Bevor wir die geplante "Reine Premiere" des 28-stündigen Unmittelbaren Filmes
"....und morgen die ganze Welt" veranstalten, eröffnet das proT auf Youtube eine neue
Seite mit dem Titel proT-the-Beginning und macht damit den Anfang von proT
mit Prozessionstheater und den Kinofilmen von Alexeij Sagerer zugänglich.
Es geht von Beginn an um die Organisationshoheit des proT, auf der die Konsistenzebene
und darauf die Kompositionen entstehen. Alles kommt ungefragt und unberechenbar und
nur so entsteht es, das Unmittelbare Theater, das Theater des Aussen. Ja und so werden
sie Wirklichkeit, die Kompositionen der Lebendigkeit - das Endlostheater.
Wir beginnen die neue Youtube-Seite mit einem einzigen Film: dem 35mm-Kinofilm Krimi.
Denn es ist kein Haufen von Produktionen, der da erscheint, sondern sehr verschiedene,
eigenständige und einmalige Kompositionen.
proT-the-Beginning
Im Sommer 2026 eröffnet das proT seine dritte Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-Beginning.
Hier werden Filme aus der Anfangszeit des proT, also aus der Theaterarbeit und der Filmarbeit
von Alexeij Sagerer gezeigt.
Also TheaterDokus von Produktionen wie Gschaegn is gschaegn (Premiere 27.11.1969) oder
Watt'n oda Ois bren'ma nida (Premiere 06.06.1974). Aber auch die drei
Kinofilme Krimi, 35 mm (Premiere 02.12.1969, Europa Filmpalast München),
Romance, 16 mm (Premiere im proT bei Aktionsabend I, 30. November 1969)
und Pherachthis (Der Film der Kanne), 16 mm (Premiere im proT bei Aktionsabend II, 12. April 1970).
Von diesen frühen Arbeiten gehen wir dann zu späteren proT-Produktionen über und kommen dabei
auf den Prozess, der zu proT-Arbeiten mit Video und Internet führt,
die schon jetzt auf der Youtube-Seite "proT-the-whole-acts" zu finden sind.
Der Kinofilm KRIMI wird 1969 vor bzw. mit der Gründung des proT in München und Umgebung produziert. KRIMI ist ein
Film über Kino. Premiere Europa Filmpalast München, 02. Dezember 1969. Detektiv: Guenter Albert, Freund: Erwin A. Leitner,
Freundin: Manuela Hollack, Gangsterboß: Maximilian von Berg,
Erster Gangster: Christopher Price, Zweiter Gangster: Reinhold Nothof, Musik: Maximilian von Berg,
Kamera: Lothar Stickelbrucks, Schnitt: Lothar Stickelbrucks, Alexeij Sagerer.
Ein Film über Kino von Alexeij Sagerer.
Der Kinofilm KRIMI wird im Frühjahr und Sommer 1969 chronologisch, das heisst von Einstellung zu Einstellung, gedacht
und gedreht. Er entsteht aus der Erfahrung mit Filmbildern. Jede Einstellung erzeugt die Spannung in gewisser Weise aus sich selbst.
Am Schneidetisch entsteht eine filmische Komposition, die unabhängig von der Chronologie der Geschichte erzeugt wird, ohne diese zu
zerstören. Die Akteure spielen keine Figuren sondern handeln. KRIMI ist ein Kurzspielfilm, gedacht für die Kinoleinwand.
Er hat am 2. Dezember 1969 im Europa-Filmpalast in München Premiere.
Für den Schauplatz Maximilianstraße, die Anfangssequenz in Krimi, hatte Sagerer eine Drehgenehmigung eingeholt, das erste
und das letzte Mal in seinem Leben. Denn er wollte sich fortan keine Vorschriften mehr machen lassen von Gremien, die das,
was er tat, nichts anging. Während der Freund der Blondine die Straße entlanglief, filmte ihn eine
fahrende Kamera. Nach jedem Drehtag schrieb Sagerer am Drehbuch weiter, jeweils nur einen Abschnitt, der für den
nächsten Tag nötig war. So kamen die Schauspieler nicht in Versuchung, etwas längst auswendig Gelerntes der Kamera
vorzuspielen. Dem beugte auch der Umstand vor, dass sie keine professionellen Schauspieler waren. Sagerer fand seine
Leute in Bars und Kneipen, Guenter Albert als Detektiv etwa im Chez Margot. Er holte sie aus dem alltäglichen Umfeld.
Erwin Leitner, in der Rolle des Freundes, hatte er aus Gauting mitgebracht. Wie Leitner, so schlossen sich auch
Nikolai Nothof, der glückliche Gangster, und Manuela Hollack, die pragmatische Blondine, dem Theater an. Von Hündeberg,
der den Gangsterboss spielte mit Sonnenbrille und Zigarre, war ihm ohnehin verbunden seit der Oblomow-Aufführung im
Büchner-Theater. Den Engländer Christopher Price, Gangster-Partner von Leitner, gabelte er in einer Münchner Hippie-Kommune
auf. Price stellte seinen Sportwagen zur Verfügung, mit dem Steuer auf der rechten Seite. Dieser
Sportwagen, sagte er, dürfe nicht verbrannt werden. Beim Frisör lernte Alexeij eine Kosmetikerin kennen. Sie wurde seine
Maskenbildnerin, nicht ohne dass sie vorher geübt hätte mit rohem Fleisch – für die Wunden. Alexeij sagt: „Ich hab Leute
eher gefunden als gesucht.“
Die Stunts führte er selbst aus. Zum Beispiel musste er sich anstelle des Gangsterbosses ans Steuer setzen, Gas geben
und in der Kurve einen Baum streifen. Reflexhaft riss er das Steuer in letzter Sekunde herum. Also noch mal von vorn;
dann klappte es. Am Schneidetisch, gemeinsam mit Kameramann Lothar Stickelbrucks, kamen ihm die Erfahrungen aus
dem Arri-Kopierwerk zugute. Der Lichtbestimmer würde, das wusste er, Unterschiede in der Belichtung ausgleichen,
mittels je eigenen Blenden für die Kopie.
(aus Ralph Hammerthaler: "Alexeij Sagerer. liebe mich - wiederhole mich", S. 68f.)
AZ, München, 04. Dezember 1969
Krimi, Premiere, Europa Filmpalast, München
Sagerer-Film im Europa-Palast
Prinzip des Krimi
"Krimi, ein Film über Kino" von proT-Chef Alexeij Sagerer, Premiere im Europa-Palast.
Was der Theaterleiter und Mixed-Media-Experimentator Alexeij Sagerer einem fortgeschrittenen Nachtpremierenpublikum an Reflexionen über das Kinoprinzip "Krimi" auftischte, hatte zu Beginn den Anstrich einer sektiererischen Diapositiv-Show.
Das Anpeilen und Verhackstücken von Filmausschnitten (Männer, drohend. Mädchen, fliehend. Köpfe, grimmig blickend), angereichert mit ein paar rhythmischen Klopfzeichen, diente als eine Art neutönerisches Formzertrümmerungsalibi. Kleinholz muß sein.
Dann fing der Film endlich an. Und da setzte Sagerer aus diesem Kleinholz mit stoischem Zynikerhumor das ganze Modell zusammen: Das Modell einer Idee. Die Idee des "Krimi" als Erlebnisschema für den Krimikonsumenten: verdeutlichte Unterschwelligkeiten. Gesabberte Wunschwelt, so grotesk wie pervers.
Freund leiht Auto von Detektiv. Mit Mädchen ins Grüne. Überfall. Sexuell stimulierte Brutalitätenkiste: "Wo Geld, du Schwein?" Zwist zwischen Ober- und Untergangstern. Mädchen Wanderpokal.
Sagerer benutzt diese primitiven Elemente kriminalistischer Reißerspannung zu perfiden Entlarvungsspiegelungen des Zuschauerbewußtseins. Er verpopt Folterblutgesudel mit Schnellpennerkomik, Detektivpose mit gelöcherten Krimileichen.
Das wird am Ende sogar witzig. Ein böser Comic strip, mit Spruchblasengerede.
Fazit: Über die deformierte Phantasie.
PONKIE
KRIMI ist ein Film von Alexeij Sagerer.
Premiere, 02. Dezember 1969
Europa-Filmpalast, München
Personen Detektiv: Guenter Albert Freund: Erwin A. Leitner Freundin: Manuela Hollack Gangsterboß: Maximilian von Berg Erster Gangster: Christopher Price Zweiter Gangster: Reinhold Nothof Musik: Maximilian von Berg Kamera: Lothar Stickelbrucks Schnitt: Lothar Stickelbrucks, Alexeij Sagerer Produktion proT
Aufführungen (Auswahl)
02. Dezember 1969
Premiere im Europa-Filmpalast, München
13. Februar 1983
im Filmmuseum München in der Reihe "Filme von Alexeij Sagerer"
13. + 15. April 1984
in der Künstlerwerkstatt Lothringer Straße 13, München, in der Videoausstellung "Der Fernseher ist der
Gipfel der Guckkastenbühne" von Alexeij Sagerer
08. Oktober 2017
UNDERDOX - 12. Internationales Filmfestival im Werkstattkino, Frauenhoferstr. 9, München
Theatermacher und Provokateur
Franz Bauer in der Plattlinger Zeitung über Alexeij Sagerer
- 15.04.2026
Theatermacher Alexeij Sagerer ist in Plattling (Landkreis Deggendorf) geboren und aufgewachsen.
In München zählt der 82-Jährige zu den bekanntesten Künstlern, wird in der Pinakothek der Moderne
gezeigt und mit dem städtischen Theaterpreis ausgezeichnet. In seiner Heimatstadt hingegen scheint
er vergessen, obwohl er gern an die prägende Zeit "isarabwärts" zurückdenkt. Zum heutigen
"Tag der Kunst" hat sich unsere Zeitung mit ihm unterhalten.
4 Favorites auf Youtube !
Sieben Monate proT-the-whole-acts!
4 Verhältnisse von Film zu Theater
Nach den ersten sieben Monaten unserer neuen Youtube Seite proT-the-whole-acts
präsentieren wir hier die 3 erfolgreichsten Filmkompositionen und die neueste Filmkomposition
auf dieser Seite.
Wir zeigen dabei, wie vier unterschiedliche Prozesse zu diesen vier verschiedenen Filmkompositionen
führen. Dabei verändert sich immer das Verhältnis von Theaterkomposition und Filmkomposition
und öffnet dadurch immer wieder den Weg zu neuen Konsistenzebenen, aus denen dann gänzlich
verschiedene Theater- und Filmkompositionen entstehen.
Dabei verändert sich auch immer das Verhältnis zwischen Film und Theater, was dadurch zu neuen
Unmittelbarkeiten im jeweiligen Medium führt:
Zahltag der Angst - Intensitäten Film auch für Kino
Aus derselben Konsistenzebene entstehen unabhängig voneinander eine Filmkomposition und
eine theatrale Komposition.
Siegfrieds Tod Theaterfilm
Unmittelbares Theater als Ereignis für Film. Aus dem Theaterereignis entsteht ein Theaterfilm.
Weisses Fleisch
Unmittelbarer Film
Der Unmittelbare Film und das Unmittelbare Theater entstehen gleichzeitig. Die beiden Kompositionen
beeinflussen einander, sind aber in ihren Abläufen von einander unabhängig.
Sieben deutsche Himmelsrichtungen
Synchronisator +
Der Synchronisator entsteht vor den theatralen Abläufen an weit auseinanderliegenden Gegenden.
Gleichzeitig ist er jedoch einer dieser Abläufe und bestimmt diese mit.
Unabhängig davon ist er eine filmische Komposition.
1.
Zahltag der Angst - Intensitäten
über 215.800 Klicks in 7 Monaten
Unter dem Titel Zahltag der Angst entstehen 1981 im proT die theatrale Komposition
Zahltag der Angst und gleichzeitig die Filmkomposition Zahltag der Angst.
Beide Produktionen sind von Alexeij Sagerer komponiert aus Intensitäten und entstehen
in einem Prozess, der auf derselben Konsistenzebene stattfindet. Trotzdem werden keine Intensitäten
doppelt benützt, das heisst es entstehen keine Filmbilder, die aus den theatralen Abläufen
stammen oder umgekehrt. Dabei läuft ein anderer künstlerischer Prozess als 2006-2016
in der Horizontalen "Programm Weiss" und dem "Unmittelbarem Film".
proT-the-whole-acts auf Youtube - über 215.879 Views
Zahltag der Angst - Intensitäten
Film auch für Kino - U-Matic Highband - Farbe/Ton - 00:31:16 Std. - Prod. proT - 1981
Der Film Zahltag der Angst - Intensitäten ist auf U-Matic Highband gedreht, also "Videokunst".
Gleichzeitig ist er aber auch wie "Kino" gedacht.
Er entsteht während der Arbeit an der Theaterproduktion
"Zahltag der Angst - Vorwurf auf den Tieger von Äschnapur Unendlich".
Gleichzeitig ist er eine von der Theaterproduktion unabhängige Komposition aus 51 kurzen Filmen von jeweils 31 Sekunden.
Zahltag der Angst - Intensitäten konfrontiert die "Intensität" verschiedener Unmittelbarer
Bewegungen, Materialien und Inhalte miteinander: Personen, Gegenstände, Farben, Licht, Musik, Geräusche, Sprache, Texte,
Abläufe.
Von Juni 1982 bis März 1983 ist Zahltag der Angst - Intensitäten Teil der Videoausstellung
"Videokunst in Deutschland 1963 - 1982" (Ausstellungsorte: Kölnischer Kunstverein, Badischer Kunstverein Karlsruhe,
Kunsthalle Nürnberg, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin).
Drei Frauen: Cornelie Müller, Brigitte Niklas, Agathe Taffertshofer. Eine Stimme: Telse Wilhelms. Interview:
Alexeij Sagerer mit Herrn Lazarowicz, dem Leiter des Theaterwissenschaftlichen Instituts der Ludwig-Maximilian-Universität
in München. Videotechnik: Vips Vischer. Ein Film von Alexeij Sagerer.
MÜNCHEN
Montag, 19. Oktober 1981
Mit nackter Haut
"Zahltag der Angst" von Alexeij Sagerer im proT
In seinem Theater mag Alexeij Sagerer nicht mehr spielen: da hat er diesmal einen Warteraum wie für das Nachtlager von
Granada eingerichtet. Der "Zahltag der Angst" ereignet sich wieder, wie sein letztes Opus "Münchner Volkstheater",
im ehemaligen Foyer des proT. Die Stühle für die Zuschauer sind schön an der Wand entlang aufgereiht: So hat jeder
alle anderen und zumindest eines der Fernsehgeräte im Blickfeld. Der Anti-Theatermacher Sagerer hat ja nie nur Theater gemacht,
sondern von Anfnag an auch ("Comic"-)Filme: jetzt, mit der Videokunst, bringt er beides zusammen. Da kann er die "Wirklichkeit"
in den "Kunstraum" holen. Tabuisierendes, die Schamgrenzen Überschreitendes oder recht komische professorale
Theaterdialogdokumente. Mit seinen Videos kann er seine geschichtenverweigernde Theaterphantasie durchbrechen,
nach außen fortschreiben und fortträumen.
In "Zahltag der Angst" versetzt Sagerer die Zuschauer mit Urweltpaukenklängen und rasenden Lichtbändern mitten hinein
in den "Krieg der Sterne": Rüstungsträger trippeln durch den Raum, holde Wesen schweben mit Leuchtröhren vorbei, die Farben
jagen sich wie bei einer Lichtreise ans Ende der Dinge. Langsam entstehen dann "Bilder", kommen Figuren ins Spiel, indem
Sagerer - zuerst als Schlagzeuger im Rollstuhl von zwei Krankenschwestern in den Raum gebracht - wieder kräftig und mit
phantasievollem Ingrimm gegen die konventionellen Theaterphilosophien zu Felde zieht: indem er das professionelle
Theater-Abc verweigert, eben nicht Schauspieler einen vorgegebenen Text vor Zuschauern spielen lässt und trotzdem und gerade
nichts als Theater bietet - in wunderlich schönen Bildern. Etwa wenn Agathe Taffertshofer mit einem Kerzenleuchter
zu Maria Callas' zersprungen gesungener Bellini-Arie wie im Traum tanzt. Oder in sehr komischen Szenen, wenn Sagerer
selbst demonstriert, was Playback bedeutet. Kaugummikauend und mit seinen sehr langen Haaren im Kampf tritt er vors
Mikrophon, bekleidet nur mit einer Trachtenlederhose und einem Cassettenrecorder; den hält er ans Mikrophon, lauscht
kenntnisreich und mit Stolz den Klängen und gestaltet die Nummer mit erfühlten Placierungen des Recorders vor dem Mikrophon.
Ein Auftritt, der diesem Theaterdenker und Volksschauspieler wie "auf den Leib geschrieben" ist. Was das aber wirklich bedeutet,
das demonstriert er dann genüsslich an seiner Mannschaft auf nackter Haut.
Sagerer und sein proT haben sich weit abgesetzt von übrigen Münchner Theatern - auch vom FTM. Ganz auf sich allein gestellt,
zieht man in diesem kleinen Kellertheater gegen den Rest der Welt und fürchtet sich nicht.
THOMAS THIERINGER
Film auch für Kino
Zahltag der Angst - Intensitäten
2.
Siegfrieds Tod
Unmittelbares Theater als Ereignis für Film
über 5.400 Klicks in 7 Monaten
Siegfrieds Tod wird bereits bei seiner Entstehung wie ein "Film" gedacht und
tritt dadurch aus dem Genre der "TheaterDoku" heraus und nähert sich der Intensität
eines "Unmittelbaren Filmes".
In gewisser Weise macht er dadurch auch Filmproduktionen wie "live-film" und "Unmittelbaren Film"
vorstellbar.
Siegfrieds Tod ist eine Arbeit aus der Aufzeichnung von
Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt Horizontale III-2 am 27. Oktober 1993 in
der Muffathalle in München. Gedreht wird mit 2 Kameras und Mikros im Publikum. Dem Schnitt steht
ausserdem der eingespielte Video-Synchronisator "Sieben Deutsche Städte"
zur Verfügung. Der Theaterfilm ist digital bearbeitet und mit Titeln.
proT-the-whole-acts auf Youtube - über 5.400 Views
Theaterfilm - Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt Horizontale III-2,
Aufführung 27. Oktober 1993, Muffathalle München.
Gedreht mit 2 Kameras im Publikum - geschnitten mit dem Synchronisator "Sieben Deutsche Städte" -
digital bearbeitet - mit Titel.
Unmittelbares Theater als einmaliges Ereignis! Die Situation: 7 Performance-Künstlerinnen in einer Allee aus 7
Videotürmen. Auf den Monitoren der Synchronisator der 7 deutschen Städte, gedreht von Ost nach West: Dresden, Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt,
Düsseldorf. Das Publikum bewegt - auf einer Performance-Straße.
Performerinnen: Silvia Ziranek, London. Hanna Frenzel, Berlin. Siglinde Kallnbach, Kassel. Regina Frank, Berlin.
Jana Haimsohn, New York. Nina Hoffmann, Berlin. Natalia Pschenitschnikowa, Moskau.
Kamera: Christoph Wirsing, u.a.. Ein Film von Alexeij Sagerer.
tz vom 29.Oktober 1993
SIEBEN MAL SIEBEN. "Siegfrieds Tod" in der Muffathalle
Vom verkabelten Nibelung und seinen sieben Verführerinnen: In der Muffathalle machte Alexeij Sagerer ein Ende mit Siegfried.
"Siegfrieds Tod" heißt der neueste Teil seines Nibelungen & Deutschlandprojekts und es ist der bisher aufwendigste und grandioseste
Teil. (...) Jede Performerin hat das Thema in eigener Sprache verarbeitet, gespielt wird gleichzeitig. Meist spiegelt sich -
es spielen Frauen - Siegfrieds Tod in Brünhildes Reaktion. Erstarrung: Hanna Frenzel läßt sich in einer durchsichtigen Röhre
mit Salz verschütten; Nina Hoffmann bepinselt sich mit heißem Wachs, bügelt es dann platt - das großartigste Bild des Abends.
Dagegen das wilde, sich sinnlos drehende Aufbegehren: Jana Haimsohn hüpft und tänzelt atemberaubend wie ein Perpetuum mobile und
Sieglinde Kallnbach übergießt sich nackt mit Tierblut, schleudert Fleischstücke gegen ein Hakenkreuz. Dazu die wunderlich schönen
Flötenklänge von Natalia Pschenitschnikova, die sich mit den Videos deutscher Städte, mit den Schreien, Tönen, Gesängen und dem
Licht mischen zu einem totalen Theaterereignis. - Sagerer ist der letzte Dinosaurier des Münchner Theaterlebens, er hat immer
wieder etwas zu sagen und je größenwahnsinniger und phantastisch-ausufernder er losschlägt, umso schöner ist sein Theater: Eine
Sucht. Reinhard J. Brembeck
Das Ereignis erhält seine Spannung dadurch, daß jede Performerin auf ihrer eigenen künstlerischen
Vorgehensweise besteht, auf ihre eigene künstlerische Kraft vertraut und sich in einem vorgegebenen
und sich im Ablauf ereignenden Kraftfeld (in einem formalen und inhaltlichen Milieu) behauptet.
Jede Künstlerin bringt ihr eigenes Milieu mit, und bezieht sich rhythmisch auf das Gesamtmilieu.
Die sieben Künstlerinnen präsentieren sich mit eigenen Arbeiten
im proT.
Siglinde Kallnbach: DEUTSCHLAND DEN DEUTSCHEN
Hanna Frenzel: CHRONOS
Regina Frank: DIE KÜNSTLERIN IST ANWESEND, UMZÜGE
Silvia Ziranek: THE NEVER MERE MOTIF
Natalia Pschenitschnikowa: LUNGENMUSIK
Jana Haimsohn: DARE
Nina Hoffmann: OHNE TITEL
HYBRID - THE INTERNATIONAL CROSS-ARTFORM, dec 1993 / mar 1994
proT. SIEGFRIEDS DEATH - Nibelung & Germany Project (III-2) Muffathalle Munich
(...) Particularly impressive were the final two contributions, accompanying Frankfurt and Dusseldorf: Nina Hofmann turned
herself into a living wax sculpture with the help of a cauldron of hot wax, a tarring brush and a hot iron, and Natalia
Pschenitchnikova from Moscow improvised with voice and flute in her Lung Music, reacting with immense subtlety and energy
not only to the other performers but also the towers of flickering video images. Shot in the seven cities at seven different
times of day, Sagerer/Siegfried is seen in this sequence of short films processing across reunified Germany from East to West
with a red cross on his back, foreshadowing both his own imminent death and Kriemhild's subsequent revenge. A brief clip from
Lang's Siegfried brought this full-blooded and compelling station of Sagerer's ongoing Nibelung and Germany Project to a fitting
conclusion. Martin Brady
Siegfrieds Tod
Nibelungen & Deutschland Projekt (III-2), Muffathalle München, 27. Oktober 1993
NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT
Theaterproduktion in 11 Teilen (12.02.1992 – 31.12.1998)
3.
Weisses Fleisch
Programm Weiss - Unmittelbarer Film
über 1.070 Klicks in 5 Monaten
Eine rote Bühnenfläche. Darauf ein schwarzer Raum. Das Publikum auf schwarzen Stühlen.
Auf der Bühne grosse Bottiche mit weisser Farbe und Maschinen für die Bewegung von roten Fleischteilen.
Männer an den Maschinen. Eine Handlung mit weichen roten Körpern geht über in eine Handlung mit glatten
weissen Oberflächen, „weisse Skulpturen“. Im schwarzen Raum. Eine Frau kleidet sich weiss. Und badet in Rot.
Im Weiss auf roter Bühne beginnt das Fleisch sich selbst zu repräsentieren. Und simultan dazu übernimmt im
schwarzen Raum der weisse Repräsentationskörper des Fleisches, des Fleisches rote Körperlichkeit.
Der Unmittelbare Film Weisses Fleisch entsteht mit dem Film- und Theaterprojekt Weisses Fleisch
am 25. Februar 2012 in der Muffathalle in München. Männer auf roter Bühne: Richard Hoch, Michael Varga. Frau im verborgenen schwarzen Raum: Juliet Willi.
live-Bildschnitt: Patrick Gruban. Externe Filmkameras: Ilona Herbert, Anja Uhlig. Kamerabild verborgener Raum: Alexeij Sagerer.
live-Filmton-Regie: Andreas Koll. Tontechnik: Oliver Künzner. Ein Film von Alexeij Sagerer.
Bei Weisses Fleisch geht es um Komposition. Um Komposition als Anfang und Ende. Um Körper. Wandlung und Deformation.
Fleisch. Knochen. Bau. Komposition. Ein Pferdekörper fährt ins Licht. Ohne Fell. Weich. Gabelstapler. Töne. Geräusche.
Der Körper hängt an den Vorderbeinen. An der Gabel. Offen. Der Kopf hängt über dem Hals. Mit Fell. Alles bewegt sich. Zwei
Männer. Schwarz. Eine rote Struktur. Holz. Körper. Bühne. Darauf schwarz ein verborgener Raum. Schmal. Hoch. Ein Mann auf
der Bühne. Messer. Säge. Trennt Körperteile ab. Immer wieder. Deformation. Auflösung. Das Pferd fährt um die rote Bühne.
Stationen. Wandlung. Die wachsende Präsenz der Geräusche. Sechs Körperteile liegen auf der roten Bühne. Der Kopf weiter am
Gabelstapler. Beide Männer auf der Bühne. Die Körperteile werden gehängt. Permanente Komposition.
Und jetzt Weiss. Grundfarbe der Repräsentation. Die Geräusche wiederholt. Verzerrt. Tosend. Die Körperteile werden in
weisse Farbe getaucht. Der Kopf zuletzt. Neukomposition. Weisse Skulpturen hängen über Rot. Im Zentrum der schwarze Raum.
Und gleichzeitig im verborgenen Raum. Schwarz. Rote Farbe in roter Wanne. Davor die Frau. Nackt. Sie beginnt ihren Körper
zu bekleben. Mit weissen Hostien. Und die weissen Hostien bedecken den Körper. Und werden erneut Körper. Und die Frau
steigt in die Wanne mit roter Farbe. Langsam. Und der Körper bekleidet mit den weissen Hostien wird rot. Und die Hostien
werden rot. Und die Frau legt sich in die rote Farbe und taucht darin unter. Und auch der Kopf taucht ein ins Rot.
Deformation und Wandlung. Und alles wird ein Körper. Die weissen Repräsentationskörper und der nackte Körper der Frau und
die rote Farbe. Komposition. Und die Frau steigt wieder aus der Wanne. Und sie ist eine nackte Skulptur. Feucht und rot
glänzend. Und mit roten Fetzen von Hostien auf der Haut.
Montag, 27. Februar 2012
Zerlegt
Alexeij Sagerers Projekt 'Weisses Fleisch' in der Muffathalle
München - 'Weisses Fleisch': Das neue Projekt von Alexeij Sagerer und seinem
Prozessionstheater proT ist ein Spiel der Wandlungen. Der Bezugspunkt: Die
Transsubstantiationslehre. Danach verwandelt sich während des Abendmahls Brot und Wein in
Leib und Blut Christi. Das Sakrament ist eine Frage des Glaubens. Und der Repräsentation.
Für gläubige Christen ist Gottes Sohn im Abendmahl real präsent. Für den Rest sind Brot
und Wein lediglich Medien der Vergegenwärtigung.
Dies gilt es im Hinterkopf zu haben, wenn man in der Muffathalle zunächst auf ein Video
schaut, in dem eine Frau ihren weißen Körper mit Oblaten beklebt. Bis der Panzer fertig
ist, und die Frau in eine Wanne mit roter Farbe steigt und so erneut eine andere Gestalt
und Form annimmt, dauert es anderthalb Stunden. Währenddessen vollzieht sich auf dem
Podest in der Hallenmitte ein Schau-Spiel, das gewöhnungsbedürftig ist und wohl sein soll.
Für einen Skandal aber nicht taugt, auch wenn dieser noch kommen mag. Ein ausgeweidetes
totes Pferd wird von einem Gabelstapler hereingefahren. Quälend langsam verrinnen nun
die Minuten, in denen zwei Performer das Tier zerlegen und die Einzelteile an Ketten in
die Höhe ziehen. Man blickt auf rotes Fleisch, die Verwundbarkeit der Kreatur wird sichtbar.
Unzählige Mikrofone machen jeden Handgriff auch auditiv erfahrbar.
Sagerer, der Niederbayer, macht seit über dreißig Jahren 'unmittelbares Theater', der
Körper spielt darin eine zentrale Rolle. Seine Verletzlichkeit, aber auch seine Schönheit
und Würde drohen in einer stetig virtueller werdenden Welt zu verschwinden. 'Zeige deine
Wunde' hieß es schon bei Beuys. Am Ende übertünchen die Performer das Fleisch mit weißer
Farbe. Frappierend, wie es flugs seine blutige Bedrohlichkeit verliert. Zur Skulptur wird.
Diese ließe sich wieder anbeten - in einer Kunstreligion.
FLORIAN WELLE
Mittwoch, 29. Februar 2012
Alexeij Sagerer mit "Weißes Fleisch" in der Muffathalle:
Entsetzen und Eros bei einer magischen Aufführung
In der Muffathalle geben eine nackte Frau und ein Pferd eine infernalische Hochzeit
(...)
In der Mitte, auf roten Bühnenpodesten, ein monolithischer dunkler Block wie eine
Bundeslade, umgeben von Flaschenzügen und Seilwinden. Schwarze Bottiche. Hermetisch,
obskur, schweigend. Dann Aufschlaggeräusche, akustische Verrichtungen. Gegenüber von
diesem zentralen Block, dem Tabernakel eines wilden Gottes an der Rückseite der Halle,
geht eine Projektion auf. Eine nackte Frau beklebt sich mit Hostien. Ein Iphigenienmotiv.
In die Aufschlaggeräusche mischt sich der höhere vibrierende Ton eines anfahrenden Motors
wie eine orangene Säule. Aus dem rückwärtigen Dunkel neben der stummen Nackten fährt
jetzt wie in einer Prozession ein Stapler in den Raum: In seinen Gabeln hängt der
abgetrennte Kopf eines Pferdes über seinen mächtigen Körper. Aufschlaggeräusche,
Motor, Flaschenzüge, Rückkopplungen, Knochensägen instrumentieren die Szene einer Wandlung.
Pferd und Frau behaupten den Hieros Gamos, die heilige, chymische Hochzeit.
Die sexuellen Wurzeln des Religiösen, die Einheit der Gegensätze.
Vom Moment des Anfahrens an pendelt der Pferdekopf in einem geradezu affirmativen, ständigen
Auf und Ab über seinem der Länge nach aufgetrennten und ausgenommenen Körper und bejaht das
Geschehen. Und in unerbittlicher Logik vollzieht sich auch dieser Prozess: Es ist ja das
erotische Credo Sagerers, Brutalität und Verletzlichkeit bestehen gleichzeitig und gleichwertig.
Dann ist das Opferpferd im Innersten des Tempels. Es wird zerlegt in sechs Teile. Und der siebte
ist sein Kopf! In solcher Zerstücklung wird ein atavistischer Fruchtbarkeits-Ritus sichtbar.
Pars pro toto. Das Fleisch erfährt nun seine finale Wandlung. Zwei Arbeiter in Blaumännern,
um im Bild zu bleiben, Akolythe, Liturgiehelfer, bestreichen das Fleisch mit weißer Wandfarbe,
tauschen es in die schwarzen Bottiche. Am Schluss hängt weiß allein der Kopf des Pferdes wie
ein mysteriöser Gott und Iphigenie badet im Blut. (...)
MICHAEL WÜST
Das Filmprojekt - Unmittelbarer Film
Weisses Fleisch
Das Theaterprojekt
Weisses Fleisch
Programm Weiss - Wandlung und Deformation
4.
Der Synchronisator
"Sieben deutsche Himmelsrichtungen"
über 100 Klicks in 7 Tagen
Durch die Qualität „Synchronisatoren“ entstehen Filme, die gedreht werden, um die Länge von theatralen Abläufen
festzulegen, noch bevor diese Abläufe existieren. Sie bestimmen aber nicht nur die Gesamtlänge sondern auch die
„Einschnitte“ in diese Abläufe. Die Synchronisatoren laufen über die Monitore des
VierVideoTurms und bilden mit diesem eine Theatermaschine. Sie begleiten von 1992 bis 1998 das gesamte
Nibelungen & Deutschland Projekt. Da die Synchronisatoren nicht nur die Länge der Aktionen bestimmen,
sondern über ihre Bildhaftigkeit selber Aktion sind, entsteht mit den Synchronisatoren eine ganz eigene
Qualität von Film. Synchronisator+ bezeichnet Synchronisatoren, deren Filmmaterial zum Beispiel durch Ton oder Titel in einen
eigenständigen Film transformiert ist.
Der Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen steht im NIBELUNGEN & DEUTSCHLAND PROJEKT
der Horizontale IV zur Verfügung, also unter anderem den Produktionen "Siebenmalvier"
und "Endgültig." (14. und 15. Oktober 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel Marstall, München).
proT-the-whole-acts auf Youtube !
Sieben deutsche Himmelsrichtungen + Ton
Synchronisator+ - U-Matic Mutter - mit Ton - 00:56:44 Std. - proT - 1995
Sieben deutsche Himmelsrichtungen + Ton ist der Original Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen
"vertont" mit den Originaltönen aus den Produktionen Siebenmalvier 2. Teil (Marstall, 14. Oktober 1995)
und Endgültig. (Marstall, 15. Oktober 1995).
Mit Rüdiger Carl, Akkordeon (Frankfurt M.), Dietmar Diesner, Saxophon (Berlin), Paul Lovens,
Schlagzeug (Aachen), Joe Sachse, Gitarre (Chemnitz), Martin Schütz, Cello (CH-Biel),
Tenko, Stimme (London/Tokio), N.U.Unruh, Schlagwerk (Berlin), Matthias Hirth, Stimme (München),
Lara Körte, Stimme (München), Lukas Miko, Stimme (Österreich).
Tonfassung Alexeij Sagerer mit Christoph Wirsing.
Ein Film von Alexeij Sagerer.
Seit 2023 Präsentation Lenbachhaus München: Alexeij Sagerer bei Sammlung Online.
SZ vom 17. Oktober 1995
DER MYTHOS ALS KONZEPT ART
Alexeij Sagerers stocknüchterne "Götterdämmerung" zum Abschluß des Spiel.Art-Festivals
(...) "Siebenmalvier" (...). Ein musikalisches Zwischenspiel, das laut, schrill, rhythmisch insistierend,
den Blick auf die ebenfalls rhythmisch strukturierten Videobänder lenkt, auf Siegfried in
Lederhosen und Kriemhild in Unschuldsweiß, wie sie durch Städte und Länder ziehen, in denen
Natur und menschliches Leben die Zeichen des Krieges überwuchert hat. Rahmen und Montage
verfremden, was Dokument sein könnte, zum assoziativen Artefakt. Siegfried und Kriemhild als
Repräsentanten eines Heldendeutschlands, das im Heldengestus 1945 in Schutt und Asche verging.
Vorsicht Pathos! (...)
Eva-Elisabeth Fischer
1995. Der Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen wird mit wechselnden professionellen
Kameras gedreht (Kamera abwechselnd: Christian Virmond, Christoph Wirsing).
Dann wird das Material auf U-Matic überspielt und anschliessend digital bearbeitet und ohne Ton geschnitten
(Alexeij Sagerer und Christoph Wirsing). Das heisst, die original U-Matic-Mutter ist stumm.
Das Material für den Synchronisator Sieben deutsche Himmelsrichtungen wird
in mehreren filmischen Reisen in folgender Reihenfolge gedreht: 1. Tunesien, 2. Normandie, 3. Kreta,
4. Narvik, 5. Sankt Petersburg, 6. Stalingrad, 7. Krim.
Auf diese filmischen Reisen wird immer das weisse Brautkleid ("Kriemhild-Motiv")
und für Alexeij Sagerer die Lederhose mit Hosenträgern, schwarzem Oberteil und Stiefeln ("Siegfried Motiv")
mitgenommen. Für das Brautkleid findet Alexeij Sagerer an jedem der Orte eine Frau.
Und an jedem der Orte sind Kriegsgräber vom 2. Weltkrieg.
Jeder der sieben Filme konfrontiert das Pathos des Mannes, der Frau und der Kriegsgräber mit
nomadischen Filmelementen, die vor Ort in langen Fahrten gefilmt werden.
Team Filmproduktion: Maria Sánchez, Alexeij Sagerer u.a.. Kamera: Christian Virmond, Christoph Wirsing.
Bearbeitung des Filmmaterials: Alexeij Sagerer mit Christoph Wirsing.
Ein Film von Alexeij Sagerer.
SAARBRÜCKER ZEITUNG vom 26. Oktober 1995
THEATER-GRENZGÄNGE
Das neue Münchner Spiel.Art-Festival, eine Biennale
(...) Asahinas Grenzgang zwischen Theater, Musik, Tanz und Bildender Kunst ist als neues Genre
hierzulande vor Jahren schon populär geworden durch den Belgier Jan Fabre, dann seinen Landsmann
Wim Vandekeybus, und heute durch Neuer Tanz Essen von Wanda Golonka/VA Wölfl. Diese Misch-Gattung
bestimmte auch das Münchner Spiel.Art. Einer, der in den 60er Jahren kühn in diese Richtung
vorpreschte, ist der Münchner Alexeij Sagerer, dessen dreiteilige "Götterdämmerung" das
Spiel.Art-Finale bildete. Sagerer strebt ein alle Sinne gleichzeitig ansprechendes Theater an
- das er vor allem als "Oper aus dem Geist der unmittelbaren Musik" versteht. In seiner Trilogie
wird diese "Oper" erschaffen mit Schlagwerk-Krach, komplexen Batterie-Kanonaden, Saxophon-Tiraden
und -Schreien, archaisch aus dem Bauch geholten Stimm-Experimenten und eingespielten Wagner-Opern.
In Sagerers "Nibelungen & Deutschland Projekt" wird mit akustischen Mitteln voll Ironie ein
provozierendes Zeitpanorama geschaffen. Mit einer musikalischtextlichen Verquickung von Nibelungen-Saga,
Wagners "Ring" und deutschen Wiedervereinigungs-Reden gelingt ihm ein germanisches Portrait von
äußerster Schärfe und zugleich von sinnlicher Kraft. Daß Spiel.Art diesen ortsansässigen Künstler
endlich einmal ins überregionale Rampenlicht holt, ist mit sein größtes Verdienst.
Malve Gradinger
DIE SYNCHRONISATOREN
auf dem VierVideoTurm, ab 1985
Götterdämmerung
Eine Trilogie im Nibelungen & Deutschland Projekt (IV-2)
Bayerisches Staatsschauspiel Marstall, München, 13./14./15. Oktober 1995
proT auf YouTube: proT-the-whole-acts
Im August 2025 eröffnet proT eine neue Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-whole-acts.
Diese Seite präsentiert - im Gegensatz zu proTshortcuts - künstlerische
Kompositionen von Alexeij Sagerer nicht in Ausschnitten sondern in ihrer jeweiligen Länge.
Präsentiert werden zum Beispiel Zahltag der Angst - Intensitäten (1981),
Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt (1994), proT trifft Orff (1985),
Filme aus Der Tieger von Äschnapur (1977-1979) und Unmittelbarer Film:
Reines Trinken - Gottsuche (2008),
Voressen (2010) und Weisses Fleisch (2012). Die Präsentation wird ständig erweitert.
proT-the-whole-acts: proT-Filme auf Youtube
Präsentation der proT-Filme, die auf der neuen Youtube-Seite: proT-the-whole-acts
seit August 2025 gezeigt werden. Die Filme werden hier einzeln vorgestellt und können auf Youtube
abgerufen werden.
Der Laufende Tiegerjäger
In der
Pinakothek der Moderne
bei
DENKRAUM DEUTSCHLAND 2025
Foto: Johann & Erwin Rittenschober
Laufender Tiegerjäger ist ein eigenständiger Teil bzw. "Film" aus der "Theater als Film-Comics"-Produktion
Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern, die
1979 auf Super8-Film gedreht ist. Laufender Tiegerjäger: Alexeij Sagerer. Kamera: Team.
Ein Film von Alexeij Sagerer.
Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern
wird 1979 auf Super8-Film gedreht. Der Ton wird mit einem professionellen NAGRA-Tonband-Gerät aufgenommen
und auf Perfo-Band überspielt. Anschliessend wird der Film auf einem professionellen Schneidetisch
von Alexeij Sagerer geschnitten. Kamera: Team. Ein Film von Alexeij Sagerer.
Die Filmproduktion von 1979
Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern
(Theater als Film-Comics) ist ein Unikat. Sie konfrontiert die Verfilmung einer Theaterproduktion
mit der Dokumentation von Theater, also hier mit dem "Theaterfilm"
Der Tieger von Äschnapur Eins oder Ich bin die letzte Prinzessin aus Niederbayern.
Wieweit es gelingt, die Theaterproduktion "Reinen Film" werden zu lassen, bleibt hier offen. Sie ist
aber eine frühe Auseinandersetzung von Alexeij Sagerer mit dem Verhältnis der Kompositionen "Theater"
und "Film" und führt letzten Endes 1997 zur Vorstellung von "live-film", also eines Filmes, der
in und aus einer Produktion entsteht, die gleichzeitig Film- und Theaterproduktion ist.
Film und Theater kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen: sie beeinflussen einander;
sie brauchen aber einander nicht zu berücksichtigen.
Am 18./19. Oktober 1997 produziert proT in der Reithalle in München den ersten "live-film"
....und morgen die ganze Welt, Dauer 28:00:00 Stunden.
Die 11.000 Euro Kanne
BLAU
Am 28. Juni 2024 verkauft das proT für 11.000 Euro die signierte Alexeij Sagerer Kanne BLAU.
Und die Blaue 11.000 Euro Kanne vertritt die Organisationshoheit des proT und spricht!
Alles sind Konsistenzebenen und Kompositionen und dabei arbeitet die Lebendigkeit mit der Einmaligkeit
und jede dieser einmaligen Konsistenzebenen entsteht in einem Prozess durch Prozessionstheater
und jetzt erscheint das Theater des Aussen und es kommt ungefragt und unberechenbar und nur so entsteht es,
das Unmittelbare Theater.
Die 11.000 Euro Kanne in BLAU ist Unmittelbares Theater.
Sie propagiert nicht das
Andere, sondern sie ist das Andere.
Die Alexeij Sagerer Kanne BLAU steht für die Präsenz des proT und für die Entwicklung der
proT-homepage als eigenständiges Projekt.
Möglicherweise stellt sie das proT-Archiv vor.
Und spielt mit der Vorstellung von
"Das Unmittelbare Theaterblut aus der Penisvene" als proT-Produktion.
Die 7000 Euro Kanne
ROT
Am 7. Mai 2023 verkauft das proT für exakt 7000 Euro die erste Alexeij Sagerer Kanne.
Die Kanne ist ROT und signiert mit AS 2023.
Der Beginn:
Die 7000 Euro Kanne steht voll hinter proT und der Arbeit von Alexeij Sagerer.
Pfingsten 2023, die Kanne beginnt zu sprechen und wird auch gehört.
Die 7000 Euro Kanne ROT Fortsetzung 1
Vor etwa einem Jahr - im Mai 2022 - es ist die Zeit um die Eröffnung der Ausstellung
"Die Lust am anderen Theater" (freie darstellende Künste in München) des Deutschen Theatermuseums,
leitende Kuratorin: Birgit Pargner, wird offensichtlich versucht, von angelernten Theatermachern
und Kulturverwaltern durch "üble Nachrede" Unsicherheit über die Arbeit des proT und Alexeij Sagerer zu
streuen. Dabei fallen Namen wie Ute Gröbel, Benno Heisel oder Michael Ott als Autoren.
Personen, die offensichtlich ihre Rolle als relevante Kunstkritiker und Theatererkenner masslos überschätzen.
Dazu versichert die 7000 Euro Kanne allen Interessierten hier verbindlich:
Niemand, der die Arbeit von Alexeij Sagerer (oder irgendjemand anderem) schätzt, muss sich vorher bei
Gröbel, Heisel oder Ott die Berechtigung oder den Segen dazu einholen.
Hierzu präsentiert die Kanne auch einen kurzen Ausschnitt aus unserer Präsentation
der Ausstellung im Deutschen Theatermuseum vom 04.05.-31.07.2022:
proT und "Die Lust am anderen Theater"
ein Raum für das proT von Alexeij Sagerer seit 1969
Der VierVideoTurm mit den Synchronisatoren
Die Kanne im Original und als Verkündigungskanne in der Projektion
Die proT-Stühle als Objekt und Sitzgelegenheit
Unmittelbarer Film, Kino-Film und Theaterdokumentationen
"rod plau krün" Bildmaterial, Plakate und mehr
Die Ausstellung wird begleitet von der 256-seitigen Publikation Die Lust am anderen Theater
Herausgegeben von Dr. Birgit Pargner, Henschel Verlag 2022
Mit drei Texten zur Arbeit von Alexeij Sagerer und das proT:
Helmut Schödel
Das Es-ist-was-es-ist-Theater des Alexeij Sagerer
Egbert Tholl
Alles gehört zusammen. Alexeij Sagerer und sein Theater der Unmittelbarkeit
Birgit Pargner
Alexeij Sagerer - immer wieder ein Erlebnis
Die 7000 Euro Kanne ROT Fortsetzung 2
"Also, ich frag mich ja schon, wie der Sagerer das wohl macht, dass in seinem Stück
"Liebe mich! Wiederhole mich!" drei Frauen nackt auf der Bühne sind."
Aufgeschnappt, München, 04. Mai 2022
Obwohl inzwischen, vor allem bei angelernten Theatermachern, wachsende Unsicherheit über die
Erscheinung von Nacktheit herrscht, präsentiert "Die 7000 Euro Kanne - ROT" die proT-Produktion
"Liebe mich! Wiederhole mich!" mit dem Unmittelbaren Film
"Liebe mich! Wiederhole mich!"
und einem Textausschnitt in Blau von Birgit Pargner zu "Liebe mich! Wiederhole mich!" aus der
Publikation des Deutschen Theatermuseums
"Die Lust am anderen Theater - Freie darstellende Künste in München"
auf der proT-jetzt!:
Der Unmittelbare Film Liebe mich! Wiederhole mich! entsteht mit dem Film- und Theaterprojekt Liebe mich! Wiederhole mich! am
24. Februar 2016 im proT auf "Die Säulenhalle", München.
Mann: Johannes Oppenauer. Frau in Weiss mit Schleier: Judith Gorgass.
Frau in Weiss und Rot: Stephanie Felber. Frau in Weiss Kameraperformance: Anja Uhlig.
Live-Bildschnitt: Christoph Wirsing.
Kamera: Ludger Lamers, Anja Uhlig, Alexeij Sagerer. Film-/Raumton-Regie: Philipp Kolb.
Ein Film von Alexeij Sagerer.
Und worum geht es bei Liebe mich! Wiederhole mich!.
Um die Nacktheit. Um das Sterben als fortschreitende Nacktheit und um die Nacktheit als Berührung.
Wobei die Nacktheit des Mannes ihn von innen nach aussen berührt.
Die Nacktheit und die Berührung als Komposition. Und der Mann berührt sich von innen während er stirbt.
Und der Mann wird nackt von innen während er stirbt. Das Sterben berührt den
Körper von innen und zwar überall. Es ist eine dauernde Bewegung. Milieuwechsel!
Und der Mann weiss, dass er stirbt und dabei von innen heraus nackt wird und
gleichzeitig Teil einer theatralen Komposition ist.
Und er weiss um die nackten Körper der Frauen, die sich berühren und dadurch auch Teil dieser theatralen
Komposition sind. Und der gestorbene Körper ist der nackteste Körper in dieser Komposition.
Und gegenüber die drei Frauen. Ihre Nacktheit berührt sie von aussen. Und es sind drei verschiedene Berührungen.
Drei verschiedene Nacktheiten. Und ihre Nacktheiten stellen mit der Nacktheit des Mannes die theatrale
Komposition her. Und es sind drei verschiedene Nacktheiten der Frauen. Die in den Raum gestellte Nacktheit
der stehenden Frau. Die Nacktheit der Frau, die sich selbst berührt und nur bei sich selbst bleibt,
während sie öffentlich ist. Und die betrachtende Nacktheit der Frau mit der Kamera, die nackt ist
und gleichzeitig die Nacktheit sieht und ebenfalls öffentlich ist und gleichzeitig die theatrale
Komposition herstellt. Und es geht um die Unvergleichlichkeit der Nacktheit.
Birgit Pargner
Alexeij Sagerer - immer wieder ein Erlebnis
in: Publikation des Deutschen Theatermuseums "Die Lust am anderen Theater - Freie darstellende Künste in München",
Henschel 2022, 256 Seiten. S. 44-50.
(...)
Körperlichkeit und Bewegung als künstlerische Ausdrucksmittel sind wichtige Elemente in Sagerers
Theater- und Kunstauffassung. Mit dem Element der extremen körperlichen Verzögerung tritt ein Mittel
zur Steigerung der Intensität und zur Sichtbarmachung von sich vollziehenden Vorgängen oder Zuständen
hinzu. Auch in Programm Weiss, das sich über die Jahre 2005 bis 2016 erstreckt, besonders aber
im dazugehörigen letzten Teil Liebe mich! Wiederhole mich! schafft Sagerer mit dem, was er
herstellt, viele Intensitäten und Bewusstseinsebenen gleichzeitig.
Uraufgeführt in der Säulenhalle an der Arnulfstraße geht es darin um die Sichtbarmachung der simultan
stattfindenden Prozesse des Lebens und Sterbens. Das bestimmende Element aller Bewegungen auf der Bühne,
die einer ständigen Wiederholung untergeordnet sind, ist die extreme Langsamkeit aller körperlichen
Bewegungen, die in Zeitlupentempo ablaufen. Die stumme Performance findet auf jenem stegartigen roten
Podest statt, wie es uns schon aus dem Nibelungen & Deutschland Projekt bekannt ist. Am hinteren
Ende des Steges befindet sich ein großer Raum aus Glas. Es ist jener Raum, in welchem drei junge Frauen
agieren: Eine von ihnen betritt zu Beginn zielstrebig diesen Raum, zieht sich nackt aus und ergreift
eine Kamera, um damit bis zum Ende der Aufführung die beiden anderen Frauen zu filmen. Die Braut mit
Schleier und ihre Brautjungfer - selbst im weißen Kleid - beginnen die Aufführung mit ihrem extrem
langsamen und barfüßigen Entlangschreiten auf dem roten Steg außerhalb des Glaskastens an den etwas
unterhalb sitzenden Zuschauern vorbei, die Braut voran - sie trug übrigens das Brautkleid von Sagerers Mutter -,
hinter ihr die ebenfalls weißgekleidete Brautjungfer, die ihr den Schleier trägt. Nach wenigen Schritten
beginnt die Brautjungfer dicht am Körper der Braut langsam und spielerisch deren Kleid bis über Scham
und Po zu schieben. So bleiben sie dann kurz vorm Publikum stehen, um in diesem Bild zu verharren. Dann
gehen sie im gleichen langsamen Tempo in umgekehrter Reihenfolge zurück zum Glasraum, diesmal wird der
Körper der Brautjungfer von der eng hinter ihr schreitenden Braut auf dieselbe Weise entblößt. Über
allem liegt die sakrale Feierlichkeit eines Gottesdienstes.
(...)
Alle intimen Momente und Bewegungen der Frauen, die die Kamerafrau in Nahaufnahmen von der Braut
einfängt, sind unterhalb des Bühnensteges auf zahllosen Bildschirmen für die Zuschauer sichtbar:
etwa ihr nackter Fuß auf dem roten Boden, der unter dem Brautkleid hervorlugt; ihr allmähliches
Sich-Ausziehen, ihre dunklen Haarsträhnen auf der weißen Spitze ihres Kleides und auf ihrer
nackten Haut, schließlich das Räkeln ihres nackten Körpers auf dem roten Boden, ihre Finger, die
langsam und in lustvoller Selbstversunkenheit bis zur Scham vorgleiten.
Die Braut als das personifizierte Lebens- und Lustprinzip einerseits und der Sterbende auf der
Filmleinwand andererseits bilden die beiden konträren Pole in dieser Aufführung. Die künstlich
und künstlerisch hergestellte Gleichzeitigkeit der Vorgänge konnte Sagerer durch die Möglichkeiten
des Filmschnitts in seinem Unmittelbaren Film besonders fühlbar machen, indem er das Geschehen
auf der Bühne und auf der Leinwand in einer harten Aufeinanderfolge kontrastierender Einblendungen
zeigte. Sah man gerade noch eine malerische Nahaufnahme der Nackten im Glaskasten, wird plötzlich
das erstarrte Gesicht des Toten eingeblendet, das die Kamera aus unterschiedlichen Perspektiven
zeigte, worauf wiederum eine Einblendung des Rituals der Nackten im roten Slip zu sehen ist.
Dieses Mittel zeitlicher Überlagerung und Verdichtung sorgt für eine besonders intensive Dynamik,
unterstützt von den Wirkungselementen Licht, Farbe, Körperlichkeit und Musik - wie aus weiter
Ferne hört man bei Einblendungen des Sterbenden immer wieder Ausschnitte aus der Ouvertüre
von Tristan und Isolde und ein mexikanisches Volkslied von der Wirkung eines Klageliedes.
Liebe mich! Wiederhole mich! ist eine Arbeit ohne Worte. Es soll keine persönliche Geschichte
erzählt werden. Liebe mich! Wiederhole mich! will im ungestörten Besitz der Intensität und
Kraft seiner Körperlichkeit bleiben.
Die 7000 Euro Kanne, frägt sich, ob durch "die Nähe", das Zusammenwirken der Kulturbehörde der Stadt
mit der städtischen Spielstätte "Theater HochX" und dem Verein "Netzwerk Freie Szene e.V.",
gefördert von der Landeshauptstadt München, nicht eine Art Blockwartsituation entstanden ist, in der
(wem auch immer) "unliebsame" Künstler gemeldet werden können.
Dabei geht es zum Beispiel um Aussagen, die die künstlerische Arbeit von Alexeij Sagerer "indiskutabel"
finden, da "ein gewisser Sexismus in seinem Schaffen ganz klar erkennbar ist".
Aufgeschnappt, München, Januar 2023
Darauf antwortet die 7000 Euro Kanne mit der Frage: "Erfüllt bereits "Rote Wärmflasche tanzt"
den Tatbestand von Sexismus?"
Rote Wärmflasche tanzt ist der Prolog zur Theaterproduktion: "Der Tieger von Äschnapur Drei
oder Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer". Premiere am 14. Juli 1979, proT, München, Isabellastr. 40.
(Kamera: Fips Fischer)
Thomas Thieringer
Tieger von Äschnapur, drei
Alexeij Sagerer im proT
in: Süddeutsche Zeitung, 16. Juli 1979, Feuilleton
Alexeij Sagerer spielt mit seinem proT (Prozessionstheater) verrückt, phantastisch, radikal monomanisch.
Da treibt einer Theaterbilder aus sich heraus, chaotisch perfektionierte, frech verhöhnende, schön komische,
sucht Worte dazu, aber unter dem Druck der kunstvollen Anstrengung mißraten sie zu einem erschütternden
Gestammel: über Theater, das durch Subventionen konsumierbar gemacht wird, ist kaum mehr etwas Treffendes
zu sagen. Sagerer rennt mit einem von Mal zu Mal grimmiger werdenden Mut in seine Stückanfänge - über die
er nicht hinauskommt, nicht hinauskommen will, denn sonst geriete er in dramatische Zwänge, unter denen sich
alles so leicht erklären läßt: Er zerreißt seine Zuschauer gerne - wie in seinem neuesten "Tieger von
Äschnapur"-Programm -- in diesem Möcht'-gern-was-nach-Hause-tragen-Bemühen; rechts zeigt er dem wie für
eine Beschwörung sich gegenübersitzenden Publikum den brennenden "göttlichen Osterhasen"(aus Achternbusch),
sich selbst dann als fanatisch durch den Wald rasenden Sandbahnfahrer, und links wirft er die alle
Interpretation ad absurdum führenden Kommentare an die Wand, während der Alleindarsteller Sagerer im
Wilderer-/Jägerkostüm fasziniert den Gang des Sekundenzeigers verfolgt: Sagerer, der "permanente"
Tiegerjäger, der die bei Erfolg versprochene Prinzessin weiter denn je aus den Augen verloren hat. Oder ist
dieser entsetzensvolle Kreuzigungsgang - Sagerer macht ja Prozessionstheater - wo man ihm das "Just married"
ins Rückgrat gehauen hat, auch anders zu deuten (?!) -, daß er nämlich seine Prinzessin
- unglücklicherweise - gewonnen hat.
Seit Anfang 1977, seit seiner ersten "Tieger von Äschnapur"-Prozession ("Ich bin die letzte Prinzessin
aus Niederbayern") rennt er seinem Jagdglück und dieser seiner Theater-Dulcinea nach, durch dick und dünn
- will sagen, volkstheaterkomisch und multimedial überspannt: Heute, bei seinem vierten "Tieger"-Lauf
(der nullte wird mitgezählt) ist Sagerer grimmiger, radikaler und präziser in seiner Auseinandersetzung
mit dem Theater als je zuvor. Den absurden Volkstheaterzauber - den sein "Ensemble" so wunderbar
augenrollend-dumpf beherrschte - hat er sich mehr und mehr verkniffen und seine Theatergruppe hat er
bis auf sich selbst abgebaut - "Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer" nennt er ja deshalb diese
Prozessionstheater-Folge - wohl auch, um auf die, der Kunst gewiß nicht dienlichen
Organisations-Subventions-Methode des neuen Stadtrats aufmerksam zu machen.
Sagerer verweigert sich dieser durch Aufwand zähmenden Vereinnahmung: Das freie Münchner Theater
(die unabhängigen Bühnen) seien nicht entstanden, um nun mit angeblich das Überleben in Unabhängigkeit
garantierenden Subventionen in Unfreiheit (die Gunst von Gönnern) zu geraten. Er ist auch nicht bereit,
als Theaterlückenbüßer gegängelt zu werden und wehrt sich nun mit einem anarchistisch verspielten Mut zur
selbständigen Theaterkunst. Theaterlücken, die durch ein fehlendes Volkstheater bestehen, sollen auf
keinen Fall geschlossen, sondern zum "Durchsteigen benützt werden - sagt und schreibt er - oder wenigstens
zum Durchschauen." Er will jedenfalls nicht "eingemauert" werden, will den Durchblick offen halten: Sein
"Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer" ist radikales Total-Theater über das Theater, ist, unter dem
Titel einer monomanischen Selbstbeschränkung, der Kampf gegen die Windmühlen theatralischer Eitelkeiten.
Am Anfang kämpft er noch mit seiner grausam-komischen, oft ins Häßliche verliebten Phantasie: Da läßt er
einen "kleinen Wassersack", auch als Wärmflaschen bekannt, von der Wand herunter eine köstlich auf
Bedeutung getrimmte Blubberredearie "singen"; die windet sich, bäumt sich auf, plustert und plappert
und schlägt einfach ihr Wasser ab, so daß Herkules Sagerer diesen Theaterstall mit wunderlich
quietschenden Plastikschneeflocken auszumisten hat. Doch alle Kunstanstrengung will nichts nützen.
Am Ende nach einer offen-bacchiadischen, von Alltagslärm martialisch gefährdeten Posaunerei, liegt
Sagerers Tiegerjäger mit vor Anstrengung zerstörtem, schweißnassem Gesicht erschöpft "im Bett", über sich,
übermächtig (als Film), an die Wand geworfen fast zwei Dutzend Münchner Theaterleiter bei ihren
Interviewversuchen, sich auf Sagerers Fragen über ihr Theaterverständnis zu äußern; mit einem reinen,
weißen Damastband knüpft Sagerer schließlich die Brücke zum blubbernden Beginn ...
Der Tieger von Äschnapur Drei oder
Ich bin imbrünstig mein Alexeij Sagerer
1979-1985, UA proT, 14. Juli 1979
Die 7000 Euro Kanne ROT Der Abschied
Die 7000 Euro Kanne ROT verabschiedet sich mit folgenden Sätzen:
Das Theater des Aussen - also das Unmittelbare Theater, das andere Theater - denkt nicht
in Endlösungen, also ist nicht Repräsentation, sondern unberechenbar und kommt ungefragt
in die Welt - und dies ist nur
möglich, da es auf seiner Organisationshoheit besteht - und zwar uneingeschränkt!
Es ist keine Meinungsschiessbude sondern Prozessionstheater, das heisst, es bewegt sich in
Prozessen wie das Leben selbst in Einmaligkeiten, also in unzähligen einmaligen Kompositionen,
denn jede Einmaligkeit ist eine Komposition entstanden aus einmaligen Kompositionen.
Aber gegen weitere Angriffe auf das andere Theater wartet bereits in Niederbayern, bei
dem Bildhauer Peter Bauer die 11 000 Euro Kanne BLAU.
Externe Bios, Archive,
Preise und Texte
Theaterpreis der LH München
Alle drei Jahre verleiht die Landeshauptstadt München den Theaterpreis für das
herausragende Gesamtwerk.
Alexeij Sagerer erhält diesen Preis 1997 als
erster Vetreter der Freien Szene.
Theaterpreis der LH München 1997 an Alexeij Sagerer als ersten
Vertreter der "Freien Szene"
Der Stadtrat der Landeshauptstadt München verleiht den Theaterpreis '97
an
Alexeij Sagerer
Seit 1969 macht Alexeij Sagerer in München sein "Prozessionstheater" sein
- unmittelbares Theater -. Sagerer ist der gewiß eigenständigste, eigenwilligste
Theatermacher in der freien Szene der Stadt. Bei fast allen seinen Produktionen
ist er Autor und Regissuer, meistens wirkt er auch als Schauspieler mit.
SAGERERS Theater war von Anfang an ein "Raumtheater" bei dem die Gestaltung
des Raumes und die Nutzung des Raumes wesentliche Voraussetzung des Spiels im Raum
ist. Dazu gehört auch die genau kalkulierte Zuordnung von Schauspielern und
Spielfläche(n). Der Darsteller im "unmittelbaren Theater" ist meist nicht allein
Rollenspieler, sondern fast stets auch mit seiner ganzen physischen u. psychischen
Persönlichkeit gefordert. Sagerer selbst realisiert dieses Prinzip wohl am
extremsten, wenn er in den von ihm verkörperten Figuren immer wieder seine eigenen
Grenzen auslotet. Aber auch an alle anderen am Werk Beteiligten stellt er hohe
Anforderungen, die sie zu erfüllen bereit sind.
So ist unmittelbares Theater, wie Sagerer selbst sagt, "eigentlich ein Theater
der Erfahrung" - für alle Beteiligten. SAGERERS Arbeiten sind genau kalkulierte
szenische Werke, deren Ablauf z.B. durch exakte Zeitstrukturen bestimmt sein kann.
Sowohl Sagerers Theaterarbeit insgesamt als auch die einzelnen Produktionen
sind theoretisch fundiert, seine oft vielleicht eigenwilligen, sehr eigenständigen
Gedanken zum Theater zeugen auch von einem genauen, tiefen Theaterverständnis.
Noch erscheinen in der Erinnerung - und erweisen sich auch in der Wiederaufnahme -
frühe Arbeiten Sagerers als lebendig und wirksam. Er selbst hat aber in den nun bald
30 Jahren seiner Tätigkeit in München stets im Raum seines Theaterkonzepts neue Wege
gesucht, zumal im Experiment mit neuen Darstellungsmitteln, wie - schon früh - Film
und Video. Im Zentrum von Sagerers Theater aber steht fast durchweg der Mensch -
auf der Bühne und als Zuschauer. Der Mensch auf der Bühne aber muß nicht immer
Schauspieler sein. In seiner jahrelang einen ganzen Monat hindurch allabendlich
gefeierten "Maiandacht" präsentierte er jeden Abend einen anderen Gast aus den
verschiedensten Kunstsparten oder auch Berufsgruppen. Und jeden Abend verlief die
"Feier" - verändert durch die Individualität und die Kunstform des gastierenden
Künstlers bzw. der gastierenden Künstlerin - anders, auch wenn das Ritual des Rahmens
von den Mitgliedern des proT jeweils gleich gestaltet wurde.
Sein "Nibelungenprojekt" hat Sagerer über Jahre hinweg verfolgt, es eröffnete ihm
die Reithalle in der Heßstraße, die Muffathalle und schließlich auch das Marstalltheater
des Bayerischen Staatsschauspiels. SAGERER wuchsen die Rosen der "tz" zu und leuchteten
die Sterne der "Abendzeitung".
Die Zeiten sind wohl endgültig vorbei, in denen er aus der Realität seines
Theateralltags erklärte: "Wir spielen auch vor einem Zuschauer - wenn er da ist."
Und Sagerer hat sich an dieses Prinzip gehalten. Mit einer bemerkenswerten Mischung
aus Chaos und disziplinierter Konsequenz - im Leben, im Denken und Arbeiten - ist es
ihm gelungen, sein Theaterkonzept als einen der wesentlichsten Bestandteile
Münchner Theaterkultur zu etablieren.
München, Oktober 1997
Christian Ude / Oberbürgermeister
"Alexeij Sagerer - Künstlerische Biografie"
von Ralph Hammerthaler, Verlag Theater der Zeit Berlin, 2016
AAP Archive Artist Publications
Archiv für Künstlerbücher - Alexeij Sagerer
LENBACHHAUS Collection
Online-Katalog der Ankäufe des Lenbachhauses München - Alexeij Sagerer
IASLonline Diskussionsforum
"Wiener Aktionismus und Aktionstheater in München", Vortrag Thomas Dreher
Internationales Biographisches Archiv
Munzinger - Personen: Alexeij Sagerer
Wikipedia - Die freie Enzyklopädie
Alexeij Sagerer
sub-bavaria - Alexeij Sagerer
das Wiki-Lexikon der bayerischen Subkulturen
sub-bavaria - Leute & Szenen - proT
das Wiki-Lexikon der bayerischen Subkulturen
proT-way-MANIFEST
Prozessionstheater Urtext (02.11.1974)
Prozessionstheater ist eine einzige Bewußtseinserheiterung ...
proT-way-melodie
proT-way-manifest
proT-Produktion 1 (1975) - Schallplatte
Technik: Heinrich Tichawsky - Studio Ebenhausen
Titelbild: Aus dem Film "Aumühle"
Produktion: proT, 8 München 40, Isabellastraße 40
Das Theater des Aussen kann nicht durch Theatervereine begriffen werden und schon gar nicht durch die
ewiggestrigen Angeber, die behaupten "Gebt mir 10 oder 100 Millionen und ich mache euch das Theater der Zukunft".
Wer meint, heute schon das Theater von morgen zu kennen, macht lediglich das Theater von gestern.
INNEN UND AUSSEN
Texte zur Produktion von Theater (28.04.2000)
In gewisser Weise kann man unmittelbares Theater und domestiziertes Theater mit der
Wildsau und dem Hausschwein vergleichen. Wo das eine sein Sausein austrägt, trägt
das andere Schnitzel. Oder. Das Unmittelbare Theater ist nicht der 'Humus' des
domestizierten Theaters. Ebensowenig wie die Wildsau der 'Humus' für das
Hausschwein ist. (AS 1996)
Das Werden
"Wohin mit der Kultur ...."
neu auf Youtube!
Referat am VierVideoTurm
DokuMaterial - gedreht mit Video8 - 00:13:55 Std. - Gasteig Black Box am 07.06.1989
Das Unmittelbare ist so notwendig wie das Wasser und es ist noch flüssiger als Wasser, geradezu über-flüssig.
Das Unmittelbare steckt in allem, auch wenn es nicht mehr in seiner Über-Flüssigkeit erkannt wird - auch
hier ist es dem Wasser ähnlich. Kurz gesagt: das Unmittelbare Theater ist notwendig, da es überflüssig ist.
Das DokuMaterial Referat am VierVideoTurm ist der vierte und fünfte Teil eines
"Konzertes am VierVideoTurm" mit dem Titel Referat am VierVideoTurm
innerhalb der Rede-Reihe "Wohin mit der Kultur in München?", Folge 6 am 07. Juni 1989 in
der Black Box, Gasteig, München, veranstaltet vom BECK FORUM.
Synchronisator: Sieben gemalte Filme. Das DokuMaterial ist mit einer Video8 Kamera aus dem
Zuschauerraum gedreht und ungeschnitten. Mit Alexeij Sagerer.
Kamera Dokumaterial: Werner Prökel. proT, 1989.
Es sind immer schwere Zeiten für das Unmittelbare Theater.
.... als die Stadt noch in der Lage war, den Unterschied zwischen Institution und Unmittelbarem Theater,
dem Aussen zu denken ....
Die TheaterDoku Jürgen Kolbe - Halle-luja ist der vierte Teil des
"Vereinskonzert am VierVideoTurm" von Alexeij Sagerer in der Veranstaltungsreihe "proT für
die Welt" unter dem Titel "Das letzte alte Bier" im Brum's, Dreimühlenstraße 30, München
mit dem ehemaligen Kulturreferenten Jürgen Kolbe.
Das "Vereinskonzert am VierVideoTurm" gehört zu den Konzerten am VierVideoTurm.
Jedes Konzert am VierVideoTurm dauert sieben mal sieben Minuten und wird synchronisiert durch sieben gemalte Filme.
Kamera: Christoph Wirsing. proT 1990.
Die Freiheit der Kunst
Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immernoch leisten
Kommentar von Alexeij Sagerer zu Nachtkritik.de "Ein armes Leben im reichen", Sabine Leucht (20.03.2018)
Sabine Leucht, Nachtkritik.de, 20.03.2018
"(...) Vernetzung versus Münchner Mentalitäten
Als sich Anfang 2017 das Netzwerk Freie Szene München gründete, war es im Vergleich zu anderen Städten spät dran.
Noch mehr verwundert, dass es überhaupt zu einer gemeinsamen Interessenvertretung gekommen ist. Denn die Tanz- und
Theatermacher dieser Stadt lassen sich schon aus Prinzip ungern über einen Kamm scheren. "Freie Szene?", schnaubte
vor Jahren Alexeij Sagerer, "Das erinnert an kleine Fische, die sich zusammentun, um wie ein großer Fisch zu wirken."
Sagerer, der bereits in den Siebzigern neben Rainer Werner Fassbinder und George Froschers FTM nicht nur Münchner
Theatergeschichte schrieb, reicht seit 2016 Projektanträge auf null Euro Förderung ein, weil er die Achtung vor dem
ergebnisoffenen Arbeiten von Seiten der zunehmend kontroll- und projektfixierten Kulturpolitik vermisst.
Da hat er zwar Recht; doch nur, wer mehr als 40 Jahre kontinuierlich von der Stadt gefördert wurde, kann sich das
leisten. Die meisten, die unter dem Dach des Netzwerks für mehr Probenräume, mehr Geld, für Bürokratieabbau und
mehr Verständnis für die Prozesshaftigkeit künstlerischen Arbeitens streiten, wagen davon nicht mal zu träumen.
Auch deshalb fordert das Netzwerk selbstbewusst eine Vervierfachung der Fördermittel auf zehn Millionen Euro.
Wenn man sieht, dass viel weniger reiche Kommunen wie Dresden und Augsburg erst kürzlich die ihren verdoppelt haben,
mutet das gar nicht mal so utopisch an. Zumal das Geld sich in München auf mindestens acht feste freie Häuser,
sechs Infrastrukturmaßnahmen und drei Jurys verteilen würde, die über die Vergabe von Projektfördergeldern im
Bereich (Musik-)Theater/Performance, Tanz und Kindertheater entscheiden. (...)"
Alexeij Sagerer, Kommentar auf Nachtkritik.de, 23.03.2018
Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immernoch leisten...
Nein, liebe Sabine, das kann ich mir nicht leisten, weil ich 40 Jahre kontinuierlich von der Stadt gefördert wurde.
Wenn es danach geht, kann ich mir jetzt Hartz IV leisten. Wer ist denn dieser Meinung oder wie kommst du zu dieser
Meinung, dass man sich "das" nur nach 40 Jahren kontinuierlicher Förderung leisten kann? Da hättest du vielleicht
einpaar Zahlen vergleichen sollen.
Es wurde auch nicht ergebnisoffen gefördert, sondern am permanent entstehenden Ergebnis entlang gefördert. Es wurde
auch nicht einfach kontinuierlich gefördert, sondern eher an diesem permanent entstehenden Ergebnis entlang gekämpft.
Und es wurde nicht einfach anonym gefördert, sondern es gab künstlerische Ereignisse und zwar andere als man bisher
kannte und man wollte sie haben in dieser Stadt und für diese Stadt.
Offensichtlich braucht die Stadt das Andere nicht mehr, weil es das jetzt kennt, und in ihren eigenen Einrichtungen
selbst herstellen kann oder durch ihre Einrichtungen kontrollieren will. So bist du jetzt in die Werbung für eine
weitere städtische Einrichtung, wie ein Produktionshaus oder was auch immer, als Endlösung für alle unkontrollierten
künstlerischen Prozesse, eingestiegen. Das ist nichts Unrühmliches, man sollte aber nicht das eine Andere mit dem
anderen Anderen verwechseln und schon gar nicht falsch darstellen.
Womit ich wieder zum Anfang meines kleinen Textes komme. Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immer noch leisten
(und dabei lacht er auch noch), wenn nicht wegen der "40 Jahre kontinuierlicher Förderung durch die Stadt"? Weil er
dann doch lieber verreckt als im Falschen, vielleicht, zu überleben! Aber er ist doch immer noch da. Also zum
Abschluss noch ein Quiz! Warum verreckt Alexeij Sagerer nicht?
Er bekommt doch Hartz IV.
Er ist ein begnadeter Roulettespieler.
Er hat Glück bei den Frauen.
Der Verein zur Förderung von Unmittelbarem Theater wird total unterschätzt.
Er benützt das Verrecken als Produktionsmittel.
Er hat Fähigkeiten von denen er dir garnichts erzählt hat.
Er dreht sich einfach nicht um.
Von der Möglichkeit, ausserhalb des Systems zu stehen.
Ein Interview mit Alexeij Sagerer geführt von Anke Bitter (28.05.2017)
Ja, genau so hab ich mir das gedacht.
München 19.12.2017 ... doch noch eine Antwort von Alexeij Sagerer auf die Email vom 18.10.2017 aus dem Bereich "Darstellende Kunst" des Kulturreferats München und besonders auf den ersten Abschnitt.
Text der Email, 1. Abschnitt:
von DarstellendeKunst@muenchen.de
"1. Laufende Gesprächsrunden des Kulturreferates mit dem Vorstand des Netzwerks Freie Szene
Seit September finden Gesprächsrunden zwischen dem Netzwerk Freie Szene e.V. und dem Kulturreferat statt, die sich monatlich an dem im April vorgelegten Positionspapier des Netzwerkes orientieren.
Anlässlich dieser neuen Entwicklung stellt sich auch die Frage, ob das Netzwerk einen klaren Auftrag aus der Szene als seine Interessenvertretung hat. Dann könnten diese Gespräche zukünftig gegebenenfalls
auch die Come Together-Veranstaltungen des Kulturreferats, zu welchem das Kulturreferat die Freie Tanz- und Theaterszene etwa zweimal jährlich über seinen Mailverteiler einlädt, ersetzen. Wir bitten Sie hierbei um Ihre Einschätzung und Rückmeldung."
Antwort von Alexeij Sagerer:
Ja, genauso habe ich mir das gedacht. Informiert, das heisst wahrgenommen, wird auf Dauer nur, wer in den Verein eintritt. Das Aussen, das Ausserhalb der Institutionen, dort wo die
künstlerische Bewegung, das heisst dort wo die nicht berechenbare oder noch schlimmer, die unberechenbare Bewegung stattfindet, wird durch den Begriff "Freie Szene" eingefangen, dann in einem Verein
gefasst, quasi zur Institution erklärt, und wer da nicht mitspielt, wird nicht mehr wahrgenommen von der Kulturbehörde. Der ganze Begriff Theater wird durch immer weitere Institutionen
kontrolliert; Geld spielt dabei keine Rolle. Geld spielt immer da eine grosse Rolle, bekommt was explosives, wenn es direkt an den Künstler geht. Durch weitere Institutionalisierung wird versucht,
das Andere, das Aussen unsichtbar zu machen. In der Realität heisst das auch, dass nur noch "Angelernte Künstler" Zugang zu öffentlichen Mitteln bekommen. Hier braucht man die Künstler
nicht einzusperren, hier werden sie unsichtbar gemacht. Während Pseudorevolutionäre mit vergoldeten Arschlöchern in den Institutionen sitzen und die von der momentanen Politik gewollten Parolen
wiederkäuen und flotte Sprüche reissen.
Wenn eine Gesellschaft beginnt, nach rechts zu rücken, bleibt als erstes die Freiheit der Kunst auf der Strecke, das ist so, da die Kunst keine Lobby hat, daher kann man sie ohne grossen Wirbel
verschwinden lassen. Aber die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht und bleibt nicht den, von den Behörden angelernten und geprüften Personen vorbehalten. Die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht,
das JEDER besitzt. Es ist schon klar, dass sich eine Mehrheit nicht um Kunst kümmert. Aber jeder weiss, dass sie da ist. Dass ein Ausserhalb da ist, dass es ein Unbekanntes gibt. Dass es lebendig ist
und nicht verwaltet. Dass das Leben nicht ein geschlossenes System ist, dem man nicht entkommen kann.
Egal wieviele weitere Institutionen und getarnte Institutionen und angeregte oder nicht angeregte Vereine gegründet werden, auch wenn sie das Wort "frei" im Titel führen, es wird nicht freier.
Und falls jemand fragen sollte:
Nein, wir haben auch für 2018 keinen Antrag auf Subventionen gestellt.
Nein, kein Verein kann die Interessen von Alexeij Sagerer oder proT vertreten, weder mit klarem noch mit unklarem Auftrag.
Gebt auf, bewerbt euch bei den Institutionen!
Ein Interview mit Alexeij Sagerer von Simone Lutz (01.12.2015)
Alles Biographie
2022 - "Die Lust am anderen Theater"
Alexeij Sagerer und proT bei der Ausstellung "Freie darstellende Künste in München"
04.05. - 31.07.2022 im Deutschen Theatermuseum in München.
Leitende Kuratorin Dr. Birgit Pargner.
50 Jahre proT
Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters, 27.-30. Nov. 2019, Muffatwerk München Die Kunst des Alexeij Sagerer - Film - Diskussion - Theater - eine Veranstaltung des Kulturreferats der LH München
"Alexeij Sagerer - Künstlerische Biografie"
von Ralph Hammerthaler, Verlag Theater der Zeit Berlin, 2016
Theater ungleich. Alexeij Sagerer und das Münchner Theater proT.
Miriam Drewes: Vortrag am 3. Nov. 2001 anlässlich des 4. Symposiums zur Münchner Theatergeschichte "Der Autorwille. Wieviel Biografie steckt in der Kulturforschung?".
Kompaktbiographie
Alexeij Sagerer, proT
Kurzbiographie
Alexeij Sagerer, proT
auf proT
Alexeij Sagerer und das proT - BR 1995
16. Januar 1995 (8:49 Minuten)
"SPIELZEIT - Das Theatertagebuch des Bayerischen Fernsehens" von Wilfried Passow und Amadou Seitz.
auf proT
Das Münchner Theater proT
- Goethe-Institut 1993
Deutsches Theater der Gegenwart: Freies Theater, Goethe-Institut München (11:34 Min.)
"Alexeij Sagerer und sein proT, ein bayerischer Performer von Gottes Gnaden, archaisch, urwüchsig und progressiv zugleich."
Buch & Regie: Ulrike Kahle; Kamera: Lothar Wolte; Ton: Udo Radek; Schnitt und Mischung: Matthias Behrens;
Herausgeber der Reihe: Michael Merschmeier, Henning Rischbieter; im Auftrag des Theaterreferats, Ute Kirchhelle,
Roland Schaffner.
SEITEN - ABSPANN
proT-the-Beginning: Der Anfang auf Youtube
proT-the-Beginning macht den Anfang von Prozessionstheater und die ersten Kinofilme
von Alexeij Sagerer zugänglich. Die Film- und Theaterprojekte werden hier einzeln vorgestellt und
können auf Youtube abgerufen werden.
proT auf YouTube: proT-the-Beginning
Im Sommer 2026 eröffnet das proT seine dritte Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-Beginning.
Hier werden Filme aus der Anfangszeit des proT, also aus der Theaterarbeit und der Filmarbeit
von Alexeij Sagerer gezeigt.
Also TheaterDokus von Produktionen wie Gschaegn is gschaegn (Premiere 27.11.1969) oder
Watt'n oda Ois bren'ma nida (Premiere 06.06.1974). Aber auch die drei
Kinofilme Krimi, 35 mm (Premiere 02.12.1969, Europa Filmpalast München),
Romance, 16 mm (Premiere im proT bei Aktionsabend I, 30. November 1969)
und Pherachthis (Der Film der Kanne), 16 mm (Premiere im proT bei Aktionsabend II, 12. April 1970).
Von diesen frühen Arbeiten gehen wir dann zu späteren proT-Produktionen über und kommen dabei
auf den Prozess, der zu proT-Arbeiten mit Video und Internet führt,
die schon jetzt auf der Youtube-Seite "proT-the-whole-acts" zu finden sind.
proT-the-whole-acts: proT-Filme auf Youtube
Präsentation der proT-Filme, die auf der neuen Youtube-Seite: proT-the-whole-acts
seit August 2025 gezeigt werden. Die Filme werden hier einzeln vorgestellt und können auf Youtube
abgerufen werden.
proT auf YouTube: proT-the-whole-acts
Im August 2025 eröffnet proT eine neue Seite auf Youtube unter dem Titel proT-the-whole-acts.
Diese Seite präsentiert - im Gegensatz zu proTshortcuts - künstlerische
Kompositionen von Alexeij Sagerer nicht in Ausschnitten sondern in ihrer jeweiligen Länge.
Präsentiert werden zum Beispiel Zahltag der Angst - Intensitäten (1981),
Siegfrieds Tod - Nibelungen & Deutschland Projekt (1994), proT trifft Orff (1985),
Filme aus Der Tieger von Äschnapur (1977-1979) und Unmittelbarer Film:
Reines Trinken - Gottsuche (2008),
Voressen (2010) und Weisses Fleisch (2012). Die Präsentation wird ständig erweitert.
Lust auf proT - proTshortcuts auf YouTube
proT-shortcuts auf YouTube sind intensive Film-Ausschnitte von oder mit proT:
Theaterdokumentationen, live-film, Unmittelbarer Film ... oder kurze proT-Filme wie Film-Comics,
Vorfilme, Werbefilme ... Lebendige Präsentation!
proT auf YouTube: proTshortcuts
Inzwischen über 170.000 Views angeführt von den 4 FAVORITES mit je über 10.000 Aufrufen:
Tanz in die Lederhose: 25.982 Views, Vorfilm für Voressen: 17.447 Views,
Frau in Rot: 15.659 Views und Ottfried Fischer hustet Alexeij Sagerer: 10.239 Views.
(Stand 28.07.2026) und siehe auch Rote Wärmflasche tanzt auf Platz 5 mit überraschenden
8228 Aufrufen, Maiandacht mit 7866 Views, Erste Bierrede zur Kunst mit 5347 Views ...