, sie könnte sich als Sängerin aus der Problematik der schwarzen Löcher herausstehlen, da sonst ihr Gesang selbst sofort zum schwarzen Loch würde in dem sie, diesmal aber endgültig, verschwände. Als Sängerin jedoch steht sie jetzt vor uns - nachdem sie Brunhilde und Hagen wurde und in einigen schwarzen Löchern verschwand - und singt sich die Brunhild.
 
Die Tänzerin könnte Kriemhild sein, die durch ihre Liebe zu Siegfried vor dem Schwarzen - Staats - und Hagen - Loch geschützt war - sicherlich ein Grund Hagens Siegfried zu töten - und bleibt auch durch den Schmerz über Siegfrieds Tod zunächst vor diesem Schwarzen - Staats - und Hagen - Loch geschützt. In gewisser Weise macht sie der Schmerz unsichtbar und umgekehrt machen sich für einige Zeit die Schwarzen Staats - und Hagen - Löcher vor Kriemhild, die ihre Schmerzlinie entlangrast, unsichtbar.
 
"Nach dem schmerzlichen Verlust ihres Mannes lebte Kriemhild noch dreinhalb Jahre, ohne dass sie in dieser Zeit mit Gunther auch nur ein einziges Wort sprach oder ihren Feind Hagen jemals sah."
 
Kriemhild beginnt in dieser Zeit selbst ein riesengrosses Schwarzes - Hagen - Staatsloch zu werden, das später Hagen und mit ihm den ganzen Burgunderstaat verschlingt und gleichzeitig bereitet sie ihr Hunnenwerden vor.
Die Tänzerin kann also Kriemhild nicht werden da Kriemhild unsichtbar wird und gleichzeitig selbst Hagen wird, ein Schwarzes - Staats - und Hagen - Loch. Die Tänzerin wird also während sie Kriemhild wird sofort Hagen, also ein riesengrosses Hagen - und Staats - Loch, das Hagen sofort verschlingt. Worauf die Tänzerin als Tänzerin da steht und als solche, klein und hunnig, die Kriemhild tanzt.
 
Oh yeah it sounds really complicated. It was a great idea to tell in German.
(AS, 1994)

Im Spiegel der Presse


Meute Rudel Mond und Null
 
 

Das Fest zum Mord


Ein Festival im NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT mit den Produktionen Meute Rudel Mond und Null Nibelungen & Deutschland Projekt (III-1) und Recken bis zum Verrecken Nibelungen & Deutschland Projekt (III-3) und mit 16 internationalen Performerinnen. Die Aufführungen gehen von Vollmond (19. Oktober 1994) bis Vollmond (18. November 1994).
 

 

Der Aufführungsmodus


 
Die Aufführungen gehen von Vollmond (19. Oktober) bis Vollmond (18. November). Die in diesem Zeitraum liegenden Mondphasen (Vollmond - abnehmender Halbmond - Neumond - zunehmender Halbmond) teilen die Aufführungen in 4 Blöcke. In jedem dieser Blöcke wird die Produktion MEUTE RUDEL MOND UND NULL an vier Tagen hintereinander in der proT-ZEIT, Steinseestraße 2 gespielt. Mit täglich wechselnder Performerin als Gast. Diese vier Performerinnen treffen am letzten Tag einer Mondphase gleichzeitig auf die Produktion RECKEN BIS ZUM VERRECKEN in der Reithalle, Heßstraße 132.
 
Es gibt also 16 Aufführungen von MEUTE RUDEL MOND UND NULL mit jeweils einer anderen Performerin in der proT-ZEIT und vier Aufführungen von RECKEN BIS ZUM VERRECKEN mit jeweils vier anderen Performerinnen in der Reithalle.
 
Dies bedeutet den Aufführungsmodus selbst zum Kompositionsmaterial und zum lebendigen Ereignis machen. Jeder dieser Abende ist eine einmalige Konstellation.
 

Die Aufführungsorte


 
-1- proT-ZEIT, Steinseestr. 2, München
 

 
In der proT-ZEIT wird 16 Mal die Produktion MEUTE RUDEL MOND UND NULL aufgeführt - in vier Vierer-Blöcken à 4 Aufführungen. Auf jede dieser 16 Aufführungen trifft jeweils eine der 16 internationalen Performerinnen. Dadurch entstehen vier Gruppierungen von jeweils vier Performerinnen. Die Produktion wird durch den Synchronisator Sieben deutschen Städte synchronisiert. Dadurch sind sowohl die Dauer als auch der Ablauf der Produktion genau bestimmt. Die Performerin ist in den Ablauf von MEUTE RUDEL MOND UND NULL eingebunden. Dabei arbeitet sie aber nicht gleichzeitig mit den anderen Künstlern, sondern formuliert einen der sieben Abschnitte des Synchronisators (also circa 7 Minuten) alleine. Sie tritt also mit ihrer eigenen Arbeit in die Produktion. Das Publikum befindet sich den theatralen Abläufen gegenüber.
 
-2- Reithalle, Heßstr. 132, München
 

 
Die Reithalle ist eine über 1000 qm grosse Halle. Hier treffen die 16 Performerinnen auf die Produktion RECKEN BIS ZUM VERRECKEN. Das heisst, die bei der Produktion MEUTE RUDEL MOND UND NULL entstandenen vier Gruppierungen von jeweils vier Performerinnen treffen auf jeweils eine Aufführung von RECKEN BIS ZUM VERRECKEN. Dabei wird gleichzeitig auf 5 "Bühnen" gespielt. Die Abläufe werden durch das Video Sieben deutsche Städte (Dresden - Berlin - München - Hamburg - Stuttgart - Frankfurt - Düsseldorf) synchronisiert. Auf diesen Ablauf von Sieben deutsche Städte treffen in seiner gesamten Länge sowohl RECKEN BIS ZUM VERRECKEN als auch jede der vier internationalen Performerinnen. Das Publikum sitzt an Tischen "zwischen" den Spielorten, kann seine Position aber verändern.
 

Die 16 internationalen Performerinnen


 
 
Nan Hoover (USA) theatrale Performance -1- "Türen" -2- "In Relation"
Hanna Barbara (Basel) Tanz-Performance -1- / -2- "EinTritt frei nach mir"
Pauline Daniels (Amsterdam) Tanz-Performance -1- / -2- "NEBULA"
Tenko (Japan) Musik-Performance -1- / -2- "The Flame of Silence"
 
Salome Schneebeli (Zürich) Tanz-Performance -1- / -2- "Cold reading"
Tina Mantel (Zürich) Tanz-Performance -1- / -2- "Hart gekocht"
Marie Kawazu (Paris) theatrale Performance -1- / -2- "Once a story à proT"
Shelley Hirsch (New York) Musik-Performance -1- / -2- "ohne Titel"
 
Pascale Grau (Biel) theatrale Performance -1- / -2- "späte Rache"
Anna Huber (Bern) Tanz-Performance -1- / -2- "daZWIschen weg"
Fine Kwiatkowski (Wiesbaden) Tanz-Performance -1- / -2- "Sinne"
Julie Tippets (GB) Musik-Performance -1- / -2- "Passions for Spontaneous Reactions"
 
Anne Bean (London) theatrale Performance -1- / -2- "Tears and Consolation together"
Monica Klingler (Zürich) Tanz-Performance -1- / -2- "Gudrun Lied"
Esther-Maria Häusler (Zürich) Tanz-Performance -1- "Landing" -2- "Landing 1 - 7"
Hannah E. Haenni (Biel) Musik-Performance -1- / -2- "Somewhere between homeless and less"
 
 
 
SZ vom 8. November 1994
ACHT WALLKÜREN IN DER REITHALLE

"Das Fest zum Mord": Halbzeit bei Alexeij Sagerers Nibelungenshow
(...) Die Zuschauer bewegen sich zwischen den fünf gleichzeitig bespielten Schauplätzen, wobei der Laufsteg mit Siegfried und Hagen das Zentrum markiert. Hier treffen die Performerinnen aufeinander, müssen sich in ihrem Medium behaupten. Und das ist keine leichte Aufgabe. Sie müssen sich ihren eigenen Raum schaffen, der entweder eine Ergänzung oder ein Gegengewicht zur Siegfried-Hagen-Aktion bildet. Gelingt es ihnen nicht, fallen sie raus. Aus dem inhaltlichen Zusammenhang und auch aus der Rezeptionsbereitschaft des flanierenden Publikums. Ein Härtetest, der den Tänzerinnen viel abverlangt.
(...) bei einer Performerin geht Sagerers Konzept voll auf. Pauline Daniels aus Amsterdam zeigt, was das Medium Tanz leisten kann, wenn es nicht nur perfekt ausgeführt, sondern auch perfekt durchdacht wird. Daniels übernimmt konsequent die sieben Städtevideos als Strukturierung für ihre Performance. Wechselt mit jedem Video die Art ihrer kraftvollen Bewegung. Nach nervösem Vibrieren und vollkonzentriertem Balancespiel mit rotem Ballon hängt sie schließlich wie tot in den Seilen. (...)
Katja Schneider
 
 
Eine proT-Produktion von Alexeij Sagerer in Zusammenarbeit mit Hahn Produktion
- gefördert durch das Kulturreferat der LHst München und durch die KulturStiftung der Länder aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern
- mit freundlicher Unterstützung von Beck-Forum - sono Studiotechnik Gottfried Düren-Fisgus - mediarent Gürtler & Mack GmbH - PRO HELVETIA - British Council - Mövenpick im Künstlerhaus - Verein zur Förderung von Unmittelbarem Theater e.V.
Schirmherrschaft: Frau Sabine Csampai, Bürgermeisterin der LHst München
Patronat: Herr Paul Studer, Schweizerischer Generalkonsul

 
 

Im Spiegel der Presse


Das Fest zum Mord
 
 
Horizontale IV
 
 

Sensation der Langsamkeit


Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-1)
31. Mai 1996 von 8.00 Uhr bis 24.00 Uhr, proT-ZEIT, Steinseestrasse 2, München

 
Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden, Material Wagners Ring: Götterdämmerung. Material Nibelungenlied: Der Untergang der Nibelungen u.s.w..
 
Christine Landinger in einer Videoinstallation von Alexeij Sagerer.
 

 
SENSATION DER LANGSAMKEIT geht aus von dem Satz: "Die aus der Geschichte verschwundene Brünhilde wird sichtbar". Eine Figur (Brünhilde) verschwindet aus einer Komposition (Geschichte) - einfach so, ohne weitere Erklärung. Dies ist nur vorstellbar, wenn ihre Geschwindigkeit (Rhythmus) von der Komposition nicht mehr aufgenommen wird. Wir nehmen in gewisser Weise für diese Figur einen eigenen Rhythmus, und machen dadurch das Verschwundene sichtbar.
(AS, 1996)
 
 
SZ vom 03.06.96
EROTIK ALS GROTESKE
Ein 16stündiges Solo von Christine Landinger im proT

 
(...) Eine "Sensation der Langsamkeit" ist angekündigt, die Entdeckung Brünhildes, jene Figur also, die so plötzlich aus dem Nibelungenlied ausscheidet, daß sie Sagerer zu einer theatralischen Suche provozierte.
(...) Darauf läßt man sich entweder ein - oder man muß verzweifeln. Denn die Performance dauert sechzehn Stunden, unterteilt in vier Phasen zu dreieinhalb Stunden. Den zeitlichen Rahmen geben Sagerers Videos vor: "Nomaden und Helden". Auf sechzehn Monitoren, herdenhaft auf die Wiese gesetzt, ziehen Bilder jener Gegenden vorüber, in denen die Wehrmacht im zweiten Weltkrieg zum Umkehren gezwungen wurde. Zwischen den Geräten befinden sich Rollen aus Salz, teils aufgeschichtet, teils lose (Installation: Hilde Seyboth). Und im Vordergrund: Brünhildes Bühne, ein Flecken aus Plastik, ein riesiger roter Klecks auf dem Rasen.
(...)
Sagerer verlangt in dieser Produktion die ganze Kraft seiner Schauspielerin (und die seines Publikums). Landinger spielt bis zur Erschöpfung, bis ihre Züge hart und wächsern werden, aber keinen Augenblick verläßt sie der stolze Ausdruck, der seit Beginn über ihrer, über Brünhildes Erscheinung liegt. Vor den rituellen Posen, vor dem Strip als Anti-Strip und einer bis ins Groteske verzögerten Erotik meditiert der Zuschauer wie ein über dem Rosenkranz gebeugter Gläubiger. Er hört auf, die Stunden zu zählen, die Sequenzen und Wiederholungen, und er fragt nicht länger danach ob er Brünhilde je wird finden können. Nur eins ist ihm klar: Brünhilde hat seit heute ein Gesicht. Es ist das Gesicht der Christine Landinger.
Ralph Hammerthaler
 

 

SENSATION DER LANGSAMKEIT


ein 16-stündiges Theaterprojekt in 4 Teilen
 
8.00 Uhr   Sensation der Langsamkeit 1. Teil: Blind mit Brautkleid
Video: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden
Ton Synchronisator: stumm
Dauer: 3 Std. 18.Min. 48 Sek.
12.00 Uhr   Sensation der Langsamkeit 2. Teil: Am roten Tisch
Video: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden
Ton Synchronisator: Originalaufnahmeton
Dauer: 3 Std. 18 Min. 48 Sek.

16.00 Uhr   Sensation der Langsamkeit 3. Teil: Auf weißer Wäsche
Video: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden
Ton Synchronisator: Die 7 Denker am 13.10.95 im Marstall
Dauer: 3 Std. 18. Min. 48 Sek.
20.00 Uhr   Sensation der Langsamkeit 4. Teil: Schwarzer Rock
Video: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden
Ton Synchronisator: GÖTTERDÄMMERUNG von Richard Wagner
Dauer: 3 Std. 18 Min. 48 Sek.
 
Sensation der Langsamkeit ist eine proT-Produktion. Durchgeführt von Maria Sánchez, Christine Landinger, Klaus Schneider, Ellinor Gaaz, Alexeij Sagerer. Unterstützt vom Kulturreferat der LH München und Beck Forum.
 
 
AZ vom 03.06.1996
LANGSAMKEIT AUSHALTEN
proT: Finale bei Alexeij Sagerers Nibelungen-Projekt

(...) Die junge Braut im Brautkleid trägt eine Augenmaske. Während ihrer minimalen, in ihren Körper zurückfließenden Tanzbewegungen scheint sie zu lächeln - ein wunderschönes Bild großer Erwartung. Sie bewegt sich auf einem großen roten Fleck, Blut? Christine Landinger ist das einzig lebende Wesen in dieser geisterbeschwörenden Installation. Die Schauspielerin ist das Medium, das in vier Bild-Phasen (je satte drei Stunden) Brünhildes Geschichte körperlich erfahrbar macht. Zwischen Macht, Männerkriegen, schandbarem Betrug sehen wir ihr rätselhaftes Erlöschen, ein magisches Verschwinden in sich selbst: Die schöne Prinzessin löffelt ein Eis; die Königin in einem Berg weißer Laken, säumt eine schwarzrotgoldene Fahne - ihr Leichentuch; zuletzt ( zu den suggestiven Klängen der "Götterdämmerung") versucht sie sich in qualvoller Trance von dem Mini zu (er)lösen, der sie fesselt. Christine Landingers Körper, nicht nur ihr Gesicht, ist konzentrierte Mimik der langsamen Minimalismen. Ein Sog geht aus von ihr und dem Raum. Sagerer längst kein "Berserker" mehr, zwingt in den Radikalismus der Langsamkeit. Wider alle Zeitbegriffe.
(....)
Ingrid Seidenfaden

Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden + Wagner


Synchronisator + - U-Matic Mutter - mit Ton - 03:20:08 Std. - proT - 1996
 

 
Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden + Wagner ist der Original Synchronisator Nomaden und Helden ohne Originalton jedoch "vertont" mit der Musik aus Wagners "Götterdämmerung". In dieser Form wird der Synchronisator eingesetzt beim letzten Teil der Produktion Sensation der Langsamkeit (proT-ZEIT, 31. Mai 1996). Aktion: Christine Landinger. Vertonte Fassung: Alexeij Sagerer mit Christoph Wirsing. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 

Im Spiegel der Presse


Sensation der Langsamkeit
 
 

Götterdämmerung


Eine Trilogie im Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
13./14./15. Oktober 1995, Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München
 
Synchronisator: Sieben deutsche Himmelsrichtungen - Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden - Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Anflüge. Material Wagners Ring: Götterdämmerung. Material Nibelungenlied: Der Untergang der Nibelungen usw. Götterdämmerung besteht aus den drei Produktionen NOMADEN UND HELDEN, SIEBENMALVIER und ENDGÜLTIG.
 
Eine Co-Produktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel / Marstall München in Zusammenarbeit mit dem Siemens Kultur Programm, dem Festival SPIEL.ART und dem Kulturreferat der LH München.
Mit freundlicher Unterstützung durch Beck Forum, Dr. Jürgen Kolbe, Herrn Jörn Behrmann. Wir danken der Licht & Ton GmbH und RÖRO Gerüstbau für die freundliche Unterstützung bei der Videoinstallation.
Für die Unterstützung bei den Videoarbeiten vor Ort danken wir den Goethe-Instituten in: Chania, Kiew, St. Petersburg und Tunis, sowie Herrn Matthias Gurski in Wolgograd und Herrn Jurij Lebedev in St. Petersburg.

 
Künstlerisch - organisatorisches Team: Maria Sánchez, Christine Landinger, Ellinor Gaaz, Klaus Schneider.
Technik / Aufbau: Ulf Hahn, Stefan Gliesche, Steffen Lohrey, Felix Nollmann.
Raum GÖTTERDÄMMERUNG: Alexeij Sagerer mit der Steininstallation von Nikolaus Gerhart.
Team Marstall: Elisabeth Schweeger (Künstlerische Leiterin), Herr Peinhaupt (Produktionsleiter), Frau Goldmann (PR), Dieter Schmitz (Techn. Direktor), Frank Kaster (Licht), Peter Vogel (Ton).
Götterdämmerung ist ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
NOMADEN UND HELDEN mit den Denkern Prof. Dr. Regina Becker-Schmidt, Prof. Dr. Klaus Berger, Prof. Dr. L.J. Bonny Duala M'Bedy, Prof. Dr. Edmund Lengfelder, Prof. Dr. Dietmar Saupe, Dr. Herbert Scheingraber, Prof. Dr. Wofgang Welsch und der Performerin Nina Hoffmann.
 

 
SIEBENMALVIER mit den Musikern Rüdiger Carl, Dietmar Diesner, Paul Lovens, Joe Sachse, Martin Schütz, Tenko, N. U. Unruh und der Performerin Nina Hoffmann.
 

 
ENDGÜLTIG. mit Dietmar Diesner, Matthias Hirth, Lara Körte, Lukas Miko, Ulf Hahn, Klaus Schneider, Christoph Wirsing, Franz Lenniger, 77 Deutsche.
 

 
Der Raum ist geschichtet. Ein rotes Podest verläuft vor und zu der Wand gegenüber dem Publikum. Dieses Podest ist mindestens 14 m lang, 2 m breit, und 1.50 m (mindestens 1 m) hoch. Durch den Videoturm (aus 16 Monitoren, ca. 12 - 14 m hoch) wird das Podest in zwei etwas ungleiche Teile geteilt. Der Videoturm selbst steht aber genau gegenüber dem Eingang für das Publikum. Vor dem Podest ist eine freie Fläche von 4 m Tiefe. Im Anschluß an diese freie Fläche ist eine Reihe der Bodenplatten entfernt. In diesem "Graben" befindet sich die Steininstallation von Nikolaus Gerhart. Es folgt wieder eine freie Fläche, diesmal von 2 m Tiefe. Dann beginnen die beiden Tribünen für das Publikum. Auch sie sind parallel zur Wand, getrennt durch einen Durchgang, der sich genau gegenüber dem Videoturm befindet. Trotz oder auch wegen dieser Schichtung des Raumes stellt er sich als ein theatraler Raum dar.
 
Der Raum erscheint also in der Horizontalen in sieben Schichten:
1. Der Abstand des roten Podestes zur Wand.
2. Das rote Podest.
3. Der freie Raum vor dem Podest.
4. Der "Graben" mit der Steininstallation.
5. Der Abstand zwischen Steininstallation und Publikum.
6. Die Publikumstribünen.
7. Der Abstand der Publikumstribünen zur Wand.
 
In der Vertikalen erscheint der Raum in vier verschiedenen Höhen:
1. Der "Graben", in dem die Steininstallation steht.
2. Der vorhandene Boden, auf dem z. B. die Performerin arbeitet.
3. Das rote Podest, auf dem z. B. die sieben Denker arbeiten.
4. Der Videoturm.
 
Die Steine verbinden sich dabei mit dem Unten (ziehen nach unten). Der Videoturm strebt zur Decke und darüber hinaus. Das Publikum ist selbst ein Teil der horizontalen Schichtung des Raumes. Es befindet sich mit dem theatralen Geschehen im selben Raum. Gleichzeitig hat das Publikum aber die Vertikale vor sich, befindet sich also dem theatralen Raum gegenüber.
(AS 1995)
 
 
AZ vom 17. Oktober 1995
HIMMELHOHE ABGRÜNDE DEUTSCHER GESCHICHTEN
"Götterdämmerung": Alexeij Sagerers Nibelungen-Finale

Der wilde Theater-Rebell als Weiser. Den Alexeij Sagerer und sein wirklich freies proT müssen wir ab jetzt zu den autonomen Theater-Bild-Erfindern dieser 90er Jahre zählen. Mit "Götterdämmerung", der abschließenden Trilogie seines Nibelungen-Projekts, setzt Sagerer ein irritierendes, absolut selbständig gedachtes Deutschland-Epitaph.
Sieben und vier, Sagerers magische Zahlen, bildeten - nicht unbedingt einsehbar - in ihren Kombinationen das Strukturelement des eigenwillig, mit unbedingter Phantasie seit 1992 durchgezogenen Projekts. Eine multimediale Besichtigung der deutschen (Einheits)Befindlichkeit, mit Rückgriffen auf den Nibelungen-Mythos und Wagners "Ring". Eine wilde, oft scheinbar willkürliche Mixtur von Dumpf-Archaischem unter dem Raster der scheinbaren Vernunft des Heute. Sieben mal vier ist achtundzwanzig. Alles klar?
Am Ende wird die Zahlenstruktur zum sinn- und formstiftenden Element. Großartig lapidar der Bühnenaufbau, tollkühn der spirituelle Entwurf des ersten Abends"Nomaden und Helden". Sieben Wissenschaftler reden über ihr Fach. Zweiflerisches, Futurkühnes, Beängstigendes, das im Chorus (zwischen Informatiker, Astrophysiker, Philosoph, Theologe, etc.) zum fragmentierten Einverständnis führt, daß die Gefährdungen unserer Welt mit der Ratio allein nicht zu bewältigen seien.
An schwarzen Tischen über roten Gerüsten bilden die Herren eine Horizontale, vor ihnen, in einer stillen Aktion, bügelt die Performerin Nina Hoffmann eine Mauer aus weißen Wachsquadern zum zarten Vorhang fließenden Lebens. Wir sehen Schwarzweißrot, die Großdeutschhitlerfarben, und himmelhoch senkrecht dazu auf 16 Monitoren Sagerer/Siegfrieds Videoreise dorthin (von Narvik bis Stalingrad), wo der nibelungische Welteroberungstraum - auf die Nase fiel. Fabelhafte, bedrückende, erhellende Versinnlichung von Gedanken, Zeiten, Bildern.
Eine theatrale Bewußtseins- und Geschichts-Collage, in der sich der Zuschauer gefordert und durchaus entertaint wiederfindet. "Siebenmalvier", der zweite Abend, zeigt mit sieben hervorragenden Solo-Jazzmusikern und der zur Wachsmumie erstarrenden Nina Hoffmann einen zum tosenden Horror-Gesang anschwellenden Todestanz. Ein Requiem, das sich am dritten Abend, "Endgültig", zu einem seltsamen Wiedergeburtsspiel aufrappelt. Die Flammen der Invasion lodern durch die Videobilder, und während Jung-Siegfried und Kriemhild die Braut (Lara Körte, Lukas Miko) vergeblich zueinander finden wollen, dröhnen Wiedervereinigungs-Reden, Wagnermusik und -texte (Matthias Hirth): Wir sind hautnah bei uns, heute. Nach Schlachten, während das Deutsch-Pärchen sich zum sanften Walzer findet, besteigen langsam, ernst und auch gleichgültig 77 Menschen wie du und ich die Bretter. Deutsche Gesichter starren uns an. Ein Volk ... Zukunft, Nibelungen??? Ein Live-Tableau, das lange, lange stehenbleibt, während Dietmar Diesners theatralisches, zuweilen richtig militantes Saxophon allmählich im langen Mono-Ton verebbt.
Ingrid Seidenfaden
 
 
Es geht darum, ein immer reichhaltigeres und konsistenteres theatrales Material zu entwickeln, das immer intensivere Kräfte einfangen kann (und nicht darum, einem Thema eine Form aufzuzwingen). Was Abläufe immer reicher macht, ist das was Heterogene zusammenhält, ohne daß sie aufhören heterogen zu sein. Dabei geht es um Synchronisatoren, die nicht ausgleichend und homogenisierend wirken, sondern die zwischen zwei Rhythmen operieren, von innen heraus, und es geht darum, aus diesem Ansatz die Unmittelbare Oper zu finden.
 
 

Nomaden und Helden


Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
13. Oktober 1995, Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München
Dauer ca. 3,5 Stunden.
 
Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden. Material Wagners Ring: Götterdämmerung. Material Nibelungenlied: Der Untergang der Nibelungen usw.
Nomaden und Helden ist die erste Produktion der Trilogie Götterdämmerung.
 

 
Denker
Prof. Dr. Dietmar Saupe, Informatik - 1. Tunis
Albert-Ludwig-Universität, Fakultät für angewandte Wissenschaften, Institut für Informatik, Freiburg
Prof. Dr. Regina Becker-Schmidt, Psychologie - 2. Normandie
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Hannover
Prof. Dr. Edmund Lengfelder, Medizin - 3. Kreta
Ludwig-Maximilians-Universität, Strahlenbiologisches Institut, München
Prof. Dr. L.J. Bonny Duala M'Bedy, Xenologie - 4. Narvik
Kaiserwerther Institut für Xenologie, Düsseldorf
Prof. Dr. Klaus Berger, Theologie - 5. St. Petersburg (Leningrad)
Ruprecht-Karls-Universität, Wissenschaftlich-theologisches Seminar, Heidelberg
Prof. Dr. Wofgang Welsch, Philosophie - 6. Wolgograd (Stalingrad)
Otto-von-Guericke-Universität, Institut für Philosophie, Magdeburg
Dr. Herbert Scheingraber, Astrophysik - 7. Krim
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Performerin
Nina Hoffmann
 
 

 
 
Die sieben Denker befinden sich auf dem roten Podest. Auf der Podestseite links vom Videoturm sind vier Denker und rechts davon drei Denker, oder umgekehrt. Auf der freien Fläche vor dem roten Podest arbeitet die Performerin Nina Hoffmann. Synchronisiert werden die Abläufe durch 7 x 28minütige Videos, die über einen Turm aus 16 Monitoren im Raum sichtbar sind.
 
Wie sich die Denker mit dem Projekt Götterdämmerung - Nomaden und Helden auseinandersetzen ist offen. Wichtig ist dabei nur, daß sie sich in der vorgegebenen formalen Situation befinden können. Es wird nicht erwartet, daß die ins Projekt gestellten Themenräume illustriert oder bloß zitiert werden, oder daß ihnen eine spekulative Meinung übergestülpt wird.
 
Das Ereignis erhält seine Spannung dadurch, daß jeder Denker auf seiner eigenen Vorgehensweise besteht, ihr vertraut und mit ihr zu dem Projekt kommt. Es ist vielleicht die Frage zu stellen: Wieviele nomadische Linien kann das Denken einer Wissenschaft zulassen oder wieviele benötigt es und wieviel "Endgültig" (auf den Punkt Gebrachtes) braucht es?
 
Jeder Denker bringt seine Wissenschaft mit und bezieht sich von da aus auf die Vorgehensweisen der anderen Wissenschaften. Aus der eigenen Wissenschaft sind Bezüge zu den anderen Wissenschaften möglich, ohne daß auf das Eigene verzichtet oder es in irgendeiner Weise beschädigt wird.
 
Keiner der Denker muß noch einmal speziell auf die Gesamtsituation (Raum, Themenräume, die Performerin) eingehen. Das Wissen um die Gesamtsituation schafft von sich aus bereits die verschiedensten Bezüge und Verbindungen. Dieses Wissen hat nichts zu tun mit Reduzierung - auch der Begriff "Rücksicht" ist zu defensiv und nach hinten gerichtet - es ist lediglich als Zulassen zu verstehen.
 

 
Der Ablauf
  1. Die Denker nehmen kurz vor Beginn ihre Plätze auf dem roten Podest ein. Jeder hat seinen Tisch mit Mikrofon, sein Licht und evtl. einen kleinen Kontrollmonitor für die Videos.
  2. In dem freien Raum vor dem Podest arbeitet die Performerin Nina Hoffmann. Ihre Abläufe dauern ohne Unterbrechung die gesamten 3 1/2 Stunden. Ihre Aktionen sind weder von Musik noch von Text begleitet.
  3. Synchronisiert wird der gesamte Ablauf durch die sieben Videos von jeweils 28 Minuten Länge. Zwischen den einzelnen Videos sind 28 Sekunden Schwarzfilm.
  4. Die Reihenfolge der Denker und ihre Platzverteilung auf dem roten Podest werden ausgelost.
  5. Der Ablauf beginnt mit dem Start des ersten Videos. Dieser Start wird auch durch Lichtschaltungen signalisiert.
  6. Mit Beginn des ersten Videos spricht Denker Eins. Er spricht 21 Minuten. Sowohl das Video als auch die Lichtschaltung zeigen das Ende der 21 Minuten an. In den folgenden 6 Minuten sprechen die Denker Zwei bis Sieben jeweils 1 Minute. Sie beziehen sich dabei auf Denker Eins. Die letzte Minute des 1. Videos gehört wieder Denker Eins. Die Wechsel zwischen den letzten 7 Minuten werden ebenfalls durch Lichtschaltungen und Videoschnitte kenntlich gemacht. Nach diesen 28 Minuten (also nach dem 1. Video) sind 28 Sekunden Schwarzfilm, in denen niemand spricht.
  7. Mit Beginn des 2. Videos (wird ebenfalls durch Lichtschaltung angezeigt) spricht Denker Zwei. Der formale Ablauf während des 2. Videos entspricht dem formalen Ablauf des 1. Videos usw. bis zum 7. Video. Alle Wechsel werden sowohl durch die Videos als auch die Lichtschaltungen angezeigt - auch der Ton wird an- und abgeschaltet.
    (AS 1995)
 

Nomaden und Helden


DokuMaterial - Umatic - Farbe/Ton - 03:18:35 Std. - Produktion proT - 1995
 

 
Das DokuMaterial Nomaden und Helden ist eine reine Dokumentation, also ohne Titel und Schnitte. Sie ensteht in 4 Teilen, die lediglich aneinander gehängt sind, mit der Aufführung des Theaterprojekts "Nomaden und Helden", 1. Teil der Trilogie "Götterdämmerung - Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)", am 13. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München. Mit sieben Denkern und einer Performerin: Prof. Dr. Regina Becker-Schmidt, Psychologie (Hannover), Prof. Dr. Klaus Berger, Theologie (Heidelberg), Prof. Dr. L. J. Bonny Duala, Xenologie (Düsseldorf), Prof. Dr. Edmund Lengfelder, Medizin (München), Prof. Dr. Dietmar Saupe, Informatik (Freiburg), Dr. Herbert Scheingraber, Astrophysik (Garching), Prof. Dr. Wolfgang Welsch, Philosophie (Magdeburg) und Nina Hoffmann, Performance (Berlin). Synchronisator auf den Monitoren der beiden ViermalVierVideoTürme: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Nomaden und Helden (7 x 28 Minuten). Koproduktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel im Marstall. Aufführung bei SPIEL.ART 1995 - Theaterfestival in München. Steininstallation Nikolaus Gerhart, Rauminstallation Alexeij Sagerer.
 
 
THEATER HEUTE 12/95
MYTHOS UND MEMORY
Silvia Stammen über Münchens neues Theaterfestival SPIEL.ART, gekrönt von Alexeij Sagerers "Götterdämmerung"

(...) Wo Denken zum Theater wird: Sagerers "Götterdämmerung"
(...) Als unermüdlicher Katalysator verwandelt Sagerer alles, was ihm in den Weg kommt, in unmittelbares Theater. Dazu kommt die seltene Bereitschaft, die eigene Arbeit fremden Vorgehensweisen zu öffnen. Wer würde sich schon trauen, sieben hochkarätige Geistes- und Naturwissenschaftler unter der Überschrift "Nomaden und Helden" zu einem dreieinhalbstündigen Rede-Marathon antreten zu lassen? Dabei geht es natürlich nicht um eine trockene Exegese des Nibelungenlieds. Jedem steht es frei, sozusagen aus den Vollen seines Fachgebiets zu schöpfen. Dabei stellt Sagerer die Frage: "Wie viele nomadische Linien kann das Denken einer Wissenschaft zulassen und wieviel 'endgültig' auf den Punkt gebrachtes braucht es?" Und wir wissen ja, der Held zieht in den Untergang, der Nomade immer weiter... (...)
So erfahren wir durch den Informatiker Dietmar Saupe, des Sagerers Lieblingszahl 28 (7 x 4) schon vor Euklid für vollkommen gehalten wurde, weil sie sich aus der Summe ihrer Teiler selbst ergibt, aber auch, daß wir heute die Grenzen der Berechenbarkeit der Welt trotz modernster Computer nicht länger leugnen können, denn das Chaos lauert bereits im System. Im Ausschluß der Grauen aus dem Trauerritual der antiken Polis sieht die Sozialpsychologin Regina Becker-Schmidt einen Beweis für die subversive Kraft weiblichen Denkens gegenüber der fatalen Männerphantasie vom ruhmreichen Heldentod, und Professor Bonny Duala M'Bedy, Begründer des ersten Instituts für Xenologie in Köln, entlarvt die Kategorie des Fremden als politische Konstruktion. Zwar haben wir das meiste schon mal irgendwo gehört, aber selten wurde sodeutlich, wie gern das Denken in seiner Aversion gegen alles Werdende sich in den gemütlichen Sackgassen des scheinbar gesicherten Wissens und der Ideologie verkriecht. Dagegen verkündete der Philosoph Wolfgang Welsch in Namen Nietzsches und ganz im Sinne Sagerers den bevorstehenden Sieg des Nomadischen, "denn nur die Kunst, mit der Vielfältigkeit umzugehen, kann die Kunst Europas sein".
Vor solch einem Bollwerk des Intellekts verrichtet eine kleine füllige Frau im weißen Kittel Hausarbeit, bügelt stoisch dreieinhalb Stunden lang mit sieben Eisen eine Mauer aus weißem Wachs nieder. Die Berliner Performancekünstlerin Nina Hoffmann ist in ihrer stillen Konzentration der meditative Gegenpol zum intellektuellen Gedankengeklirr.
(...)
Silvia Stammen
 
 

Siebenmalvier


Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
14. Oktober 1995, Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München
 
Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Anflüge (1. Teil) - Sieben deutsche Himmelsrichtungen (2. Teil). Material Wagners Ring: Götterdämmerung. Material Nibelungenlied: Der Untergang der Nibelungen usw.
Siebenmalvier ist die zweite Produktion der Trilogie Götterdämmerung.
 

 
 
Der Titel bezieht sich auf die Zahl 7 und die Zahl 4, mit denen das NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT von Anfang an entwickelt wird. Die beiden Zahlen sind wichtig zur Orientierung im Projekt, bringen aber gleichzeitig einen spielerischen Inhalt in die Arbeit, unabhängig von Themen und Bedeutungen. Sie verbinden sich sehr stark mit der "nomadischen" Seite des Projekts und beeinflussen Abläufe und Verteilungen. Siebenmalvier besteht aus zwei Teilen, die durch zwei verschiedene Videos strukturiert werden. Den Ablauf des ersten Teils bestimmt ein 7 x 4minütiges Video (ohne trennende Schwarzphasen). Den Ablauf des zweiten Teils bestimmt ein 7 x 7minütiges Video, bei dem die 7 x 7 Minuten durch 17 - 28 Sekunden "Schwarz" unterbrochen werden. Der Raum ist gleich geblieben. An den Platz der sieben Denker des ersten Abends treten sieben Musiker und entwickeln ihre Musik, sowohl aus einer solistischen Vorstellung heraus, als auch gemeinsam mit der Musik der anderen sechs Musiker. Es wird erwartet, daß jeder Musiker für Siebenmalvier ein eigenes Konzept entwickelt. Die Performerin des ersten Abends trifft nun auf sieben Musiker und andere Zeiträume. Die Videos sind wie am ersten Abend auf einem Turm aus 16 Monitoren sichtbar.
 
 
SZ vom 17. Oktober 1995
DER MYTHOS ALS KONZEPT ART
Alexeij Sagerers stocknüchterne "Götterdämmerung" zum Abschluß des Spiel.Art-Festivals

(...) "Siebenmalvier" (...). Ein musikalisches Zwischenspiel, das laut, schrill, rhythmisch insistierend, den Blick auf die ebenfalls rhythmisch strukturierten Videobänder lenkt, auf Siegfried in Lederhosen und Kriemhild in Unschuldsweiß, wie sie durch Städte und Länder ziehen, in denen Natur und menschliches Leben die Zeichen des Krieges überwuchert hat. Rahmen und Montage verfremden, was Dokument sein könnte, zum assoziativen Artefakt. Siegfried und Kriemhild als Repräsentanten eines Heldendeutschlands, das im Heldengestus 1945 in Schutt und Asche verging. Vorsicht Pathos! (...)
Eva-Elisabeth Fischer
 

Siebenmalvier - 1. Teil


Theaterfilm - Umatic - Farbe/Ton - 00:29:56 Std. - Produktion proT - 1995
 

 
Der Theaterfilm Siebenmalvier - 1. Teil ensteht mit der Aufführungen des Theaterprojekts "Siebenmalvier", 2. Teil der Trilogie "Götterdämmerung - Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)", am 14. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München.
Das Filmbild der Dokumentation liegt als "Band" über dem Filmbild des Synchronisators. Mit sieben Musikern: Rüdiger Carl, Akkordeon (Frankfurt M.), Dietmar Diesner, Saxophon (Berlin), Paul Lovens, Schlagzeug (Aachen), Joe Sachse, Gitarre (Chemnitz), Martin Schütz, Cello (CH-Biel), Tenko, Stimme (London/Tokio) und N.U.Unruh, Schlagwerk (Berlin). Synchronisator auf den Monitoren der beiden ViermalVierVideoTürme: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Anflüge (7 x 4 Minuten). Steininstallation Nikolaus Gerhart, Rauminstallation Alexeij Sagerer. Koproduktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel im Marstall. Aufführung bei SPIEL.ART 1995 - Theaterfestival in München. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 
Der Ablauf - Teil I
  1. Die Musiker nehmen vor dem Start des Videos (7 x 4 Minuten) ihre Plätze auf dem roten Podest ein. Auf dem längeren Podestteil befinden sich (ausgehend vom Videoturm): Gitarre, Stimme, Cello, Akkordeon. Auf dem etwas kürzeren Podestteil befinden sich (ausgehend vom Videoturm): Schlagzeug Lovens, Saxophon, Schlagwerk Unruh.
     
  2. Synchronisiert wird Teil I durch das 7 x 4minütige Video "Anflüge". Dieses Video läuft ohne Schwarzunterbrechung 28 Minuten durch, das heißt auch der musikalische Ablauf wird nicht unterbrochen. Der musikalische Ablauf beginnt mit einem Musiker, der die ersten 4 Minuten alleine spielt. Nach jeweils 4 Minuten kommt ein weiterer Musiker dazu. Die letzten 4 Minuten spielen also alle 7 Musiker. Diese 4-Minuten-Abstände sind sowohl auf dem Video, durch 7sekündige Titeleinschnitte als auch durch Lichtschaltungen kenntlich gemacht.
     
  3. Die Musiker spielen in folgender Reihenfolge: Die ersten 4 Minuten Andrew Unruh, nach diesen 4 Minuten kommt Rüdiger Carl dazu, nach weiteren 4 Minuten Joe Sachse, dann Martin Schütz, Dietmar Diesner, Paul Lovens und Tenko.
     
  4. Nach dem Ende des Videos und gleichzeitig der Musik ist eine Unterbrechung. Die Musiker bleiben auf der Bühne. Die Performerin Nina Hoffmann tritt in den freien Raum vor dem roten Podest auf.

 
Der Ablauf - Teil II
  1. Mit dem Start des 7 x 7minütigen Videos beginnt Teil II. Dieses Video wird alle 7 Minuten durch 17-28sekündige Schwarzfilmphasen unterbrochen, während denen keine Musik gemacht wird. In den ersten sieben Minuten spielt nur ein Musiker. Er beendet sein Spiel mit dem Beginn der ersten Schwarzphase. Mit dem Ende der Schwarzphase setzt der zweite Musiker seine Musik. Der erste Musiker kommt zu dieser Musik dazu. Mit dem Beginn der nächsten Schwarzphase beenden beide Musiker ihr Spiel. Mit dem Ende dieser Schwarzphase setzt der dritte Musiker seine Musik. Der erste und der zweite Musiker kommen zu dieser Musik dazu. Das heißt, daß nach der letzten Schwarzphase, der siebte Musiker seine Musik setzt zu der alle übrigen sechs Musiker dazukommen. Die Einsätze und Unterbrechungen sind sowohl durch Videoschnitte als auch durch Lichtschaltungen kenntlich gemacht.
     
  2. Die Reihenfolge der Musiker für Teil II ist wie folgt:
    1. Musiker - Tenko (Stimme) London - Tokio
    2. Musiker - Paul Lovens (Schlagzeug) Aachen
    3. Musiker - Dietmar Diesner (Saxophon) Berlin
    4. Musiker - Martin Schütz (Cello) CH-Biel
    5. Musiker - Joe Sachse (Gitarre) Chemnitz
    6. Musiker - Rüdiger Carl (Akkordeon) Frankfurt / Main
    7. Musiker - N.U. Unruh (Schlagwerk) Berlin
     
  3. Die Aktionen der Performerin Nina Hoffmann beginnen mit dem ersten Bild des Videos von Teil II (auch durch Lichtschaltung kenntlich gemacht). Ihre Aktionen werden nicht durch die Schwarzphasen der Videos unterbrochen. Das heißt auch ihr Licht bleibt den ganzen Teil II über konstant. In den Schwarzphasen agiert sie lediglich ohne Musik.
 

Siebenmalvier - 2. Teil


Theaterfilm - Umatic - Farbe/Ton - 00:58:09 Std. - Produktion proT - 1995
 

 
Der Theaterfilm Siebenmalvier - 2. Teil ensteht mit der Aufführungen des Theaterprojekts "Siebenmalvier", 2. Teil der Trilogie "Götterdämmerung - Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)", am 14. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München.
Das Filmbild der Dokumentation "schwimmt" auf dem Filmbild eines Synchronisators. Mit sieben Musikern und einer Performerin: Rüdiger Carl, Akkordeon (Frankfurt M.), Dietmar Diesner, Saxophon (Berlin), Paul Lovens, Schlagzeug (Aachen), Joe Sachse, Gitarre (Chemnitz), Martin Schütz, Cello (CH-Biel), Tenko, Stimme (London/Tokio), N.U.Unruh, Schlagwerk (Berlin) und Nina Hoffmann (Berlin). Synchronisator auf den Monitoren der beiden ViermalVierVideoTürme: Sieben deutsche Himmelsrichtungen (7 x 7 Minuten). Steininstallation Nikolaus Gerhart, Rauminstallation Alexeij Sagerer. Koproduktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel im Marstall. Aufführung bei SPIEL.ART 1995 - Theaterfestival in München. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 
 

Endgültig.


Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
15. Oktober 1995, Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München
 
Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen. Material Wagners Ring: Götterdämmerung. Material Nibelungenlied: Der Untergang der Nibelungen usw.
Endgültig. ist die dritte Produktion der Trilogie Götterdämmerung.
 

 
Der Titel Endgültig. wird sofort konfrontiert mit dem Satz "Das Ende als Aufbruch in den Epilog". Nur Geschichten haben ein endgültiges Ende, die Wirklichkeit geht immer weiter, unabhängig davon wie glücklich oder fürchterlich die Ereignisse sind.
 
So verweist der dritte Abend auf einen Epilog als weiteren Anfang. Der dritte Abend beginnt mit dem Ende des Nibelungenliedes als Filmszene: Kriemhild tötet Hagen und wird selbst getötet. Die Darstellung dieser Szene erscheint als Filmszene, deren Entstehen unmittelbar gesehen wird. In gewisser Weise die Darstellung als unmittelbares Geschehen.
 
Der Raum von Endgültig. entspricht dem Raum der beiden vorangegangenen Abende. Sieben weitere Monitore in der Stein-Installation bringen zusätzliche, an diesem Abend produzierte Videobilder zu den Videos am Videoturm. Schauspieler, Musiker, Licht - Ton - Video Techniker und zwei Kameramänner agieren auf einer einzigen theatralen Ebene. Synchronisiert werden die Abläufe durch das ca. 7 x 7 - minütige Video, das an dem Turm aus 16 Monitoren sichtbar wird.
 
Personen
Dietmar Diesner - Filmmusiker / Komponist; Abläufe an und mit dem Saxophon
Matthias Hirth - Motivlinie: Etzel - Brünhilde - Uli Hoeneß - Regisseur
Lara Körte - Motivlinie: Kriemhild - Junges Liebespaar - Staats-/Filmschauspielerin
Lukas Miko - Motivlinie: Hagen - Junges Liebespaar - Staats-/Filmschauspieler
Franz Lenniger - Abläufe mit den und um die Kameras
Christoph Wirsing - Abläufe mit den und um die Kameras
Ulf Hahn - Abläufe an und mit der Licht- und Tontechnik
Klaus Schneider - Abläufe an und mit der Licht- und Tontechnik
77 Deutsche - als 77 Deutsche
 

 

 
 
SZ vom 17. Oktober 1995
DER MYTHOS ALS KONZEPT ART
Alexeij Sagerers stocknüchterne "Götterdämmerung" zum Abschluß des Spiel.Art-Festivals

(...) Typen in Bundeswehrjacken saufen Bier aus der Flasche, Kriemhild im weißen Kleid nun leibhaftig mit einem Kriegskrüppel, er Hagen oder Etzel sein könnte, ein Siegfried in Lederhosen, der Brünnhildes Klage über Siegfrieds Tod deklamiert. "Siegfrieds Trauermarsch" dröhnt aus den Lautsprechern, Dietmar Diesner läßt sein Saxophon als Sirene jaulen. Nicht weniger pathetisch klingt jener Nachrichtensprecher, der in viermaliger Wiederholung den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik verkündet. "Endgültig" ironisiert den Phoenix aus der Asche, Deutschland, in Bild, Wort und Text.
Die Akteure posieren, kitschiges Tableau vivant, als Feldpostkarten, die weiße Frau mit Zöpfen, dem schwarzen Soldaten zugeneigt. Kriemhild und Hagen symbolisieren schließlich Deutschland Ost und Deutschland West - ein rührend naives Brautpaar, das vor dem Brautwalzer die Kleider tauscht. Am Ende freilich kommen die neuen Helden, einer nach dem anderen, Bürger, 77 an der Zahl, die "Wir - sind - das - Volk" - Darsteller, Statisten einer neuerlichen Verführung. (...)
Eva-Elisabeth Fischer
 
 
Text im dritten Teil (Kreta) von Endgültig., gesprochen von den beiden "Film­schau­spie­lern" Lara Körte und Lukas Miko.
  1. Die ganze Geschichte ist ja sowieso eine Liebesgeschichte.
  2. die halt eben in Deutschland spielt.
  3. und für uns ist der Film eben vor allem ein Liebesfilm, und was sollte da schlecht sein, an einem Liebesfilm
  4. Viele Leute sehen gerne eine Liebesfilm
  5. und was viele Leute in Deutschland gerne sehen braucht ja deswegen nicht schlecht zu sein
  6. nur weil viele Leute das gerne sehen
  7. ja vor allem einen Alltagsliebesfilm, wo außer der Liebe vor allem viele Alltagsdinge vorkommen, die jedem so passieren
  8. angenehme (sie küsst Lukas auf die Wange) und auch unangenehme (sie gibt Lukas eine kleine Ohrfeige) Dinge
  9. ja es setzt sich sowieso immer wieder zeitweise das durch, was sehr sehr viele sehr sehr gerne sehen
  10. und dann setzt sich kurz darauf wieder was neues durch, das wieder sehr sehr viele sehr sehr gerne sehen
  11. und dann könnten wir natürlich schon einen anderen Schluß überlegen.
  12. der mehr ein heutiger Schluß wäre
  13. schon modern
  14. mit einer modernen Frau
  15. und auch nicht ausländerfeindlich
  16. also Hagen könnte auch ein Ausländer sein und trotzdem bräuchte ihn Kriemhild nicht umzubringen, sondern könnte sich mit ihm in letzter Sekunde versöhnen
  17. und dadurch zur Versöhnung beitragen auch überall auf der Welt
  18. und Siegfried sozusagen mit Hagen betrügen, weil betrügen gehört ja auch irgendwie zu einer Liebesgeschichte
  19. gerade auch zu einer alltäglichen Liebesgeschichte
 

Endgültig.


Theaterfilm - Umatic - Farbe/Ton - 00:57:37 Std. - Produktion proT - 1995
 

 
Der Theaterfilm Endgültig. ensteht mit der Aufführung des Theaterprojekts "Endgültig.", 3. Teil der Trilogie "Götterdämmerung - Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)", am 15. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München. Das Ende als Aufbruch in den Epilog mit Dietmar Diesner, Matthias Hirth, Lara Körte, Lukas Miko und mit 77 Deutschen. Bühnenkameras Franz Lenniger und Christoph Wirsing. Synchronisator auf den Monitoren des ViermalVierVideoTurmes: Sieben deutsche Himmelsrichtungen (7 x 7 Minuten). Steininstallation Nikolaus Gerhart, Rauminstallation Alexeij Sagerer. Koproduktion proT, Bayerisches Staatsschauspiel im Marstall. Aufführung bei SPIEL.ART 1995 - Theaterfestival in München. Kamera Theaterfilm: Christian Virmond, Christoph Wirsing. Bearbeitung Theaterfilm: Christoph Wirsing, Alexeij Sagerer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
 
 

 
 
SAARBRÜCKER ZEITUNG vom 26. Oktober 1995
THEATER-GRENZGÄNGE
Das neue Münchner Spiel.Art-Festival, eine Biennale

(...) Asahinas Grenzgang zwischen Theater, Musik, Tanz und Bildender Kunst ist als neues Genre hierzulande vor Jahren schon populär geworden durch den Belgier Jan Fabre, dann seinen Landsmann Wim Vandekeybus, und heute durch Neuer Tanz Essen von Wanda Golonka/VA Wölfl. Diese Misch-Gattung bestimmte auch das Münchner Spiel.Art. Einer, der in den 60er Jahren kühn in diese Richtung vorpreschte, ist der Münchner Alexeij Sagerer, dessen dreiteilige "Götterdämmerung" das Spiel.Art-Finale bildete. Sagerer strebt ein alle Sinne gleichzeitig ansprechendes Theater an - das er vor allem als "Oper aus dem Geist der unmittelbaren Musik" versteht. In seiner Trilogie wird diese "Oper" erschaffen mit Schlagwerk-Krach, komplexen Batterie-Kanonaden, Saxophon-Tiraden und -Schreien, archaisch aus dem Bauch geholten Stimm-Experimenten und eingespielten Wagner-Opern. In Sagerers "Nibelungen & Deutschland Projekt" wird mit akustischen Mitteln voll Ironie ein provozierendes Zeitpanorama geschaffen. Mit einer musikalischtextlichen Verquickung von Nibelungen-Saga, Wagners "Ring" und deutschen Wiedervereinigungs-Reden gelingt ihm ein germanisches Portrait von äußerster Schärfe und zugleich von sinnlicher Kraft. Daß Spiel.Art diesen ortsansässigen Künstler endlich einmal ins überregionale Rampenlicht holt, ist mit sein größtes Verdienst.
Malve Gradinger
 
über 3.800 Views auf Youtube!

Endgültig. (Krim)


15. Oktober 1995, Bayerisches Staatsschauspiel, Marstall (YouTube 9:59 Minuten)
 

 
Endgültig. (Krim) ist der letzte Teil der Theaterproduktion "Endgültig." am letzten Abend der Trilogie "Götterdämmerung", Nibelungen & Deutschland Projekt (IV - 2) von Alexeij Sagerer mit Dietmar Diesner, Lara Körte, Lukas Miko, Matthias Hirth und 77 Deutschen. Steinskulptur: Nikolaus Gerhart
 
 

 
 
SZ vom 17. Oktober 1995
EIN FESTIVAL DER WORTE

(...) Oder das Glück der "Götterdämmerung". Doch weil Alexeij Sagerer unberechenbar und obendrein der größte Schurke des deutschen Nationaltheaters bleibt, schiebt er einen dreieinhalbstündigen Vortragsblock vor das Glück: Helden des Manuskripts. Während der erste Teil wie die Niederringung des unmittelbaren Theaters zu Gunsten der Universität aussieht, kommt in den Teilen zwei und drei eine vitale Anarchie zum Ausdruck. "Chaos und Ordnung können in ein und dem selben System beobachtet werden", sagt der Professor. Das ist in nuce Sagerers Stil. Am Ende steigt das deutsche Volk als Allerweltsvolk aufs Podest wie auf die Berliner Mauer. Große Szene, großes Theater. (...)
Ralph Hammerthaler
 

Im Spiegel der Presse


Götterdämmerung
 
 

Das Ende vom Lied geht
die Wende hoch


Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-3)
31.12.1998 (Premiere), Kulturzentrum Einstein

 
Synchronisatoren: Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Anflüge, Sieben deutsche Himmelsrichtungen. Material Wagners Ring: Götterdämmerung. Material Nibelungenlied: Der Untergang der Nibelungen usw.
 

 
Realisation: Zoro Babel und Alexeij Sagerer.
Produktionsteam: Michael Bischoff, Bernd Böttle, Christine Landinger.
 
Produktion: proT mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München und des Vereins zur Förderung von Unmittelbarem Theater e.V.
 
 
DAS ENDE VOM LIED GEHT DIE WENDE HOCH ist der Abschluß des Nibelungen & Deutschland Projektes, synchronisiert durch die Synchronisatoren Sieben deutsche Himmelsrichtungen: Anflüge und Sieben deutsche Himmelsrichtungen. Diese Produktion ist auch das letzte der "Männerstücke". Durch das Ausscheiden Siegfrieds nach RECKEN BIS ZUM VERRECKEN wurde diese Produktion für kurze Zeit irrtümlich als letztes der "Männerstücke" betrachtet. Da jedoch Kriemhild Siegfried immer ähnlicher sieht, ist DAS ENDE VOM LIED GEHT DIE WENDE HOCH ein reines "Männerstück". Premiere ist am 31.12.1998 in der proT-ZEIT, weitere Aufführungen: 2. 5. 6. 7. 8. 9. Januar 1999, 20.30 Uhr. Letzte Aufführung ist am 30. Juni 1999 im Schauspiel Hannover bei den Autorentheatertagen 1999.
 
 
AZ vom 2. / 3. Januar 1999
HAGEN TRINKT SIEGFRIEDS BLUT
proT im Einstein: Alexeij Sagerers ultimativer Nibelungen-Deutschland-Epilog nach acht Jahren: "Das Ende vom Lied geht die Wende hoch"

(...) Siegfried ist tot, Kriemhilds Rachegeist lodert. Wir kennen die Geschichte als "Götterdämmerung" oder als Nibelungenmassaker an Etzels Hof. Hier stehen sich zwei Endzeit-Kämpen gegenüber: Hagen (Zoro Babel) und Siegfried (Sagerer), dessen Körper Kriemhilds Geist besetzt hat. Auf zwei blutroten Podesten. Sie werden sich nie berühren. Auf dem Videoturm nibelungisch-deutsche Fahrtenbilder von Narvik bis Stalingrad - präsente Querverweise.
Kampfpositionen. Hagen ist der Staatsmann, der präzise Schlagzeug-Trommler mit dem Engelsgesicht, in einem korrekten Opferritual trinkt er Siegfrieds Blut(!). Kriemhild / Siegfried signiert über dem monströsen Küchenbüfett einen Wassersack mit "Blanker Haß". Wie in einer zur totalen Aggression sich steigernden, großartig rhythmisierten Rock-Show gehen sie mit Tönen, Schreien, lustvoll-grausamen Lärm gegeneinander los. Siegfrieds Rasen steigert sich zum explosiven Vokal-Singsang (best of Sagerer), - ein zuckender Gefühls- und Geistbesessener. Wie im Wahn schreien und tönen ihm aus allen (archivischen) Schranktüren die (Wahl)Kampf-Reden der Politiker (Kohl, Goebbels, Kohl, Schröder, Hitler, Schröder) entgegen, die den Helden für sich einspannten. Ein Mann, ein Recke, ein Künstler, ein Subversiver, gefesselt von seiner (falschen?) Geschichte.
Sagerer deutet Siegfrieds Rache (wie richtig, daß er sie nicht der Witwe überläßt) als die Passion des von Staatsmacht und Politik verführten, mißbrauchten Individuums. Der krachende Schluß - mit dem Pickel zerschlägt er den bilderspeienden Monitor im Schrank - ist auch Befreiung. Eine Hoffnung, eine Erlösung von peinigender Geschichte. Wasser läuft aus dem Sack, kein Blut.
Ingrid Seidenfaden
 
 
Raum
Mindestmaße: Länge: 22 m, Breite: 10 m, Höhe: 3,50 - 4 m.
Im Raum befinden sich 2 rote Flöße (L: 5 m, B: 3 m, H: 1 m). Die Flöße sind zusammengesetzt aus jeweils 7 roten Podesten (L: 2 m, B: 1 m, H: 1 m) und einer schwarzen, 4-stufigen Treppe (L: 1 m, B: 1 m, H: 1 m).
In der Mitte des Raumes steht ein Video-Turm (ca. L: 3 m, B: 1 m, H: 3 - 4 m) mit 4 Etagen á 4 Monitoren. Im metallenen Turmgerüst befinden sich also 16 Video-Monitore (70 cm Diagonale). Der Video-Turm befindet sich in der Mitte des Raumes. Die beiden roten Flöße befinden sich links und rechts vom Video-Turm in einem Abstand von mindestens 4 m. Die beiden roten Flöße stehen frei im Raum (mindestens 2 m Abstand zur Rückwand und mindestens 1,50 m zu den Seitenwänden).
Das Publikum sitzt an Tischen zwischen Flößen und Video-Turm und an den Längsseiten des Raumes.
 

 
 
Vorher: Am 12. Februar 1992 hat der NIBELUNG AM VIERVIDEOTURM in der proT-ZEIT Premiere. Siegfried (Alexeij Sagerer) und Hagen (Zoro Babel) nebeneinander auf einer Bühne. Das Aussen und das Innen handinhand unterwegs in die Welt. Dazwischen ereignet sich Vieles. Vor allem aber der Versuch, mit der Ermordung Siegfrieds das Aussen zu vernichten.
 
Und jetzt: Siegfried wird nach seiner Ermordung zum Gras und taucht in allen Zwischenräumen, also überall auf. Worauf die Zwischenräume immer sichtbarer werden, und ihre Zahl sprunghaft anwächst. In den Zwischenräumen wird der unendliche, glatte Raum des Anfangs spürbar.
 
Hagen wird zum Computer. Er versucht, alle Zwischenräume wegzulassen oder zu rastern und selbst darzustellen. Oder sie wenigstens zu beherrschen und so eng zu machen, daß kein Tropfen Blut mehr hineinpaßt. Er verfolgt Siegfried in jedem Zwischenraum. Er schleppt den Staat in das Paradies der Atome und Gene. Er sitzt auch in der Deutschen Bank und versucht, das Gold aus dem Geld zu treiben.
 
Kriemhild fährt in den Geist Siegfrieds. Sie frißt das Gras, kleidet sich wie Siegfried und sieht ihm immer ähnlicher. Sie scheint zuerst stillzustehen. Dann bewegt sie sich langsam, aber in umgekehrter Richtung und rast schließlich auf Hagen zu. Sie tritt in einen Zustand der Entkommunikation. Dagegen erscheint selbst Hagen kommunizierbar.
 
Beide stehen auf roten Flößen, die nicht zu steuern sind. Sie treiben aufeinander zu und gleichzeitig voneinander weg. Und das ist die Katastrophe: Das Aussen besetzt das Innen. Das Innen produziert das Aussen.
 
(AS,1996/1998)
 
 
tz vom 4. Januar 1999
SIEBEN HIMMELSRICHTUNGEN
Alexeij Sagerer schließt im Einstein sein "Nibelungen..."-Projekt ab

(...) Auf glasklarer Logik baut die Struktur dieses götterdämmernden Abgesangs auf, der sechs Jahre an verschiedenen Orten der Stadt zum theatralen Ereignis wurde. Ein Gesamtkunstwerk des letzten Berserkers der Szene, in stringenter Symmetrie komponiert nach seiner privaten Zahlenmagie. Manchmal erschienen die Stationen verwirrend - verstörend spannungsvoll waren sie allemal. Doch das Schluß-Szenario rundet grandios Sagerers Intention: eine Bestandsaufnahme Deutschlands.
(...) Denn hier flimmern "7 deutsche Himmelsrichtungen" über die Bildschirme, sieben europäische Orte von Narvik bis Stalingrad, wo deutscher Expansionsgeist griff. Und überall vermehrt sich das Caspar David Friedrich-Tableau des einsamen Wanderers über den Klippen zum ganzen Heer - dank glänzend eingesetzter Videoanimation.
Denn Sagerer benutzt das ganze technische Instrumentarium zur optischen und akustischen Reizattacke aufs Publikum, sein Theater ist ganzheitlich und unmittelbar. Da geht Musik in Maschinengewehrsalven über: Zoro Babels orgiastische Trommelrhythmen, kunstvoll aufgeladen mit allen Tönen der Welt aus dem Computer. Hier wird Sagerers Sprechgesang brachial zu vokalistischen Schreiorgien zerhackt. Und die gutdeutsche Anrichte vibriert von deutschen Politikerreden: aus jedem Fach erklingt ein Zitat von Hitler bis Schröder, bis Sagerer mit der Spitzhacke dreinschlägt... Das Ende eines modernen (Nibelungen-)Lieds.
Barbara Welter
 
 
Theater ist die Kunst des Dazwischen.

Zwischen den Schichten und in den Schichten
 
Zwischen den Substanzen und in den Substanzen
 
Zwischen den Regeln und in den Regeln
 
Zwischen den Kompositionen und in den Kompositionen
 
Zwischen den Buchstaben und in den Buchstaben
 
Zwischen den Beinen und in den Beinen
 
Zwischen dem Dazwischen und in dem Dazwischen
 
(AS, 1998)
 
 

 
 
SZ vom 2. / 3. Januar 1999
DEUTSCHES KALBSHERZ
Alexeij Sagerers "Ende vom Lied" im Kulturzentrum Einstein

Heldentum heißt Arbeit. Konzentration in der Planung, Präzision in der Ausführung. Der Recke streift sich Arbeitshandschuhe über und zieht sich einen Rugby-Helm über den Kopf, er nimmt einen Pickel in die Hände und läuft raubtierkatzenhaft auf der Bühne auf und ab, rastlos angetrieben vom Drummer aus der Deckung: vorwärts, sagt die Rhythmusmaschine, tu` es, hämmert der ganze Trupp aus Trommeln, Becken und Soundcomputer, ein Wahnwitz, der in die Glieder des Helden fährt, bis der sich stark genug fühlt, zuzuschlagen, Hauruck, reinzuhauen mit der Pickelspitze ins grün leuchtende Fernsehbild. Das ist das Ende vom Lied.
"Das Ende vom Lied geht die Wende hoch" steht über dem Finale einer großen theatralen Erzählung im Kulturzentrum Einstein, dem Nibelungen- und Deutschlandlied, wie es Alexeij Sagerer für die neunziger Jahre komponiert hat, mit einem Dutzend Strophen, die in kein Raster, keine Ordnung, keine Geschichtsvermessung passen; es sind Strophen für ein Theater, das die Kraft hat, sich zwischen den Systemen zu bewegen, mit keiner anderen Geschichte als seiner eigenen; und wenn es nach Richard Wagner, nach den Nibelungen, nach dem ganzen Deutschland greift, dann nur, um sich selbst zu beschreiben und in der Darstellung zu behaupten: "Theater ist die Kunst des Dazwischen." (...)
Ralph Hammerthaler
 
 
Macht ist Abstand!
 
Macht verliert das Dazwischen
 
und beginnt mit der Verteilung -
 
und die Verteilung stiftet zunehmend Konfusion.
 
- Die Zwischenräume brechen auf -
 
Die Zwischenräume sind nicht Risse im Ganzen -
 
sondern Blicke auf das Darunter
 
Es liegt immer etwas darunter
 
- etwas Glattes
 
- die totale Komposition
 
(AS, 1998)
 

Im Spiegel der Presse


Das Ende vom Lied geht die Wende hoch
 

Projektstruktur


NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT
 

Pragmatische Kommentare zur Struktur


NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT
 
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Nibelungen & Deutschland Projekt


Pressespiegel in Auszügen (1992-1998)
 

DIE SYNCHRONISATOREN


auf dem VierVideoTurm, ab 1985
 
 
 

Der VierVideoTurm


Eine Theatermaschine von Alexeij Sagerer seit 1985
 

 
 
 

Alexeij Sagerer auf Vimeo


Am 24. Februar 2022 zensiert Vimeo die proT-Präsentationsseite: "Alexeij Sagerer auf Vimeo". Hier sind vor allem die proT-Produktionen des Unmittelbaren Films sowie die Theaterdoku "Siegfrieds Tod" und der Kinofilm "Zahltag der Angst" präsentiert. Diese proT-Filme sind alle nach wie vor über die proT-homepage-Seite FILMPRODUKTIONEN  zu erreichen.
 
 

proT auf YouTube: proTshortcuts


 

Werkverzeichnis I


Alexeij Sagerer, proT  —  Produktionen
 

Werkverzeichnis II


Alexeij Sagerer, proT  —  Festivals, Ausstellungen, Screenings, Beteiligungen, Auszeichnungen, öffentliche Ankäufe (Auswahl)
 

Werkverzeichnis V


über Alexeij Sagerer, proT  —  Literatur und Presse (Auswahl)
 
 

FILMPRODUKTIONEN


ab 1969
 
 

DIE SYNCHRONISATOREN


auf dem VierVideoTurm, ab 1985
 
 

THEATERDOKUMENTATIONEN


ab 1969
 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna