50 Jahre proT
 
 
Nein, das proT feiert nicht 50 Jahre proT, sondern die Stadt feiert 50 Jahre proT. Wenn das proT das proT feiern würde, dann würde es vielleicht 47 oder 49 Jahre proT oder 74 oder 77 Jahre feiern. Aber wir, das proT, sind ja sowieso schon vollauf damit beschäftigt, unsere Lebendigkeit trotz aller Umstände aufrecht zu erhalten und dadurch natülich die Lebendigkeit überhaupt aufrecht zu erhalten. Aber das proT unterstützt natürlich die Stadt bei ihren Feiern zu 50 Jahre proT. Und das proT freut sich und ist gespannt, wie die Stadt mit dem proT das proT feiert.
 
 
50 Jahre proT
 
 

Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters -

Die Kunst des Alexeij Sagerer -

Film - Diskussion - Theater -

27.-30. November 2019 -

Muffatwerk München -

eine Veranstaltung des Kulturreferats der LH München


 
 

Vorwort


"Ich habe alles in Theater verwandelt, als ob es, das macht ein Künstler halt, kein Morgen gäbe." (Alexeij Sagerer)
 
Am 27. November dieses Jahres wird das proT von Alexeij Sagerer 50 Jahre alt. Diesen Anlass wollen wir feiern und das Schaffen des Künstlers würdigen: "Seit 1969 macht Alexeij Sagerer hier in München sein Prozessionstheater, sein unmittelbares Theater. Sagerer ist gewiss der eigenständigste, eigenwilligste Theatermacher in der freien Szene der Stadt. Sowohl Sagerers Theaterarbeit insgesamt als auch die einzelnen Produktionen sind theoretisch fundiert, seine Gedanken zeugen von einem genauen tiefen Theaterverständnis. Er hat stets neue Wege gesucht, zumal im Experiment mit neuen Darstellungsmitteln wie Film und Video." So hat die Jury die Verleihung des Theaterpreises der Landeshauptstadt 1997 an Alexeij Sagerer begründet. Und in der Tat hat Alexeij Sagerer nicht nur Münchner Theatergeschichte geschrieben, sondern auch ein ganz eigenes Verständnis von Theater und Film entwickelt, das zu einer Reflexion auf der Höhe gegenwärtiger Ästhetik und Kunsttheorie einlädt.
 
Zusammen mit dem Künstler haben wir vier besondere Tage vorbereitet, die auf der Basis seines Festivals von 1986 entwickelt wurden: Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters. Sie beinhalten sowohl die Wiederaufführung des Stückes "Gschaegn is gschaegn", mit dem das proT vor 50 Jahren eröffnet wurde, als auch ein Filmprogramm, ein Symposion mit Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Journalist*innen und last but not least ein Gespräch mit dem Künstler selbst.
 
Ich bedanke mich herzlich bei allen Mitwirkenden und wünsche uns allen spannende "Vier Tage des Unmittelbaren Theaters".
 

Anton Biebl
Kulturreferent
 
Sabine Leucht
Das Kolloquium von Äschnapur
München feiert fünfzig Jahre proT – doch statt eines Symposiums hätte man lieber ein neues Werk von Alexeij Sagerer gesehen
in: Theater der Zeit, Berlin, Heft 01/2020
 
Egbert Tholl
"Mei Bier möcht i"
Alexeij Sagerers Theater "proT" wird 50: Eine Hommage im Muffatwerk
in: Süddeutsche Zeitung, München, 29. November 2019
 
LH München
Alexeij Sagerer: "Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters"
in: RathausUmschau München 224/2019, 25. November 2019
 
 

Mittwoch, 27. November 2019, 19:30 Uhr


Eröffnung und Theatervorstellung


Muffatwerk


 
Begrüßung
durch den Kulturreferenten der Landeshauptstadt München Anton Biebl
 
Eröffnungsvortrag
von Dorte Lena Eilers, Redakteurin Theater der Zeit, Berlin
 
Gschaegn is gschaegn
Mund-Art-Comics von Alexeij Sagerer
(UA 1969, letzte Aufführung 1999, jetzt wieder zu sehen!)
 
Durchaus zu lesen als klassisches Drama, besteht "Gschaegn is gschaegn" aus nur 133 Wörtern und arbeitet mit der dauernden Wiederholung von Biertrinken und Schnupfen. Ein wüster, komischer Mund-Art-Comic, zu dem Volkstheater und Heimatflm das Grundmuster liefern, das gnadenlos seziert wird und alle Harmlosigkeit zur Ungeheuerlichkeit anwachsen lässt. Mit "Gschaegn is gschaegn" eröffnete am 27. November 1969 das proT in der Münchner Isabellastraße. Bis 1999 wird das Stück über 200 Mal regional, überregional und international gespielt. (Text: Kulturreferat)
 
Besetzung:
Der Großkopferte (Wirt): Alexeij Sagerer
Die Ziefern (Wirtin): Cornelie Müller
Die Dantschige (Wirtstochter): Agathe Taffertshofer
Der Hosenscheißer (Heiratsfafforitt der Wirtsleut): Hias Schaschko
Der Pfundhamme (Heiratsfafforitt der Wirtstochter): Franz Lenniger
 
Danach:
Vernissage mit Musik/Hias Schaschko
 

 
 

Donnerstag, 28. November 2019 - Muffatwerk


 
 

15:00-17:00 Uhr - Unmittelbarer Film


"Unmittelbarer Film" ist live-Film und entsteht in und aus einer Produktion, die gleichzeitig Film- und Theaterproduktion ist.
 
 

17:00-20:00 Uhr - Symposion Podium 1


Dimensionen des Theatralen
Impulsreferate:
Prof. Dr. Gabriele Brandstetter, Professorin für Theater-/Tanzwissenschaft, FU Berlin
Dr. Birgit Pargner, Archivleitung/stv. Direktion, Deutsches Theatermuseum München
Dorte Lena Eilers, Redakteurin Theater der Zeit, Berlin
 
Danach:
Bier, Bild und Ton
 
 

Symposion


Moderation der Podien
Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a.M.
Dr. Thomas Kisser, Philosoph
 
Auf drei Podien mit Impulsreferaten und in einem Gespräch mit dem Künstler selbst wird das Theater- und Kunstverständnis Alexeij Sagerers diskutiert. Dabei richtet sich Podium 1 auf die eigentlich theatrale Dimension, die sinnliche Dynamik der Aufführung oder, wie es Sagerer selbst formuliert, die "nackte Bewegung". Einspieler aus den Theaterflmen vermitteln einen Eindruck von dem "irrwitzigen, ganz durchgeformten Theatertraum" (Bonner Rundschau, 1984), der sich mal zum "bestialischen Bierzapf- und Trink-Ritual" entwickelt (Münchner Merkur, 1976, E.G. Bleisch über "Gschaegn is gschaegn"), mal als "begehbarer Schöpfungsmythos, die Kantine der Genesis, ein Fest der Schönheit" feiert (Süddeutsche Zeitung, 2008, E. Tholl über "Reines Trinken – Gottsuche"). Podium 2 befasst sich mit den spezifschen Ausdrucksmitteln der Kunst. Hier stehen der Umgang mit dem Digitalen und dem Internet, die künstlerische Potenz des Films sowie die Nähe Sagerers zum Philosophen Gilles Deleuze im Vordergrund. Podium 3 verhandelt Politik und gesellschaftliche Aussage von Sagerers Unmittelbarem Theater. Die Aufgabe des Künstlers ist danach das "Außen". In der Kunst zeigt sich eine Dimension des Realen und zugleich Alternativen, in der Kräfte und Bewegungen einen freien Raum herstellen. Der Rest der Gesellschaft – das "Innen" – erscheint in diesem Licht zumindest als Gewohnheits-, wenn nicht gar Wahnsystem, in dem ein strukturell falsches Denken herrscht. Es geht darin nicht mehr darum, sich den Kräften und Bewegungen zu überlassen, sondern sie zu kanalisieren, zu kontrollieren und zu beurteilen.
Die Kunst gibt uns also nicht nur etwas zu denken, wie Kant meinte, sondern sagt uns etwas über das Denken selbst. Im abschließenden Künstlergespräch hat Alexeij Sagerer das Wort. (Text: Kulturreferat)
 
 

Freitag, 29. November 2019 - Muffatwerk


 
 

15:00-17:00 Uhr - Film-Comics


"Film-Comics" sind Filme, die in Theaterproduktionen eingespielt werden oder als Werbe-, PR- und Vorfilme dienen.
 
 

17:00-20:00 Uhr - Symposion Podium 2


Medialitäten/Sprechen über Kunst
Impulsreferate:
Dunja Bialas, Redaktionsleiterin bei Artechock und Leiterin des Filmfestivals UNDERDOX
Dr. Miriam Drewes, Wissenschaftliche Koordinatorin Herder-Kolleg. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung an der Stiftung Universität Hildesheim
Dr. Henning Teschke, Dozent für Literaturwissenschaft an der TU Dortmund
 
Danach:
Bier, Bild und Ton
 
 

Das Theater des Alexeij Sagerer


Die besondere Dimension des Theatralen als schöpferische Wirklichkeit macht für Sagerer das Theater zur "Mutter aller Künste". Dabei geht es nicht um eine Überlegenheit gegenüber anderen Kunstformen im Sinne traditioneller Hierarchiebildung, sondern um eine Herausarbeitung der ursprünglich schöpferischen, alle Medien umfassenden Dimension der Kunst – der Erschaffung einer Kompositionsebene, die aus sich heraus Kräfte zugleich einfängt und freisetzt. Die Umsetzung aller Kräfte in einem Ausdruck zu formulieren, bildet in diesem Verständnis die Herausforderung des Künstlers. Das Theater Sagerers setzt alles auf den schöpferischen Prozess, der wesentlich von der Unmittelbarkeit körperlicher Erfahrungssuche ausgeht und von Einmaligkeiten geformt wird. Einmaligkeit, Unmittelbarkeit, Körperlichkeit und Intensität – das Unmittelbare Theater verlangt dafür die sorgfältigste und überlegteste Vorbereitung, um sich in der "Aufführung" gewissermaßen auf sich selbst hin zu öffnen, sich selbst immer fassbar zu machen und zu fassen, ohne die Unfassbarkeit zu verlieren. Das Unmittelbare Theater stellt nichts dar, es reproduziert nichts, sagt keine vorgegebenen Texte auf: Es schafft eine eigene künstlerische Wirklichkeit und sucht das Ereignis.
Von Anfang an produziert Alexeij Sagerer auch Filme. Entstanden ist daraus ein flmisches Oeuvre, das als Qualität für sich steht und aus dem wir an allen drei Tagen Teile zeigen. (Text: Kulturreferat)
 
 

Samstag, 30. November 2019 - Muffatwerk


 
 

15:00-17:00 Uhr - Theaterfilm


"Theaterfilme" bestehen aus Filmmaterial der Theaterproduktionen des proT, das anschließend zu einem Film bearbeitet, geschnitten, gemischt wird.
 
 

17:00-20:00 Uhr - Symposion Podium 3


Kunst und Gesellschaft
Impulsreferate:
Dr. Henning Fülle, Dramaturg, Publizist, Wissenschaftler
Viola Hasselberg, Dramaturgin, Regisseurin, ab 2020 Chefdramaturgin Münchner Kammerspiele
Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Abteilung Kultur und Bildung des Bezirks Oberbayern
 
 

20:00-20:30 Uhr - Kleines Krachkonzert


SPEZIAL: Dr. Andreas Ammer und Anton Kaun
 
 

20:30 Uhr - Künstlergespräch


Danach:
Finissage mit Musik/Kalle Laar
 
 

 
Eine Veranstaltung des Kulturreferates der Landeshauptstadt München im Rahmen des Münchner Projekts "Lebendiges Archiv". In Kooperation mit Muffathalle Betriebs GmbH.
Konzept: Dr. Thomas Kisser, Dr. Daniela Rippl
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
 

Die Vier Tage des Unmittelbaren Theaters '19


Faltblatt des Kulturreferats zu "50 Jahre proT"
 
 

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Rudolf Friedrich Pleuna