Kompaktbiographie


Alexeij Sagerer, proT
 
 
 
"Alle Theatermacher jammern dauernd, sie können es sich nicht leisten, unbekannte Autoren zu spielen. Ich spiele seit Jahren einen unbekannten Autor: mich!"
(Alexeij Sagerer, zitiert in PRINZ München, 10/95)

 
 
Programm Weiss (aktuelle Produktionsebene)
 
Am 17. Dezember 2005 beginnt Programm Weiss. Dies geschieht an einem verborgenen Ort mit der Produktion Die Geburtshütte. Der Plan., die "Reine Handlung" ist. Programm Weiss treibt das Theater in die Handlung selbst. Zu Kompositionen, die sich in einem Prozess selbst erkennen und verwirklichen. Zum Werden von Dunkelheit und Licht, Das OR-05 am 28. Januar 2006. Zu Abstand und Berührbarkeit, Reine Pornografie im Dezember 2006. Zu Rausch und Rauschen, Reines Trinken - Gottsuche am 21.-22. Juni 2008, Dauer 8 Stunden. "...'Reines Trinken' ist ein begehbarer Schöpfungsmythos, die Kantine der Genesis, ein Fest der Schönheit. Im Verschwinden aller zerebraler Niveauunterschiede liegt eine Utopie von einem neuen Menschen..." (SZ, 24.06.2008). Zu Wandlung und Deformation, Voressen am 12. Dezember 2009 und Weisses Fleisch am 25. Februar 2012. Zu Sterben und Lebendigkeit, Liebe mich! Wiederhole mich! im Februar 2016.
 
 
Alexeij Sagerer, proT (1944 / 1969 bis jetzt)
 
Alexeij Sagerer, geboren 1944 in Plattling, Niederbayern, u.a. Theatermacher, für ein Theater vor dem Theater, das weder durch Material noch als Medium zu definieren ist. Die Mutter aller Künste.
 
1969 gründet Alexeij Sagerer in München das proT (pronounce "proT" like the german word "Gott"), das er seither leitet. Er bezeichnet sein Theater als Comics, Prozessionstheater, Endlostheater oder Unmittelbares Theater oder ganz anders und kennt keine Grenzen zu Bildender Kunst, Musik und Film. Theater heute charakterisierte ihn als einen der letzten freien Radikalen, der nicht die Kalkulationen des Kulturbetriebs bedient sondern geradezu monomanisch seine selbstgesetzte Struktur verfolgt. 1987 wird er mit Küssende Fernseher zur documenta 8 in Kassel eingeladen. 1988 bekommt er den Ernst Hoferichter - Preis (erster Live-Auftritt der Sprechskulptur di dawisch i fei scho no). 1997 wird "Sagerer, berühmt und berüchtigt als bilderstürmender Titan" (Der Spiegel, 43/1994) mit dem Theaterpreis der Stadt München ausgezeichnet. 2003 ist er für drei Wochen in der Pinakothek der Moderne, München präsent. "Sein Live-Projekt birth of nature, star-gates löst den Raum im Unendlichen auf und nimmt den Zuschauer mit auf einen virtuellen Raumflug..." (SZ, 21. Oktober 2003). Im Oktober 2016 erscheint Alexeij Sagerer - Künstlerische Biografie von Ralph Hammerthaler im Verlag "Theater der Zeit".
 
 
Von Anfang an produziert Alexeij Sagerer auch Filme. Kurze und ganz kurze Filme wie Werbefilm für Tieger (1978), Filme aus der Theaterarbeit heraus wie Zahltag der Angst (1981), Spielfilme wie Krimi (1969) und Aumühle (1973), "ein äusserst beeindruckender Aussenseiter-Film - grauenvoll und poetisch zugleich." ("Der Abend", Berlin, 25.05.1974), Vorfilme wie Vorfilm für Voressen (2009) und unendliche Filme wie Der grösste Film aller Zeiten, der 1997 beginnt und dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Mit "Programm Weiss" entsteht "Unmittelbarer Film" wie Reine Pornografie (2006) und Liebe mich - wiederhole mich (2016). Am 26. April 2017 findet im RIO Filmpalast München die Premiere der digitalisierten Fassung von Aumühle statt.
 
Die am öftesten gezeigten Theaterproduktionen sind mit jeweils über 200 Aufführungen Gschaegn is gschaegn, Mund-Art-Comics, 1969 (u.a. Edinburgh Festival Fringe 1977: "Only an idiot could fail to admire the exquisite precision of the acting", The Scotsman, Thursday, September 1, 1977) und Watt'n (ein Kartenspiel) oda Ois bren'ma nida, 1974 (u.a. Festival "dani mladog teatra" Zagreb, 1974 / 1. Bonner Kunstwoche 1984), "Ein wirklich irrwitziger, ganz durchgeformter Theatertraum (...) gespielt mit einer an die Schmerzgrenze reichenden Eindringlichkeit", (Bonner Rundschau, 28. Sept. 1984). Bei oh, oh Maiandacht... (1987-1991) treffen in 5 Jahren mehr als 150 Künstler auf das proT. "Sagerer bringt die Stempen zum Schwingen, zerstört ein christliches Ritual, das Extase und Gewalt freisetzt und bekämpft seine Gäste (Schauspieler, Musiker, Maler, Videokünstler und Schriftsteller)." (Der Standard, Wien, 19./20. Mai 1990). Und zwischen dem Mundart-Comic Gschaegn is gschaegn (1969) und dem Trash-Comic Ein Gott Eine Frau Ein Dollar (2013), "Kein Wort wird gesprochen, es ist keines nötig, es herrscht eine atemberaubende Spannung, Begehren wie nur Sagerer es erschaffen kann." (SZ, 27. Februar 2013), liegen 44 Jahre.
 
 
 
Der Tieger von Äschnapur (1977-82 / 1985 / 1990)
 
Das erste Langzeitprojekt ist Der Tieger von Äschnapur, "radikales Total-Theater über das Theater" (SZ, 16.07.1979). Es dauert von 1977 bis 1982. Tieger Null, Eins, Zwei, Drei. Seine Wirkung reicht jedoch wenigstens bis 1985, zur Entstehung des VierVideoTurmes beim Konzert auf der Tiegerfarm und zu proT trifft Orff - wir gratulieren (Carmina Burana trifft den Tieger von Äschnapur), der bekanntesten proT-Produktion mit Tieren. "Fünf entzückende Schweine rüsseln, grunzen und schmatzen in der feinen Gasteig-Black-Box, sind in naturgemäßer Unschuld der Chor für eine unverschämt rissige Gratulations-Cour zu Carl Orffs 90. Geburtstag." (AZ, 12. Juli 1985). Die ersten Theaterarbeiten mit Video sind Münchner Volkstheater, 1980 (u.a. Ausstellung "Videoinstallationen Münchner Künstler", Künstlerwerkstätten Lothringer 13, 1981) und Zahltag der Angst, 1981 (der gleichnamige Videofilm aus Zahltag der Angst bei "Videokunst in Deutschland 1963 - 1982", Lenbachhaus München, Nationalgalerie Berlin, u.a., 1982), beides Vorwürfe auf Der Tieger von Äschnapur Unendlich. "Für sein Münchner Volkstheater hat er (Alexeij) sich in sein Video-Gerät zurückgezogen. Und vom Bildschirm aus (...) gibt er seinen Volksschauspielern seine Regieanweisungen zur Zerstörung der folkloristischen Klischees." (DIE ZEIT, 30. Mai 1980). 1985 gibt es die Tiegernacht als Teil der Alexeij Sagerer Retrospektive beim 7. Internationalen Theaterfestival München und am 05. Juli 1990 lässt er sich im Kunstverein München mit Zahltag der Angst: heute für jeden Besucher eine Ampulle Blut abzapfen. 1992 übernimmt das Nibelungen & Deutschlandprojekt den VierVideoTurm als Theatermaschine.
 
 
Nibelungen & Deutschland Projekt (1992-98)
 
Mit Das Ende vom Lied geht die Wende hoch (1998, Kulturzentrum Einstein, München / Staatstheater Hannover, "Autorentheatertage '99") ist "der ambitionierteste und tollkühnste aller Münchener Theaterträume vollendet: Jenes Nibelungen & Deutschlandprojekt, mit dem uns Sagerer fast die ganzen neunziger Jahre lang in Atem gehalten hat" (SZ, Silvester 1998), eine Komposition von 11 Produktionen in 4 Horizontalen und 3 Vertikalen. Mit Siegfrieds Wald- und Drachenkämpfen, Der Nibelung am VierVideoTurm (1991, proT-ZEIT), mit Siegfried in familiären und gesellschaftlichen Verwicklungen Göttin, Ärztin, Braut und Ziege (1992, proT-ZEIT), Trommeln in Strömen (1992, Künstlerwerkstatt Lothringer Strasse) und Mein Trost ist fürchterlich (1993, proT-ZEIT), mit Siegfrieds Tod (1993, Muffathalle München) und Recken bis zum Verrecken (1994, proT-ZEIT). Der Untergang der Nibelungen, synchronisiert durch die Videos 7 Deutsche Himmelsrichtungen (Tunesien, Normandie, Kreta, Narvik, Sankt Petersburg, Stalingrad und die Krim) führt 1995 zur Götterdämmerung und damit zur ersten Zusammenarbeit vom "Superstar der freien deutschen Theater, Alexeij Sagerer" (FAZ, 04.10.1995) mit dem Bayerischen Staatsschauspiel / Marstall. Die 28-stündige Theaterexpedition ....und morgen die ganze Welt (SPIEL.ART München, 1997) signalisiert das Ende des Nibelungen & Deutschland Projektes und gleichzeitig den Beginn von Operation Raumschiff.
 
 
 
Operation Raumschiff (OR) (1997-2005)
 
OR arbeitet mit simultanen theatralen Ereignissen, wobei die Simultaneität weit auseinander liegender Räume über das Internet hergestellt wird, das dabei selbst ein theatraler Raum ist. Von Anfang an ist es so, als würde OR sich dabei beobachten, wie es sich selbst erfindet. Und es scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen, wo OR seine theatralen Flüge startet, ob in der Muffathalle (Ungleich München, 2001), im Tierpark Hellabrunn, München / im Museum für Kommunikation, Berlin (birth of nature, Geisterraumschiffe, 2003), in der Reaktorhalle München / an einem Verborgenen Ort in Niederbayern (Monster-Idyllen, 2004) oder ob Tarzan, Jane und Establishment oder die Zeit (Die Fahrt an Bord der kleinen Raumschiffe - während der 31.Dezember 1999 zum 1.Januar 2000 wird, 1999/2000), der Tod (Geklonter Tod, 2005) oder was auch immer mit an Bord genommen wird - das Projekt erklärt sich gewissermassen sich selbst.
 
Am 17. Dezember 2005 entschlüpft aus Operation Raumschiff die selbstständige Kompositionsebene Programm Weiss. Mit ....und morgen die ganze Welt, OR und Programm Weiss entsteht auch Der grösste Film aller Zeiten. Seit dem 24.02.2016, 22:21:10 Uhr dauert Der grösste Film aller Zeiten 82:02:32 Stunden.
 
 
 

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