Göttin, Ärztin, Braut und Ziege
Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1)
 
 

Göttin, Ärztin, Braut und Ziege


Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1)
Uraufführung 02. Dezember 1992. proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2
 
Synchronisator Sieben deutsche Ströme, Material Wagners Ring: Die Walküre. Material Nibelungenlied: Siegfried in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen.
 

 
Göttin, Ärztin, Braut und Ziege ist eine Komposition mit 4 weiblichen Qualitäten.
Agathe Taffertshofer (Material Brunhilde und Schauspielerin). Ruth Geiersberger (Material Kriemhilde und Performerin). Cornelia Mélian (Material Sängerin und Gärtnerin). Christine Landinger (Material Tänzerin und Bardame). Musik: Cornelie Müller. Team: Maria Sánchez und Michaela Kraus. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
Vorspiel: Requisiten - Ausmisten und Aufräumen. 1. Frauen Auftritte in den leeren Raum. 2. Vier Emotionen mit Begleitmusik. 3. Königinnen Gespräch. 4. Staatsgruss mit Gesang und Tanz - Kriemhild isoliert. 5. Opfer und Extase - Tänzerin mit Ratschen. 6. Gartenzaunidylle mit Bier. 7. Nationalhymne Feuer Nacht.
 
 
SZ vom 4. 12. 1992:
FURIEN VOR FLUSSLANDSCHAFT
Großdeutschkunst: Sagerers "Nibelungenströme"

(...) Sagerers Auseinandersetzung mit der Nibelungensage zeigt diesmal, im dritten Teil (der in der proT-Chronologie gleichwohl der zweite ist), den Kampf der zürnenden Frauen. Ruth Geiersberger im hautengen Mini-Glitzerkleid ist Kriemhilde, Agathe Taffertshofer, den weißen, mächtigen Walkürenleib mit einem grünen Fummel nur notdürftig bedeckend, spielt ihre Gegenspielerin Brunhilde. Es ist zunächst ein Kampf mit gefährlich dröhnenden Worten. "Ich bin eine deutsche Frau und mit einem deutschen Mann verheiratet", hört man da, und bald darauf: "Mein Mann hatte zweimal hintereinander einen nationalen Traum."
Wo, bitte, befinden wir uns? "In der Geschichte der Nibelungen", so verkündet der Programm-Faltkarton, "auf jeden Fall vor Siegfrieds Tod und nach Siegfrieds Wald- und Drachenkämpfen". Außerdem "mitten in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen, also mitten in Deutschland." Das ist keine leere Drohung: Sagerer, der sich diesmal aufs Regieführen beschränkt, präsentiert unter dem Titel "Nibelungenströme" ein Schreckensszenario. Schon die Bühne, ein metallglitzernder Tresen vor weißgetünchter Wand und über blutigrotem Boden, ist ein Ort für Metzgergesell(inn)en: Wir befinden uns im Schlachthaus Deutschland. (...) Sagerers Jagdszenen aus Nibelungenland sind nicht mehr als hellsichtige Momentaufnahmen deutschen Wahns. Er will nicht werten und nicht moralisieren, sondern nur ausstellen: Pathos und Lächerlichkeit, Horror und Schönheit liegen in diesem durch (auf vier Monitoren präsentierte) Ansichten "deutscher Ströme" gegliederten Bilderbogen nah beieinander. Das Ergebnis aber ist ein wüstes, virtuoses Husarenstück - Sagerers Beitrag zur deutschen Hybris der Gegenwart.
Wolfgang Höbel
 

Vorspiel: Requisiten - Ausmisten und Aufräumen

 

 

1. Frauen Auftritte in den leeren Raum

 

 

2. Vier Emotionen mit Begleitmusik

 

 

3. Königinnen Gespräch

Sex, Kunst und Guter Geschmack!

Königinnen Gespräch


DokuMaterial - Video8 - Farbe/Ton - 00:06:53 Std. - Produktion proT - 1992
 

 
Das DokuMaterial Königinnen Gespräch (Kamera: Werner Prökel) ist die ungeschnittene und unbearbeitete Videoaufzeichung des dritten Teils (Synchronisator "Sieben deutsche Ströme" - Die Weser) der Aufführung des Theaterprojekts "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege - Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1)" am 06. Dezember 1992 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. Mit Agathe Taffertshofer (Die Brunhilde), Ruth Geiersberger (Die Kriemhilde), Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 
 

Königinnen Gespräch


 
K:
Ja, ich bin eine deutsche Frau und mit einem deutschen Mann verheiratet.
B:
Ja, wieso? Ich bin auch eine deutsche Frau und auch mit einem deutschen Mann verheiratet.
K:
Ich könnte mir gar nicht vorstellen, nicht mit einem deutschen Mann verheiratet zu sein, höchstens noch mit einem Schweden oder Kanadier.
B:
Mein Mann ist nicht nur Deutscher, er sieht auch deutsch aus und spricht ein tadelloses Deutsch
K:
Ja, ich rede gerne über meinen Mann. Es macht mir nichts aus, über meinen Mann zu reden - auch öffentlich, ja, gerade auch öffentlich.
B:
Mein Mann steht ja auch in der Öffentlichkeit. Er ist eine öffentliche Person. Ja, gerade er steht mitten in der Öffentlichkeit. Wenn mein Mann nicht mitten in der Öffentlichkeit stehen würde, wäre er gar nicht mein Mann. Schon daran sieht man, dass er, ja ich kann es ruhig sagen, wirklich in der Mitte der Öffentlichkeit steht.
K:
Ich brauche darüber, dasss mein Mann der wichtigste Mann ist, eigentlich gar nicht zu reden. Weil jeder der Bescheid weiss, weiss, dass mein Mann der wichtigste Mann ist - und nicht nur für mich.
B:
Ich kann mir keine Frau vorstellen, die nicht meinen Mann als ihren Mann möchte, wenn sie ihn bekommen könnte.
K:
Mein Mann ist heikel, ja, sicherlich er ist heikel. Er könnte jede Frau bekommen, aber er ist sehr sehr heikel. Und auch meine Kinder sind sehr sehr heikel.
B:
Meine Kinder sind vor allem mit sich selbst zusammen und auf keinen Fall sind sie mit jedem zusammen. Sie wollen das gar nicht, ja, sie wollen das gar nicht.
K:
Neben meinem Mann kann ich mir keinen anderen Mann vorstellen. Auch wenn ich einen Geliebten hätte, müsste er wie mein Mann sein.
B:
Mein Mann hatte zweimal hintereinander einen nationalen Traum. Er war beim bayerischen Ministerpräsidenten eingeladen, der zu ihm sagte: sie sind ein grosser Komponist. Und dann war er sogar beim Bundespräsidenten eingeladen, hatte aber keine Zeit.
K:
Mein Mann ist auch sehr musikalisch. Er hat ein sehr empfindliches Ohr. Ein geradezu geschult empfindliches Ohr. Er hört die feinsten Unterschiede und stört sich an jedem Missklang. Gerade auch wenn er mit einer Frau im Bett ist, da hört er die feinsten Unterschiede. Und eine Frau, die falsch stöhnt, verletzt seine musikalischen Empfindungen.
B:
Mit einer Frau, die hässlich stöhnt, könnte mein Mann gar nicht ins Bett gehen. Z.B. ein Stöhnen, das so klingt "hing/hing/hing/hing" (tiefes, rauhes abgesetztes nasales Stöhnen) - das würde mein Mann gar nicht aushalten. Er liebt nur ein zartes, luftiges, helles Stöhnen "Hihh, hihh, hihh" (offenes, gehauchtes, nur leicht rhythmisches Stöhnen).
K:
Nein, nein, nein, so ein hohes, dünnes blutarmes Stöhnen "hi/hi/hi/hi/hi" (schrilles, hohes, hart gegeneinander abgesetztes Stöhnen) wäre für meinen Mann unerträglich. So ein Stöhnen, dem jeden Augenblick die Luft ausgeht oder das in Hysterie umkippt und in dünner Luft zersplittert, würde meinen Mann aus jedem Bett vertreiben. Mein Mann braucht einzig allein ein volles, leidenschaftliches aber seelenvolles Stöhnen.
B:
Oh was ist mein Mann für ein kultivierter Mann und wie würde er jeden fremden Klang an meinem Stöhnen verabscheuen, wie würde er sich verlassen und alleingelassen vorkommen. Wie würde er sich von jedem fremden Klang abwenden und für immer verschliessen.
K:
Ja mein Mann sagt immer wieder zu mir: Du stöhnst wie eine deutsche Frau und das ist Musik für mich. Und nie möchte er jemals diese Musik missen.
B:
Mein Mann ist wahnsinnig eifersüchtig. Er könnte es nicht ertragen, wenn mich ein anderer Mann berühren würde, auch wenn es ein Deutscher wäre, er würde ihn umbringen, ja sicherlich, er müsste ihn umbringen.
K:
Wenn mein Mann umgebracht würde, würde ich ihn rächen. Weil ich liebe meinen Mann. Ich würde einen Ausländer heiraten. Einen mächtigen ausländischen Milliardär oder von der Mafia oder aus dem Osten und würde mich rächen.
 
proT, Alexeij Sagerer, Dezember 1992
 
 

4. Staatsgruss mit Gesang und Tanz - Kriemhild isoliert

 

 

5. Opfer und Extase - Tänzerin mit Ratschen

 

 

6. Gartenzaunidylle mit Bier

 

 

7. Nationalhymne Feuer Nacht

über 2.600 Views auf Youtube!

Nationalhymne Feuer Nacht


06. Dezember 1992, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2 (YouTube 8:39 Minuten)
 

 
Nationalhymne Feuer Nacht ist der siebte Teil aus "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege" (Die Donau), Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1), Premiere am 02. Dezember 1992, proT-ZEIT, München, Steinseestr. 2, von Alexeij Sagerer mit Christine Landinger (Die Tänzerin), Cornelia Mélian (Die Sängerin), Agathe Taffertshofer (Die Brunhilde), Ruth Geiersberger (Die Kriemhilde), Gesang Nationalhymne: Alexeij Sagerer und Cornelia Mélian. Quetsche: Cornelie Müller. (Kamera: Werner Prökel).
 
 
AZ vom 4. 12. 1992
DEUTSCHE BEFINDLICHKEIT UNTER DEM SEZIERMESSER
proT: Alexeij Sagerers "Göttin, Ärztin..."

Er spielt selbst nicht mit, aber er zeigt sich als Stückemacher und Regisseur in Hochform: Alexeij Sagerer liefert in der neuen proT-Produktion "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege" eine beklemmend böse, kühl analytische und formal glänzend stilisierte Bestandsaufnahme deutscher Gegenwarts-Befindlichkeit. Politisch geschürte Emotionen und kulturelle Traditionen unter dem theatralischen Seziermesser: Mit seinem Bericht zur Lage der Nation widerlegt Sagerer den Vorwurf, die freie Theaterszene reagiere nicht auf die aktuelle Lage. Und beweist, daß er das ihm seit über 20 Jahren anhängige Etikett des Münchener Vorzeige-Avantgardisten nach wie vor zu Recht trägt.
(...) Der deutsche Mann alias Siegfried, um den alles kreist, definiert sich durch Abwesenheit. Metallschimmernd die Breitwandszene, in der die vier hervorragenden Darstellerinnen (als Tänzerin Christine Landinger; Sängerin Cornelia Melián sprang innerhalb einer Woche für die erkrankte Ute Weber ein) den Bogen von Nibelungentreue über die geistigen (und körperlich sichtbaren) Geistesverwirrungen bis zu den lodernden Flammen der Asylheime spannen. Auch die Musik von Cornelie Müller spannt den Geigenbogen von Wagner bis zum Ratschen-Lärm des sozialen Mobbings: Irrwitzig läßt Sagerers Stimme die Nationalhymne ertönen - auf gewagter und gelungener Gratwanderung zwischen Entstellung und Glorifizierung.
Gabriella Lorenz

Göttin, Ärztin, Braut und Ziege


DokuMaterial - Video8 - Farbe/Ton - 01:01:57 Std. - Produktion proT - 1992
 

 
Das DokuMaterial Göttin, Ärztin, Braut und Ziege (Kamera: Werner Prökel) ist die ungeschnittene und unbearbeitete Videoaufzeichung der Aufführung des Theaterprojekts "Göttin, Ärztin, Braut und Ziege - Nibelungen & Deutschland Projekt (II-1)" am 06. Dezember 1992 in der proT-ZEIT, München, Steinseestrasse 2. Einsatz des Synchronisators "Sieben deutsche Ströme". Mit Christine Landinger (Die Tänzerin), Cornelia Mélian (Die Sängerin), Agathe Taffertshofer (Die Brunhilde), Ruth Geiersberger (Die Kriemhilde), Gesang Nationalhymne: Alexeij Sagerer und Cornelia Mélian. Musik: Cornelie Müller. Team Theaterproduktion: Maria Sánchez und Michaela Kraus. Ein Projekt von Alexeij Sagerer.
 

Im Spiegel der Presse


Göttin, Ärztin, Braut und Ziege
 
 

DIE SYNCHRONISATOREN


auf dem VierVideoTurm, ab 1985
 
 
 

 
 

Der VierVideoTurm


Eine Theatermaschine von Alexeij Sagerer seit 1985
 
 

NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT


Theaterproduktion in 11 Teilen (12.02.1992 – 31.12.1998)
 
 
 

Alexeij Sagerer auf Vimeo


Am 24. Februar 2022 zensiert Vimeo die proT-Präsentationsseite: "Alexeij Sagerer auf Vimeo". Hier sind vor allem die proT-Produktionen des Unmittelbaren Films sowie die Theaterdoku "Siegfrieds Tod" und der Kinofilm "Zahltag der Angst" präsentiert. Diese proT-Filme sind alle nach wie vor über die proT-homepage-Seite FILMPRODUKTIONEN  zu erreichen.
 
 

proT auf YouTube: proTshortcuts


 

Werkverzeichnis I


Alexeij Sagerer, proT  —  Produktionen
 

Werkverzeichnis II


Alexeij Sagerer, proT  —  Festivals, Ausstellungen, Screenings, Beteiligungen, Auszeichnungen, öffentliche Ankäufe (Auswahl)
 

Werkverzeichnis V


über Alexeij Sagerer, proT  —  Literatur und Presse (Auswahl)
 
 

FILMPRODUKTIONEN


ab 1969
 
 

DIE SYNCHRONISATOREN


auf dem VierVideoTurm, ab 1985
 
 

THEATERDOKUMENTATIONEN


ab 1969
 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna