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Die Vorgeschichte
Operation Raumschiff (OR) ist ein Theaterprojekt. Es beginnt am 19. Oktober 1997 mit ....und morgen die ganze Welt.
Dauer 28 Stunden. OR arbeitet mit simultanen theatralen Ereignissen, wobei die Simultaneität weit auseinander liegender Räume über das Internet hergestellt wird, das dabei selbst ein theatraler Raum ist. Gleichzeitig mit den Flügen entsteht Der grösste Film aller Zeiten. Von Anfang an ist es so, als würde das Projekt sich dabei beobachten, wie es sich selbst erfindet.
Der Entwicklungsprozess von OR zeigt zwei tiefe Einschnitte, mit denen sich Abläufe und Richtung von OR verändern. Die ersten fünf Jahre erklärt sich das Projekt gewissermassen sich selbst. Bis am 11. März 2003 mit Tarzans secret container im Irak
eine neue Qualität von Flügen startet. birth of nature kommt an Bord und damit die Vorstellung von Neuanfang und Reproduktion. Der neue Mensch, als Tarzan erscheint jetzt im Raumschiff, begleitet von Natur, Jane und Establishment.
Der nächste Einschnitt, fast noch entscheidender als der erste, ereignet sich 2005.
Tarzan, ursprünglich in die Pläne des Establishments verquickt, öffnet am 17. Dezember mit dem Flug Die Geburtshütte. Der Plan.
zum erstenmal das Glas mit den, seit 28 Jahren in Öl eingelegten, schwarzen Riesenameisenköniginnen - dem einzig wahren Gott. Dabei begreift er, dass das Leben ungefragt daherkommt, und distanziert sich vom Establishment. So beginnt Programm Weiss: OR Programm Weiss mit den Zusätzen birth of nature, Gott.
  
Programm Weiss geht zu den Handlungen selbst und findet ihre Spiritualität an den scheinbar banalsten, schäbigsten, heruntergekommensten Orten. Und von hier kommen die Vorgänge an Bord des Raumschiffes und offenbaren sich.
Dies führt uns zur "Reinen Handlung" des Fluges Die Geburtshütte. Der Plan. (17. Dezember 2005)
. Zum Werden von Dunkelheit und Licht (Flug: Das OR-05
am 28. Januar 2006). Zum Körper - zu Abstand und Berührbarkeit in den vier Flügen Reine Pornografie
im Dezember 2006. Und zum achtstündigen Flug Reines Trinken - Gottsuche
vom 21./22. Juni 2008, zu Rausch und Rauschen. Im Programm Weiss steht der Satz Der einzig wahre Gott sind die, seit 28 Jahren in Öl eingelegten, schwarzen Riesenameisenköniginnen., der bei den Flügen zu Reine Pornografie zum erstenmal gesprochen wird.
Worum geht es bei Programm Weiss.
Worum geht es bei Programm Weiss. Also wie geht Programm Weiss vor. Und dies führt uns zu den bisherigen Flügen von Programm Weiss. Direkt.
  
Also worum geht es in Die Geburtshütte. Der Plan.
. Um den Anfang. Um den Anfang, der wie jeder Anfang mittendrin beginnt. Mittendrin beginnt der Anfang.
Und so ist das Leben. Alles andere ist Religion. Aber mittendrin beginnt der Anfang. Weil der Anfang nur Bewegung ist und den Plan abschüttelt. Der Anfang muss den Plan abschütteln, weil der Plan das Ende ist. Und die Bewegung ist das Theater selbst. Das Wunderbare der Bewegung. Und die Bewegung führt uns zu einer Bewegung. Und der Anfang führt uns zum Anfänger. Der Anfänger ist der Anfang. Und das Theater ist der Anfang (dieses Theater, nicht das andere Theater, das ist das Ende). Und der Anfänger platzt mitten hinein. Immer. Und er öffnet das Glas mit den schwarzen, seit 28 Jahren in Öl eingelegten, Riesenameisenköniginnen. Der einzig wahre Gott. Das alles. Schwarz und eingelegt und 28 und seit Jahren und in Öl und Riesenameisenköniginnen und das Glas und öffnen. Und jetzt fängt er an und wird zum Anfänger. Er. Tarzan.
  
Und worum geht es in Das OR-05
. Um hell und dunkel werden. Das Wunder des hell werden der Halle in unserem Fall der Muffathalle. Und wir haben alles getan, damit die Halle auf wunderbare Weise hell wird. Nur die Halle, sonst nichts. Damit die Halle licht wird wie ein Wald. Auch mit Salz ist ihr Boden bedeckt. Und während die Halle licht wird, fährt Tarzan mit Jane in die Nacht. In die Dunkelheit, um das Licht zu verstärken. Und das Licht verstärkt auf wunderbare Weise die Dunkelheit. Und das ist alles was geschieht. Das Licht fährt in die Halle und die Halle fährt ins Licht. Und das ist Theater.
  
Und worum geht es in Reine Pornografie
. Um den Körper. Der Körper, der berührbar und unberührbar ist. Vor allem der nackte Körper ist berührbar und unberührbar. Der Körper, der öffentlich und gleichzeitig unberührbar ist. Wunderbarerweise. Der nackte Körper, der sich selbst berührt. Der ganze Körper. Man spürt den ganzen Körper. Und bei Reine Pornografie
gibt es auch mehrere Körper. Nackte Körper, die sich berühren und die nur da sind, um sich zu berühren. Und sie berühren sich, obwohl sie bezahlt werden. Wunderbarerweise. Und es gibt Sexualität. Und es gibt Lichtkörper, Musikkörper, den Körper der Skulptur und bekleidete Körper. Aber vor allem gibt es die nackten Körper, die sich berühren die nichts anderes tun als sich zu berühren und zum Körper des Raumschiffes werden gerade dadurch. Wunderbarerweise. Die öffentlich und der Körper des Theaters werden. Tarzan wird berührt.
  
Und worum geht es in Reines Trinken - Gottsuche
. Um Rausch und Rauschen. Um das Rauschen, das sanfte Rauschen des Wassers und die nackte Frau in diesem Rauschen und alles ist sehr zerbrechlich die Frau die einfach in diesem Rauschen steht und manchmal geht sie ein wenig nach hinten in diesem durchsichtigen Haus wackelig geht sie nach hinten und kommt wieder zurück und das Haus ist eigentlich nur eine dünne Haut und Bögen und es ist hell wenn sie beginnt in diesem warmen Rauschen zu stehen einfach nur darin zu stehen und alles ist so vergänglich das Haus das bald nur noch Fetzen sein wird durchsichtige Fähnchen an diesen Rund-Bögen in dieser provisorischen Landschaft mit Wind die in der Nacht verschwindet und doch dableibt und die Frau (die man auch Jane nennen kann) steht in diesem Rauschen und in diesem Haus das jetzt leuchtet in der Nacht und bewegt sich nur wenig und lautlos in diesem Leuchten bis es wieder hell wird und das Leuchten verschwindet und das Haus wieder zu einem Teil dieser Landschaft wird die eigentlich nur provisorisch ist und da steht die Frau immer noch in diesem warmen Rauschen des Wassers.
  
Während die Trinker in dieser Zeit des Rauschens öffentlich trinken. Sie sind öffentlich und robust und sie wissen, dass sie öffentlich sind und das Trinken wird zum Raum und der Raum wird zum Rausch. So wie er kommt. Wie er in die Körper und in die Welt kommt. Wie er Raum wird. Und sie trinken nur. Stumm. Und dann reden sie natürlich und lachen und tanzen. Und die Komposition Kneipe, die öffentlich ist, löst sich auf und wird erneut öffentlich und auch das Trinken, das nur Trinken ist, wird erneut öffentlich und das wissen die Trinker. Und so wird Theater. Und obwohl Gottsuche immer ironisch ist mit und ohne Trinken wird die Kneipe Kirche. Rausch Raum. Robuster Raum. Vertrauter Raum. Entrückung. Alles wird durchsichtig und ungreifbar. Kind werden. Öffentlich.
  
Und worum geht es bei Voressen. Um Deformation und Wandlung. Um Essen und Komposition. Und darum geht es. Und drei schwarze Stühle stehen auf drei roten Aufbauten. Podesten. Und drei nackte Männer sitzen auf diesen Stühlen. Im Lendenschurz. In Windeln. Und vor ihnen drei Tischchen. Ganz verschiedene. Mit abgeschnittenen Beinen. Und darauf Speisen in vielen Formen und Farben. Und vor allem auch Farben. Und dabei auch Getränke. Blaue und rote und gelbe. Und grüne Salate und Melonen und Gurken. Und die häufen sich auf den Tischchen und auch auf den Tellern. Und sie häufen sich mit gebratenen Hähnchen und Schweinshaxn und Broten und Torten. Und Äpfeln und Tomaten und mit anderem Essbaren und Trinkbaren.
Und drei Frauen. Weiss gekleidet. Ganz unterschiedlich. Kommen herein und zerschneiden und zerrupfen das Obst und das Gemüse und das Fleisch. Und dazwischen füttern sie die Männer. Mit Gabeln und Löffeln und Händen. Und manchmal verbinden sie ihnen die Augen. Und öffnen Flaschen und Gläser. Und zerreissen Schachteln und andere Verpackungen und wischen mit Servietten den Männern die Münder. Und drei schwarz gekleidete Kameraleute sind dabei. Auf den roten Aufbauten und filmen. Und das Licht geht und kommt wieder. Und die Kameraleute verändern ihre Position. Und die Frauen halten inne und dann zerkleinern sie wieder. Und schenken Bier ein und geben den Männern zu trinken und auch eine rote Suppe und grüne Limonade. Und die Männer sitzen da und kauen und schlürfen und schlucken. Und wandeln das Zerteilte und das Flüssige das Harte und das Weiche und das Fleischige und das Trockene in sich selbst. Und sie sind nackt und mit Windeln. Und verschieden und intensiv. Und das ist öffentlich. Und jeder weiss es. Und das ist Theater. Und das ist Komposition.
  
Und auf einem vierten roten Podest steht ein grüner Raum. In sich geschlossen. Darin. Eine Frau in weisser Unterwäsche. Ein Mann in einer Badewanne. Sein nackter Körper bedeckt mit Hostien. Und der Mann bewegt sich. Und die Frau nimmt mit ihren Lippen die Hostien vom nackten Körper des Mannes. Und isst die Hostien. Und die Hostien werden die Frau. Und die Hostien sind ein Leib und verschieden. Und auch die Hostien des Rückens sind verschieden. Und die Hostie der Nase und die Hostie des Schwanzes. Und auch als Oblaten sind sie verschieden. Und hinter dem Leib der Hostien erscheint der nackte Körper des Mannes. Und obwohl es in dem grünen Raum geschieht ist es öffentlich. Und alle wissen dass es öffentlich ist. Und ein Kameramann macht Bilder und eine Kamera schickt sie nach draussen. Zu den Bildern der anderen Kameras auf den roten Podesten. Und ein Film entsteht. Und auf einer Leinwand neben dem grünen Raum läuft der Film.
Und die Männer auf den roten Podesten werden gefüttert. Und die Frau im grünen Raum isst die Hostien vom Körper des Mannes. Und dann kommen viele Männer nackt mit Windeln herein und stehen neben den roten Podesten. Und viele Frauen in Weiss kommen herein und gehen zu den Männern. Und sie haben Eier dabei. Und zerbrechen die Schalen. Und schälen die Eier. Und füttern die Männer. Und alles ist eine Komposition. Und Verzehren und Deformation und das Wunder der Wandlung. Und jedes ist intensiv und verschieden. Die nackten Männer mit den Windeln die Frauen in Weiss und die Eier.
Programm Weiss: 1. Variation (Ried, 17. Dezember 2005)
  
Mit Die Geburtshütte. Der Plan.
am 17. Dezember 2005 öffnet Tarzan zum ersten Mal das Glas mit den, seit 28 Jahren in Öl eingelegten, schwarzen Riesenameisenköniginnen. Dabei erkennt er, dass es keine Pläne für das Leben gibt, keine Pläne, welche die Geburtshütte oder ihn selbst betreffen, keine Pläne für den neuen Menschen oder das neue Raumschiff, sondern nur Aktualisierungen und Marienerscheinungen. Marienerscheinungen sind Formen / Kompositionen, die es noch nicht gibt, beziehungsweise Ahnungen dieser Formen / Kompositionen. Tarzan selbst ist die Aktualisierung von birth of nature . Und in der Geburtshütte gibt es keine versteckten Pläne, da die Geburtshütte selbst alle Pläne ist.
Tarzan verlässt seine Geburtshütte. Operation Raumschiff und birth of nature öffnen Programm Weiss . Tarzan erkennt, dass es auch hierfür keine Pläne geben kann. Sofort treten Marienerscheinungen auf. Und jetzt treffen sich birth of nature, Tarzan, Aktualisierungen und Marienerscheinungen.
Tarzan - und mit ihm birth of nature - wird zum Programm Weiss . Und Programm Weiss wird zur Strategie gegen Establishment und Gottesspiel. Mit Programm Weiss sieht Tarzan, dass alles, was ist, das Leben selbst entfaltet - auch die Vorstellung von Transzendenz. Durch seine Aktualisierung ist Programm Weiss eine Herausforderung von Repräsentation, Gott und Metaphysik. Programm Weiss treibt die Repräsentation in ihre Unmittelbarkeit, greift die Metaphysik in der Physik und stellt die Vorstellung von Transzendenz und Gott in die Immanenz des Lebens, aus der sie kommt. Tarzan entfernt sich mit Programm Weiss von seinen ehemaligen Regierungsfreunden und deren Plänen. Tarzan entfernt sich vom Establishment.
Programm Weiss ist ein Raumschiff, das sich mit jedem Flug weiter entfaltet, sich immer mehr Räume holt, immer mehr Räume anlegt. Und so immer mehr Simultaneitäten schafft. Jetzt kommt Gott ins Spiel als neuer Favorit des Establishments und die Planungen werden verdoppelt: Genpläne und Gottesplan. Operation Raumschiff , Programm Weiss, birth of nature bekommt den Zusatz Gott und bereitet ohne Zögern weitere Flugräume vor.
Gott findet birth of nature , dies scheint unausweichlich. Und birth of nature findet Tarzan, der Gott nicht braucht. Kommt es am Ende zum Flug: Tarzan trifft Gott ?
Programm Weiss: 2. Variation (München, 14.August 2007)
  
Im Programm Weiss erkennt Tarzan, dass es keine Pläne für das Leben bzw. die Kunst gibt, sondern nur Kompositionen, die sich in einem Prozess selbst erkennen und aktualisieren. Tarzan entfernt sich vom Establishment und wird daraufhin von Gott, dem neuen Favoriten des Establishments, gesucht. Ohne Gottesplan keine Repräsentation und mit Gott keine Unmittelbarkeit in der Kunst. Und ohne Gottesplan kein Genplan und mit Gott keine Unmittelbarkeit im Lebendigen. Es geht um die Freiheit von Religionen und Genplänen. In gewisser Weise um die Souveränität der Prozesse der Kunst und der Lebendigkeit (siehe dazu: Brynja Adam-Radmanic: Signale aus dem Müll. Genfreie Abschnitte im Erbgut bestimmen die Unterschiede zwischen den Organismen, SZ vom 11.04. 2007, S. 18: "... Die entscheidenden Steuer-Elemente könnten nicht in, sondern zwischen den bekannten Genen liegen - in jenen genfreien Wüsten, die beim Menschen mehr als 90 Prozent des Erbguts ausmachen und denen lange Zeit jede Funktion abgesprochen wurde....").
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