Watt'n

(ein Kartenspiel)
oda

Ois bren'ma nida

Comics IV von Alexeij Sagerer
 
 

 
 
Eines Tages fährt man sich mit der Hand über die Stirn und besinnt sich und besinnt sich.
 
Premiere 06. Juni 1974, proT, Isabellastrasse 40, München
Von 1974 bis 1992 über 200 Aufführungen
 
 
(...) Ein wirklich irrwitziger, ganz durchgeformter Theatertraum. Das Kartenspielen war der dramaturgische rote Faden, auf den sich Szene auf Szene aufreihte, gespielt mit einer an die Schmerzgrenze reichenden Eindringlichkeit. Und da war kein gesellschaftliches Ritual, keine Ideologie, keine ästhetische Theorie, die nicht mit zupackender Direktheit und abgrundtiefer Ironie (bei einem guten Schuss Absurdität) auf ihren hohlen Kern geschält wurde. (...)
gcr, Bonner Rundschau, 28.09.1984
 

Chronologie 1974 - 1992


Watt'n (ein Kartenspiel) oda Ois bren'ma nida
 
Nach der Premiere vom 06. Juni 1974 im proT in der Isabellastrasse 40 wird Watt'n noch über zweihundertmal gespielt. In München, Krizevici, Nürnberg, Berlin, Freiburg, Bremen, Pürgen, Wien, im Scharfrichterhaus in Passau, beim Dani Mladog Teatr Festival Zagreb, bei der Internationalen Theaterwoche Erlangen, beim Edinburgh Fringe Festival, bei den Tagen des Experimentellen Theaters der TU in München, beim Hofer Herbst, beim Wintertheater Hannover, bei FREISTIL Theater im Austausch Wien, bei der 1. Bayrischen Woche im HAI in München, bei der 1. Bonner Kunstwoche, beim 3. Art Festival Forum Sulzdorf, beim 7. Theaterfestival in München ...
 

 
Besetzung Uraufführung: Der Reinliche: Anton Kenntemich, Der Unberechenbare: Karl Aichinger, Der Zufriedene: Andreas Arnold, Gesang: Cornelie Müller, Ziehharmonika: Anton Waldhier, Ablauf und Technik: Alexeij Sagerer
 
 
Choreographie für drei Irre - So und nicht anders mag es wohl zuweilen in einer geschlossenen Abteilung der Heilanstalt in Haar zugehen. Drei Männer scheinen Karten zu spielen, tatsächlich aber zeigen sie alle Symptome von Debilen in erheblich fortgeschrittenem Stadium. Das herzerfrischende Schauspiel heißt "Watt'n", (...)
Ernst Günther Bleisch, Münchner Merkur, 8./9.06.1974
 
 
I knew nothing about proT and it is indeed a pleasant surprise. To put aside the problem of how convincing it sounded to us as a theatrical act, this performance, in its expression close to plastic arts, sometimes completely merged with them, succeeded in creating a few extremely interesting pictures.
Dubravko Jelacic-Buzimski, writer, in Bulletin No 2 Dani Mladog Teatra, 05.-08.12.1974
 
 
(...) besinnungsloser Bilderquatsch von glückseliger Albernheit, herzerfrischend unsinnig und wunderlich schön. (...) Nach 80 Minuten ist alles vorbei, das Publikum kichert noch immer: es war ein wunderschöner Schmarrn, ein herzhaft starker Schwachsinn; bunt, verrückt, albern und gar nicht langweilig (...)
Michael Skasa, Süddeutsche Zeitung, 10.06.1974
 
 
I am glad that this performance will come to Krizevci. I am sorry that in our bulletin we printed Michael Skasa's critique. Most of the audience in Krizevci will understand it in the same way Skasa did, that is, as "a wonderful nonsense, halfmindness, gaudiness, foolishness, madness". On the contrary, this is simple and completely clear performance. Indeed you can have an experience that cannot be found outside the theatre. To Sagerer and friends - many thanks.
Boris Cataj, the director of the Chamber Theater, Krizevci, in Bulletin No 2 Dani Mladog Teatra, 05.-08.12.1974
 
 
ALLES MUSIK - (...) eine eigenwillige, moderne oper, kagel, stockhausen und cage können sich - unübertrieben - eine scheibe abschneiden. alles ist musik: sprache, laute, bewegungen, handlungsabläufe, requisitenspiele - alles musik. (...)
anatol, Blatt - Stadtzeitung für München, 14.06.1974
 
 
(...) All together, the performance is very oppressive. Initiatives for all actions in Watt'n come from outside - impulses in the style, the basic colour of fragment. It is impossible to view the limits of violation which those who act in Watt'n carry out, because it is impossible to imagine the impulses which surpass all "normal" limits. The comprehensibility of the performance entirely depends on understanding where this violence really came from.
Slobodan Snajder, Playwright, in Bulletin No 2 Dani Mladog Teatra, 05.-08.12.1974
 

Text und Bildablauf in 69 Stripes


Watt'n (ein Kartenspiel) oda Ois bren'ma nida
 

 
 
The German company "Prozessionstheater" opened last night in the middle of the hall of an inner-city Primary School with a play which is in a category of its own and makes relative everything that I have reported from the Fringe so far. (...)
There are very few words (and these are spoken in emphatic, po-faced broken English), non-verbal sounds are dominant, and the action is a kind of naturalism for which surrealism is the only proper language.
In addition to the simplicity of the basic idea, the lighting is stark and highly disciplined (and often leads the action), the props are minimal and decisively used, and above all the wild drama is played with utter seriousness.
(...) The assurance with which the whole play is produced and performed makes everything else on the Fringe (and in the main Festival too, apart from another German company, the State Theatre Stuttgart) appear tame.
D.J. Hart, BIRMINGHAM POST, 30.08.1977
 
 
(...) Whether it has any significance is something I wouldn't like to judge. It's certainly quite admirably done. Only an idiot could fail to admire the exquisite precision of the acting. I'd send whole first-year RADA classes along to observe and learn. (...)
Allan Massie, The Scotsman, 01.09.1977
 

Film-Dokumentation 1982


Watt'n (ein Kartenspiel) oda Ois bren'ma nida, 24.12.1982, (1:05:00 Stunden)
 

 
Ungeschnittene Aufzeichnung aufgenommen mit einer VHS-Billig-Kamera. Mit Alexeij Sagerer (Der Unberechenbare), Franz Lenniger (Der Zufriedene), Hias Schaschko (Der Reinliche), Cornelie Müller (Gesang), Agathe Taffertshofer (Akkordeon) und Brigitte Niklas (Technik) im proT, Isabellastrasse 40, München.
 
 
(...) Starren Gesichts erscheint ein strumpfbehoster Mensch, der mit einer Schere Papier zerschnippelt. Plötzlich Kehrtwendung; der Mensch donnert die Treppe rauf, um über den Köpfen des Publikums herumzuspuken. Nach kurzer Stille. Dakapo.
So begann im Galeriehaus ein seltsam schöner Theaterabend. (...) "Konkretes Theater" könnte man das wohl nennen. (...)
Ralf Sziegoleit, Frankenpost, 25.03.1975
 
 
(...) Die Scheinfreiheit des bürgerlichen Individuums manifestiert sich in Sagerers Stück. Das Ende im Chaos wird notwendig, nichts ist zu beschönigen. Es ist die Konsequenz bürgerlicher "Freiheit".
Michael Winkler, Nürnberger Nachrichten, 28./29.06.1975
 
 
Gurgelndes Dada-Theater - (...) Eine irre, schweißtreibend-atemlose, dada-nostalgische Theatershow ist dieses Kartenspiel des proT, (...)
hs, Nürnberger Zeitung, 28.06.1975
 
 
(...) Der Untertitel verspricht Comics - und genau das ist die "Aufführung": eine Collage aus Bewegungen und Sprachfetzen, aus Tonbandeinblendungen und Diaprojektionen. Bewundernswert der physische Einsatz des Teams. Wo und wann sieht man Schauspieler körperlich so hart arbeiten? (...)
ho, Erlanger Tagblatt, 03.11.1975
 

Watt'n

oda

Ois bren'ma nida

(3:34 Minuten)
Juni 1985, München
 

 
7. Internationales Theaterfestival München 1985 - Watt'n
"Beobachtungen, Eindrücke, Notizen" von Hans-Dieter Hartl. Bayerisches Fernsehen 1985.
Aufführung von Watt'n (ein Kartenspiel) oda Ois bren'ma nida am 02./03. Juni 1985 mit Franz Lenniger, Hias Schaschko, Alexeij Sagerer, Cornelie Müller, Alfons Hausmann und Brigitte Niklas.
 
 
(...) Es bedarf einiger gründlicher Kenntnisse im Bayerischen, um den Titel des Abends zu entziffern: "Watt'n oder Ois bren'ma nida." Nun, Watten ist ein süddeutsch-österreichisches Kartenspiel, etwa unserem Skat vergleichbar, und die zweite Titelhälfte wäre zu übersetzen: "Wir brennen alles nieder."
Die kleine Truppe brennt denn auch so ziemlich alles nieder, was es an gängigen Theaterkonventionen gibt. (...)
Hans Esderts, Bremer Nachrichten, 03.06.1976
 
 
(...) Bei "Watt'n" soll es sich um ein Kartenspiel handeln, der Rest des Titels lautet in der Übertragung aus dem Bayrischen wohl "Alles brennen wir nieder". Bis dahin befindet man sich noch auf einigermaßen sicherem Boden, aber über den Inhalt des Stücks lassen sich kaum noch verläßliche Aussagen machen, was nichts mit mangelnden Dialektkenntnissen zu tun hat. (...)
d. w., Weser Kurier, 03.06.1976
 
 
19. Internationale Theaterwoche Erlangen - Schließlich aber muß dem Münchner proT (...) die Referenz erwiesen werden. Dieses Theater mit seinen Comics (...) ist einfach magnifique (...) Gearbeitet wird - alles ist Material - mit grandios zusammenmontierten echten und verballhornten Zitaten aus der Zeitung und aus der Weltliteratur, mit Volksstückmotiven wie mit Techniken der konkreten Poesie, mit experimenteller Musik wie mit politischen Parolen (...)
Urs Allemann, Theater heute, 08.08.1976
 

Film-Dokumentation 1992


Watt'n (ein Kartenspiel) oda Ois bren'ma nida, 29.01.1982, (1:09:26 Stunden)
 

 
Ungeschnittene Aufzeichnung. Mit Alexeij Sagerer (Der Unberechenbare), Franz Lenniger (Der Zufriedene), Werner Eckl (Der Reinliche), Cornelie Müller (Gesang), Walter Meier (Akkordeon) und Ulf Hahn (Technik) im HAI, Rosenheimer Str. 123, München.
 
 
(...) "Damals wart's euch no ned sicher, ob aus uns was wird", begrüßt proT-Hausherr Alexeij Sagerer die Kritiker, die, nach sechs Jahren wieder, zu seinem frühen Spiel "Watt'n (ein Kartenspiel) oda ois bren'ma nida" kamen. Neugierig und auch ein bißchen nostalgisch: die Wiederaufnahme (mit neuen Spielern) ist der pfiffige Abschied vom Kreativ-Keller in der Isabellastraße. (...)
Im proT gibt es, mit Grazie und Gebrüll getrippelt, gekeucht, gestampft und gewuchtet - ein riesiges Männer-Hahnenkampf-Ritual: "Watt'n", das bayerische Kraftmeierspiel, bei dem Schlachtgeschrei, List und Bündnispolitik fast wichtiger sind als das Blatt.
Sagerer hat das wie einen wüsten Spitzentanz à la Comic-strip choreographiert, (...)
Ingrid Seidenfaden, Abendzeitung, 06.12.1982
 
 
(...) Hinter "Watt'n" kritisch herzuschreiben, ist wie immer bei Sagerer: ein Trockenschwimmen. Es muß der (mißlingende) Versuch bleiben, einer anarchisch wuchernden Bilderflut theoretische Korsettstangen einzuziehen. Sagerers Theater ist halt ein Erlebnis, Punkt. Lebendiger findet sich's wohl zur Zeit nirgends in München. (...)
ROLF MAY, tz, 06.12.1982
 
 
(...) Daneben ist das Watt'n aber auch ein Ritual, fast wie ein Vespergottesdienst, ein Zeremoniell mit festen Vorschriften, und ob die Beichte oder eine Messerstecherei die Folge eines etwaigen Verstosses ist, bleibt sich wurscht. (...)
Werner, Blatt - Stadtzeitung für München, 10.-23.12.1982
 
 
(...) seit nunmehr dreizehn Jahren treibt dort (im proT) Alexeij Sagerer mit wunderbar seltsamen, bayerisch vertrackten Prozessionstheaterspielen und Comics seine "Freiheit der Kunst"-Provokationen. Mit der Wiederaufnahme von "Watt'n oda ois brenn'ma nida", einer seiner schönsten, wildesten und zeitlosesten Erfindungen, verabschieden sich Sagerer und seine Mitstreiter von Schwabing. Watt'n ist ein Kartenspiel, bei Sagerer wird es zu einem ver-rückten Kampf mit lauter bösen deutschen Geschichten. (...)
tsr, Süddeutsche Zeitung, 23.12.1982
 

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Rudolf Friedrich Pleuna