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Neu auf der proT-homepage:
1975 - Bergcomics

 
 
Bergcomics von Alexeij Sagerer
Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald
1975 - 1988
 
 
Premiere 31. Dezember 1975, proT, Isabellastrasse 40, München
Von 1975 bis 1988 über 100 Aufführungen.
Wenn Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald gespielt wird, wird es immer als Auftakt für Gschaegn is gschaegn gespielt.
 
 

 
 
"Comics sind permanenter, eigener Intensitätsfluss, dem sie folgen in alle Richtungen, bereit für jeden Richtungswechsel. Frei von Gutem Geschmack, Meinung und Politik. Comics bilden keine Bewegungen nach und sind nicht narrativ, selbst wenn sie Geschichten erzählen. Comics fangen die Kräfte ein und sind zuende, wenn die Kraft, die sie treibt, erschöpft ist."
AS, 2013
 
 
Bier, Schnupftabak und Liebe
Alte und neue Comics von Alexeij Sagerer im Münchner proT
 
Wer wissen will, weshalb das Theater mit dem Leben nicht zu tun hat, der kann sich dies nun drei Wochen lang allabendlich anschaulich in einem Kellerraum in der Münchner Isabellstraße erklären lassen. Kellertheaterverächter und Volkshochschulgegner sollten sich nicht scheuen, diesen Service in Anspruch zu nehmen, zumal immer wieder auf mögliche Fluchtwege aufmerksam gemacht wird, Notausstiegsanweisungen gegeben werden und Alexeij Sagerer, der "Direktor" des proT, auch Prozessionstheater genannt, glaubhaft versichert, dass er jederzeit "Ihr Herr der Lage bleibt". Ein kundenfreundliches Theater, denn auch dies dürfte nicht zu den Selbstverständlichkeiten der Münchner Theaterszene gehören, daß man nämlich - auf vielfachen Wunsch - dem Publikum schon in einem Prolog den Sinn des Stücks bekannt gibt. Natürlich hat der Chef die Aufgabe übernommen, die Rätsel, die sich die kleine sympathische proT-Truppe unter seiner Anleitung für den magisch-finsteren Bühnenraum ausgedacht hat, so weit klärend zu verwirren, daß man sich vor jeder auf das "Leben" zurückgreifenden Interpretation hütet.
 
Mag man sich zu Beginn noch wundern, daß die Zuschauer sich in der Mitte des Theaters, wie zum Schenkelklatschen aufgereiht, gegenübersitzen; daß die Bühne vierfach geteilt an die Wände des pechschwarzen Raums geklebt wurde und daß Sagerer sich zu seinem Auftritt mit Notenständer eine "Pickelhaube" ins rotblonde Haar gedrückt hat - spätestens wenn er seine Prologzurichtungen beginnt, weiß man, daß hier das Theater auf den Kopf gestellt, in seine Bestandteile zerschlagen und mit einer mal wütenden, mal komisch-fanatischen Spiellust wieder neu zusammengefügt wird: zu Bildern, Bildsequenzen, denen man dann so schöne Titel wie "Eine heiße Sommernacht im lindgrünen Hochwald" gibt und die man Bergcomics nennt. Wenn Sagerer auftritt, um seine Gebrauchsanweisung zu diesem Stück, zu diesem "Theater" zu geben, denkt man aber vor allem auch an Valentin, an dessen "schwierige", sich in den Worten verheddernde Komik, an seine eckigen, hilflos verlegenen, insistierend ausschweifenden Bewegungen. Da ist eben einer nur am mitgebrachten Schild als "Direktor" erkenntlich, da gerät jede Anstrengung, eine Form zu finden, dem richtigen Ausdruck Nachdruck zu geben, in selbstverlorener Unsicherheit zur schrecklich komischen Denunziation der Ausdrucksform. Ein hochgestochen erklärender Satz wird mit dem Mut der Verzweiflung "überwundern" und durch das glückhafte Lächeln des Vortragenden wird diese artistische Leistung ad absurdum geführt.
 
Wenn Sagerer dann mit seiner Rede zu Ende ist, mit einer kläglich mißratenen Dieter-Thomas-Heck-Handbewegung den Beifall ablenkt und den Beginn des Stückes ankündigt, dann liegt schon da, noch ehe ein vollkommen vermummter Skifahrer die Treppe herabrutscht und mit einem jammervoll empörten: "Aber Hans, das ist doch der Anfang von 'Der Tieger von Äschnapur'" zurückgewiesen wird, die ganze Katastrophe falscher Stückanfänge. Der zweite Anlauf scheint auch nicht richtiger: die Miniaturausgabe eines bezuckerten Tannenbäumchens wächste an einem ausgetreckten Arm langsam aus dem Vorhang hervor, wird zu munterem Vogelgezwitscher von einer Art Waldschrat wie ein Heiligtum durch den Raum getragen - "Prozessionstheater", begleitet von Jodlern, Schafeblöken, fröhlichen Liedern, stürkischen Winden und Bergesstille, voll lächerlich heroischen Tragödien, peinigenden Schwänken und mordlüsternen Derbheiten. Das Volkstheater und der süddeutsche Heimatfilm liefern den Stoff, werden in freier, hemmungsloser Assoziationswut überdreht, auf die kürzesten, verkitschtesten Formen gebracht.
 
(...) Böses, heiteres Schau-Spiel - im proT gibt es das zur Zeit sicher kunstvollste "Volkstheater" Münchnes zu sehen.
 
Thomas Thieringer, Süddeutsche Zeitung, 03./04.01.1976
 
 

 
 
Personen
Der Direktor (und Techniker)
Der Scheff (Der A und im Vorspiel: der verirrte Skifahrer)
Die Gebirgsarbeiterin (Die B)
Die Gebirgsarbeiterin (Die C)
Der Waldler und Landler (Der D und im Vorspiel: der normale Zuschauer Z)
Im Musikbaum der Musiker als Orchester: Basisinstrument: Schlagzeug, Vogelgezwitscher/Wasserpfeife, Glöckchen, Pauken, Bratpfannengong, Mundharmonika, Kuhglocke, Xylophon, Muh-Geräusche, schafige Muhimitationsdosen, Trommel, Becken
 
 
Besetzung Uraufführung
Andreas Arnold (Der A), Billie Zöckler (Die B), Cornelie Müller (Die C), Herbert Spörl (Der D), Alexeij Sagerer (Der Direktor und Technik), Oswald Opf Pöhnl (Im Musikbaum)
 
 
Seit 13. Juli 1977 englische Fassung: "A Hot Summernight in a Soft Green Timber-Forest" - Mountaincomics; entstanden 1977 auf Grund einer Einladung an das proT nach Edinburgh zum Fringe Festival.
Gerd Lohmeyer (Der A), Billie Zöckler (Die B), Cornelie Müller (Die C), Agathe Taffertshofer (Der D), Alexeij Sagerer (Der Direktor und Technik), Kurt Hartel (Im Musikbaum)
 
 
This exciting group of six young men and women from Munich specialised in the grotesque, exaggerating commonplace action and distorting voice to give the effect of dislocation of normality become crazy. The closest to this in Britain is Monty Python but their absurdity is benevolent compared with Prozessionstheater's savagery in the cartoon tradition of those nasty Germany children's books "Max und Moritz" and "Struwelpeter".
The audience sat in the center of the hall, surrounded by four stages. (...) Gestures and movements were performed with absolute, almost cruel precision. (...)
Michael Newman, Stage, Edinburgh Fringe Festival 1977
 
 
PROZESSION THEATER have rejected the conventions of ordinary theatre. They have rejected story, explanation, naturalism, realism, and relevance. They have almost rejected speech. They want you, the audience, to respond, to their show. It is your response at the time that they consider important and not any analysis or understanding that may follow upon the experience.
(...) However, the second play "Done is done" demonstrates just how skilful the company are as actors. (...)
Julia Buckroyd, The Scotsman, 03.09.1977
 
 
ab 13. März 1982 bis Oktober 1988
Hias Schaschko (Der A), Cornelie Müller (Die B), Agathe Taffertshofer / ab Sept./Okt. 1988 Bärbel Schmid (Die C), Werner Eckl (Der D), Alexeij Sagerer (Der Direktor und Technik), Bernhard Jugel / ab Juli 1986 Hubert Jeromin (Im Musikbaum)
 
 

 
 
Einer der härtesten Theatermenschen überhaupt ist heute im Erdinger Hirschwirt zu erleben: Alexeij Sagerer. Mit dem Ensemble des proT aus München bringt er "Eine heiße Sommernacht im lindgrünen Hochwald" und "Gschaegn is Gschaegn", Berg- bzw. Mundartcomics, nach Erding. Viele sehen in Sagerer das einzig wahre Volkstheater, andere finden ihn einfach pervers. Auf jeden Fall bringt er Action ins Theater, das er, so eine Pressekritik, “auf den Kopf stellt, in seine Bestandteile zerschlägt und mit ... fanatischer Spiellust wieder zusammenfügt."
ml, Münchner Merkur/Erdinger Anzeiger, 10.01.1983
 
 
Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald

Stücktext

 
 
1. Prolog
 
DER DIREKTOR
 
Der Direktor kommt mit Direktorschild, Notenständer, Mantel und Helm herein und baut sich auf. Dann erzeugt der Direktor einen unbeschreibbaren Ton. Er wendet sich zurück zu den Papierfetzen auf dem Notenständer and dann dreht er sich zum Publikum und spricht hinein:
 
Also, wir beginnen unsere heutige Vorstellung mit einem ausgesprochenen Prolog. Es liegt uns nämlich viel daran, einem häufigen Wunsche nachzukommen. Immer wieder werden wir gebeten, den Sinn einer Vorführung doch schon vor der Vorführung kundzutun. Nun es sei! Alle Stücke dieses heutigen Abends haben den sechsten Sinn! Was ihnen auch die Bezeichnung "Bergcomics" eingebracht hat. Wenigstens den meisten. Was wiederum bedeutet, dass, wenn hier das Leben liegt und hier das Theater liegt, dann liegt das Leben außerhalb des Theaters, kann also gar keine Möglichkeit des Theaters sein und umgekehrt, was andernorts auch als Trauerspiel bezeichnet werden könnte und konnte. Daher kommt nicht zuletzt unser Entschluss, das Theater hineinzuschütten und drüberzuschütten und auszuschütten und von mir aus auch zu verschütten, damit wir wissen, was es bedeutet, neben all den längst genehmigten Übungen wie Politik und Realismus, Psychologie und Gesundheit, Prost und Beckenbauer!
 
Aus dem Zuschauerraum spricht Z als normaler Zuschauer
 
Ja und die Christenverfolgung?
 
DER DIREKTOR
 
Aha, der erste Zwischenruf: Christenverfolgung.
Christenverfolgung? Christenverfolgung?
Schweinerei!
Christenverfolgung ist ja erst der zweite Zwischenruf!
 
Aus dem Zuschauerraum spricht Z als normaler Zuschauer
 
Woher soll ich denn das wissen, ich bin doch normales Publikum!
 
DER DIREKTOR
 
Ja, und ich? Und ich?
 
Aus dem Zuschauerraum spricht Z als normaler Zuschauer
 
Das ist doch kein Theater, das ist echt!
 
DER DIREKTOR
 
So, und woher kennen Sie dann den zweiten Zwischenruf?
 
Aus dem Zuschauerraum spricht Z als normaler Zuschauer
 
Also, das ist doch wirklich nicht normal!
 

 
DER DIREKTOR
 
Ja, schämen Sie sich!
(Der Direktor wendet sich zurück zu den Papierfetzen auf dem Notenständer.)
Der erste Zwischenruf wäre: Und die Systemkritik? gewesen.
Und dazu möchte ich bemerken:
(Der Direktor wendet sich wieder zum Publikum und spricht hinein.)
 
Bei einem möglichen Außerhalb-des-Systems-Stehens, das ein System von sich aus als solches ermöglicht, da bleibt dann die Möglichkeit des Außerhalb-des-Systems-Stehens - systemimmanent!
 
(wechselt mit Notenständer die Seiten und baut sich neu auf)
Aus Gründen einer gewissen Gerechtigkeit bin ich von hinüber herüber.
Also, um den Sinn dieses heutigen Abends in ganz wenigen Worte kundzutun, da fällt mir als erstes eine Entschuldigung ein, die ich auf gar keinen Fall unterschreiben werde. Und ich versichere ihnen von ganzem Herzen, dass wir uns nicht auf den Lenbachbrunnen hinausreden werden und eine Mietpreisbindung, die kommt für uns schon ganz und gar nicht in Frage. Denn unser - nja, ich kann's ruhig sagen - Theater ist und bleibt eine Erstbesteigung, auch wenn davon der eine oder andere daran verletzt sein könnte!
 
Ein verirrter Skifahrer tritt auf.
 
Aha, da kommt ja schon der erste Schauspieler. Aber "Hias Schaschko", das ist doch der Anfang vom Tieger von Äschnapur. Der hat doch erst an Weihnachten Premiere.
 
Der verirrte Skifahrer
 
Ach so.
 
DER DIREKTOR
 
Also das ist wirklich nicht normal. Also, das ist wirklich nicht normal.
 
Darauf beide ab.
 
 

 
 
2. Der Bäumchen- und Windgang
 
Im Orchester ein Vogelgezwitscher von einer Wasserpfeife, die von dem, der im Orchester sitzt geblasen wird. Dann kommt D mit einem kleinen Tannenbäumchen in einer Faust am ausgestreckten Arm vorsichtig herein und umkreist das Publikum eineinhalbmal. Dann stellt er das Bäumchen hinten gegenüber dem Orchester ab - vorsichtig - und beginnt zu juchu-hu-cherz'n. Wenn im Orchester zu dem Vogelgezwitscher dazu noch rascher Glöckchenklang am Strang kommt, dann kommen auch B und C durch ein Seil verbunden rein, wobei sie windige Geräusche machen. Sie kommen, bis sie hinten beim D sind, wo sie ankommen, aber weiterhin windige Geräusche machen. Dann kommen im Orchester zum Vogelgezwitscher und Glöckchenklang noch rasche Paukenschläge und mit denen kommt A am Stock rasch hinkend bis zu dem juch-hu-cherzenden D und zu den windig geräuschenden B und C.
 

 
A
 
(schaut sich das kurz an und spricht dann, alles unterbrechend)
Ja, was isn los? Arbats woas!
 
3. Die Anfangsidylle
 
Jetzt ist alles ganz ruhig und D zieht eine kleine Kuhglocke heraus und beginnt zu läuten und B und C beginnen vielstimmig zu jodeln und A schaut so verklärt und hebt eine Hand, in der er eine Fichtennadelspraydose hat und sprayt zur Musik dazu.
 
4. Der Schnüffelgang
 
Als erster hört D auf zu läuten und beginnt zu schnüffeln und zwar rechts rum ums Publikum und dann hören B und C auf zu jojodeln und schnüffeln mitten durch das Publikum hindurch und dann hört A auf zu sprayen und schnüffelt links um das Publikum rum. Gegen Ende des Schnüffelns sind B und C ungefähr beim Eingang und D ist links in der Mitte und A ist wieder hinten gegenüber dem Orchester und dann gibt's im Orchester einen Bratpfannengong und das Schnüffeln ist aus.
 
5. Die erste Publikumsbegrüßung
 
A und B und C und D stehen an ihren Orten wo sie angekommen sind und machen gegenüber dem Publikum freundliche und hilfreiche Gesten, während über Lautsprecher der Direktor das Publikum begrüßt und belehrt und beruhigt.
 
DIREKTOR (über Lautsprecher)
 
Guten Abend meine Damen und Herren.
Das proT und seine Mitarbeiter heißen Sie im Theater herzlich willkommen. Wir hoffen, dass die Vorstellung für Sie und Ihre Angehörigen einen angenehmen Verlauf nimmt, und Sie bald wieder einen Ihrer freien Abende uns anvertrauen werden. Wir befinden uns im Augenblick mitten im Aufstieg und steigenden Aussichten. Die Höhennadel zeigt genau eintausend Meter. Bei unvorhersehbaren Gefahren - wir sind alle nur Menschen - bitten wir um keine Panik.
Die Notausgänge hier in diesem Zimmer liegen rechts vom Eingang im zweiten Fenster, links vom Eingang am anderen Ende des Raumes gegenüber dem Ofen im letzten Fenster. Durch eine kleine Drehung der Griffe nach links, sind die Fenster leicht zu öffnen und schon befinden Sie sich in den Lichtschächten mit den schmalen Metalleitern. Klettern Sie diese schmalen Metalleitern möglichst einzeln empor, bis Sie an die Eisengitter stoßen. Diese Eisengitter brauchen Sie nur noch abzuheben und mit einem kleinen Schwung
 
(Ein Klatscher der Schauspieler.)
 
befinden Sie sich bereits in Sicherheit.
 
Wir danken Ihnen.
 
6. Der anarchische Mundharmonika- und Gesangsgang
 
Wenn die Publikumsbegrüßung zu Ende ist, gibt es im Orchester wieder einen Bratpfannengong und dann beginnen zuerst alle am Ort fröhlich zu marschieren bis D mit der Mundharmonika frisch, schrill zu musizieren beginnt. Daraufhin marschieren alle um das Publikum fröhlich beschwingt, frisch schrille Töne auf den Lippen. Bis sie in der zweiten Runde seitlich rechts vorm Orchester ankommen. B und C und D stehen in einer Reihe unten mit dem Rücken zum Publikum und A etwas erhöht oben mit dem Gesicht zum Publikum. Wenn A seine Spraydose abgelegt hat und mit seinem Stock vor B und C und D ein scharfes Aufsetzgeräusch gemacht hat, ist mit dem frischen, schrillen Singen, Musizieren und Marschieren Schluss.
 
7. Die Bergsteigerbelehrung
 
A(sanfter angenehmer Tonfall)
 
Die ersten Schritte einer Bergwanderung sind die leichtesten oder die schwersten. Gar mancher scheint anfangs über die Felsen zu fliegen. Doch je näher er dem Gipfel kommt umso matter und matter wird er, bis er - viel zu früh - auf den Matten darniederliegt. Während ein anderer mit zähen Schritten seinen Aufstieg beginnt, um endlich in einer Gondel über den Gipfeln zu schweben.
 
(Daraufhin ist es ganz ruhig und B und C und D drehen sich langsam zum Publikum um und sagen bedeutungsvoll und gemeinsam:)
 
B+C+D
 
Ja, die Steinböck!
 
8. Der Geröllgang
 
Auf einen Schlag aus dem Orchester reagieren alle vier. Der Geröllgang wird durch dunkle Schläge aus dem Orchester verstärkt.
A beginnt sich zuerst langsam aufgelöst zu bewegen und Worte aufgelöst geräuschhaft zu bilden und dann beginnen auch B+C+D und dann bewegen sich alle vier, immer schneller werdend, immer aufgelöster in der Bewegung und im Ton, um das Publikum herum. A und D voraus, B und C hinterdrein, bis sie in der zweiten Runde mit einem Paukenschlag gestoppt werden und zwar B und C seitlich links vom Orchester hintereinander gebückt und A und D seitlich links vom Orchester nebeneinander an der Wand lehnend. Die geräuschhaften Laute werden vor allem aus den Worten gebildet:
 

 
A+B+C+D
 
Geröll! Geröll!
 
Paukenschlag.
 
9. Das derbe Liebesgespräch
 
Nach dem Paukenschlag ist alles ruhig und still und dann beginnen B und C langsam und schwer zu sprechen und nach jedem Satz folgt ein Paukenschlag.
 
B
 
An scheen an fesdn Oasch hoasd!
 
C
 
Fia di oba ned!
 
B
 
Moansd kundsd a bessre findn!
 
C
 
A bessre wia di oiwei no!
 
B
 
Geasd scho no amoi hea zu mira, doa kune draf woadn!
 
C
 
Des dawoadsd du ned, du! Doa name ma schon liaba an Dreg!
 
B
 
Dea woas du megn dadasd dea hoab i no nia ned gsegn!
 
10. Das zarte Liebesgespräch
 
Nach dem letzten Satz kommt aus dem Orchester kein Paukenschlag, sondern liebliche Töne vom Xylophon und zu diesen lieblichen Tönen sprechen A und D.
 
A
 
Ich möchte ununterbrochen Zigaretten rauchen.
Doch irgendwann bekommt man Kopfweh und ein Schweiß bricht aus!
 
D
 
In deinen Augen, da ist ganz viel Musik drin, die ich immer hören könnt!
 
A
 
Deine kleine Nase möcht ich ins liebe Gesicht zurückdrücken bis die weichen Knochen splittern und die zarte Haut aufplatzt.
 
D
 
Wir zwei fahren eine riesige Ebene mitten hindurch.
 
A
 
Zerbrechlich und weiß stehen die Spitzen unter deinen blauen Augen - dann springt das Blut heraus.
 
D
 
Immer hab ich mir schon gedacht warum nur die Vögel fliegen und wir nicht? Aber wir können's ja auch!
 
A
 
Wir fliegen mit einem blutigen Schweif und die Sonne freut sich und lässt ihn glitzern!
 

 
Dann gehen die Lichter aus und der Techniker/Direktor schreit hemmungslos laut und lang, so lang er kann.
 
11. Der Freidl-Jodler
 
Die sich gegenüber stehenden AD und BC werfen sich echoend das Wort Freidl zu, hin und her, wobei A immer den Anfang setzt.
 
A
 
Freidl,
 
C
 
Freidl,
 
D
 
Freidl,
 
B
 
Freidl.
 
Und C das Freidl am Schluss alleine verechot.
 
12. Die zweite Publikumsbegrüßung
 
In das verechoende Freidl von C fällt der Gong für die 2. Publikumsbegrüßung. Nach dem Gong drehen A+B+C+D dem Publikum den Rücken zu und über die Lautsprecher spricht die Stimme des Direktors.
 
DIREKTOR (über Lautsprecher)
 
Ehrbereites Publikum.
Wie gerne hätten wir Sie an dieser Stelle über die neueste Höhenstandsmeldung informiert. Dies ist uns jedoch leider nicht möglich, da die Höhennadel bereits nadelt. Mein Gott, oh mei.
Mein Gott, oh mei.
Mein Gott, oh mei.
Für eine Panik besteht nicht der geringste Anlass, da die Notausgänge bereits geschlossen sind.
Wir verbleiben bis auf weiteres Ihr Herr der Lage.
Wir danken Ihnen.
 
13. Der Kropfenjörgli-Tanz
 
Der Bratpfannengong beendet die Publikumsbegrüßung und A+B+C+D drehen sich scharf um, B und C zueinander, A und D zu B und C. C befreit sich energisch von ihrem Seilende und wirft es auf den Boden und schreit B an.
 
C
 
Due Sau!
 
Dann eilt C energisch nach vorn vor das Orchester und steht dem Publikum gegenüber offen und sagt dann scharf:
 
C
 
Wer ist der Bleadsd und da Schiachst?
 
Daraufhin schauen B und D sofort den A an und schreien
 
B+D
 
Da Kropfnjörgli!
 

 
Daraufhin beginnt, zuerst leise aber bereits sehr intensiv-langsam drohend im Orchester ein Dreivierteltakt und C geht entsprechend auf A zu, der grinst. Dann spricht C zu A.
 
C
 
Nur oan Danz danze und den danze mid dia!
 
Dann kommt der Dreivierteltakt schnell und laut aufbrechend und C packt A, der gerade noch seinen Stock nach hinten abstößt und tanzt mit ihm einen wilden Dreivierteltakt-Veitstanz eineinhalbmal um das Publikum und B rennt ihnen aufgeregt zappelnd mit dem einen Seilende in der Hand hinterher und kreischt und D tanzt zuerst einen Veitstanz am Ort dabei immer "Der Kropfenjörgli!" schreisingend bis er sich am Ende dem gesamten Zug anschließt, zwischen C+A und B, der dann hinten gegenüber dem Orchester ankommt, am Ort gleichzeitig mit dem Orchestralen Dreivierteltakt ausläuft. Dann ist alles ruhig und A und C und D wenden sich langsam zu B, die als letzte mit dem einen Seilende in der Hand ankam und plötzlich isoliert ist, und dann stehen sie sich gegenüber und dann sagt A zu B
 
A
 
Ja, woas moagst denn mid dem Seil dauernd?
 
B
 
Ja, Bergcomics!
 
Und dann sind alle ganz ruhig und B befreit sich stripteasend umständlich von dem zweiten Seilende um ihren Leib. Lichtwechsel auf rot.
 
14. Die Onkelgeschichte
 
B steht den drei anderen gegenüber, noch ein Seilende in der Hand und erzählt:
 

 
B
 
Einmal, da hab ich einen ganz gut gekannt. Der ist jung gewesen und bei seinem Onkel hat er gewohnt. An einem Pfingstsonntag sind alle am Mittagstisch gesessen und die Suppe hat schon gedampft und er ist zu spät gekommen gewesen. Wie er sich hinsitzt, fragt ihn der Onkel, ob er jetzt die Salatpflanzen mitgebracht hat. Er hat den Onkel angeschaut und gesagt: Salatpflanzen brauchen wir keine. Wie der Onkel dann wildgeworden ist und ihm eine runtergehauen hat, da nimmt er einen Schürhaken und schlagt ihn bis der Onkel am Boden liegt. Aus der Schublade in der Küche nimmt er das große Schlachtmesser und schneidet dem Onkel den Kopf ab, so dass er nur noch an einem Stückerl Haut hängt. Wie ich ihn grad besucht hab, ist er dagestanden und das Blut ist auf den Boden getropft. Nicht mehr gesehen hab ich ihn seitdem. Aber ich will jetzt sowieso einen Ordentlichen.
 
15. Die Bärenszene
 
Daraufhin wechselt das Licht und es beginnt die Bärenszene, bei der jeder in ein Bild hineinspringt und zwar vor jedem Satz, der vor ihm kommt, und dabei halt gemacht wird.
 
D
 
A Bäa!
 
B
 
A Bäa greifd on!
 
A
 
A Bäa greifd on!
 
C
 
A Bäa greifd on!
 
D
 
A Bäa greifd on!
 
A
 
Da Bedhovn kommd!
 
C
 
Da is da Bedhovn!
 
D
 
No a Bäa!
 
B
 
Da Bedhoven is doa!
 
C
 
Er schpringt ihm an die Gurgel!
 
A
 
Er packt sei Messa!
 
B
 
Er verliat sei Messa!
 
D
 
Drei Bäan greifn on!
 
A
 
Er rennt's ihm ins Maul!
 
C
 
De Bäan schloagn zu!
 
D
 
Da Bedhoven schpringt eana an die Gurgel
 
B
 
Da Bedhoven rennt weg!
 
C
 
S'reißt ihm an Arm ab!
 
D
 
A Bäa reißt ihm den Kopf ab!
 
A
 
Da Bäa stürzt üba den Bedhoven!
 
B
 
Da Bäa rennt eam nach!
 
D
 
No a Bäa!
 
A
 
Hilf ihm Mozart!
 
C
 
Da Bedhovn foid hi!
 
B
 
Dem kann koana mea heifa!
 
A
 
Daschloagds doch de Bäan!
 
D
 
Da Bedhovn schlizt eana den Bauch auf!
 
B
 
Wiafui soia den no daschloagn?
 
C
 
A Bäa hoid scho wida aus!
 
A
 
Da Bedhovn had den Bäan!
 
B
 
Da Bäa foid hi!
 
C
 
Da Bedhovn driffd eam am Kopf!
 
D
 
Ea schdead bis zu de Knöchl im Bluad!
 
B
 
A kloana Bäa greifd on!
 
A
 
Da Bedhovn dafetzts oalle!
 
C
 
Jessas, dem Bedhovn sei Hian liagd im Groas!
 
D
 
Lauta Bäan greifn on!
 

 
16. Der Gebirgspanoramagesang
 
Das Licht wechselt auf rot und zuerst ist es ganz ruhig und dann beginnt C extrem hoch und zart zu singen:
 
C
 
Woas Leem oan schengd
Woas ma hoad, woas ma dengd,
S'is oiwei ebbs dro,
Blos auf d'Augn'n kumd's o!
 
In die zweite Strophe fällt auch B mit ein, Höhe und Zartheit mithaltend.
 
C+B
 
Wias oana bedrachd,
Hoads Lichd oda Nachd,
Un a Ries wead a Zweag,
Un a Stoandl a Beag.
 
Die dritte Strophe wird von allen vieren gesungen, wobei alle versuchen, die Höhe und Zartheit von C zu erreichen.
 
A+B+C+D
 
Wea koid is und gwinnd
Hoads Glig des vaschwind
Wea bliad und valiad
Hoads Besde vaschbiad.
 
17. Die Bergesstille
 
Dann stehen alle ganz still da und im Orchester hört man Muh-Geräusche aus Kuhstimmenimitationsdosen, die aber mehr wie Schafsgeräusche klingen und der Direktor, der gleichzeitig die Technik macht, schaut aus der Technik und flüstert leise aber luftstark, dringend:
 
DIREKTOR
 
Bergesstille!
 
Daraufhin rührt sich genauso viel wie zuvor. Nur A+B+C+D schauen zu dem Direktor hin, einfach so. Darum flüstert der Direktor noch einmal aus der Technik, luftstärker, heftig dringend, worauf sich wieder nichts verändert, nur A+B+C+D schauen noch tiefer zum Direktor hin.
 
DIREKTOR
 
Bergesstille
 
Da schaut der Direktor und von einem Flüstern ist dann gar keine Rede mehr, sondern der Direktor brüllt stimmhaft, am luftstärksten.
 
DIREKTOR
 
Ja, Bergesstille!
 
Da rennen A+B+C zum Direktor vor die Technik und der Direktor gibt C ein Schild auf dem "Bergesstille" steht und dann beginnen die drei einen schweigenden ruhigen Umzug um das Publikum, voraus C mit dem Schild, dahinter A mit an die Stirn gegriffener Hand und am Ende B, trippelnd, den Rücken von A nicht aus den Augen lassend. Nur D ist hinten geblieben, macht dauernd schmatzende Geräusche, während er eine bayerische Landkarte entrollt und stumm, aber eindeutig auf einen unbestimmten Punkt in den Alpen deutet. Und das Orchester muht mit seinen Muhimitationsdosen schafig dazu. In der zweiten Runde schnappt sich B einen kleineren Baumstamm und schleppt ihn mit. Die Prozession endet hinten nach der zweiten Runde bei D.
 
18. Die dritte Publikumsbegrüßung
 
Gestoppt wird die Prozession durch einen Gong aus dem Orchester, worauf A+B+C+D ins Publikum lächeln, freundlich aber stumm und dann kommt die dritte Publikumsbegrüßung über Lautsprecher.
 
DIREKTOR (über Lautsprecher)
 
Oh, Sie Publikum!
Wenn Sie wüssten, wie froh wir sind, Sie gerade jetzt bei uns zu haben. Die berittene Gebirgsmarine steckt bereits mitten in der Sprengung der Notausgänge. Eine Panik ist im Augenblick ausgeschlossen. Die Bernhardiner pflücken schon den Enzian und das Edelweiß lacht den Bauern mitten ins Gesicht, während die Zugspitze um die Kurve dampft.
Oh, wenn Sie wüssten, wie wir Ihnen danken.
Oh, wenn Sie wüssten, wie wir Ihnen danken.
 
19. Vorm Gipfel
 
Nach der dritten Publikumsbegrüßung kommt kein Bratpfannengong aus dem Orchester, sondern ein Wirbel auf einer Trommel beginnt. Da dreht A den Kopf weg und nimmt wieder die Hand zur Stirn und dreht allen den Rücken zu. Und B hebt langsam ihren kleinen Baumstamm, als wollt sie ihn A hinten auf den Kopf draufhaun und C+D drehn sich auch um, so dass sie den andern beiden gut zuschaun können. Der Trommelwirbel steigert sich mit der Höhe des Baumstamms und grad wenn der Baumstamm die größte Höhe erreicht hat und nur noch herunterfallen kann, da hört der Trommelwirbel mit einem Schlag auf, aber nur im Orchester. Und da wo im Zirkus der Löwe durch den brennenden Reifen springt, da kriegt A keine drauf, sondern grad da dreht A sich um und schaut B an, die mit dem kleinen Baumstamm über dem Kopf dasteht, nichts verstehend, aber ruhig. B zieht den Baumstamm zurück und sagt zu A
 
B
 
T'schuldigung Chef!
 

 
Und dann schaut B gleich, dass sie weiterkommt zu C und D und die drei bilden ein Grüppchen und beginnen gleich eifrig mit den Fließ-Wasser-Quell-Geräuschen, rhythmisch, rasch-wechselnd, geräuschhaft-sprudelnd.
 
B+C+D (wechselnd flink mit den Worten, Begriffen, Geräuschen)
 
Plitsch-platsch, plätscher-plätscher,
Wasser, fließ, gurgel-gurgel,
murmel, murmel,
tropf, tropf,
Bach, Bach.
 
A schaut dem zu, als wenn das alles nicht in seinem Kopf wär, und auch nicht hineinging. Dann sagt er scharf-bossig zu ihnen.
 
A
 
Ja, was isn los?
Jetzt stellt's doch endlich des Kreuz auf!
 
20. Die Kreuzszene
 
Da kommen B und C und D in Schwung. B nimmt ihren kleinen Baumstamm und C holt noch einen kleinen Baumstamm und aus diesen beiden kleinen Baumstämmen binden sie mit dem alten Seil ein Kreuz hinten gegenüber dem Orchester vorne. Und D nimmt von der Wand zwei zusammengebundene schwarze Lumpen und hält sie wie ein kleines Kind auf den Armen und schaukelt sie während er stimmhaft windige Geräusche macht und ab und zu sagt, wobei er von Mal zu Mal deutlicher wird.
 
D
 
Wia a doads gloans Kindl!
Wia a doads gloans Kindl! ...
 

 
A schaut das Ganze an und lässt dabei einige Bemerkungen fallen.
 
A (bossig, drängend)
 
Machts weida! S'wiad ja scho bald Nacht! I muas do wida nunda!
Scho längst könnt' ma feadig sei, wenn's ned andauernd Blödheitn im Kopf hättst!
Wo habds'n eian Heagod?
 
Da sind B und C mit dem Kreuzbinden fertig und das Kreuz liegt vorne schräg und B und C schauen langsam zu D, der immer noch mit dem Lumpen im Arm dasteht und windige Geräusche macht und immer wieder sagt.
 
D
 
Wia a doads gloans Kindl ...
 
Vorsichtig nehmen C und B die schwarzen Lumpen und tragen sie vorsichtig zum Kreuz und D macht weiter windige Geräusche und sagt weiter seinen Satz und der A sagt auch noch was.
 
A
 
Vorsichtig! Vorsichtig
Dasst's ihm nichts abbrechts, ihr Dalken!
 
Grad wenn die schwarzen Lumpen schon fast auf dem Kreuz liegen, sagt der D noch einmal.
 
D
 
Wia a doads gloans Kindl!
 
Da packt die B die schwarzen Lumpen, reißt sie vom Kreuz und drückt sie an den Busen und springt hoch.
 
B
 
Des is mei Kindl! Des gebe fia sowoas ned hea! Des is mei Kindl, mei Kindl!
 
Und dann steht B mit den Lumpen am Busen da und sagt.
 
B
 
Des is ja goa ned doad! Des is ja no woam! Des lebd! Des lebd!
 
Die anderen drei schauen der B unbeweglich zu und die rennt zum A und hält ihm die Lumpen unter die Nase.
 
B
 
Doa schau hea, wia sa se riad!
 
Und dann rennt B zu A und hält dem noch einmal die Lumpen unter die Nase.
 
B
 
Schau hea, wia's lacht!
 
Da kommt der A wieder in Bewegung und er nimmt die Lumpen zuerst mit zwei Fingern und hebt sie etwas hoch.
 
A
 
Jetzt macht's ein doch ned ganz varuggd!
Doa schau hea, des is doch koa Kindl ned! Des is doch a Glump!
 
Und mit dem letzten Wort wirft A die Lumpen auf die Seite rechts vom Orchester, wo die Lumpen auch gleich ein Licht bekommen. Dann stehen alle ganz ruhig da und die Lumpen liegen da und dann geht D ganz langsam hinüber zu den Lumpen, nimmt sie vorsichtig und hebt sie ganz in die Höhe und dann beginnt er zu lachen und schwenkt die Lumpen triumphierend über sich und lacht, s chreit dazu:
 
D
 
Den kemma nimma nema! Jaz brauchts an neia Heagod!
Den kemma nima nema! Jaz brauchts an neia Heagod!
 

 
Und so triumphierend, lachend schwenkend kommt er zurück nach hinten, wirft die Lumpen aufs Podest und setzt sich drauf und schaut dann die anderen an und die schaun ihn an.
 
D
 
Mia brauchn woas Lebendigs!
 
Da lacht dann A so komisch und spricht.
 
A
 
Wo soi ma denn deas jaz heanema?
 
B+C
 
schaun zuerst den A an und dann wieder zurück zum D.
 
D
 
Mia brauchn an Menschn!
 
Dann ist es wieder ganz ruhig und dann schaut D langsam zu C und dann schauen auch A+B zu C und C schaut die andern an und beginnt dann langsam zurückzuweichen.
 
C (immer schriller steigernd)
 
Na, mi ned! Mi ned! Des kends do mid mia ned macha!
Des kends do mid mia ned macha!
 
Und dann bricht sie seitlich links vom Orchester zusammen. Dann ist das Licht rot und über Lautsprecher geht ein Sturm, der später ein Gewitter wird, los, und im Orchester sind glockige und beckige und sonstige Geräusche und D hat wieder die Lumpen wiegend in den Armen und singt so komisch dazu und A kichert vor sich hin und sagt immer wieder einen Satz.
 
A
 
Ich, ich bin nicht umnebelt! Ich denke rasch!
 
Und währenddem holt die B langsam die C und führt sie zum Kreuz und bindet sie drauf.
 
21. Das Aufräumen
 
Da ist mit einem Schlag das Licht wieder hell und aus dem Orchester hört man nichts mehr, nur noch das Gewitter über die Lautsprecher und alle beginnen schleunigst aufzuräumen, wobei sie sich heftigst unterhalten. B und C zerlegen wieder das Kreuz und stellen die kleinen Baumstämme zurück. B bringt A seinen Stock, während A nur eifrigst alles beobachtet und D die Landkarte zurückrollt.
 

 
D (nach vorn)
 
A Gwitta kummt!
 
B (nach vorn) Da is a Gwitta!
 
C (löst sich vom Kreuz, freudig, kindlich, wiederholend)
 
A Gwitta is da! A Gwitta is da!
 
A (alle unterbrechend)
 
Rammds halt zamm, mia wean ja sonst ganz noass, ihr Dalkn!
 
C (nach vorn seitlich)
 
Ja, die Steinböck!
 
B (zu A)
 
Und schneidet dem Onkel den Kopf ab!
 
A (zu allen, vor allem zu B)
 
Jetzt machts ein doch ned ganz varuggd!
 
D (zu A)
 
Schuldigung, Chef!
 
C (zu B)
 
Du Sau!
 
B (zu C)
 
Do name ma scho liaba an Dreg!
 
D (zu sich, offen für alle)
 
Wo isn da Heagod?
 
B (vor allem zu A)
 
Do is da Bedhovn!
 
A (zu allen)
 
Arbats woas!
 
22. Der Abstieg
 
Dann kommen aus dem Orchester viele, rasche Bratpfannengongs, und ABCD stellen sich seitlich rechts vom Orchester hintereinander auf für den Abstieg, der im Uhrzeigersinn ums Publikum geht, während der Aufstieg gegen den Uhrzeigersinn ums Publikum lief. C mit dem Schild "Bergesstille" voraus, D dahinter und dahinter B mit Seil und ganz hinten A mit Stock. Wenn sie fertig sind, beginnen im Orchester die Glöckchen zu läuten und auf dem Becken kommt dann ein Ton dazu (zart) und ABCD beginnen den Quellgang mit kleinen fleißigen Bewegungen und mit fließ und plitsch-platsch, plätscher-plätscher auf den Lippen. Dies geht eine halbe Runde bis sie seitlich links vorm Orchester ankommen und ein Gong aus der Orchester-Bratpfanne sie ganz anhält. Da stehn die Vier da im grünen Licht und juchzen in das Publikum hinein einen Juchzerer.
 

 
Kaum ist der Juchzerer verjuchzt bringt das Orchester etwas stärkere Beckentöne, leicht rhythmisch unruhig, und das Gewitter steigert sich noch leicht und ABCD bewegen sich weit und weich und weit im Windgang mit heul und hui und wind, der nach einer halben Runde rechts vom Orchester zu Ende ist. Wenn die Vier im blauen Licht stehen hört das Orchester mit dem Becken auf und ABCD sagen:
 
ABCD
 
Wir danken Ihnen!
 
Und sofort kommen heftige, schnelle, unruhig-rhythmische Trommelschläge aus dem Orchester und ABCD sind im Geröllgang unterwegs, eine Dreiviertelrunde. Sie bewegen sich heftig ruckartig verzerrt, mit etwas nach oben gerichtetem, unruhigem Kopf. Wobei die beiden Worte: Geröll und Krach äußerst geräuschhaft aufgelöst und stoßweise kommen, durch freie, etwas hellere Geräusche angereichert. Wenn ABCD hinten gegenüber dem Orchester ankommen, gibt's im Orchester den vorletzten Bratpfannengong und ABCD liegen, sitzen und stehen locker erstarrt, das Bergesstille-Schild nach vorne, im roten Licht wie ein fleischgewordenes Bergfoto ohne Berge. Alles ist ruhig, nur das Gewitter gewittert heftigst und aus dem Orchester hört man ganz verloren die Geräusche der Muhimitationsdosen, die aber mehr wie Schafsimitationsdosen klingen. Und dann beginnt im Orchester zuerst ganz langsam, sich aber dauernd steigernd der Dreivierteltakt vom Kropfenjörglitanz und mit diesem Dreivierteltakt beginnt das lebendige Bergfoto sich zu bewegen und wird auch immer schneller und wenn die Bewegungen und der Dreivierteltakt ganz schön schnell sind, dann platzt mit einem besonders kräftigen Beckenschlag das Bild auseinander und das Orchester spielt voll auf und das Gewitter gewittert voll auf und A tanzt mit seinem Stock rechts rum ums Publikum hinaus und BC tanzen links rum ums Publikum hinaus oder umgekehrt und wenn sie draußen sind, dann stopft das Orchester den rasenden Dreivierteltakt mit einem Schlag und hinten sieht man nur noch D in weißem Licht und das Gewitter verzieht sich und kurz bevor es weg ist, beginnt im Orchester das Vogelpfeifferl zu pfeifen und D nimmt ganz vorsichtig das kleine Tannenbäumchen im Blumentopf, das er am Anfang hereingetragen hat, wieder in eine Hand und trägt es vorsichtig am ausgestreckten Arm hinaus.
 
Schlussgong.
 

 
 
Weltkunst aus Bayern - Nordlichter werden in die Geheimnisse bayerischer Avantgarde eingeführt "Wenn man das gesehen hat, weiß man ungefähr, was in Bayern los ist": Diese Worte in Franz Josefs Gehörgang, und der cholerische Landesfürst hätte einen Grund mehr zu toben. (...) Das Prozessionstheater München (proT) sorgt in bekannt-derber Dominanz für bestialische Bierzapf- und Trinkrituale, Gipfelglück, inklusive herbherzigem Dirndl-Charme. Über diese Art von Mundart-Comic werden sich nicht nur Kunstbeflissene streiten – immerhin. (...)
Szene Hamburg, Nov. 1984
 

Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald - Bergcomics - 02.04.1982


DokuMaterial - VHS - Farbe/Ton - 00:53:16 Std. - Produktion proT - 1982
 

 
Position Kamera gegenüber der Eingangstür. Das DokuMaterial Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald - Bergcomics ist die ungeschnittene Aufzeichnungen der Aufführung von Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald am 02. April 1982 im proT, Isabellastrasse 40, München. Der Raum ist schwarz gestrichen. Auch der Boden ist schwarz. Die sehr intensive Theaterbeleuchtung besteht lediglich aus verschiedenen weissen 150-Watt-Strahlern, was natürlich die Videoaufzeichnung beeinflusst. Der Kameramann mit Kamera sitzt auf einem festen Platz im Publikum. Die Aufzeichnung ist gefilmt mit einer VHS-Billigkamera. Das DokuMaterial bleibt ungeschnitten und bekommt keine Titel. Alexeij Sagerer (Der Direktor und Techniker), Hias Schaschko (Der Scheff und im Vorspiel: der verirrte Skifahrer), Cornelie Müller (Die Gebirgsarbeiterin), Agathe Taffertshofer (Die Gebirgsarbeiterin), Werner Eckl (Der Waldler und Landler und im Vorspiel: der normale Zuschauer), Bernhard Jugel (Im Musikbaum der Musiker als Orchester: Basisinstrument: Schlagzeug, Vogelgezwitscher/Wasserpfeife, Glöckchen, Pauken, Bratpfannengong, Mundharmonika, Kuhglocke, Xylophon, Muh-Geräusche, schafige Muhimitationsdosen, Trommel, Becken).
 

Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald - Bergcomics - 03.04.1982


DokuMaterial - VHS - Farbe/Ton - 00:55:27 Std. - Produktion proT - 1982
 

 
Position Kamera am anderen Ende des Raumes gegenüber dem Ofen. Das DokuMaterial Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald - Bergcomics ist die ungeschnittene Aufzeichnungen der Aufführung von Eine heisse Sommernacht im lindgrünen Hochwald am 03. April 1982 im proT, Isabellastrasse 40, München. Der Raum ist schwarz gestrichen. Auch der Boden ist schwarz. Die sehr intensive Theaterbeleuchtung besteht lediglich aus verschiedenen weissen 150-Watt-Strahlern, was natürlich die Videoaufzeichnung beeinflusst. Der Kameramann mit Kamera sitzt auf einem festen Platz im Publikum. Die Aufzeichnung ist gefilmt mit einer VHS-Billigkamera. Das DokuMaterial bleibt ungeschnitten und bekommt keine Titel. Alexeij Sagerer (Der Direktor und Techniker), Hias Schaschko (Der Scheff und im Vorspiel: der verirrte Skifahrer), Cornelie Müller (Die Gebirgsarbeiterin), Agathe Taffertshofer (Die Gebirgsarbeiterin), Werner Eckl (Der Waldler und Landler und im Vorspiel: der normale Zuschauer), Bernhard Jugel (Im Musikbaum der Musiker als Orchester: Basisinstrument: Schlagzeug, Vogelgezwitscher/Wasserpfeife, Glöckchen, Pauken, Bratpfannengong, Mundharmonika, Kuhglocke, Xylophon, Muh-Geräusche, schafige Muhimitationsdosen, Trommel, Becken).
 
 
(...) Schon einmal, im März 1975, hatten die Münchner in Hof ihre Aufwartung gemacht – damals fast ohne Resonanz. Nun aber (…) wollten Hundertschaften dabei sein. Sogar auf den Spielpodesten lagerte das Publikum; Sagerer mußte sich, bevor es losgehen konnte, erstmal um die Sitzordnung kümmern. (…) Sagerers Theater ist konkret, es entsteht aus der puren Lust am Spiel, an der Aktion, freilich auch – wie Dada – aus dem Bedürfnis heraus, fragwürdig gewordene bürgerliche Kultur der Lächerlichkeit preiszugeben. Volkstheater und Heimatfilm liefern das Grundmuster, das mit fanatischer Spielwut variiert wird. Idyll und Tragödie werden gespenstisch miteinander verquickt zur chaotischen Supershow, in der aus Ulk unvermittelt mörderische Rituale werden, in der aggressive Schockszenen sich ebenso plötzlich verwandeln können in absurden Klamauk. (...)
Ralf Sziegoleit, Hofer Anzeiger, 20. Oktober 1976
 
 
(...)
Auch die jüngste Produktion "Eine heiße Sommernacht im lindgrünen Hochwald" stellt sich als solch ein Populär-Schocker heraus, als Extremvolkstheater sozusagen, das sich bierernst nimmt und doch durch einen fast brünstigen Hundertachtzig-Grad-Schwenk zu melodramatischer Überbelichtung ein freundliches Zwinkern auslöst.
Ganz bewußt geht es den proT-Leuten nicht um Bewußtseins-Erhellung, sondern um Bewußtseins-Erheiterung, um "kommunizierendes Röhren". (...)
Ein bestialisches Bierzapf- und Trink-Ritual entwickelt das zweite Stück des Abends, "Gschaegn is gschaegn". Das ist teuflische-penetrant beobachtet und in herben Bühnenwitz umgesetzt. (...)
Ernst Günther Bleisch, Münchner Merkur, 2. Januar 1976
 

Gschaegn is gschaegn


Mund-Art-Comics, 1969-2019, UA proT, 27. November 1969
 

 
 
(...) Nach der Pause gibt es Mundartcomics mit dem Titel "Gschaegn is gschaegn" - auch von Sagerer. Eigentlich eine Neuinszenierung des ersten Sagerer-Stücks, das schon vor den Kroetz-Stücken im Theater zu sehen war, und welchem Kroetz sicher einige Anregung verdankt. (...)
Ake, 62. Blatt, Stadtzeitung für München, 23.1.-5.2.1976
 
 
Bier und Mannesmacht - (...) Alexeij Sagerer braucht den Naturalismus des herkömmlichen Bauerntheaters nicht; sein Bühnenbild ist der jeweilige Theaterraum, seine Requisiten vier Stühle und ein Fass Bier. (...)
Johanna Braun, Süddeutsche Zeitung, 17.07.1981
 

Watt'n

(ein Kartenspiel) oda

Ois bren'ma nida


Comics IV, 1974-1992, UA proT, 06. Juni 1974
 

 
 
(...) Ein wirklich irrwitziger, ganz durchgeformter Theatertraum. Das Kartenspielen war der dramaturgische rote Faden, auf den sich Szene auf Szene aufreihte, gespielt mit einer an die Schmerzgrenze reichenden Eindringlichkeit. Und da war kein gesellschaftliches Ritual, keine Ideologie, keine ästhetische Theorie, die nicht mit zupackender Direktheit und abgrundtiefer Ironie (bei einem guten Schuss Absurdität) auf ihren hohlen Kern geschält wurde. (...)
gcr, Bonner Rundschau, 28.09.1984
 
 
I knew nothing about proT and it is indeed a pleasant surprise. To put aside the problem of how convincing it sounded to us as a theatrical act, this performance, in its expression close to plastic arts, sometimes completely merged with them, succeeded in creating a few extremely interesting pictures.
Dubravko Jelacic-Buzimski, writer, in Bulletin No 2 Dani Mladog Teatra, 05.-08.12.1974
 

Tödliche Liebe oder Eine zuviel


Comics I in Oper (1986-1994), UA Innenhof Stadtmuseum München 03. Juli 1986
 
Tödliche Liebe
 
 
(...) Das bunte Spektakel langt ebenso ungeniert in den Opernfundus wie in den Jargon von Comicstrips und montiert aus diesen Versatzstücken eine Post-Pop-Collage, die sich durchaus behaglich zwischen den Stilen einzurichten weiss. Grün und gelb, orange, blau und rot sind Sagerers fünf Protagonisten gewandet, zu einer musikalischen Melange aus Jazz und Folklorezitaten, aufgerauhtem Belcanto und schlichtem Radau lieben, leiden und sterben sie. Ihre Texte sind ähnlich tiefschürfend wie Cartoon-Sprechblasen ("Harr Harr", "Pitsch-Patsch, Pitsch-Patsch") und kaum eine Geste gibt es, die nicht mindestens fünfmal wiederholt würde.
Dabei beweist Sagerer, der schon seit einem Vierteljahrhundert in München mit seinem "proT" ein eigenes Haus führt, durchaus einen ausgeprägten Sinn für Formstrenge. Egal, ob er ein Watschenballett in minimalsten Veränderungen wiederholen lässt oder die Reibungsflächen von Original und Parodie bis ins Detail erkundet: er hat genau hingeschaut, nicht von ungefähr fühlt man sich an die gigantisch vergrösserten Comic-Zitate etwas eines Claes Oldenburg erinnert. (...)
Josef Schloßmacher, Kölner Stadtanzeiger, 1.6.1994
 
 
(...) Alexeij Sagerer hat sich ein Grundprinzip der Oper sehr zu Herzen genommen: Repetition und Variation. Deshalb wird hier nicht nur einmal geliebt und gestorben, sondern zehnmal hintereinander - wie bei einer hängengebliebenen Platte. Das musikalische Drama - eine einzige Wiederholung, auf den Flügeln des Gesangs hinaufgetragen in die dünnluftigen Regionen des Absurden. Hier braucht keiner mehr Opernhäuser in die Luft zu sprengen, das destruiert sich von innen heraus. Ein klingendes Inferno. Statt "Io t'amo" und "Son morto" heisst es ganz prosaisch: "Weisswurst und Leberkäs". Nur der Herzenbrecher singt immer noch: "Du bist meine Königin." Schön war's, laut war's, schrill war's. Alexeij Sagerer - der König der Operette von morgen?
Manuel Brug, Süddeutsche Zeitung, 12./13. August 1989
 

Ein Gott Eine Frau Ein Dollar


Trash-Comics, proT auf den Postgaragen München, 25.-27. Februar 2013
 
Ein Gott Eine Frau Ein Dollar
 
 
(...) Der Film dröhnt, und der Raum in den Postgaragen dröhnt, dazwischen singt und spielt Sebi Tramontana auf der Posaune, zerplatzen die Töne. Die Zeit wird zerdehnt, zerfällt, die Aufführung ist ein Comic, bei welchem man eine Seite sehr lange anstarrt, die Seite, auf der die sensationell schöne und in ihrer Gelassenheit aufreizende Theresa Seraphin auf Judith Gorgass, die blühende Frau trifft. Maria Callas singt das "Ave Maria", in einem roten Häuschen, in dem normalerweise in Reihenhausgärten Gartengeräte gelagert werden, steht die goldene Figur einer Gottheit. Kein Wort wird gesprochen, es ist keines nötig, es herrscht eine atemberaubende Spannung, Begehren, wie nur Sagerer es erschaffen kann.
Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2013
 
 
(...) Und die Bestandteile des anschwellenden Lärms, unter anderem eine stöhnende Frau und ein Sturm (Sound Alexeij Sagerer und Philipp Kolb), könnte man so gleichberechtigt nebeneinander stellen wie die Elemente, die den Titel des Abends bilden. Dann streben zwei lebendige Frauen (Judith Gorgass und Theresa Seraphin) mit fast quälender Langsamkeit zueinander: eine Liebesszene, unendlich erotisch mit sehr genau gesetzten Bewegungen in den Raum gemalt. Dazu bewegt sich der proT-Musiker Sebi Tramontana mit seiner Posaune wie von einem unsichtbaren Faden gezogen, ragt die Pistole des plötzlich mordunlustigen Mörders in einem eigenartigen Winkel in die vor Spannung vibrierende Luft. (...)
Sabine Leucht, Theater der Zeit, April 2013
 
 
Das Werden

 
 
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Alles was wir hier machen, ist die Entwicklung der proT-homepage als eigenständiges Projekt und die Vorbereitung der neuen proT-Produktion.


 
 
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Verkündigung Künstler Politiker
 

 
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"Wohin mit der Kultur ...."


 
 
neu auf Youtube!

Referat am VierVideoTurm


DokuMaterial - gedreht mit Video8 - 00:13:55 Std. - Gasteig Black Box am 07.06.1989
 

 
Das Unmittelbare ist so notwendig wie das Wasser und es ist noch flüssiger als Wasser, geradezu über-flüssig. Das Unmittelbare steckt in allem, auch wenn es nicht mehr in seiner Über-Flüssigkeit erkannt wird - auch hier ist es dem Wasser ähnlich. Kurz gesagt: das Unmittelbare Theater ist notwendig, da es überflüssig ist.
 
Das DokuMaterial Referat am VierVideoTurm ist der vierte und fünfte Teil eines "Konzertes am VierVideoTurm" mit dem Titel Referat am VierVideoTurm innerhalb der Rede-Reihe "Wohin mit der Kultur in München?", Folge 6 am 07. Juni 1989 in der Black Box, Gasteig, München, veranstaltet vom BECK FORUM. Synchronisator: Sieben gemalte Filme. Das DokuMaterial ist mit einer Video8 Kamera aus dem Zuschauerraum gedreht und ungeschnitten. Mit Alexeij Sagerer. Kamera Dokumaterial: Werner Prökel. proT, 1989.
 
 

Es sind immer schwere Zeiten für das Unmittelbare Theater.


 

neu auf Youtube!

Jürgen Kolbe mit Halle-luja


TheaterDoku - U-Matic - 00:07:32 Std. - proT im Brum's, Dreimühlenstr. 30, 27.03.1990
 

 

.... als die Stadt noch in der Lage war, den Unterschied zwischen Institution und Unmittelbarem Theater, dem Aussen zu denken ....


 
Die TheaterDoku Jürgen Kolbe - Halle-luja ist der vierte Teil des "Vereinskonzert am VierVideoTurm" von Alexeij Sagerer in der Veranstaltungsreihe "proT für die Welt" unter dem Titel "Das letzte alte Bier" im Brum's, Dreimühlenstraße 30, München mit dem ehemaligen Kulturreferenten Jürgen Kolbe. Das "Vereinskonzert am VierVideoTurm" gehört zu den Konzerten am VierVideoTurm. Jedes Konzert am VierVideoTurm dauert sieben mal sieben Minuten und wird synchronisiert durch sieben gemalte Filme. Kamera: Christoph Wirsing. proT 1990.
 
 
Verkuendigung
 
Das Theater des Aussen kann nicht durch Theatervereine begriffen werden und schon gar nicht durch die ewiggestrigen Angeber, die behaupten "Gebt mir 10 oder 100 Millionen und ich mache euch das Theater der Zukunft". Wer meint, heute schon das Theater von morgen zu kennen, macht lediglich das Theater von gestern.
 
 
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Kommentar Gast
Das Virus ist aber keiner
 
Antwort proT
Was will uns der Künstler sagen? Kann der Künstler Mensch und Virus nicht auseinanderhalten? Ein Vorschlag: Der Mensch und der Virus sind beides Kompositionen, Einmaligkeiten, die ungefragt daherkommen und aus derselben Lebendigkeit stammen. Der Virus ist kein Ausserirdischer, kein Feind und er stammt auch nicht vom Bösen, aber er kommt vielleicht ungelegen. Ungelegen für ein Denken, das in Endlösungen denkt und alles zu kontrollieren scheint und dabei immer wieder von unbekannten Kompositionen gestört wird. Also von Kompositionen, die nicht mit dem Spruch: "alles schon dagewesen", erfasst werden können. Und da ist es schon wichtig, die Kompositionen aus­einander­zu­halten.
Kann der Kritiker Institution und Aussen auseinanderhalten? Oder verwechselt er die Wiederholung im Unkontrollierbaren mit der Wiederholung im Angelernten? Kontrolliert die Institution "Münchner Kammerspiele" nicht nur sich selbst, sondern auch die Institution "Freie Szene München"?
Aber alles ist Komposition und einmalig, auch wenn die Einmaligkeit manchmal da liegt, wo sie nicht gesucht und gefunden wird. Jeder darf natürlich den Satz: "Der Virus ist auch nur ein Mensch" lesen wie er will, verstehen wie er will und benützen wie er will. Und jeder Mensch, der auf den Virus trifft, wird mit ihm eine eigene, einmalige Beziehung haben und umgekehrt.
 
Die Freiheit der Kunst
 

Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immernoch leisten


Kommentar von Alexeij Sagerer zu Nachtkritik.de "Ein armes Leben im reichen", Sabine Leucht (20.03.2018)
 
proT Alexeij Sagerer by Christa Sturm
 

Sabine Leucht, Nachtkritik.de, 20.03.2018


 
"(...) Vernetzung versus Münchner Mentalitäten
 
Als sich Anfang 2017 das Netzwerk Freie Szene München gründete, war es im Vergleich zu anderen Städten spät dran. Noch mehr verwundert, dass es überhaupt zu einer gemeinsamen Interessenvertretung gekommen ist. Denn die Tanz- und Theatermacher dieser Stadt lassen sich schon aus Prinzip ungern über einen Kamm scheren. "Freie Szene?", schnaubte vor Jahren Alexeij Sagerer, "Das erinnert an kleine Fische, die sich zusammentun, um wie ein großer Fisch zu wirken." Sagerer, der bereits in den Siebzigern neben Rainer Werner Fassbinder und George Froschers FTM nicht nur Münchner Theatergeschichte schrieb, reicht seit 2016 Projektanträge auf null Euro Förderung ein, weil er die Achtung vor dem ergebnisoffenen Arbeiten von Seiten der zunehmend kontroll- und projektfixierten Kulturpolitik vermisst.
 
Da hat er zwar Recht; doch nur, wer mehr als 40 Jahre kontinuierlich von der Stadt gefördert wurde, kann sich das leisten. Die meisten, die unter dem Dach des Netzwerks für mehr Probenräume, mehr Geld, für Bürokratieabbau und mehr Verständnis für die Prozesshaftigkeit künstlerischen Arbeitens streiten, wagen davon nicht mal zu träumen. Auch deshalb fordert das Netzwerk selbstbewusst eine Vervierfachung der Fördermittel auf zehn Millionen Euro. Wenn man sieht, dass viel weniger reiche Kommunen wie Dresden und Augsburg erst kürzlich die ihren verdoppelt haben, mutet das gar nicht mal so utopisch an. Zumal das Geld sich in München auf mindestens acht feste freie Häuser, sechs Infrastrukturmaßnahmen und drei Jurys verteilen würde, die über die Vergabe von Projektfördergeldern im Bereich (Musik-)Theater/Performance, Tanz und Kindertheater entscheiden. (...)"

 

Alexeij Sagerer, Kommentar auf Nachtkritik.de, 23.03.2018


 
Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immernoch leisten...
 
Nein, liebe Sabine, das kann ich mir nicht leisten, weil ich 40 Jahre kontinuierlich von der Stadt gefördert wurde. Wenn es danach geht, kann ich mir jetzt Hartz IV leisten. Wer ist denn dieser Meinung oder wie kommst du zu dieser Meinung, dass man sich "das" nur nach 40 Jahren kontinuierlicher Förderung leisten kann? Da hättest du vielleicht einpaar Zahlen vergleichen sollen.
 
Es wurde auch nicht ergebnisoffen gefördert, sondern am permanent entstehenden Ergebnis entlang gefördert. Es wurde auch nicht einfach kontinuierlich gefördert, sondern eher an diesem permanent entstehenden Ergebnis entlang gekämpft. Und es wurde nicht einfach anonym gefördert, sondern es gab künstlerische Ereignisse und zwar andere als man bisher kannte und man wollte sie haben in dieser Stadt und für diese Stadt.
 
Offensichtlich braucht die Stadt das Andere nicht mehr, weil es das jetzt kennt, und in ihren eigenen Einrichtungen selbst herstellen kann oder durch ihre Einrichtungen kontrollieren will. So bist du jetzt in die Werbung für eine weitere städtische Einrichtung, wie ein Produktionshaus oder was auch immer, als Endlösung für alle unkontrollierten künstlerischen Prozesse, eingestiegen. Das ist nichts Unrühmliches, man sollte aber nicht das eine Andere mit dem anderen Anderen verwechseln und schon gar nicht falsch darstellen.
 
Womit ich wieder zum Anfang meines kleinen Textes komme. Warum kann Alexeij Sagerer sich sich selbst immer noch leisten (und dabei lacht er auch noch), wenn nicht wegen der "40 Jahre kontinuierlicher Förderung durch die Stadt"? Weil er dann doch lieber verreckt als im Falschen, vielleicht, zu überleben! Aber er ist doch immer noch da. Also zum Abschluss noch ein Quiz! Warum verreckt Alexeij Sagerer nicht?
  1. Er bekommt doch Hartz IV.
  2. Er ist ein begnadeter Roulettespieler.
  3. Er hat Glück bei den Frauen.
  4. Der Verein zur Förderung von Unmittelbarem Theater wird total unterschätzt.
  5. Er benützt das Verrecken als Produktionsmittel.
  6. Er hat Fähigkeiten von denen er dir garnichts erzählt hat.
  7. Er dreht sich einfach nicht um.
 

Von der Möglichkeit, ausserhalb des Systems zu stehen.


Ein Interview mit Alexeij Sagerer geführt von Anke Bitter (28.05.2017)
 
proT RoterRaum 1
 
 
 
Verkuendigung

Ja, genau so hab ich mir das gedacht.


München 19.12.2017 ... doch noch eine Antwort von Alexeij Sagerer auf die Email vom 18.10.2017 aus dem Bereich "Darstellende Kunst" des Kulturreferats München und besonders auf den ersten Abschnitt.
 

Text der Email, 1. Abschnitt:


von DarstellendeKunst@muenchen.de
 
"1. Laufende Gesprächsrunden des Kulturreferates mit dem Vorstand des Netzwerks Freie Szene
Seit September finden Gesprächsrunden zwischen dem Netzwerk Freie Szene e.V. und dem Kulturreferat statt, die sich monatlich an dem im April vorgelegten Positionspapier des Netzwerkes orientieren. Anlässlich dieser neuen Entwicklung stellt sich auch die Frage, ob das Netzwerk einen klaren Auftrag aus der Szene als seine Interessenvertretung hat. Dann könnten diese Gespräche zukünftig gegebenenfalls auch die Come Together-Veranstaltungen des Kulturreferats, zu welchem das Kulturreferat die Freie Tanz- und Theaterszene etwa zweimal jährlich über seinen Mailverteiler einlädt, ersetzen.
Wir bitten Sie hierbei um Ihre Einschätzung und Rückmeldung.
"
 

Antwort von Alexeij Sagerer:

 
Ja, genauso habe ich mir das gedacht. Informiert, das heisst wahrgenommen, wird auf Dauer nur, wer in den Verein eintritt. Das Aussen, das Ausserhalb der Institutionen, dort wo die künstlerische Bewegung, das heisst dort wo die nicht berechenbare oder noch schlimmer, die unberechenbare Bewegung stattfindet, wird durch den Begriff "Freie Szene" eingefangen, dann in einem Verein gefasst, quasi zur Institution erklärt, und wer da nicht mitspielt, wird nicht mehr wahrgenommen von der Kulturbehörde. Der ganze Begriff Theater wird durch immer weitere Institutionen kontrolliert; Geld spielt dabei keine Rolle. Geld spielt immer da eine grosse Rolle, bekommt was explosives, wenn es direkt an den Künstler geht. Durch weitere Institutionalisierung wird versucht, das Andere, das Aussen unsichtbar zu machen. In der Realität heisst das auch, dass nur noch "Angelernte Künstler" Zugang zu öffentlichen Mitteln bekommen. Hier braucht man die Künstler nicht einzusperren, hier werden sie unsichtbar gemacht. Während Pseudorevolutionäre mit vergoldeten Arschlöchern in den Institutionen sitzen und die von der momentanen Politik gewollten Parolen wiederkäuen und flotte Sprüche reissen.
 
Wenn eine Gesellschaft beginnt, nach rechts zu rücken, bleibt als erstes die Freiheit der Kunst auf der Strecke, das ist so, da die Kunst keine Lobby hat, daher kann man sie ohne grossen Wirbel verschwinden lassen. Aber die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht und bleibt nicht den, von den Behörden angelernten und geprüften Personen vorbehalten. Die Freiheit der Kunst ist ein Grundrecht, das JEDER besitzt. Es ist schon klar, dass sich eine Mehrheit nicht um Kunst kümmert. Aber jeder weiss, dass sie da ist. Dass ein Ausserhalb da ist, dass es ein Unbekanntes gibt. Dass es lebendig ist und nicht verwaltet. Dass das Leben nicht ein geschlossenes System ist, dem man nicht entkommen kann.
 
Egal wieviele weitere Institutionen und getarnte Institutionen und angeregte oder nicht angeregte Vereine gegründet werden, auch wenn sie das Wort "frei" im Titel führen, es wird nicht freier.
 
Und falls jemand fragen sollte:
  1. Nein, wir haben auch für 2018 keinen Antrag auf Subventionen gestellt.
  2. Nein, kein Verein kann die Interessen von Alexeij Sagerer oder proT vertreten, weder mit klarem noch mit unklarem Auftrag.
 
 
Verkuendigung

Gebt auf, bewerbt euch bei den Institutionen!


Ein Interview mit Alexeij Sagerer von Simone Lutz (01.12.2015)
 
proT Pferdekopf
 
 
 
Kannen-Pflicht
 
 
proT Alexeij Sagerer
 

Für alle Behörden, öffentlichen Gebäude und Einrichtungen, auch für Hochschulen, Theater und Museen und vor allem auch für die Gotteshäuser aller Glaubensrichtungen, also für Kirchen, Moscheen, Synagogen, Tempel und Dome gilt ab sofort Kannen-Pflicht. Natürlich weltweit und nicht nur in Bayern.

 

Endlich Religionsfreiheit!


 
 
Verkuendigung
 
Alles Biographie
 

50 Jahre proT


Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters, 27.-30. Nov. 2019, Muffatwerk München
Die Kunst des Alexeij Sagerer - Film - Diskussion - Theater - eine Veranstaltung des Kulturreferats der LH München
 
 

"Alexeij Sagerer - Künstlerische Biografie"


von Ralph Hammerthaler, Verlag Theater der Zeit Berlin, 2016
 
 

Theater ungleich. Alexeij Sagerer und das Münchner Theater proT.


Miriam Drewes: Vortrag am 3. Nov. 2001 anlässlich des 4. Symposiums zur Münchner Theatergeschichte "Der Autorwille. Wieviel Biografie steckt in der Kulturforschung?".
 

Kompaktbiographie


Alexeij Sagerer, proT
 

Kurzbiographie


Alexeij Sagerer, proT
 
auf proT

Alexeij Sagerer und das proT - BR 1995


16. Januar 1995 (8:49 Minuten)
 

 
"SPIELZEIT - Das Theatertagebuch des Bayerischen Fernsehens"
von Wilfried Passow und Amadou Seitz.
 
auf proT

Das Münchner Theater proT

 

- Goethe-Institut 1993


Deutsches Theater der Gegenwart: Freies Theater, Goethe-Institut München (11:34 Min.)
 

 
"Alexeij Sagerer und sein proT, ein bayerischer Performer von Gottes Gnaden, archaisch, urwüchsig und progressiv zugleich."
 
Buch & Regie: Ulrike Kahle; Kamera: Lothar Wolte; Ton: Udo Radek; Schnitt und Mischung: Matthias Behrens; Herausgeber der Reihe: Michael Merschmeier, Henning Rischbieter; im Auftrag des Theaterreferats, Ute Kirchhelle, Roland Schaffner.
 
 
 
 
 

proT auf YouTube: proTshortcuts


 
 

Alexeij Sagerer auf Vimeo


Am 24. Februar 2022 zensiert Vimeo die proT-Präsentationsseite: "Alexeij Sagerer auf Vimeo". Hier sind vor allem die proT-Produktionen des Unmittelbaren Films sowie die Theaterdoku "Siegfrieds Tod" und der Kinofilm "Zahltag der Angst" präsentiert. Diese proT-Filme sind alle nach wie vor über die proT-homepage-Seite FILMPRODUKTIONEN  zu erreichen.
 
 

Werkverzeichnis I


Alexeij Sagerer, proT  —  Produktionen
 

Werkverzeichnis II


Alexeij Sagerer, proT  —  Festivals, Ausstellungen, Screenings, Beteiligungen, Auszeichnungen, öffentliche Ankäufe (Auswahl)
 

Werkverzeichnis V


über Alexeij Sagerer, proT  —  Literatur und Presse (Auswahl)
 
 

FILMPRODUKTIONEN


ab 1969
 
 

DIE SYNCHRONISATOREN


auf dem VierVideoTurm, ab 1985
 
 

THEATERDOKUMENTATIONEN


ab 1969
 
 

proT – jetzt!


Aktuelle Meldungen – letzte Bearbeitungen
 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna